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Tage der Gefühle

Ein paar Gedanken zum Sonntag, geschrieben zu Red Hot Chili Peppers

Es gibt sie, die Tage der Gefühle. Alles kocht hoch, alles ist spürbar.

Die Freude über den Frühling, neben der Traurigkeit über die eigene Vergänglichkeit.

Alles geht vorbei, alles ist schwer. Das schöne Leben, das wir einst kannten. Für immer vorbei.

Es sind so Tage, an denen Du den Kloß im eigenen Hals nicht los wirst. Und das Glas immer wieder nachschenken möchtest.

Und dann, auf einmal, bist Du jemand völlig anderes!
Hat sich Dein Leben gedreht. Für immer.

Andere verstehen es nicht. Erhoffe es nicht. Andere gehen nicht mit. Warte nicht darauf. Geh Dein Leben, so wie du nur weißt, wohin es gehen kann.

Geh Dein Leben, von Anfang bis zum Ende.

Was liegt hinter dem Winter? Hinter dem Eis? Hinter dem Stillstand?

Wo sind die Blüten? Wo ist das Neue?
Spürst Du es schon unter der Eisfläche Deines Herzens?

Schreib, als ob es kein Morgen gäbe.
Fotografiere wo immer Du möchtest, was immer Du möchtest!

Alles verspielt

Alles ist verspielt, alles ist hinüber.
Dein Leben, so wie es einst war, jetzt löst es sich auf.

Ein ruhmloser Abgang, keine besonderen Ehren waren zu erwarten.

Du bist einfach verschwunden, und nie wieder gekommen!
Unendliche Herzen hast Du gebrochen und Vorstellungen von Dir für immer beendet.

Dein altes Leben wollte nicht weiterleben.
Aber unter der Decke wartete bereits ein Neues!

Unsicher, wie immer, wagst Du den ersten Schritt.
Trägt mich diese neue Erde?

Werde ich versinken? Oder werden mir Flügel wachsen?

Was mache ich mit diesem Salat aus Gefühlen und Eindrücken?

Wer hilft mir, aus diesen Eindrücken etwas Stabiles und Schönes zu formen?

 

Und plötzlich

Und dann plötzlich geht es so leicht!
Und dann plötzlich wird es warm! Und schön!

Es war diese Zeit, als Du wieder in mein Herzen kamst.
Als mir so klar wurde, dass ich Dich vermisse.
Und so dringend brauche.

Es war die Zeit, als mein Leben an mir vorbei rauschte.
Als mir klar wurde, dass alles nur ein kurzer Wimpernschlag werden würde.

Die Haare wurden schon grau. Meine „Errungenschaften“ waren nur noch diese kleinen, unbedeuteten Buchstaben auf dem Computer. Mehr nicht.

Das war alles, was ich dieser Welt hinterlassen würde!

2021

Es war die Zeit, als es keine Partys mehr gab. Kein Lachen.
Als wir nichts mehr verdienten. Und uns nicht mehr umarmen konnten.

Es war die Zeit, als ein neuer Wolf in ihm geboren wurde.

Und er unendlich stark und selbstbewusst wurde.

 

Ich kann nicht kämpfen, aber ich würde dieses Virus so gerne ausweinen.
Es wird lange dauern und es gibt viel zu weinen.
Dieses Virus ist unsere eigene Maßlosigkeit. Unser Hang, uns zu vermehren.

Und keine Rücksicht auf die Erde zu nehmen.

Das Virus sagt, so geht es nicht. Und schickt uns ins eigene Selbst zurück.

Wir dürfen erst wieder kommen, wenn wir geheilt sind.

