Kunst im Wechsel zwischen Privatem und Objektivem

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Was aber ist die Aufgabe der Kunst? Warum schreibe ich so einen Text, wie den letzten, eine fiktive Geschichte?

Und was ist die Rolle des Privaten bei all dem?

Warum gehen die Leute ins Theater, warum schauen sie einen Film?

Der gute Künstler ist wie ein Medium, er formuliert und formt seine inneren Gedanken, Bilder, Skulputuren.. er schlüpft in Rollen, er spielt, er probiert aus, er ist frei. Die Kunst ist das Objekt und das Subjekt zugleich, sie ist der Rahmen, die Sprache, der Inhalt, um den es geht.

Genau genommen ist der Akt der Kunst wie ein Spiel und überschneidet sich damit in wesentlichen Eigenschaften: Es ist frei, dient nicht unbedingt einem Zweck (es sei denn, jemand der Teilnehmer sagt, es müsse nun Geld damit verdient werden, was dann nur eine Verlängerung oder Erweiterung des freien Spiels ist).

Der Kunstprozess ist immer persönlich und sehr abhängig vom Subjekt. Wenn das Subjekt sich beispielsweise entscheidet, sich selbst nicht zu zeigen und lieber objektiv sein will- okay dann soll es das tun. Vielleicht wird es irgendwann langweilig.. oder aber, es wird zum Lieblings-Stil?

Drückt man kleinen Kindern Stifte in die Hand, fangen sie an zu malen. Fragen sie, was sie damit machen müssen? Oder zeichnen sie einfach darauf los?

Nur die Mutti, die Psychologen, die besorgten Ärzte, usw. fangen dann zu interpretieren und Fragen zu stellen, aber in der ersten Linie ist die Kunst des Kindes ein originäres Produkt, etwas einzigartiges und bedarf keiner Erklärung. Es ist der Spiegel der Seele, das direkte Abbild, so wie ein Fingerabdruck im Pass, nur noch etwas komplizierter und „vielschichtiger“. In der Kunst kodiert der Mensch sich selbst, schafft eine Sprache und – ganz wichtig- drückt seine Emotionen darin aus. Endweder er redet endlos oder er schreibt, er malt mit bunten Farben, er schneidet Papier… die Kunst ist der direkte Weg zur Seele, nein es ist die lachende Seele an sich.

Kunst kann umgekehrt auch traurig sein, aber letztendlich ist Kunst immer eine gute Verbindung aus emotionalem und lehrreichen… oder sie hat keinen Sinn, verdreht sich selbst? Die Kunst ist regellos.

Menschen, die sich darin vermehrt üben, gelten sodann schnell als chaotisch oder zügellos… die Spießer um sie herum schauen sie verwundert an, sie halten sich an bestimmte Regeln nicht, brechen aus, probieren neues. Wie ein Seemann brechen die Künstler zu neuen Ufern, wie Cyberpiloten steuern sie auf den nächsten Kurs und entdecken täglich neues Land.

Nicht auszuschließen, dass sie damit anecken und sich unbeliebt machen, dann aber ist es nur eine stille Bestätigung für ihre Arbeit, weil sie „getroffen“ haben.

Die gute Kunst ist fortschrittsorientiert und gleicht damit der Wissenschaft und der erfolgreichen Wirtschaft. Umgekehrt würden viele Wissenschaftler auch von ihrem Fach behaupten, dass es ihre Leidenschaft, ihre Kunst ist.
Die Wirtschaft wie ein Kunstwerk zu betrachten, kann helfen, die Vorgänge darin zu verstehen. Wirtschaft ist auch abstrakt, von Menschen geschaffen und dient einem Zweck. Im Grunde ist die ständige Trennung der beiden Sachen nur etwas künstliches.

Kunst als Ganzes ist ein künstlicher, ein abstrakter Begriff.

Die Kunst transzendiert das persönliche, emotionale in etwas Objektives und Greifbares- und umgekehrt.

Daher ist es auch völlig belanglos, ob man entscheidet im Blog nun privates zu schreiben oder nicht. Man wird es letztendlich immer tun. Nur wie, das ist wiederum die individuelle Stil- und Geschmackssache.

Eine gute (gesunde) Gesellschaft produziert eine gewisse Menge an Kunst (kulturellen Gütern), was wiederum voraussetzt, dass genügend Leute, Zeit und Geld vorhanden sind, sich diesen speziellen „Luxus“ zu leisten. Die Kunst hat eine große Bandbreite zwischen, profaner, einfacher, vermaktungsfähiger Kunst und einem hohen Anspruch auf der anderen Seite, der bis hin zur Absurdität und Sinnleere reichen kann.

Hier die richtige Mitte zu finden, kann für den Künstler und die Künstlerin eine Lebensaufgabe werden.

Die Blogs als Unterform der Kunst
Warum aber sind die meisten Blogs beliebt? Wodurch zeichnen sie sich aus? Die Zuschauer, also die Leser und Betrachter des „feeds“ wollen unterhalten werden. Das kann nur geschehen, wenn man sich identifizieren kann, wenn Emotionen und Inhalte vermittelt werden können. Auch der Blog-Autor muss also überlegen, wieviel Trockenheit und Anspruch er in seine Präsentation stecken möchte und wo die Grenze des Zumutbaren und Verständlichen liegt. Man kann sich natürlich stur stellen und einfach die eigene Linie fahren, ohne zu überlegen, ob es ankommt und auf Resonanz trifft. Dann braucht man aber auf der anderen Seite auch kein Blog und könnte nur für sich selbst schreiben. Wer bloggt, will ein Ziel, will ein Publikum und muss daher auch achten, was geschrieben und gesagt wird.

Private Blogs sind deswegen so beliebt, weil Menschen gezeigt werden, weil man jemand über die Schulter schauen kann, usw. Nimmt man meine Argumentation eines vorherigen Artikels– wo ich noch strikt gegen das Private im Netz geredet habe- ist es ein Leichtes, das Ganze umzudrehen und festzustellen, dass das Private auch durchaus seinen Sinn hat!

Auch hier ist wieder die Frage: Wieviel? Wo macht es einen Sinn, wo schadet es vielleicht eher?

Der Blogger hat es nicht leicht und steht jeden Tag vor dieser Frage.

Ein Gedanke zu „Kunst im Wechsel zwischen Privatem und Objektivem“

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