Tatort mit Til

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Ich lese gerade auf SPON, dass der gestrige Tatort mit Til Schweiger auf Twitter mal wieder hohe Wellen geschlagen hat. Dass es Resonanz gab und zwar tlw. auch negative. Insgesamt ist es wohl der zweite Tatort mit Til , ich hab davon beide gesehen und will mal ein vorläufiges Fazit dazu posten.

Wenn ich mich auf wenige Sätze beschränken müsste, dann vielleicht so etwas wie „Endlich mal wieder ein Tatort mit Action“.

Die Tatorts der letzten Jahre haben mich nämlich einfach nur noch enttäuscht. Vor ein paar Jahren (2000-2004) konnte man die Sendungen noch gut anschauen, es gab Spannung, es gab Biss, es gab gute Kommentare, der Zuschauer konnte mitfiebern. Es wurde dann aber immer schlimmer: Entweder hoffnungslos albern, ein Theater-Stückchen ohne jeglichen Krimi-Anspruch, das vermeintlich lustig sein sollte, mir aber nur ein Gähnen entlockt hat. Und dann immer diese vielen Nebengeschichten! Immer dieses deutsche, traurige, bedeutungsschwangere, problembehaftete. Immer Leute mit Problemen. Immer alles ganz tragisch. Nie lustig. Ständig wird gestritten! Nie hat jemand Zeit. Alle Figuren zum Ausstanzen und Austauschen. Und wenn sie mal wirklich neu und aufregend waren, dann wurden sie so schrill, dass sie einfach nicht mehr in die Reihe passten (z.B. Tatort aus Münster).

Die Deutschen können irgendwie nicht anders, als sich Sorgen machen oder über Probleme reden. Gerade diese privaten Erzählstränge wurden oft derart ausgeweitet, dass die eigentliche Krimi-Handlung auf der Strecke blieb. Auch wird – meiner Meinung nach- der Markenkern der Serie verwässert, indem man ständig andere Kommissare sieht und aus anderen Städten berichtet. Heute Münster, morgen Hamburg, dann Leipzig, Ludwigshafen (das aber selten in Ludwigshafen gedreht wird und das Pfälzisch klingt auch etwas aufgesetzt), dann wieder Köln, München, usw.

Was macht denn einen guten Tatort noch aus? Gute deutsche Krimiserien waren z.B. Schimanski, Peter Strohm oder „Die Kommissarin“. Einfach, weil es um einen guten Kommissar und eine knackige Handlung ging. Eine Stadt. Weil Action und Handlung enthalten waren und der Fall an sich mitgerissen hat.

Mit der Tatort-Serie will man viel, will alle glücklich machen und erreicht irgendwie doch keinen. Zuviel Mainstream, zuviel Masse, zu deutsch.

Die Tatorts mit Til haben einen guten Gegenimpuls gesetzt: Endlich wieder ein Chef-Ermittler, der Ecken und Kanten hat. Nicht unbedingt symphatisch, aber das muss er auch nicht. Aber er ist ein Charakter, ähnlich wie Schimanski. Er traut sich auch mal ein Schimpfwort zu sagen. Er packt zu. Er geht unorthodoxe Wege. Er benutzt seine Pistole (oh nein, aber was ist mit dem deutschen Waffenrecht? darf er das überhaupt? ). Tatort ist ja nicht Realität, Tatort ist Kunst. Ein Krimi. Etwas fiktives. Also darf man auch durchaus mal künstlerische Wege gehen.

Der Tatort mit Til verkörpert all das, was den anderen Tatorts irgendwie gefehlt hat. Die klassischen Muster sind ja so: Der Täter ist unbekannt, alle möglichen Leute werden befragt. Die haben meistens Ressentiments gegen die Ermittler und sind abweisend. Irgendeiner (meistens unsymphatischer Unternehmer oder Anwalt) zieht alle Verdächtigungen auf sich, die Ermittler sind kurz vorm Zugriff oder haben ihn schon in Untersuchungs-Haft. Kurz vor Schluss entdeckt man dann, dass es doch ein anderer war, es kommt zum Show-Down, ein kleines Scharmützel, oder – oh nein- er will vom Dach springen, und Abspann. Dann kommt eine Talk-Sendung und die Tagesthemen. Gähn. Langweilig, alles so vorhersehbar, wo bleibt die Freiheit, wo die Kreativität?