Ohne Gefühle

Ich hatte einmal eine sehr gute Freundin. Wir haben alles miteinander geteilt, wir konnten immer miteinander reden, ständig flogen die WhatsApp-Nachrichten nur so hin und her. Es war gewissermaßen die „Liebe auf den ersten Blick“. Ich sah in ihre Augen und wusste sofort, hier ist mein Gegenstück, die beste Freundin, auf die ich so lange gewartet habe. Die mich versteht, die auf meiner Wellenlänge funkt, die genau weiß, was ich meine, wenn ich was sage. Nein, bevor ich es sage. Sie muss nur in meine Augen schauen, ein paar Zuckungen beobachten und sofort weiß sie, was ich denke und fühle. Es ging so tief, von Anfang an. Und so kamen auch die Probleme. Sie erzählte mir alles. Von innen heraus, ihr ganzes Leben, sie machte nicht Halt und so kopierte sie den kompletten Inhalt ihres Gehirns (ca. 45 Terrabyte) in ca. 24 Stunden in mein eigenes kleines Gehirn, dass unter der Last ihrer Selbst-Offenbarung ein bisschen stöhnte.

Aber je mehr ich sie kennenlernte, desto mehr wurde mir bewusst, dass sie doch ein wenig anders war als ich. Ich „ließ es immer gut sein“, wollte mich mit den Menschen gut verstehen, aber sie nörgelte ständig an allem herum. Sie war ständig unzufrieden. Mit sich, mit ihren Bildern, mit ihrer Arbeit, mit ihren Beziehungen und das schlimmste war: am meisten war sie mit sich selbst unzufrieden. Und ich saß friedlich in der Ecke, baute an meinen eigenen Lebenstürmen und wollte sie beschwichtigen, aber mit der Zeit merkte ich, wie sie immer unzufriedener und unglücklicher wurde. Die „Likes“ waren ihr sehr wichtig, aber selbst wenn sie 100 oder 500 Likes bekommen hatte, reichte es ihr nicht ganz. Tief in ihrem Inneren war kein „Like“ und so konnten die vielen Bestätigungen, die sie sich von außen holte, ihre innere Leere leider nicht füllen. Ich merkte das irgendwann. Besonders schlimm war es, wenn ich Likes bekam. Da wurde sie schnell neidisch und gönnte mir die Likes nicht. Das belastete unsere Freundschaft sehr.

Eines Tages redete sie über ein Projekte, dass sie gerne realisieren würde und ich fand es gut. Als ich dann ca. eine Woche später dieses Projekte realisiert hatte, platzte ihr der Kragen. Wie konnte ich es nur wagen, diese gute Idee vor ihr zu realisieren? Ohne sie um Erlaubnis zu fragen? Ohne schlechter zu sein, wie sie es von mir gewohnt war? Das war der Punkt, wo die Freundschaft an ihre Grenzen kam. Wo sie nicht mehr bereit war, mit mir „befreundet“ zu sein. Wir waren uns zu ähnlich geworden und die eine gönnte der anderen den Erfolg nicht mehr.

Die Freundschaft zerbrach. Lange saß ich vor den Scherben und überlegte mir, dass es vielleicht noch ein Zurück geben würde. Dass irgendjemand von uns „den ersten Schritt“ machen würde und die Flaggen auf Versöhnung setzen würde. Aber in der „Versöhnung“ steckt das Wort „Sohn“ und wir waren leider Schwestern. Also gab es keine „Verschwesterung“. Alles blieb wie es war. Sie ging ihren Weg und ich ging meinen. Es war so, als ob wir uns nie gekannt hätten. Von heute auf morgen. Es war einfach vorbei. Da war keine Reue, keine Liebe, aber auch keine Eifersucht mehr, kein Neid. Wir hatten einfach alle Gefühle von heute auf morgen eliminiert. Es tat uns beiden gut. Wir waren geheilt. Es gab keine Konkurrentin mehr, also gab es auch keine Probleme mehr. Es war eine herrliche Stille, die monatelang andauern sollte. Niemand wollte diese Stille verlassen. Sie gleitete langsam in die große „Corona-Stille“.

Eine endlose Ruhe, ohne Gefühle.

