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Die heiligen drei Tage – Frohe Weihnachten

Immer noch Weihnachten!

Drei Tage lang. 😉 Soviel braucht es, um in unserer hektischen Welt mal wirklich runter zu kommen.

Dieses Weihnachten war besonders. Es war das erste Weihnachten, dass sich nicht bunt und kitschig, sondern irgendwie „wichtig“ angefĂŒhlt hat. Vor dem Hintergrund aller Krisen und vor dem Hintergrund von ganz persönlichen Krisen.

Der Wert von Weihnachten ist mir dieses Jahr stÀrker im Bewusstsein gewesen als sonst.

NatĂŒrlich war es wieder ĂŒberaus materiell und hektisch. So wie jedes Jahr.

Fast niemand kann sich davon entziehen. Von den „offenen BĂŒchern und Rechnungen“ die noch abgeschlossen werden mĂŒssen, vom „WeihnachtsgeschĂ€ft“, der „wichtigsten Zeit fĂŒr den Einzelhandel“, welches noch unbedingt eingebracht werden muss und vor den „familiĂ€ren und praktischen Verpflichtungen“, die nicht nur klassische Hausfrauen treffen.

Mein Eindruck: Es war das erste Weihnachten, wo die Leute wieder Lust hatten, aufeinander zu zu gehen, wo wir den Wert der menschlichen Verbindungen stĂ€rker als sonst gespĂŒrt haben. Mir ist das aufgefallen, bei anderen, aber auch bei mir. Zwei Jahre Corona sind vorbei, wir sind im dritten Jahr, vielleicht dem „Übergangsjahr“ zum normalen Leben vor der Corona-Krise, dass immer weiter schemenhaft in Vergessenheit gerĂ€t.

NatĂŒrlich kommen jetzt die großen Wellen hinterher geschoben, die da heißen: Krieg, Inflation, Wirtschaftskrise, Lieferschwierigkeiten. Heutzutage hĂ€ngt alles miteinander zusammen. Die Krisen erschĂŒttern uns wie große Wellen auf dem Meer. Aber so groß sie auch sein mögen- wir wissen, dass sie eines Tages vorbei sind und dass dann wieder die Sonne scheinen und das Meer ganz ruhig sein wird.

Nicht jeden konnte ich dieses Jahr erreichen. Es gab auch Menschen, die haben sich ganz bewusst zurĂŒck gezogen. Von mir, von anderen, vom Leben allgemein. Die den Krisen nicht mehr standhalten konnten. Die gesagt haben „jetzt reicht es mir“, ich brauche eine VerĂ€nderung.

Das muss man akzeptieren.

Oft ist man geschockt, wenn ein nahestehender Mensch „einfach verschwindet“ oder die Freundschaft aufkĂŒndigt. Es erscheint so leicht in dieser Zeit der digitalen Medien, wo „die anderen“ millionenfach zur VerfĂŒgung stehen und auf Knopfdruck in unser Leben treten können. Aber treten sie wirklich in unser Leben? Ich entscheide doch meistens selbst, wie weit sie kommen können. Bei menschlichen Beziehungen gibt es mehrere Schichten, durch die man erstmal durchkommen muss. Es gibt die Ă€ußere Schicht- man sieht sich. Oder die zweite Schicht, in der man sich grĂŒĂŸt. Es gibt die dritte Schicht, wo man sich fragt, wie es dem anderen geht- selbst das scheint in dieser kurzlebigen Welt schon eine besondere Art von Beziehung zu sein.

Aber die hunderste Schicht, die oftmals erst nach dutzenden Telefonaten, nach gemeinsamen Treffen, nach gemeinsamen TrĂ€nen, nach Entfremdung und Wieder-AnnĂ€herung entsteht, das ist die Ebene des Vertrauens. Diese erreicht man nicht so leicht und schon gar nicht mit „vielen Menschen“. Doch wenn man einen einzigen Menschen gefunden hat, dem man wirklich vertrauen kann, bei dem man bereit ist, alles zu sagen und alles zu zu geben, dann ist das viel. Mir ist es immer wichtig im Leben, solche Menschen zu gewinnen und ich arbeite fast tĂ€glich daran, aber ich scheitere auch mind. genauso hĂ€ufig daran. Denn Beziehungen sind Wechselwirkungen. Sie entstehen erst im „Nehmen und Geben“- im Miteinander, wie in einer gemeinsamen Sinfonie, einem gemeinsam einstudierten MusikstĂŒck, wo es gerade am Anfang viele Disharmonien und viele „Fehler“ geben kann. Beziehungen sind Arbeit und sie benötigen neben einem hohen Einsatz, Durchhaltevermögen, Talent und Übung.

Menschliche Beziehungen sind aber noch viel mehr. Sie gelingen hĂ€ufig erst dann, wenn ich auch bereit bin, mich selbst zu Ă€ndern. Wenn ich mich öffnen, einbringen, vertrauen und ĂŒberhaupt „Zeit aufbringen“ kann.

Zeit ist so kostbar geworden – denn von ĂŒberall gibt es ZeitrĂ€uber, die darauf erpicht sind, uns Zeit zu stehlen. Wir werden erschlagen von einer Flut von Ablenkungen. Die meisten sind negativer Natur und lenken uns ab. Sie sollen uns die Zeit vertreiben, aber sie vertreiben eigentlich nur „das Wesentliche“ aus unserem Leben. Das Smartphone, der Computer, die sozialen Netzwerke, die ganzen Flatrates mit Filmen, Spielen und die riesige Welt-Bibliothek, die uns mit dem Internet allen offen steht. NatĂŒrlich ist es reizvoll, so eine Flut an EindrĂŒcken zu erhalten und die menschliche Neugierde und der Wunsch nach Weiterentwicklung wird angesprochen. Aber können wir auch wirklich alles verarbeiten?

ÜBERALL stehen heute Ablenkungen, zusĂ€tzlich geschickt gesteuert von Algorithmen, die uns fesseln und an das Netzwerk binden sollen-  und angesichts der Flut des medialen Druckes, der auf uns einprasselt, verlieren wir völlig den Überblick. Wir können nicht mehr sortieren und wir können uns nicht mehr davor schĂŒtzen. Es ist einfach zuviel geworden. Genau wie die Summe der Nachrichten aus aller Welt- all die Informationen, die fĂŒr uns eigentlich nicht wichtig sind, aber dennoch ultra-prĂ€sent.

