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Läuft

Ein Bild aus Bad Wimpfen, Stauferburg und Türmchen, dunkle graue Wolken am Himmel
Dunkle Wolken

Dieses Jahr war dunkel und der Winter wird noch dunkler werden.

Ich habe eben in den Nachrichten mal wieder etwas Neues gelernt: Möglichkeit, dem anderen zu sagen, dass man nicht einer Meinung ist: Einfach enthaupten.

Das ist praktisch, weil er dann auch nicht mehr reden und denken kann. Der Kopf fehlt ja. Nebenwirkung: Man kann selbst dabei erschossen werden. Dann kann man auch nicht mehr reden und denken. Muss so ein Männerding sein..

Was war sonst noch?
Das kleine Virus hat unsere Gehirne zerfressen, aber die Ängste sind noch nicht vollständig wieder zurück. Wir haben uns an die neue Welt gewöhnt. Umweltkrisen, Überbevölkerung, Klimawandel, Hunger kannten wir ja alle schon. Jetzt kommt eben noch eine Pandemie dazu. Ich fange an, die täglichen Horrormeldungen einfach auszublenden. Es sind einfach zu viele.

Meine sozialen Kontakte sind dies Jahr ganz seltsam. Still und leise. Ich habe zwei enge Vertraute dazu gewonnen. Beide über Instagram, dieses gesegnete Medium. Eine Frau und einen Mann. Für jede meiner Seiten habe ich einen Freund gewonnen. Das ist schön. Es fühlt sich gut an.

Die Verwandten kooperieren auch wieder mehr und man erkennt, dass die wichtigen Menschen enger zusammen rücken. Das ist der Vorteil der Krise.

Beruflich läuft es mit „Höhen und Tiefen“. Mal bin ich auf dem Gipfel der Alpen angekommen, dann wieder im Jammertal.

Seelisch ist es recht belastend. Dafür läuft es mit der Kunst gut.

Im Rad der Corona-Krise

Dieses Jahr fühlt sich leer an. Ohne Liebe, ohne Gefühle. Die Arbeit wird nüchtern verrichtet, Termine werden ausgemacht, eingehalten, abgehakt. Computer werden aufgebaut, installiert, wieder abgebaut. Die Sonne geht morgens auf und abends unter. Dazwischen ist irgendwie „nichts“.

Corona soll sich ja auf die Abstände der Menschen auswirken und diesen „Sicherheitsabstand“ sollen wir immer einhalten. Aber das „social distancing“ führt kurioserweise auch zu einem emotionalen „emotional distancing“

Am letzten Samstag waren wir in Bad Dürkheim. Dort wurde ein großes Riesenrad aufgebaut, eine Fahrt kostet 8 Euro und es geht sogar eine Runde länger als auf dem normalen Wurstmarkt, der immer im September ist. Außerdem ist es höher als das normale Riesenrad.

Auf dem Wurstmarkt war das Riesenrad immer eine große Attraktion. Man musste um einen Platz in der Schlange kämpfen, gerade abends konnte es schwierig werden, eine freie Gondel zu bekommen. Man steigt in das tolle Rad und schwebt mit lieben Menschen an der Seite leise aus den Besuchermassen davon. Meistens ist man leicht angetrunken und die Welt erscheint im rosa-farbenen Schein. Vom Festplatz kriechen die Gerüche nach Bratwurst, Crepe und Pizza nach oben. Alles leuchtet und der Platz strahlt in tausend Lichtern. Die Menschen lachen und feiern, man schwebt kurz über ihren Köpfen, hat den Blick von außen, um dann wieder in die Feierlichkeiten einzutauchen. Es ist jedes Mal ein prickelndes Erlebnis und ich muss einfach jedes Jahr damit fahren.

Aber dieses Jahr vor diesem Riesenrad war alles erschreckend anders.
Es haben sich keine Schlangen gebildet. Keine Kinder haben gejubelt. Es gab keine Weinstände und auch keine Würstchenstände. Kein Geruch. Keine Musik, nur das leise Gedudel, das beinahe entschuldigend aus der Anlage des Riesenrades rieselt. Es war eine dermaßen seltsame und leere Atmosphäre, dass mir fast übel geworden ist. Was für ein Unterschied zum letzten Jahr! Da war ich fast an jedem Wurstmarkt – Tag dort, immer in wechselnder Belegung. Ich habe mehrere Freundinnen getroffen, hab Fotos gemacht, das Feuerwerk abgelichtet, meine Cousine war dort, meine Eltern, mein Mann. Es war so lustig! Die Menschen haben gefeiert, gelacht, getrunken wie das eben so üblich ist in der Pfalz. Aber die Pfalz ohne Weinfeste, das fühlt sich fast ein bisschen norddeutsch an. Da fehlt eindeutig etwas!