Ich weiß nicht, ob diese Stille irgendwann endet. Ob es wieder ein „Zurück“ gibt, aber das ist sehr unwahrscheinlich. Ein „Zurück“ würde ja bedeuten, dass wir unseren inneren Entwicklungsprozess umkehren müssten. Dass wir zu einem Punkt gehen müssen, den wir schon längst überwunden haben. Es ist unwahrscheinlich, dass das passiert.

Wahrscheinlicher ist, dass man ähnliche Menschen trifft, mit denen man ähnliche Prozesse durchmachen wird. Und mit jedem Menschen, den man so trifft in seinem Leben, gibt es unterschiedlich starke Entwicklungsprozesse. Es gibt welche, die dauern nur kurz und dann wiederum gibt es welche, die werden einen das ganze Leben begleiten!

Erinnerungen an vergangene Zeiten

Kennt Ihr das? In regelmäßigen Abständen überkommen mich regelrechte „Flashbacks“- Gefühlswallungen, die sehr stark sind, meistens verbunden mit starken Erinnerungen an bestimmte Situationen. Es ist dann für mich eine Zeit lang unmöglich, dieses Gefühl zu verlassen oder ein anderes, „leichteres Gefühl“ anzunehmen. Ich muss dann durch das Gefühl hindurch, es abklären und mich fragen, was es wohl zu bedeuten hat. So ist es mir auch mit der Erinnerung an eine längst verflossene Liebe ergangen. Eine Erinnerung, von der man glaubt, dass man sie längst „verarbeitet“ und abgelegt hat. Aber wir können nicht anders, als mit diesen Erinnerungen zu leben. Sie haben unseren Bauplan, unseren Chip und somit unser Menschsein geprägt. Es ist bestimmt auch kein Zufall, dass es vor allem Erinnerungen an Dinge sind, die lange her sind, aber auch in Zeiten entstanden sind, als wir noch sehr „biegsam“ waren und äußere Einflüsse eine starke Wirkung auf uns hatten. Ich denke, dass man die gesamte Schulzeit, aber auch die Zeit bis 25 Jahre dazu zählen kann. Das ist die Zeit, in der wir „erwachsen“ werden, die Zeit wo sich unsere grobe charakterliche Richtung festlegt und die wir auch hinterher nicht mehr ändern können. So ist es z.B. bekannt, dass sich ältere Menschen vor allem gut an Jugenderlebnisse erinneren können. Es gab mal eine Sendung im Fernsehen darüber. Dort wurde auch berichtet, dass z.B. Musik aus dieser Zeit (als die heutigen Senioren jung waren) helfen kann, alte Gedankenmuster neu zu beleben und dass es meistens für die Stimmung und die Agilität der Menschen von großem Vorteil ist.

Und was fühle ich dabei? Ich denke, es ist gut. Es ist doch schön, wenn man sich so intensiv erinnern kann. Der ganze Schatz des Menschseins leuchtet auf. Es ist die Phantasie in der reinsten Form. Man wird sich bewusst, wer man war und wo man hingehen wird. Manchmal hat man das Gefühl „ja vielleicht würde ich es heute anders machen“. Wenn man sich ganz klar macht, wie man damals gefühlt hat und warum man sich oder so verhalten hat, kann auch klar werden, warum man vielleicht einen Fehler gemacht hat oder welchen Verhaltensmuster nicht gut war.

So ist es mir in den vergangenen Tagen gegangen. Ich war mal wieder sehr enttäuscht von einer Person. Traurig irgendwie und meine Tendenz war, „Rückzug“. Sich bloß nicht dem Problem stellen, bloß nicht darüber reden. Lieber schweigen und hoffen, dass der Gegenüber „von selbst“ drauf kommt. Was er natürlich meistens nicht kann! Dann habe ich nochmal darüber nachgedacht. Was habe ich falsch gemacht? Habe ich wirklich „richtig kommunziert“? Habe ich all das ausgedrückt, was ich sagen wollte? Und was weiß ich eigentlich von der Person gegenüber? Schätze ich sie richtig ein? Schätzt sie mich richtig ein? Habe ich eine Vorurteilshaltung eingenommen ? Oder sie vielleicht mir gegenüber?