Es ist kein Wunder, dass bei der Flut der EindrĂŒcke das Wesentliche, nĂ€mlich die Mitmenschlichkeit und die Konzentration auf einige wenige Menschen, die uns wichtig sind, völlig aus dem Blick geraten.

Weihnachten war und ist fĂŒr mich daher immer das Fest, welches genau das wieder ins Bewusstsein ruft. Wie wichtig es ist, mal ein paar Stunden mit der Familie zu verbringen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die GeschĂ€fte fĂŒr ein paar Tage ruhen zu lassen, die endlose BeschĂ€ftigung mit den Zahlen und dem Geld, die wie ein endloses Brettspiel „um nichts“ wirken, mal beiseite zu lassen. Bewusst den Fernseher auslassen und die Menschen „anschalten“. Man sollte versuchen die Leute „anzuschalten“ mit Liebe, mit Begegnung, mit netten Worten und dem Versuch, sie wenigstens zu verstehen. Es erwartet nun keiner von uns, dass wir sofort alle Menschen verstehen oder sofort mit jedem gut können. Aber allein, dass wir wieder das Thema „Mensch“ und „Beziehungen“ fĂŒr eine Weile in unser Leben lassen- ihm Raum und Zeit geben- dass ist fĂŒr mich die heilige Botschaft von Weihnachten, die auch ohne christlichen Glauben wichtig ist und verstanden wird.

Der Tempel des Konsums

und der digitalen Wandlung

Gestern ging es mal wieder durch den Supermarkt. An der EingangstĂŒr erwartete mich bereits ein riesiger, fertig geschmĂŒckter Weihnachtsbaum und noch eine dekorative Reihe aus kleinen BĂ€umen, die mit etwas kitschigen, roten und gelben Glitzergeschenken behĂ€ngt waren. Verwundert musste ich mir die Augen reiben. „Hab ich mich etwa im Monat geirrt? Ich hab doch noch gar keine Geschenke.“ Weihnachten wurde von mir noch erfolgreich verdrĂ€ngt. Gerade dieses Jahr hatte ich mir eigentlich vorgenommen, den Stress und die Geschenkezahl deutlich zu reduzieren und die Adventszeit endlich mal zu genießen! ((wie eigentlich erfolglos jedes Jahr))

Aber in den SupermĂ€rkten geht mir das oft so, denn hier ist der Einzelhandel seiner Zeit mal wieder weit voraus. Ich gehe noch etwas weiter und betrete die heiligen Hallen des Konsums. Auf der „gesonderten VerkaufsflĂ€che“, die den Besucher auf ca. 100 qm immer als erstes empfĂ€ngt, geht es munter weiter mit Geschenkpapier, Geschenkverpackungen, Weihnachtsaufklebern, Weihnachtsschmuck und kleineren, fertigen PrĂ€senten, wie z.B. Packungen mit ParfĂŒm oder Spielsachen fĂŒr Kinder. Ich gucke nur kurz drĂŒber, muss innerlich die Nase rĂŒmpfen und entscheide mich gegen den Aufruf zum Konsum. Wobei ich auch zugeben muss, dass die Verlockung groß ist. Allein dadurch, dass das Angebot bereit gestellt wird, wird man nĂ€mlich daran erinnert, dass da doch demnĂ€chst ein großes Fest kommt und man sich bitte darauf vorzubereiten hat. Es ist in Deutschland unmöglich, nicht daran zu denken. Weihnachten ist also so etwas wie politischer Mainstream, den man einfach zu ĂŒbernehmen hat. Nur, dass der Mainstream diesmal nicht von den Politikern oder Kirchen, sondern allein vom Wirtschaftswesen und den Unternehmenschefs gesteuert wird. Mir wĂ€re es wohler, wenn ich durch die Radioansprache eines berĂŒhmten Intellektuellen oder eines Kirchenvertreters an Weihnachten erinnert werde. Damit verbunden, die Ansprache zur inneren Wandlung, zur inneren Verantwortung und dass mal wieder jemand daran erinnert, welche Werte im Leben wirklich wichtig sind: MitgefĂŒhl, Altruismus, Toleranz, Demokratie.
Aber gut, ich bin auch selbst schuld, denn sobald ich mich durch die Hallen eines „Konsumtempels“ bewege, muss ich natĂŒrlich damit rechnen, dass hier nicht „Liebe“, sondern „Konsum“ gepredigt wird. Wenn ich in einer Kirche sitze, erwarte ich ja auch nicht, dass man mir GesangsbĂŒcher oder Geschenkgutscheine verkauft.

Also wird der Einkauf in gewohnter Manier fortgefĂŒhrt. An den Kassen komme ich nochmal ins GrĂŒbeln. Es gibt hier fast 20 einzelne Kassen-Slots.. vor kurzem wurde diese komplett renoviert und mit neuster Technik ausgestattet. Es sieht auf den ersten Blick moderner und chicer aus. Der Kunde hat noch ein extra Display, das klarer und heller ist. Die Kassenautomaten sind insgesamt kleiner und noch „smarter“ geworden. FĂŒr die Zigaretten gibt es nun einen Automat mit Touchscreen. Man kann sogar berĂŒhrungslos bezahlen.
Die wahre Motivation erkennt man aber erst, wenn man genauer hinschaut. Die BĂ€nder sind wieder etwas kĂŒrzer und kleiner geworden, was den Stress beim Rauflegen erhöht, außerdem hat man den ĂŒppigen Platz an der „Auslaufzone“ etwas verkleinert, so dass es jetzt noch schwieriger wird, den Einkaufswagen zu drehen. DafĂŒr wurde der Verkaufsbereich links und rechts der BĂ€nder nochmal vergrĂ¶ĂŸert. Das (anscheinend) sehr lukrative Sortiment aus Wodka-Flaschen, KrĂ€uterschnaps, Hustenbonbons, Kinder-Spielzeug und Schokolade ist jetzt noch prominenter geworden. Dabei kaufe ich dort aus Prinzip nicht! Mir ist schonmal aufgefallen, dass hier die Preise sogar gesondert berechnet werden. (Batterien im Markt sind gĂŒnstiger, an der Kasse zahle ich drauf) Außerdem werden immer ganz kleine Packungen hingestellt, was wiederum mehr Verpackung und teurer Verkaufspreis bedeutet.