Es ist schön und man hat eine gute Aussicht von oben, ja durchaus. Aber das Rad fährt immer den gleichen Weg, eine Veränderung gibt es nicht. Hoch und runter, so wie die Tage langsam kommen und gehen. So wie wir, steckt das Rad im Alltagstrott. Es gibt keine Aussicht. Keine Highlights. Wir drehen unsere Runden in der Corona-Krise und hoffen, dass es bald ein Ende hat.

 

Verantwortung übernehmen

Ich glaube, so langsam dämmert es allen Menschen, dass wir in einer richtigen Krise sind. Dass das jetzt nichts mehr ist, was einfach vorüber geht. Die getroffenen Maßnahmen sind heftig. An meinen täglichen „Wasserstands- bzw. Wortmeldungen“ könnt ihr erkennen, dass sich auch die verwendeten Vokabeln eindeutig verändert haben.
Es wird aber auch ein Ende der Krise geben. Wir werden alle deutlich durchgeschüttelt. Der Virus wird zum „Game Changer“, so wie ich das schon prophezeit habe. Danach wird alles anders werden. Das Gesundheitssystem wird sich neu aufstellen müssen, die Wertschätzung der Pflegearbeit wird endlich neu durchdacht und verändert werden müssen. Die enorm große Abhängigkeit von China wird auf den Tisch gelegt, die Produktion von Medikamenten hoffentlich wieder ins eigene Land geholt. Auch Sicherheitsaspekte, Grenzkontrollen, Notfall-Programme werden eine völlig neue Bedeutung bekommen, denn jetzt kann man nicht mehr sagen: SARS gibt es nur in den asiatischen Ländern! Schlussendlich werden wir aber auch erkennen können, dass wir verletzlich sind und einander brauchen. Dass gegenseitige Solidarität die beste Gesundheitsvorsorge gegen alle Krankheiten und Krisen ist.

Ich habe gestern abend lange mit meiner Schwester telefoniert und sie hat gemeint, dass sie den Eindruck hat, dass bei vielen Menschen die „Realität“ noch nicht durchgesickert ist. Zum Beispiel waren viele ihrer Freundinnen noch vor ca. 3 Wochen im Skiurlaub in Südtirol. Obwohl es sich da schon abzeichnete, dass die Krise dort kommen wird und es von überall schon Virus-Meldungen gab. Sie haben es auf die leichte Schulter genommen und nicht glauben wollen. Und waren jetzt bei der Wiedereinreise überrascht, dass das Gesundheitsamt Quarantäne anordnet! Es ist ja auch nicht zufällig, dass die Bundesländer und Städte, in denen viele reiche Menschen wohnen, auch mehr Geld zum reisen haben und dadurch stärker betroffen sind!

Ich höre außerdem den täglichen Podcast von Christian Drosten (https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html ) , der einen auch immer mit interessanten Informationen über die aktuelle Lage versorgt. Wie wohltuend wissenschaftliche, neutrale Aussagen in diesen Tagen sind! Von ihm stammt z.B. die Information, dass die Gesundheitsämter regresspflichtig sind, wenn sie Veranstaltungen absagen und den Veranstaltern dann Kosten oder Einnahmeausfälle entstehen. Und das ist oft der Grund, warum sie sich dann zurückhalten, obwohl es medizinisch gesehen vielleicht sinnvoll wäre, alles abzusagen. Und immer wieder hört man jetzt die Meldung, dass eine Veranstaltung zwar auf 1000 Besucher gedeckelt ist, aber die Veranstalter dann einfach 999 Besucher anmelden.
Das ist eine Frechheit, finde ich. In dieser Krise sollten alle Menschen versuchen, mehr Verantwortung zu übernehmen!

Wie sind Eure bisherigen Erfahrungen mit der Krise?

Worte des Tages vom 15.3.2020

Bundespolizei
Grenzkontrollen
Knappe Ressourcen
Krisenstab
Ausnahmezustand
5500 Menschen
Hamsterkäufe im grenznahen Bereich
Höchste Alarmstufe
Ausgangsbeschränkung
CureVac
Ostermesse
Sündenablass
Soziale Kontakte
Problemgebiete
Einheitliche Kontrollmaßnahmen
Bundeswehrkrankenhaus
Lohnfortzahlung
Notbetreuung
Regelbetrieb
Videokonferenz
Bewegungsfreiheit
Berufspendler
Kommunalwahlen
Eigener Stift