Warum Gleichverteilung nicht funktioniert

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Im letzten Text habe ich den Begriff „Gleichverteilung“ benutzt, ein Schlüsselbegriff aus dem linken und sozialen bis sozialistischen Gedankengut. Vorneweg möchte ich sagen, dass ich im Blog versuche, keine eindeutige, politische Meinung zu formulieren oder gar zu besetzen, sondern immer versuche, unabhängig und objektiv die Dinge zu analysieren und zu beschreiben. Nicht immer gelingt das. In manchen Dingen bin auch ich sehr fester Überzeugung oder es haben sich Sichtweisen und Erfahrungswerte eingeschliffen, die jetzt zu meiner „Überzeugung“ geworden sind- obwohl sie vielleicht falsch sind. Diese gilt es also in regelmäßigen Abständen zu hinterfragen. Ich möchte nicht behaupten, dass jemand „falsch denkt“ und schon gar keine Namen nennen, aber ich will überlegen, was es mit diesen Konzepten auf sich hat und wo sie real anwendbar sind oder reine Spekulation bleiben werden.

Zeit für einen politischen Text!

Der Begriff der „Gleichverteilung“ ist auf jeden Fall ein interessanter und er offenbart im Detail viel Wahrheiten über das eigentliche Denken von Politkern und Polit-Schaffenden, die ja allesamt Menschen- und somit auch fehleranfällig- sind.

Er ist verwandt mit dem Begriff der „Umverteilung“. Es klingt logisch: Wenn ich etwas in der Hand habe, sollte ich es möglichst gerecht an alle in der Runde verteilen. Doch – wie wir später feststellen werden- muss ich zuerst dafür sorgen, dass ich auch von allen gleich viel genommen habe, denn: Alle Menschen sind gleich!

Politik in der heutigen Zeit und in Deutschland scheint sehr berechenbar geworden zu sein: Es geht auf der einen Seite darum, Geld einzunehmen und es auf der anderen Seite wieder auszugeben. Das ist die eine Feststellung: Macht wird immer nur mit Geld verwaltet, eventuell noch mit Verboten und Regeln garniert, aber der Schlüssel zu allem bleibt immer das Geld.

Unser ganzes System ist so vom Geld abhängig, dass wir sogar Gerechtigkeit kaufen können, z.B. durch einen guten Anwalt- und somit ganze Gerichtsverfahren verzögern und verschleppen können.

Unser System wird ferner davon bestimmt, dass es große Unterschiede in den Einkommen und den jeweiligen, damit verbundenen Lebensumständen gibt. Ob sich jemand einen Golf, ein Mercedes oder gar kein Auto leisten kann, beispielsweise. Ob jemand seinen Einkaufswagen jede Woche randvoll packt oder nur ein Drittel- wenn überhaupt- davon bezahlen kann.

Eine Meldung in der Zeitung „Die Welt“ machte mich mal wieder darauf aufmerksam. Preisführer bei den Eigenheimen ist zur Zeit München, wo „das typische Bestandsobjekt in mittlerer bis guter Lage im Durchschnitt 730.000 Euro [..] kostet“.

730.000 € sind eine Stange Geld. Ich will niemanden zwingen, in München zu wohnen, aber angenommen es wäre so, was würde uns das Häuschen im Grünen (freistehend) denn kosten?

Angenommen wir sind gerade 30 geworden, haben einen guten Job und planen für die nächsten 30 Jahre eine Abzahlung des Kredits, das macht im Jahr

730.000 / 30 = 24.333,3 € und pro Monat: 2028 €

2000 € sind ganz schön viel, wenn man überlegt, dass manche Verkäuferin keine 1.400 € im Monat brutto verdient.

Aber es wird noch extremer! Zu den eigenen Kosten kommen jetzt noch die Zinsen dazu, denn die armen, notleidenen Banken verdienen ja hauptsächlich mit der Zinslast der großen Brocken ihr Geld. Je größer der Geldberg, desto größer auch der damit verbundene „Zinshebel“, im negativen Fall -bei Schulden- kann das ganz schön drücken. Viele Leute wissen das nicht, aber die Zinsen sind das eigentlich schwierige bei einem Hauskauf.

Nur eine kleine Beispielrechnung, für das Haus in München habe ich einen Zinsrechner zu Rate gezogen.

Ergebnis:
360 Monate, 4 Prozent
Monatliche Rate: 3.455 €
Zinsaufwand: 513.837 €

(Tilgung ist in diesem Rechner nicht enthalten,
ein anderer ergab für diese Werte ca. 1,65 %)

Laufzeit sind 360 Monate (30 Jahre mal 12 Monate), der Prozentsatz für das Darlehen sind 4 Prozent (je höher, desto mehr Zinsen fallen folglich auch an, ich weiß die aktuellen Zahlen nicht, aber im Moment ist Baugeld „relativ“ günstig).

Das ergibt eine monatliche Rate von 3455 € und eine Gesamt-Zinslast von 513.837 €, die natürlich irgendjemand bezahlen muss, denn davon lebt die Bank. Die Arme. Ein halbe Million, nur für die Bank. Nur weil sie das Geld hat. Darüber sollte man auch mal nachdenken- doch kaum einer macht es.

Um sich so ein Haus zu kaufen, braucht man also ein gutes bis sehr gutes wenn nicht doppeltes, sehr gutes Einkommen (Mann und Frau arbeiten beide).