Warum fragt man bei all diesen Umbauaktionen eigentlich nie den Kunden? Warum wird immer alles von oben herab entschieden? Warum gibt es nie Demokratie in den kleinen Dingen des Lebens? Ich bin gezwungen, mich in das System Einkauf einzufĂŒgen, ob ich will oder nicht.

Beim GesprĂ€ch mit der VerkĂ€uferin habe ich sogar erfahren, dass die VerkĂ€uferinnen das System selbst nicht gut finden. Die Kassenautomaten wurden nĂ€mlich mal nach links und mal nach rechts ausgerichtet, so konnte man die BĂ€nder-Zone noch vergrĂ¶ĂŸern und den Platz optimal ausnutzen. RechtshĂ€nderinnen haben aber nun massive Probleme, weil die Kassen tlw. fĂŒr LinkshĂ€nder ausgerichtet sind. D.h. sie mĂŒssen den ganzen Tag vor einer „falschen Kasse“ sitzen und die Arbeit quasi mit der nicht-dominanten GehirnhĂ€lfte aus delegieren. Warum sagt eigentlich da der Arbeitsschutz und die Gewerkschaft nichts? Gibt es solche VerbĂ€nde eigentlich ĂŒberhaupt noch? Auch als Kundin kann ich nichts machen, ich muss das ganze so akzeptieren oder woanders einkaufen gehen. Der einzige Ausweg, der noch bleibt, ist eine Protestmail an die Unternehmensleitung.

Es gibt jetzt mehr BĂ€nder und Einkaufsslots, aber mir ist auch aufgefallen, dass seit der Umstrukturierung teils weniger Kassen geöffnet sind. Dieser Supermarkt hatte sich immer dadurch ausgezeichnet, dass viel Personal eingestellt war und man an den Kassen so gut wie nie warten musste. Das war ein Grund, warum das mein Lieblingssupermarkt wurde. Jetzt fĂ€llt mir auf, dass an bestimmten Flaute-Tagen (z.B. Donnerstag) die Anzahl geöffneter Kassen deutlich zurĂŒckgefahren wurde.

Ich schaue mir die Frauen mittleren Alters genauer an. Ich stelle mir vor, wie sie zu Hause MĂ€nner haben, die LKW fahren oder Handwerker sind und darauf angewiesen sind, ein zweites Einkommen zu haben. Plötzlich sagt mein Mann (der immer mit anderen Augen durch den Supermarkt geht als ich) das Stichwort „Automatisierung“ und dass diese ArbeitsplĂ€tze in den nĂ€chsten Jahren auch wegfallen könnten. Mir fĂ€llt es wie Schuppen von den Augen! Er hat recht. Das sind die ersten ArbeitsplĂ€tze, die dran glauben mĂŒssen. Die Arbeit ist nĂ€mlich schon jetzt hochautomatisiert und digitalisiert. Auf jedem Produkt klebt ein Barcode, die Waren mĂŒssen nur ĂŒber den Scanner gezogen werden. Alle Preise werden vom Warenwirtschaftssystem verwaltet und können von der GeschĂ€ftleitung kurzfristig angepasst werden (Ă€hnlich wie bei den Benzinpreisen). Was spricht denn dagegen, die Kassen in nĂ€chster Zeit auf „Selbstscanner“ umzurĂŒsten? Der Kunde könnte selbst scannen und an der Kasse mĂŒsste nur noch eine Person stehen, die alles ĂŒberwacht. Das gibt es ja z.B. in der „Metro“ schon. Oder man denkt sich neue technische Lösungen aus, z.B. ein Einkaufswagen, in dem man die Waren reintut, die sich dann selbst (z.B. mit RFID-Chip) melden und dann nicht mehr entnommen werden können, bis der Kunde an der Kasse das Schloss wieder freischaltet.

Ich schaue mir die anderen, vielen Menschen an, die anscheinend alle sehr glĂŒcklich sind, in diesem Supermarkt einen Job zu haben. Sie fahren die Paletten durch die GĂ€nge und rĂ€umen die Regale ein. An einem durchschnittlichen Einkaufstag komme ich meistens auf 10 VerkĂ€ufer und VerkĂ€uferinnen. Auch diese können durch „Industrie 4.0“ und Vollautomatisierung ersetzt werden. Roboter fĂŒr Regale oder vollautomatisierte Lagersysteme gibt es ja jetzt schon. Vielleicht kreuzt mir beim Einkaufen demnĂ€chst ein kleiner Roboter den Weg, der mit Hilfe von kĂŒnstlicher Intelligenz und GPS das gewĂŒnschte Regal ansteuert und dort alles ablegt?

Was wird dann mit den Menschen, die jetzt froh sind, einen Job zu haben? Die bei der Programmierung der neuen Roboter vermutlich nicht dabei sein werden und die auch keinen Supermarkt geerbt haben?

Zugegeben- bei allem Optimismus ĂŒber die schöne neue Welt- ist das eine Vorstellung, die mir Sorgen macht. Wenn man Populismus und extreme Wahlentscheidungen in Zukunft vermeiden möchte, muss man solche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen erkennen und Lösungen dafĂŒr erarbeiten. Beim Supermarkt-Beispiel gibt es dafĂŒr verschiedene AnsĂ€tze: Z.B. mĂŒssten die Löhne deutlich steigen, so dass Familien nicht unbedingt auf zwei Einkommen angewiesen sind. Auch die steuerliche Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen wĂ€re dringend notwendig. Gewinne, die aus der höheren ProduktivitĂ€t und den technischen Fortschritten entstehen, mĂŒssten direkt an die Menschen und Arbeitnehmer weitergegeben werden. Es werden in Zukunft mehr Arbeiten durch Maschinen und Roboter erledigt, der Faktor Mensch kommt immer weniger vor. Also wĂ€re auch eine „Maschinensteuer“ denkbar.
Und es mĂŒsste mehr fĂŒr Bildung in der Breite getan werden. Entwicklungen wie „Industrie 4.0“, ElektromobilitĂ€t und Digitalisierung dĂŒrfen nicht verschlafen oder verdrĂ€ngt werden. Die Industrie (und die Politik) muss wettbewerbsfĂ€hig bleiben, sich auf neue Entwicklungen rechtzeitig einstellen und auch dafĂŒr sorgen, dass sie FachkrĂ€fte ausbildet und die Menschen bei diesem Wandel mitnimmt.