Der gestrige Tatort war auf jeden Fall unvorhersehbar. Die Handlung war zwar nicht berauschend und die deutschen Regisseure sollten sich mal amerikanische Serien anschauen und etwas über modernes Story-Writing lernen. Die meisten amerikanischen Serien beherrschen das nämlich mittlerweile alle viel besser (z.B. Lost, Breaking Bad).

Aber es war immerhin mal ein Anfang. Kritikpunkt: Die Gewalt und die Action wirkten etwas zu sehr aufgesetzt. Das ist jetzt fast wieder der umgekehrte Weg: Man will unbedingt ein „Action-Held“ Schweiger etablieren, komme was wolle. Er liegt verletzt im Krankenhaus und drei Leute vom LKA bewachen ihn? Komm dann schick doch die Mafia rein und lass alle abknallen! Und wenn die erste Welle überrumpelt worden ist (dann zupackender LKA-Beamtin! Yeah modernes Frauenbild. Sie beschützt ihn!) dann schick noch ne Welle rein, diesmal mit Schrotflinten und noch schlechter gepflegterem Gesichtshaar… dann merkt Schweiger plötzlich, dass er ja doch wieder laufen kann.. und humpelt schnell mal davon.

Dann hatten wir noch das typische Opfer. Die einsame, geprellte Frau, die auf ihren Liebhaber wartet und gerade am Wein rumspielt, als es klingelt. Herein kommt der Mafiosi und poliert ihr die Fresse.. das war´s dann erstmal mit dem schönen Abend . Weitere Auftritte der -an sich guten Schauspielerin- beschränkten sich dann auf weinerliches im Bett- rumliegen und das typische weibliche Gewalt- Opfer abgeben. Okay, ganz nett, aber wieder etwas zu übertrieben und klischeehaft. Sie hätte sich ja auch zu Wehr setzen können… und gerade als sie ihren Gegenüber am Wickel hat, kommt Til reinspaziert und lässt einen coolen Spruch los…

Der kleine Junge: Die bösen Gangster verführen ihn, drücken ihm eine Knarre in die Hand und wittern schon eine große Nachwuchschance. Und er, macht auch noch mit, ey! Aber Til wird das verhindern, ey.

Dann die Szene am Containerhafen in Hamburg: Ganz nett, aber irgendwie hab ich die Handlung nicht verstanden. Warum hängt der Container da in der Luft? Und warum ist da plötzlich eine Geisel in dem anderen Container??

Und warum klettert der eine drauf und dreht sich auf den Kopf und lässt den anderen quatschen und sich dann noch erschießen? Das war etwas wirr, hier hätte man die Story noch besser ausarbeiten können…

Aber insgesamt… eigentlich ein ganz guter Tatort und der richtige Weg. Etwas weniger Schimpfworte bitte das nächste Mal (es könnten ja auch Kinder mitschauen und durch Schimpfworte wird ein Held nicht cooler, er benutzt nur einfach mehr Schimpfworte, verflucht noch mal)… die Action noch besser in die Handlung integrieren… die Handlung generell noch verbessern und auch durch innere Dramatik mehr Nervenkitzel aufbauen..

Dann könnte das, ein richtig guter Tatort werden!

ps: Untertitel gibt´s auf Videotext Seite 150 😉

 

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3 Gedanken zu „Tatort mit Til“

  1. Til ist die deutsche Antwort auf Arnold Schwarzenegger. unkaputtbar. Da kann ein Messer im Bein stecken und er rennt dennoch bessere Zeiten als Usain Bolt.

    Aber lieber so – da stimme ich zu – als diese leidvollen Milieustudien wo der Krimi nur schnödes Randwerk ist um möglichst viel Gesellschaftskritik unterzubringen.

    Neben den oft gähnend langweiligen Geschichten stößt mir mittlerweile aber ebenso sehr die Tatsache auf, dass es in Deutschland anscheinend nur 9 oder 10 Schauspieler gibt. Egal was man schaut, gestern hat man die selben Gesichter schon gesehen.

  2. Schön, dass es noch jemanden gibt, der das auch so sieht. 😉

    Gesellschaftskritik ist ja an sich nichts schlimmes und ich hab auch nix dagegen. Aber man sollte dabei den Krimi nicht vergessen, denn das ist eigentlich der Grund, warum man einschaltet. (oder in meinem Fall: immer seltener den Tatort einschaltet).

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