Dann ist mir bewusst geworden, dass ich mich früher ähnlich verhalten habe. Dass ich mich zu schnell zurückziehe, wenn ich nicht weiterkomme oder mich eine Person vermeintlich enttäuscht. Aber mit diesem „Abbruch“ sende ich genau das falsche Signal. Genau dieser Abbruch ist es dann, der zu einer schlechten Veränderung in der Beziehung zu anderen Menschen führt. Meine damalige Jugendliebe habe ich aus den Augen verloren. Weil ich nicht genügend geredet und erklärt habe. Weil ich nicht offen genug war. Weil die Kommunikation einen Riss hatte. Weil es mir so Schwierigkeiten bereitete, über mein inneres Anliegen und meine Liebe zu reden. Und prompt- hat sie auch das Interesse verloren und konnte sich selbst nicht weiter öffnen. Wir haben damals keine Nummern oder Adressen ausgetauscht. Ein weiteres Treffen war unmöglich. Keiner wollte mehr von den starken Gefühlen berührt werden. Es war irgendwie aus- für beide.

Und jetzt, soviele Jahre später blickt man darauf zurück und erkennt, was man damals falsch gemacht hat.

Und wo die Chance zu einer Besserung liegt, wenn man es wieder mit neuen Menschen zu tun hat- in der die Liebe auch groß werden will!

Dein versteinertes Gesicht

Ich habe mit Ihr geredet. Im Dialog. Jedes Gefühl von Ihr gespürt. Und sie verstanden. Sie hat mich verstanden. Es war alles klar. So eindeutig.

In der Kunst bringst Du seit Wochen nichts Vernünftiges zustande. Alle Deine Bewegungen (innere wie äußere) fühlen sich so ungelenk und dilettantisch an. Du schafft es nicht mehr, Gefühle in Deine Werke zu bringen, weil alle Deine Gefühle weggebrochen und neutralisiert worden sind.

In der Nacht „auf Pfingsten“ ist es dann soweit. Endlose Tränenbäche spülen das Innerste nach außen. Du willst es noch unterdrücken, aber der Schwall der Emotionen ist zu stark. Der Tag ist vorbei, aber die Gefühle wurden nicht gehört. Der Zorn, die Anspannung, die Erregung und die Konzentration der letzten Tage landen in einem Wasserfall aus Salzflüssigkeit. Es gluckert und pocht. Dabei spürst Du Ihren Kummer. Ihre Angst. Wie sie dich vermisst. Du stellst es Dir lebhaft vor. Und kannst das Gefühl ohne Weiteres erwidern. Alles zittert. Alles bebt. Sie ist hier. Genau hier. Bei Dir. So nah. Und dann .. wieder weg.

Alles Sichtbare, was von Ihr bleibt, sind die Kristalltropfen in meinem Taschentuch. Der Schnodder, der Schleim. Alles geht zum Klo runter.

Da soll es bleiben! Für immer. Eingemauert. Einzementiert. Und doch so lebendig. Denn die Liebe ist nicht zu bremsen. Sie will immer wieder zurück. Du kannst Sie noch so stark unterdrücken. Eines Tages wird sie wieder leben. Eines Tages wird sie wieder von Dir Besitz ergreifen. Und aus deinem versteinerten Gesicht eine Wiese mit kleinen bunten Blumen zaubern. Du hoffst, dass du sie wieder sehen wirst, deine Liebe. Aber das Schloss aus Euren Gedanken ist hart und fest und umklammert das schöne Antlitz.