Jahresendtext

Ich wĂŒnsche allen Leserinnen und Lesern des J.A. Blogs fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch in das Neue Jahr! Vielen Dank fĂŒrs Lesen und Kommentieren und ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.

Passender Song: Wolke 4 von Marv & Philipp Dittberner

Jahresendspurt! Die Ereignisse ĂŒberschlagen sich mal wieder und ich tippe immer noch auf meiner neuen/ alten Tastatur.
Soviele Dinge sind passiert, dass ich nicht sagen könnte, wo ich eigentlich anfangen soll. Nimmt man noch den Filter „nichts privates“ dazu und stĂŒlpt ihn ĂŒber die Kamera-Linse, bleibt das Bild sowieso nur schwarz. Egal, eine Zusammenfassung muss trotzdem sein, oder wenigstens nur eine Momentaufnahme, ein Zwischenfazit, ein „snapshot“ aus dem Leben. Ja, mein Leben, was passiert denn gerade so mit Dir? Komm mit und lass uns mal schnell ein Selfie machen:

Im Großen und kleinen haben sich Dinge und PrioritĂ€ten verschoben und oft hatte ich das GefĂŒhl „ja, das passiert jetzt so“… aber wirklich aufhalten oder Ă€ndern konnte ich es eigentlich nicht. Das ist erstaunlich, lebt man doch in einer sehr freien Welt, in einer „freien Marktwirtschaft“ und mit dem aufgeklĂ€rten „freien Willen“, der nur „aus der Vernunft heraus“ agieren vermag, stellen wir uns oft vor, dass wir völlig frei sind und dem Wandel nicht unterworfen. Und doch stellt sich am Jahresende heraus „huch, ich hab wieder sehr viel fĂŒr andere, aber nix fĂŒr mich gemacht“ oder „die großen PrioritĂ€ten des Lebens, die großen Ziele wurden nicht erreicht“, dafĂŒr viele kleine Zwischenziele. Und das große Ganze? Kommt viel zu oft aus dem Blickfeld.
Dazu die Prozesse des Alterns, die anscheinend ganz von selbst innere Schwerpunkte, Vorlieben und Leidenschaften verschieben. So dass es mir z.B. ĂŒberhaupt nicht leid tut, wenn ich nicht stĂ€ndig auf Facebook/Twitter aktiv war und dort meine Zeit vertrödelt habe und auch ĂŒber die eine oder andere entgangene Party keine TrĂ€ne vergieße (genau genommen, war dieses Jahr fast ganz ohne Feste oder feierliche Höhepunkte, bis auf die ĂŒbliche Handvoll Einladungen zu Hochzeiten oder Geburtstagen). Aber Feiern bis in die Nacht? Unrealistische TrĂ€ume trĂ€umen? Sich die Welt kunterbunt malen und doch nie in der RealitĂ€t ankommen? Mir scheint, diese Zeiten sind so unendlich weit weg. Stattdessen stehen jetzt andere Dinge auf dem Programm. Dinge, die Ende 30 nunmal wichtig werden: Familie, StabilitĂ€t, ZuverlĂ€ssigkeit, finanzielle UnabhĂ€ngigkeit, Reisen.. auch mit dem einen Auge wird schon auf die Rente geschaut, denn die schlechten Nachrichten aus dem deutschen Polit-und Gesellschaftsumfeld scheinen nicht abzureißen. Was ist da noch sicher? Worauf kann man sich noch verlassen? Die Russen vor der TĂŒr mit ihren Manövern, die „AuslĂ€nderproblematik“, der demografische Wandel und der unsichere Euro. Die „Germans“ sind von Angst und Unsicherheit umgeben und das, wo sie die Sicherheit und Planbarkeit doch so lieben. Was auch erklĂ€rt, warum Bewegungen wie „Pegida“ so erfolgreich sind. Wo wir doch alle meinten, die braune Gefahr in der bĂŒrgerlichen Mitte sei lĂ€ngst ĂŒberwunden… Angst und Ressentiments sind aber die denkbar schlechteste Reaktion auf VerĂ€nderungen. Eigene Anpassung und FlexibilitĂ€t scheinen mir besser zu sein (zugegeben, aber auch deutlich schwerer umzusetzen).

FĂŒr grĂ¶ĂŸere, kreative Projekte ist mir dies Jahr nicht soviel Zeit geblieben. Das Blog z.B. : Dieses Jahr hat es sehr gelitten, weil ich soviele andere Ideen und PlĂ€ne hatte und auch viel auf Reisen war. Ich hatte mehr Lust, im Äußeren was zu verĂ€ndern, als immer nur im Inneren zu verharren und die Impressionen des Lebens wie ein Memory-Spiel tausendmal umzudrehen. Da es diesmal fast nur GeschĂ€ftsreisen und keine Privatreisen waren, mussten sie jeweils gut vorbereitet und nachbereitet werden. Kaum war eine Reise vorbei, folgte auch schon die nĂ€chste. In den Reiseberichten kam das etwas zum Ausdruck. Auf dem Zettel standen vor allem Frankreich, DĂ€nemark und Belgien. Alles LĂ€nder, die ich kaum kannte, die mich aber alle auf ihre Art beeindruckt haben. Und ich hab Blut geleckt! Ich will noch mehr sehen. Das Reisen rĂŒckt den eigenen Kompass und die – manchmal starre- Weltanschauung zurecht.

Der Zeitrahmen fĂŒr das intensive Bloggen war daher auch das erste, was abgeschnitten und anderswo zugeteilt wurde. Ja, ich muss es zugeben: Das Blog ist eben nur ein Hobby, Geld wird damit nicht verdient, es ist „freie Kunst“ und die leidet am ehsten, ordnet man sie den ĂŒbrigen Pflichten des Alltags unter. Und wenn ich das Blog nicht pflege, mich nicht aktiv vernetze, kommen auch nicht soviele aktive LeserInnen und Kommentare. Dennoch sehe ich an den Suchergebnissen, dass die Leute durchaus mit der Suchmaschine hier landen und ganz gezielte Antworten auf bestimmte Fragen bekommen. Das freut mich irgendwie, leistet so das Blog auch seinen Dienst, wenn ich nicht stĂ€ndig davor sitze und neue Texte produziere.