Am besten sollte man keine Kinder und keine Unterhaltverpflichtungen haben, weil die Rate sonst unbezahlbar wird. Selbst bei Akademikern liegt das Einstiegsgehalt nicht weit über 3000 € brutto.
(Quelle: http://karrierebibel.de/einstiegsgehaeter-2008-was-akademiker-verdienen-koennen/ )

So eine Rate kann also von einem jungen Menschen (Familienvater) alleine gar nicht geschultert werden. Sicherlich ist München ein Extrembeispiel, soll aber verdeutlichen, wie schwer es unter Umständen sein kann, Kapital und Besitz aufzubauen.

Von dem Brutto-Gehalt gehen ja nochmal ca. 40 bis 50 % an Steuern weg, so dass es wirklich fraglich bleibt, wie sowas überhaupt zu bezahlen ist. Um ein Haus zu kaufen, braucht man zusätzlich einen angesparten Bausparvertrag, ein dickes Erbe oder nette, kapitalwirksam helfende „Freunde“.

Doch zurück zur Politik. Sie ist reflexhaft geworden. Sie argumentiert oft nicht mehr sachlich, sondern emotional. „Den Reichen soll genommen werden, den Armen gegeben“ sind die üblichen Sprüche. Umverteilung, am besten Zwangsenteignung scheint wieder ein Konzept zu sein, mit dem sich Leute anfreunden können. Obwohl selbst die reichen Leute hart und lange arbeiten müssen, um sich überhaupt Besitz aufzubauen und ihr Haus abzuzahlen- wie das Beispiel zeigt- wird immer reflexhaft nach dem Griff in den Geldbeutel geschrien.

Politik scheint sich oft nur noch auf Emotionen zu begrenzen und keine Inhalte mehr zu präsentieren. Umverteilung kann nicht funktionieren, weil wir faktisch schon eine Umverteilung haben. Durch das Steuersystem wird den Arbeitenden schon mehr als genug weggenommen, ohne dass sie sich wehren können.

Der viel diskutierte Spitzensteuersatz ist oft Anlass für Diskussionen und Streit. Laut dieser Quelle leisten aber nur fünf Prozent der Steuerpflichtigen 40 % des gesamten Einkommensteueraufkommens. Dennoch versuchen Parteien wie die Linke, mit viel Gewalt und Geschrei, die Sätze noch weiter zu erhöhen und die „Reichen in die Pflicht zu nehmen.“.
Selbst bei schlechtem Willen und ausgeprägter Reichenfeindlichkeit muss man aber zugeben, dass diese Zahlen sehr einseitig sind. „Theoretisch“ perfekt wäre eine linerare, gleichmäßige Verteilung der Steuerlast, doch das Gegenteil hat sich mittlerweile eingespielt. Und das ist die viel beschriebene „Arm-Reich Schere“.

Meiner Meinung nach ist klar, dass das Herumdoktern an den Steuern immer nur eine Verteilung von Symptomen und deren Folgen ist, nie aber eine Wende im Gesamten herbeiführt. Man kann viel über Gleichverteilung sinnieren und dann im Nachhinein versuchen, die Steuergelder in dieser Richtung zu verteilen. Es ist schön, wenn man die Macht hat, über das Geld von anderen zu bestimmen. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass das fremde Geld nicht immer die besten Wege findet und auch gerne verschwendet wird.

Wäre es nicht sinnvoller, wenn wir vornherein mehr Gerechtigkeit, auch bei den Einkommen hätten?

Wieviele Familien werden sich nie das Häuschen im Grünen leisten können, von zwei Autos und drei Urlauben im Jahr mal abgesehen?

Was nützen mir die Kosten für Hartz 4, wenn ich die gleichen Leute, die heute das System belasten, auch morgen arbeiten könnten? Somit wäre allen geholfen: Die Arbeitlosen würden sich nützlich machen und finanziell unabhängig werden. Sie würden gesünder leben, hätten mehr Respekt vor sich selbst, Rückmeldung, Bestätigung und Spaß am Leben. Nicht nur, dass die Arbeitenden Streß und kurze Nächte haben, nein Arbeitslosigkeit ist ebenfalls ein Grund, um hochgradig krank zu werden. (Quelle: http://socio.ch/arbeit/t_a.ruckstuhl.htm )

Die ständige Diskussion um die Umverteilung und das ständige Doktern an neuen Strafgeldern und Regelspielen muss endlich aufhören. Es hilft niemanden: Die Arbeitenden werden zu Unrecht weiter belastet und ächzen unter der Abgabenlast und den (selbst aufgebrachten!) Kosten für die Lebenshaltung. Die Arbeitslosen profitieren nicht von der Arbeit, die ein anderer macht und werden vom System quasi ausgestoßen. Der unübersehbare Schatten der Rationalisierung und „Geiz ist geil“- Mentalität.

Einfachheit wäre Trumpf. Ein einfaches Steuersystem, mehr Chancen für Selbstständige und Freiberufler und die Stärkung des Mittelstands , sowie der „sinnvollen“ Arbeitsplätze. Arbeit muss wieder bezahlbar werden. Der Mensch muss wieder im Mittelpunkt stehen, nicht das Kapital.

Schafft Arbeit und Gerechtigkeit.

……………..

Im nächsten Artikel erkläre ich dann, warum man Arbeit nicht „erschaffen“ kann. 😉

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