Und dann kommt noch die Königin der Musik für einen kleinen Abstecher in deinen heruntergekommenen Vorgarten vorbei. Sie will natürlich gefahren werden. Königinnen benötigen ein bisschen Aufmerksamkeit. Erst willst Du Dich noch rausreden, aber es funktioniert nicht richtig. Sie weiß, was in Dir steckt. Und sie fordert es jetzt für sich. Also fährst Du in ihre Stadt und wartest auf die Königin. Sie kommt sogar und nimmt sich Zeit für Ihre Untertanen. Sie sagt nicht viel. Aber sie hört zu. Und lächelt mild. Du kommst Dir ganze Zeit wie ein Prolet vom Lande vor. Weil du das wahrscheinlich auch bist. Aber doch mag sie dich. Da hast Du aber nochmal Glück gehabt!

Shit happens

Passende Musik  One more light

Eigentlich wollten wir uns heute treffen. Aber es wäre fast nicht zustande gekommen. Ich bin etwas krank und wollte absagen. Du hast gesagt, du gehst trotzdem. Du hast über Geld geredet und über die knappe Einteilung Deiner Zeit.

Aber du hast im Grunde nicht gefragt, wie es mir geht,
oder was du tun kannst, damit es mir besser geht.
Du hast einfach nur gesagt, du „gehst dann eben alleine“.
Das fand ich krass. Das hat mir zu denken gegeben.

Ich denke, du wolltest von mir wissen, ob du mir wichtig bist.
Bzw. es ist dir scheißegal. Du machst einfach dein Ding und du wartest nicht. Wenn jemand mitzieht, ist es okay und wenn nicht – shit happens!

Zwischen all deinen Worten steckt dennoch soviel Unsicherheit und Verletzlichkeit. Ich bin froh, dass du mir soviel anvertraust und darüber redest, was dich belastet.

Aber ändert das was an der Tatsache, wie es ist und wie du damit umgehst?

Raum für neue Menschen

Du gewinnst Raum in mir, in dem Moment, als ich andere Menschen losgelassen habe. Die eine Bindung lockerte sich, es wurde Energie frei und dann konnten neue Elemente andocken.

Ich habe beschlossen, das unperfekte um mich herum loszulassen. Die Ewig-unterentwickelten Zweifelnden, die nie an sich wachsen werden.

Ich hatte keine Lust mehr auf das Einengende -Aggressive- idiotische. Die einseitige und ungute Fokussierung auf das materielle. Darauf hab ich keine Lust mehr.
Ich habe die gierigen Menschen losgelassen, die rechthaberischen und die ich-süchtigen. Ich habe die Menschen ohne Glauben fallen gelassen.
Die keine Ziele außer sich selbst kennen. Ich habe die Neugierigen und die „mit der Tür ins Haus fallenden“ alle aufgegeben. Ich habe 80 Prozent der Menschen losgelassen und es fühlt sich an wie ein Frühjahrsputz. Jetzt hab ich Platz für was Neues! Aber am schlimmsten ist es mit den Menschen ganz in meiner Nähe. Auch hier lasse ich jetzt los.

Es gelingt mir ganz einfach. Die festen Bindungen lockern sich. Wie ein Zahn, der über 30 Jahre im Körper gewesen ist und jetzt plötzlich faul und wackelig wird. Er muss etwas Neuem weichen. Ob du willst oder nicht.

Geh einfach zum Zahnarzt und lass dir ein paar neue Menschen einsetzen.

Geh zum Friseur und lass Dir eine neue Haltung frisieren. Lass Dir die Nägel und die Gefühle neu stylen.

Beim Make-Up Artist kümmere dich um deine Haut und deine Gefühle. Sie brauchen mal eine gründliche Tiefenreinigung. Ein Peeling, das aus Dir einen neuen Menschen macht.

Und das wichtigste ist der Psychologe, dem du alles anvertraust.