„Jahresendtext“ weiterlesen

Weihnachtsmarkt – Bericht und Empfehlungen

Weihnachtsbaum im Levantehaus
Weihnachtsbaum im Levantehaus

„Die Deutschen lieben WeihnachtsmĂ€rkte“ habe ich letztens irgendwo gelesen.
So ging es mir dieses Jahr auch, es war irgendwie das Jahr der WeihnachtsmĂ€rkte. GemĂŒtlich mit Freunden zusammenstehen und GlĂŒhwein trinken, kulinarische GenĂŒsse an allen Enden, weihnachtliche Deko, schnell noch ein originelles Geschenk besorgen oder sich an allen EindrĂŒcken erfreuen – wo kann man die Vorfreude auf Weihnachten besser zelebrieren, als auf einem Weihnachtsmarkt?

FĂŒr alle, die am letzten Adventswochenende vor Weihnachten noch auf einen Markt gehen wollen, hab ich hier eine kurze Zusammenfassung, Bewertung und Beschreibung der von mir besuchten MĂ€rkte. Wo es möglich ist, hĂ€nge ich auch eine URL oder ein Bild dran. Wenn ihr auch eine Empfehlung von einem Markt habt oder ein Bericht fĂŒr das Blog schreiben wollt, freue ich mich ĂŒber eure Anregungen, Links und Bilder!

„Weihnachtsmarkt – Bericht und Empfehlungen“ weiterlesen

Der Weihnachts-Organismus

oder: Ein Tag in der Stadt

Passender Song

Kolonnen aus Blech rollen auf die Innenstadt zu. Am rechten Rand ein parkender Paketbote (von 2.000), der nach Erde und Dreck stinkende LKW schwenkt locker nach links und geht auf TuchfĂŒhlung mit den Insassen hinter ihren Fenstern. Auch ihm wĂ€re eine Paketzustellungs-Drohne vielleicht eine Entlastung gewesen. Ich frage mich, ob der Luftraum in nicht allzu ferner Zukunft mit kleinen Flugzeugen und Hubschraubern, so wie in den besten Science Fiction Filmen vollgestopft sein wird? WĂ€hrend ich das noch denke, reißt die Hektik den Blick wieder zurĂŒck auf die Straße und 4.000 Entscheidungen pro Sekunde sind zu tĂ€tigen.
Stossstange an Stossstange geht es eng gekuschelt vorwĂ€rts, aber dennoch erstaunlich schnell. Nur etwas fĂŒr Menschen mit starken Nerven. Nicht gut fĂŒr BeifahrerInnen und zittrige NervenbĂŒndelInnen. Im Parkhaus sind noch 17 PlĂ€tze frei. Im Parkhaus angekommen, die nĂ€chste Frage: wo sind diese freien PlĂ€tze? Und warum – in aller Not- werden diese Kurven und Parkbuchten immer so verdammt klein gebaut? Ich bin fĂŒr eine Mietpreisbremse fĂŒr ParkhĂ€user, dann wĂŒrde der kostbare Platz -direkt am Nabel des Konsum- demnĂ€chst vielleicht großzĂŒgiger verschwendet.

Auto an Auto, Mensch an Mensch, aber doch, der einzelne erstaunlich oft mit Freundlichkeit gesegnet. Engheit bedingt Freundlichkeit. Soziales entsteht aus dem Kontakt. Respekt folgt der Aggression. Oben auf dem Weihnachtsmarkt angekommen, sticht als erstes der feine Geruch nach lebendigen Ponys in die Nase, die in Reih und Glied hintereinander stehen, etwas traurig in die Augen der Passanten blicken und noch auf Kinderlachen und -Beine warten. Eine Folge der niedrigen Geburtenrate? will ich noch denken, als schon die nĂ€chsten EindrĂŒcke auf die Sinne stĂŒrmen: LĂ€den voller Deko-Artikel kann mein Gehirn mittlerweile schon ganz gut einordnen, mit fachfraulichen Blick schĂ€tze ich QualitĂ€t, Ausstattung und VerkĂ€uferInnen-Freundlichkeit inklusive Smalltalk-Faktor ein. Nur lieber nicht zuviel Smalltalk, das kann auch ermĂŒdend werden, vor allem wenn man nicht mehr die Stornotaste findet. Das gedankliche Ergebnis der Stichprobe kann ĂŒberzeugen, dennoch wird dieser Weihnachtsmarkt erstmal links liegen gelassen, um sich dem eigentlichen Plateau des Einkaufsrausches, langsam aber unaufhaltsam zu nĂ€hern.

Duftwelten folgen auf Kaffeewelten, Kleiderwelten folgen auf Straßenbahnen und Trubel und Autos und Essen und DĂŒfte und Geld und Backwaren und Straßenschilder und Zettel und Quittungen und TĂŒten und Lachen und Freundlichkeit und Hektik und Stress und Höflichkeit und DrĂ€ngelei.

Abends ist man dann, wen wundertÂŽs, erstaunlich mĂŒde.

PĂŒnktlich zum Sonnenuntergang schnauben die Pferde noch ein letztes Mal, bevor sie die feinen Herrschaften vor der Villa absetzen, wĂ€hrendessen drinnen das DienstmĂ€dchen schon den Kaffee aufgesetzt hat und die Sofakissen fĂŒr den Abend aufgeschĂŒttelt hat.

Dachte ich noch in meiner Phantasie, als ich aufwachte und die RealitÀt auch ganz beschaulich fand.

Der gesunde Mittelweg

Alle Jahre wieder, auch diesmal, ist Weihnachten. Man merkt es zuerst im August, wenn die ersten Paletten mit Lebkuchen, Christstollen, Schoko-Weihnachtsfrauen und Advents-Deko in die LĂ€den gerollt werden. Dann stellt sich schon so langsam das erste weihnachtliche GefĂŒhl ein. Man fragt sich dann auch, wie es so einer Weihnachtsfrau wohl geht, wenn man sie bei 26 Grad im Schatten langsam und genĂŒsslich aus der Folie rollt, ihr klebriges Etwas in den Fingern hin und her reibt und dann langsam von Kopf bis Fuss auf TuchfĂŒhlung geht?