Gewitter im Kopf

kleine Blitze jagen langsam durch die Neuronen
ein Gewitter, es macht sich langsam breit
vorbei die Sonnen-selige Gemütlichkeit
Hektik und Arbeit haben mich voll erfasst

ich kann nicht denken nicht fühlen
alles brennt
ich fühle nicht, ich BIN die Emotion

Hass, Freude, Trauer, Wut, Lachen und Liebe
alles fokussiert sich auf einen Punkt
und brennt und brennt

mein Schatz bringt mich zum Lachen
unermüdlich rennt er gegen mein Bollwerk aus negativer Energie
irgendwann dann ist er erfolgreich
„jup“ sagt er noch und grinst

dann platzt es aus mir heraus
ich kann mich nicht halten
ich lache und die ganze Welt lacht mit

die Wolken grummeln
es donnert
und dann der endlose Regen

Tick Tack

Feierabend. Es ist 21 Uhr. Der Wunsch nach Geselligkeit steigt in mir hoch.
Dann würg ich ihn schnell wieder ab.

Mit Müh und Not kämpfe ich gegen das Altern. Gegen den Groll in mir, den Neid, all die negativen Gedanken.
Sie fluten durch mich hindurch wie eine Welle aus Wasser, die nicht aufzuhalten ist.
Es ist alles negativ, alles vergiftet, dann wieder ganz klar.
Mal fließt Treibsand, Äste, Dreck und Unrat vorbei, dann wieder ist das Wasser rein.
Ich kann nicht genau sagen, was alles nächstes kommen wird. Den Gefühlen bin ich ausgeliefert.
Heute scheint die Sonne, morgen ist Regen. Alles ist ein Bad aus Gefühl.

Mit Müh und Not versuche ich mich daran zu erinnern, wie das war. „Sich auf die positiven Dinge im Leben zu konzentrieren“.
Denn, wie wir wissen, bestimmen die Gedanken und unsere Einstellung zu den Dingen unser Glück ganz maßgeblich.
Die Dinge sind so wie sie sind! Einen Geschmack bekommen sie erst, wenn wir sie bewerten.
Wenn wir darüber nachdenken. Wenn wir vermeintliche Motive beim anderen entdeckt zu haben meinen.

Wenn wir der Meinung sind, dass etwas „gerecht“ oder gar „ungerecht“ ist. Dann versteifen wir uns darauf und ein bitteres Gefühl von Ärger, Wut oder Verzweiflung dringt in unser Herz. Es ist dann da drin und geht nicht mehr so schnell weg.

Wo sind die leichteren Gefühle? Es sind Farben im Malkasten deiner Lebenskunst, die du zu selten benutzt.
Da, ein heiteres Pink, hier ein schönes Blau. Warum malst du immer mit Braun und Schwarz?
Nein, viel schlimmer noch. Du malst gar nicht mehr, du schreibst nur noch! Alles wird mit Buchstaben und Gedanken zergliedert, so lange bis vom Leben nichts mehr übrig ist.

Kein Lachen. Keine Emotion. Kein Gut. Kein Schlecht. Kein Sex. Keine Freundschaften.

Nur noch deine Gedanken. Und sie ziehen nach unten, immer weiter, bis der restliche Bach alles in dir hinfort gespült hat.

Wie viele Jahre hast Du noch, um Dich zu freuen? Um ein Kind ein Spielzeug zu geben?
Um dem Alten ein bisschen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken?
Wie viel Zeit hast Du für die Geliebte in deinem Leben, die nur darauf wartet, dass du endlich charmant wirst?

Wieviel Zeit hast Du für deinen Liebsten, der sich ein bisschen Zärtlichkeiten mit dir wünscht?

Wieviel Zeit und Lebensqualität willst du noch verstreichen lassen, wieviel soll dir noch gleich sein?

Tick Tack, die Zeit läuft ab.