Oder ein Lebkuchen zum Grillfest, das wĂ€re auch mal eine Idee! Das gĂ€be eine ganz neue Kombination! Ingwer mit Bratwurst, Zimsterne mit Grillspieß, warum eigentlich nicht? Grillpartys im Winter gibt es ja bereits, alles weitere wĂ€re nur ein kleiner Schritt. Das ließe sich auch von der Weltanschauung gut kombinieren: Hier die nordischen Atheisten und Thor-KultsanhĂ€nger mit purem Fleisch als Lebensgrundlage und dort ein wenig christliches Weihnachtsaroma, aber bitte nicht zuviel. Eventuelle Zweifel an der eigenen Religions-IdentitĂ€t lassen sich gut mit hochprozentigem runtergurgeln.

Wer dann im September immer noch keine Weihnachtsgeschenke hat, braucht nur den Fernseher anzumachen. Von ĂŒberall werden wir leise erinnert, dass da ja Ende des Jahres noch der Super-Gau des Geldausgebens auf uns wartet. Aber nur fĂŒr die, die Geld haben, am Rande bemerkt. Alle anderen können noch die Heizöl-Lieferung vom letzten Jahr abstottern, den Weihnachtsbaum verheizen und die Stromrechnungen der letzten drei Jahre als Einwickelpapier verwenden. Und wenn es dann immer noch nicht reicht, kann man sich verschulden, so wie von den Banken erwĂŒnscht. Geld ist nur etwas wert, wenn der eine nichts davon hat.

SpĂ€testens unertrĂ€glich wird es im November, wenn jeder Werbesport im TV oder im Radio irgendwie das Thema Weihnachten berĂŒhrt. SpĂ€testens jetzt ist die Kommerzialisierung endgĂŒltig durchdrungen und die letzten Reste des christlichen Ursprungs weggefegt.

Wer möchte, kann sich noch in Diskussionen vertiefen, ob man nun schenken soll oder nicht oder ob dekoriert werden soll oder nicht. Wer sowieso schon nicht „in Weihnachtstimmung“ war, kann sie sich von puristischen Weihnachts-Atheisten und Klein-Aufrechnern endgĂŒltig vermiesen lassen (die letzten Geschenke waren so und soviel wert und diesmal schenken wir gar nichts, du musst aber schenken, weil ich sonst beleidigt bin).

Was ist da die beste Option? Einfach weglassen, einfach wegfahren, in ein Land fahren, in dem nicht Weihnachten gefeiert wird. Einfach mal den 24.12. verschlafen, das wÀre eine Option.

Oder das genau Gegenteil, den Trubel voll und ganz mitmachen und noch eins obendraufsetzen. Statt 12.000 Weihnachtsbirnchen des Nachbars und den 2,5 Tonnen Kunstschnee (Klimawandel), nehmen wir halt gleich die Großpackung vom GroßhĂ€ndler (50.000 Birnen und 10.000 gratis) und die Familienpackung Kunstschnee mit Deko-Weiß als SprĂŒhdose (Kosten 6.000 Euro).

Ein gesunder Mittelweg scheint auch in diesem Jahr- unmöglich.

Alle Jahre wieder..

..da kommt sie, die „besinnliche Zeit.“ Aber warum heißt es eigentlich „besinnlich“, weil es uns um alle Sinne bringt? Oder weil wir uns besinnen sollen?

FĂŒr Kinder ist Weihnachten noch relativ ĂŒberschaubbar, das vielleicht meist erwartete Game Fest des Jahres: Mama backt PlĂ€tzchen, man hĂ€ngt den ganzen Tag so rum, in der Schule ist nicht mehr los, die Tage brauchen ewig, man hat einen Adventskalender, alles in allem eine schöne Zeit. An Weihnachten selbst macht man sich dann ĂŒber Papi lustig, wie er sich mit dem Weihnachtsbaum rumquĂ€lt und hilft ihm eventuell ein wenig nicht. Im Idealfall Tage der Verantwortungslosigkeit, an denen man sich entspannen, und im Schoß der Familie ausruhen kann. Und dann sind da noch die vielen Geschenke!

Wird man dann Ă€lter, dann drehen sich die schönen Erinnerungen der Kindheit ins Gegenteil und man erfĂ€hrt zum ersten Mal in seinem kurzen Leben, warum das Fest der Liebe bei manchen so unbeliebt, wenn nicht gar verachtet ist: Zeiten des Stresses brechen aus. Als weibliches Familienoberhaupt obliegt einem meistens selbst die Verwaltung aller Dinge, die mit dem Fest zu tun haben: Das Haus muss dekoriert werden, einmal grĂŒndlich geputzt, PlĂ€tzchen mĂŒssen gebacken, Geschenke verpackt und EinkĂ€ufe erledigt werden. Die ParkhĂ€user und SupermĂ€rkte sind ĂŒberfĂŒllt, Geschenke werden möglichst online bestellt, was wiederum am Kontostand nagt. Und dann ist da noch das Kochen und das Backen, ihr Lieben! (HĂ€nde ĂŒber den Kopf zusammen schlĂ€gt) Gerade hat man die KĂŒche schön aufgerĂ€umt und den Lappen an den Haken gehĂ€ngt, gerade wollte man mal die Beine hochlegen und sich ein paar Minuten vorm Computer entspannen, da kommt schon wieder der nĂ€chste Essenswunsch und das ganze geht wieder von vorne los.. GeschĂ€ftliche AbschlĂŒsse mĂŒssen gemacht werden, die Steuer rausgekramt und alle Adventsweihnachtskarten sind auch noch nicht geschrieben und wie war doch gleich die Adresse von dem komischen Onkel aus Übersee??

Erschwerend kommt hinzu, dass in der unbeliebtesten Jahreszeit Winter meistens Schnee fĂ€llt. Also mĂŒssen Schneebesen und RĂ€umer rausgekramt werden und zusĂ€tzliche Arbeit lastet auf einem. Das Auto macht Macken, muss jeden Morgen von Eis und Schnee befreit werden, springt vielleicht nicht mehr an oder landet gar in der Werkstatt. Und die Kinder sitzen daheim im Warmen vor der Playstation und verstehen gar nicht, warum die Erwachsenen sich eigentlich so verrenken?