Die Königin des Leidens

Love Story von Indila

All Dein Glück ist eine Folge Deiner Einstellung.
Weißt Du das, wie kannst Du dann noch streiten?
Wie kannst Du noch traurig über Vergangenes sein?
Und die Toten vermissen?
Wenn alles in Deiner Hand liegt,
wer soll Dir sonst helfen, außer Du Dir selbst?

Stufen auf dem Weg zum Glück.
Nicht leicht zu ertragen und voller Leid.
Wie schön wäre es, wenn das alles weg wäre!
Und wir nur leicht wie ein Schmetterling wären!

Wunschträume
Wach endlich mal auf!
Und sieh die Welt, so wie sie wirklich ist!

Trauer,
Tränen,
Ein Kloß im Hals,
Wie lang soll das noch so gehen?
Wie lange willst Du am Alten festhalten und Dich quälen?

Dein Glück, es wartet schon auf Dich.
Es liegt hinter einer Tür, aber Du machst nicht auf.
Andere klopfen an, aber Du lässt keinen herein.
Du bekommst Einladungen, aber Du gehst nicht auf die Party.

Es wird Dir Arbeit angeboten, aber Du liegst lieber im Bett.
Du könntest das Leben gestalten, aber Du wählst die Agonie.

Das Leben,
es bietet alles, was Du brauchst.

Aber Du wählst das Leid.
Ganz bewusst.

Das Leid
ein dunkles, schwarzes Kleid
es steht Dir gut
es passt zu Deinen grauen Haaren und den Falten um den Mund.

Zieh das Leid zu Dir herüber
gib ihm endlich einen Kuss!

Das Leid, es zittert
und hat darauf so lang gewartet!

Verwandel es in Licht!
Mach es zu einem Schmetterling!
Und flieg davon
Du Königin des Leidens!

Gesicht zeigen

Einen Neuanfang brauche ich auch dringend beim Bloggen.

Ich sehe das in meiner Blogroll und in meinem Feed-Reader. Mit der Zeit ist es immer weniger geworden.

Ich habe immer weniger andere Blogs gelesen und es sind immer weniger „neue Leser“ dazu gekommen.

Für mich ist das das beste Zeichen, dass sich irgendwas „überlebt“ hat. Sind es die Blogs an sich?
Kommen nicht mehr soviele nach? Oder ist es meine Einstellung? Kann ich nicht mehr soviel aufnehmen, wie ich eigentlich müsste oder sollte?

Das Schreiben gerät mir immer mehr zur Ruheinsel, zu einem Punkt, auf den ich mich zurückziehen kann.
Das Schreiben hilft beim Verarbeiten. Es gibt zwei Ebenen: Die eine Ebene, die nach außen gerichtet ist und neuen „Input“ braucht und dann die Ebene, die alles verarbeitet und durch Nachdenken und Überlegen zu eigenen Schlüssen kommt.

Obwohl ich es nicht geplant habe, haben sich bei mir zwei Pole eingependelt: Auf Facebook und Twitter hole ich mir Anregungen, bin mehr im Außen, auf andere Leute hin ausgerichtet und der Strom an Informationen scheint nicht abzureißen.

Auf meinem Blog kann ich alles in Ruhe verarbeiten. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zum Schluss, dass es wohl genau so sein muss.
Dass man auch hier wieder eine nötige Dualität findet.

Bei Instagram ist es ähnlich. Es gibt User, die haben sehr schnell 1000 oder 2000 Follower und manche Bilder bekommen 10.000 oder sogar 20.000 Likes.
Wer aber braucht diese ganzen Likes eigentlich? Ab wann darf ich mit meinem Bild zufrieden sein?

Es ist doch wie das Geld-System. Leute scheinen zu glauben, wenn sie „mehr“ haben, werden sie glücklicher. Oder sie vergleichen sich mit anderen und fühlen sich besser oder schlechter, je nachdem wie viele Likes sie bekommen.

Diese „Beliebtheit bei anderen“ sagt doch aber gar nichts aus, was ich erlebe, wenn ich ein Bild mache. Ob ich mich dabei gut fühle. Ob ich mich damit ausdrücken kann und meinen Gefühlen nachgehe. Mache ich das Bild nur, damit es schön in Szene gesetzt wird und es andere bewundern sollen?

Oder mache ich das Bild auch erstmal für mich selbst?

Schöne Bilder entstehen oft, wenn man es „fließen“ lässt. Wenn man einfach nur die Natur oder die Stadt geht und ganz spontan entscheidet, was man schön findet oder was nicht. Erfahrungsgemäß sind Perspektiven, die ich spontan als „schön“ oder „besonders“ empfinde auch ganz besonders gut geeignet, um schöne Fotos zu produzieren.

Dann werden die Werke sehr persönlich. Und wer sagt, dass es immer nur „schön“ sein muss? Wie langweilig!
Warum kann es nicht mal nervenaufreibend, hässlich oder trist sein?

Warum kann das Bild nicht mal bestimmte Gefühle wie Ärger, Angst, Ekel oder sogar Wut erzeugen?

Wenn ich mir meine eigenen Bilder so anschaue, dann stelle ich oft fest, dass ich mich um Ausgeglichenheit bemühe.
Auch das sagt viel über mich aus. Ich produziere gerne „Stilleben“, auf denen das Auge ruhen kann. Gähn!

Ich nutze Fotos also zur Entspannung und zur Entschleunigung. Ich fotografiere gerne Szenen, auf denen KEINE Menschen zu sehen sind.

Auch in meinen Bilder suche ich also oft mehr die „Distanz“ und weniger die „Nähe“. Ich fotografiere mich gerne selbst.
Ich würde auch gerne andere Menschen fotografieren, aber ich möchte ihnen nicht zu nahe treten.

Ich müsste sie erst fragen, ob ich das darf. Ich muss mit ihnen Kontakt aufnehmen. Ich muss mich auf sie einlassen, ein Bild von ihnen machen.
Das ist was ganz besonderes. Für gute Porträt-Fotos muss sich auch der Fotograf ändern!

Letztens war ich im Wald. Es kam ein sehr netter, älterer Herr vorbei, der einen tollen, großen, wuscheligen Hund mit schönem Fell und tollen Augen hatte. Meine Mutter hat ihn gleich angequatscht und wir unterhielten uns angeregt mit ihm und über sein Haustier. Ich stand relativ still daneben. Ich hatte die Kamera im Anschlag. Sie war sogar noch an, der Objektivdeckel abgenommen.

Aber ich habe mich in den ganzen 15 Minuten, die ich da stand und zuhörte, nicht getraut zu fragen, ob ich seinen schönen Hund mal fotografieren darf!
Das hat mich geärgert. Daran hab ich gemerkt, dass ich was ändern muss.

Ich will in diesem Jahr mehr Tiere und mehr Menschen fotografieren und ich muss sie fragen, ob das okay für sie ist.

Auch bei Facebook ist mir das aufgefallen! Es heißt doch „Face“ book. Also Gesichter-Buch. Aber die wenigsten Menschen posten Fotos von sich oder ihren Gesichtern. Ist doch eigentlich langweilig! Und wenn, dann sind es meistens Frauen, die sich um Schönheit und Likes bemühen – ist ja auch verständlich.

Aber alle Menschen haben doch Gesichter! Alle Menschen sind für sich genommen schön. Warum sieht man dann nur bestimmte Menschen und warum posten manche Menschen überhaupt keine Gesichter von sich?

Die sozialen Medien zwingen uns in einen Dialog auf die Technik-Ebene. Wir müssen miteinander über Maschinen kommunizieren. Ich finde, wir als Menschen sollten die Kontrolle über die Maschinen zurück gewinnen, indem wir uns menschlich zeigen. Indem wir Gefühle und unsere Gesichter zeigen.