Wie soll man also im allgemeinen Jahresendspurt zu so etwas wie Besinnung kommen? Weihnachten, wie wir es feiern, ist meistens genau das Gegenteil von Besinnung: es ist innerer und Ă€ußerer Endspurt, kraftzehrend, aufreibend, trĂ€nentreibend, anstrengend. Und das in einer Jahreszeit, in der man sowieso eher wenig Energie hat und mehr auf Winterschlaf und Fetteinlagerung ausgerichtet ist (immerhin, das letzte klappt meistens auch so). Die Erwartungen sind sehr hoch, alles muss genau gleichzeitig und möglichst perfekt hergestellt werden. Kein Wunder, dass also genau an Weihnachten die Anzahl der Suizide und Zwangseinlieferungen in die Psychiatrie, aber auch die Scheidungen am höchsten sind. (meistens kurz nach den Feiertagen)

Am 24. soll dann alles in bester Harmonie stattfinden. Man ist einmal im Jahr bereit, so etwas wie NĂ€chstenliebe und große GefĂŒhle an sich zu entdecken, man ist bereit zu spenden und auf den anderen mehr einzugehen. Eigentlich eine tolle Sache. Das Problem ist nur, dass es so auf Knopfdruck meistens nicht klappt.

Weihnachten ist außerdem ein ausgesprochenes Familienfest und macht eigentlich nur mit Kindern Sinn. Dieser Glanz in ihren Augen… Wenn man ohne Kinder feiert, ist es nur eine abgespeckte Variante, so ein „Weihnachten light“ eben, dann könnte man genauso gut auch auf die Kanaren fahren oder eine Kreuzfahrt machen, das wĂ€re die logischste und sinnvollste Alternative.

Einfach der alljĂ€hrlichen Hektik mal den RĂŒcken drehen und abschalten. Innerlich wie Ă€ußerlich. Mal wieder Kind sein. Nur fĂŒr eine Woche… herrlich.

*puff* Traumblase zerplatzt

Oh Mist, die PlÀtzchen brennen an, ich muss weg, man sieht sich..

Schöne Weihnachtslieder

Die 10 nervigsten Weihnachtssongs… interessanter Artikel und gut geschrieben, hm- aber so nervig finde ich die eigentlich nicht. 😉
FĂŒr alle Leute, die noch nach der richtigen Weihnachtsstimmung suchen: Alle Lieder auf Youtube raussuchen und mind. dreimal am Tag hören, morgens, mittags und abends.

Dann klapptÂŽs auch mit der Weihnachtsstimmung und dem DauerlĂ€cheln auf der Weihnachtsfeier…

Meine persönlichen Favoriten:
http://www.youtube.com/watch?v=i-unBLOI7uM
Weihnachtszeit von Sido, sehr lustig

http://www.youtube.com/watch?v=C3l9jQADVF0
Jingle Bells von Kelly Familiy

Und natĂŒrlich der Wham- Klassiker in der 1985 GedĂ€chtnis-Edition
http://vimeo.com/15959908

Was, so alt ist der schon?

Das unbezahlbare WeihnachtsgefĂŒhl

Ist es nicht seltsam, wie sehr man fĂŒr ein richtiges „WeihnachtsgefĂŒhl“ abhĂ€ngig vom Wetter ist? Aber was soll das schon sein, ein WeihnachtsgefĂŒhl! Und ĂŒberhaupt, vom Wetter abhĂ€ngen? Das kann ja höchstens ĂŒbersentimentale Poetinnen und andere christliche Romantikerinnen betreffen- aber nachweisbar ist es ganz sicher nicht!

Nun ja, ich will es dennoch mal versuchen. Dieses Jahr gab es also noch kein Schnee. Zumindest nicht fĂŒr die Leute in Deutschland und fĂŒr die meisten im Flachland. Etwas weiter höher in den Bergen soll es ja durchaus schon weiße Flöckchen gegeben haben. Ansonsten: Regen, Wind und Matsch, soweit das Auge trieft. Vor allem Wind, z.B. gestern. Da flog einem die MĂŒtze nur so vom Kopf. Der Wind zerrte mit seinen krĂ€ftigen Armen am Balken der Unterkunft und wollte mal wieder zeigen, was er so drauf hat. Es pfiff und blies nur so, was das Zeug hielt. Einen ganzen Tag lang. Schwindel in den Ohren, irgendsoeine gereizte Stimmung hatte sich ebenfalls breit gemacht. Vom Wetter, ach komm! Was bist du doch nur fĂŒr ein Waschlappen. Da muss man wirklich schon sehr empfindlich sein, davon so abhĂ€ngig zu sein. Oder darauf so zu achten, das wird auch immer schlimmer dann!
Was sollen die Extrem-Bergsteiger erst sagen? Oder die extrem Lang-auf-einen-Pilgerpfad-Marschierer? Oder die Leute, die damals zur Antarktis gesegelt sind? Die wĂ€ren froh, ĂŒber diese netten mittelwarmen Temperaturen und die frische Brise. Also, wie immer eine Frage der Perspektise.

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Weihnachtspause

So, das Jahr neigt sich zu Ende und der wahrscheinlich letzte Artikel vorm hohen Fest wird heute geschrieben. Viel hatte sich in den jĂŒngsten Tagen ereignet und ĂŒber soviel wollte ich noch mein Geist und meine Feder erlassen. Am Ende ist es mal wieder recht dĂŒrftig geworden.

Das ist das Schöne am Bloggen: ungewiss, in welche Richtung es gehen wird, wenn man sich denn mal darauf einlassen kann.

Um nicht gleich wieder zu kopflastig zu werden, frage ich mich: Was ist mein GefĂŒhl, was diese Weihnacht betrifft?

Zuerst, in allen Blogs die ich lese, kommt dieses Fest so gut wie gar nicht vor. Die einen haben ihre Schreibfrequenz sehr eingeschrĂ€nkt, andere schreiben weiterum ĂŒber ihr Kernthemen, meistens politische Blogs, die in meinem treuen Reader sind.

Aber ich habe anscheinend zu wenig persönliche Blogs im Abonemment, denn ĂŒber Weihnachten an sich habe ich nichts gelesen. Ich habe nichts ĂŒber die christlichen Wurzeln gelesen, ich habe keinen persönlichen Hausfrauen-Bericht ĂŒber Weihnachtsstreß und PlĂ€tzchenbacken gelesen (mit ein paar wenigen Ausnahmen) keine Blogs von Kindern oder Familien, die darĂŒber schreiben, wie sie sich auf die Geschenke freuen. Entweder meine Blog-Auswahl ist da sehr einseitig oder es sind Themen, die nicht so in die Öffentlichkeit dringen. Vielleicht ist mein Aufmerksamkeitsfilter auch zu sehr auf bestimmte Dinge gerichtet und ĂŒbersieht die anderen. Ja, vielleicht bin ich da die Weihnachtsmuffelin und möchte es jetzt nur zu gerne euch in die Schuhe schieben…

Ich selbst habe ja auch nichts ĂŒber Weihnachten geschrieben. Das war letztes Jahr noch ganz anders. Aber diesmal- irgendwie keine Lust, keine Motivation und auch keine Ansteckung von außen, nichts Inspirierendes, keine „Wunder“, nichts Bewegendes, nichts Feierliches in meinem GemĂŒt.

Das einzige, was in den letzten Tagen wirklich oft in den Medien und den Köpfen war, war und ist das blöde Winterwetter. Die bange Frage, ob das nun eine KlimaerwÀrmung ist oder nicht nur ein normaler Winter.
Dann die Zusammenfassung und Erkenntnis, dass es in unserer „modernen“ Marktwirtschaft an allen Ecken und Enden mangelt: Zuerst wurden die Winterreifen knapp, just in dem Moment als die Politik eine allgemeine Winterreifenpflicht verhĂ€ngt hatte, komischer Zufall! Dass sie dann natĂŒrlich auch teuerer werden und zwar beim Einkauf hat mich schon etwas „gewundert“.

Große Versprechungen gab es auch beim Streusalz, manche Gemeinden konnten sich große VorrĂ€te leisten und haben sich gut drauf eingestellt, andere wiederum, denen politisch der Saft abgeschnĂŒrt wurde und die tief in den roten Zahlen stecken, können ihren allgemeinen StraßenrĂ€umpflichten nicht mehr nachkommen. Das ist bedauerlich. Genauso, wie die gestrige Meldung aus dem Radio, das eine Familie furchtbar eingeschneit wĂ€re und nun die Gemeinde anklagt, weil keiner kommt, um sie aus diesen Schneebergen zu befreien. Komischerweise aber die einzige Familie, die darĂŒber geklagt hatte und die Verantwortlichen verwiesen nur zĂ€hneknirschend und etwas verĂ€rgert auf die „allgemeine StraßenrĂ€umpflicht“, die jeder Anwohner ĂŒbernehmen muss. Im Ernstfall bedeutet das: Bis zur Straßenmitte den Schnee von der Straße entfernen, wer das nicht tut, haftet fĂŒr eventuelle UnfĂ€lle und PersonenschĂ€den.

So erlebt „man“ vorm Hintergrund der allgemeinen Schnee-Katastrophe (die ja nur ein „normaler“ Winter ist), dass die Probleme sich mal wieder gegenseitig in die Schuhe geschoben werden: Die Politiker da oben machen die Gemeinden verantwortlich, die Gemeinden schieben die Last auf den BĂŒrger, der wiederum ist „wutentbrannt“ (ein sog. WutbĂŒrger) und will sich das nicht lĂ€nger gefallen lassen, er schimpft mit seiner Frau, die wiederum mit den Kindern und die treten dann grimmig auf des Hundes Schwanz, der heulend davonrennt und daraufhin die Katze jagt… ein endloser Kreislauf des Jagens und Stechens und am Ende gewinnt… keiner.

Und mein einziger großer Weihnachtseinkauf in diesem Jahr wurde just auf den Tag gelegt, als es im hohen Germanien wie aus göttlichen KĂŒbeln schneite und stĂŒrmte und die Fahrt zum Lieblingskaufhaus des Vertrauens in Kaiserslautern ĂŒber die Autobahn wurde zur eisigen Rutschpartie. Vor allem fĂŒr die vielen LKWs, denen schon im kleinen Dorf, an kleinen Bergen keine Weiterfahrt mehr möglich war. So war ich doch ganz froh, die meisten Besorgungen entweder zusammen mit dem besten Ehemann der Welt oder ĂŒber das Internet getĂ€tigt zu haben. Der traurige Postbote allein, klagte ĂŒber einen vierfach zu stemmenden Paketaufwand in dieser Zeit. Er sei bedauert und lieb gekost, vor dem Angesicht der Arbeit, die er fĂŒr uns einfache BĂŒrger geleistet hat.

Von der sonstigen Konsumfront sind keine besonderen Neuigkeiten zu verzeichnen, außer vielleicht, dass er dieses Jahr besonders gut von der Hand ging und der von Krise und KaufzurĂŒckhaltung einst gebeutelte Einzelhandel sich nun emsig die HĂ€nde warm reiben kann.

Vom allgemeinen Widerstand gegen den Konsumterror war in den GeschĂ€ften nicht viel zu sehen. So wurde der gestrige Einkauf zu einem Wettlauf mit der Zeit, gegen die anderen Passanten und stellenweise…bis auf den Tod! Grimmige Hausfrauen bauten eine Einkaufswagenfront in des Ganges Mitte auf, sture einfĂ€ltig blickende MĂ€nner fortgeschrittenen Alters blockierten mit eingebauten Scheuklappen und weit angewinkelten Armen die BĂ€ckereitheke, deren VerkĂ€uferin stundenlang an der Kasse herumnestelte und angesichts ihres Kampfes mit der Technik die schlechte Laune eins zu eins an den Kunden/ die Kundin weitergab. Die Brötchen aber, oh heiliges Wunder, waren genießbar und so schmeckte das erste und einzige Lachsbrötchen des Jahres im Anschluss vorzĂŒglich. Vergessen war die Hektik, vergessen war der Streß.

Weihnachten, du magst gerne kommen,
fĂŒr dich ist immer noch ein PlĂ€tzchen frei.

So lass dich nieder und sei erklommen
vom heil’gen Geist und des Menschen GrĂŒbelei!

Eine schöne Weihnachten fĂŒr alle Leserinnen und Leser.

Die Kommentare sind moderiert bis zu meiner Niederkunft an einem nicht genannten Tag.

So seid artig und seid brav… und rutscht mir fein in neue Jahr!

Eure Madame Julia