Warum es Frauen in der Politik so schwer haben

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Nein, das wird kein Text mit Quellenangaben. Die Beweise dafür habe ich schon zu Genüge gebracht, auf Twitter gepostet, usw. Dies soll ein reiner, subjektiver Bericht werden, eine emotionale Erfahrung, ein Gefühl, eben ein typischer Blog-Beitrag.

Im Grunde frage ich mich, warum es in DE (andere Ländern werden der Einfachheit erstmal ausgeklammert) so offensichtlich ist, dass Frauen noch immer diskriminiert, also ungleich behandelt werden. Dass zwar die Gesetze auf Gleichheit stehen, die Ergebnisse de facto aber ungleich sind. Wir haben z.B. nur eine einzige, weibliche Ministerpräsidentin gehabt, bis 1972 war der Anteil der Frauen im deutschen Bundestag gerade mal bei 5%. Wir verdanken es einer einzigen weiblichen Person, dass Frauen überhaupt im deutschen Grundgesetz vorkommen und Alice Schwarzer ist zwar eine prominente, aber auch recht seltene Vertreterin von radikalem Feminismus und deutlichen Worten.

Es wäre nun falsch anzunehmen, dass wir eine totale Gleichberechtigung haben. Wir haben sie nicht. In den Köpfen werden Frauen immer noch diskriminiert und in der Realität gibt es weniger weibliche Firmenchefs, weniger Abgeordnete, weniger Präsidentinnen…

Das verbreitete Rollenbild betreffend der Frau ist noch immer traditionell, Komödianten wie Mario Barth und Witze über Frauen findet man zuhauf- kaum einer kritisiert es, alle klatschen Beifall, auch die Frauen. Unkontrollierte Entwicklungen wie Gewalt in der Ehe, Abhängigkeit und Unterdrückung, aber auch Belästigung, Diffamierung bis hin zum Mobbing (es muss nicht immer offensichtlich sein: Nicht- Beachten ist auch eine Form des Mobbing) gibt es überall.

Sicherlich kommt Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch „gut weg“, aber „gut weg kommen“ sollte nicht das Ziel sein. Das Ziel sollte die bedingungslose Gleichstellung und die Abschaffung jeglicher Ressentiments und Aversionen sein. Es betrifft nicht nur die Frauen, sondern auch andere damit verwandte Randgruppen, die traditionell eine schlechte, bis gar keine Lobby haben und von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen oder mehr oder weniger öffentlich unterdrückt werden (Schwule, z.B. oder Transgender).

Die Ungleichverteilung von Machtverhältnissen und vor allem die persönliche Unfähigkeit jeden einzelnen, die Frau als Mensch genauso zu respektieren, ist weit verbreitet. Es ist allerdings schwer zu beweisen. Die alltägliche Realität mag eine Sache sein, an die sich viele gewöhnt haben, ja ich bin mir sicher, viele Frauen haben schon längst aufgegeben und glauben nicht an einen Wandel. Wenn der Mann abhaut, fünf Kinder zurück lässt und keinen Unterhalt zahlt, dann ist das faktische Armutsrisiko so hoch wie bei sonst keiner anderen „Bevölkerungsgruppe“. Dass Frauen mehr Rechte wollen und auf Unabhängigkeit und Selbstständigkeit pochen ist gut- dass es aber zu Streit kommt und die Männern einen Strich ziehen- ist keine gute Entwicklung und zeigt, dass es vielerorts keinerlei Toleranz gibt.

Was soll man tun? Soll man den Frauen erzählen, dass die traditionelle Frauenrolle ein Vorteil ist? Angepasst, bequem- aber eben auch ein wenig unfrei? Oder soll man den Männern beibringen, weiblicher zu sein und mehr Verständnis aufzubringen?

Nein, ich glaube diese Dinge kann man nicht „von oben aufsetzen.“. Wandel braucht Zeit heißt es so schön, was wir also brauchen ist Zeit, viel Zeit. Wir müssen uns klarmachen, dass die Gleichstellungsbewegung noch sehr jung, ja jungfräulich bis kindlich ist. Sie ist weit davon entfernt, verbreitet oder gar machtvoll zu sein. Es ist ein Spross, nicht mehr und nicht weniger und es liegt an uns, vor allem aber auch an den Frauen, mehr daraus zu machen und auf mehr Gleichberechtigung und Gleichbehandlung zu setzen.

Wer für Frauen kämpft, kämpft auf der richtigen Seite, denn Frauenthemen sind weiche Themen. Kriege wurden immer nur von Männern geführt, die von Testosteron getränkt, ihren Macht und Einfluss vergrößern wollten und dabei die guten Ratschläge ihrer Frauen meistens ignoriert haben.

Frauenthemen sind soziale, altruistische Themen, sie sind dezentral und Hierarchie-frei.

Warum hat es aber eine Frau nun in der Politik so schwer? Wo liegen die Knackpunkte? Hier ein paar Denkanstöße:

  • Frauen sind von Natur aus auf Teamwork und Kompromissbereitschaft ausgelegt; Politik bedeutet aber Abgrenzung, Erhalt und Ausbau von Macht; genauso wie bei den Geschäftsführern ist das eine Sache, die einer Frau – auch auf Grund der Kultur- nicht unbedingt in die Wiege gelegt werden; Frauen führen anders… nicht unbedingt schlechter!
    Der präsidiale, zurückhaltende Stil einer Angela Merkel wird oft kritisiert; ja Führungsschwäche wird ihr vom rechten CDU/ CSU Flügel in regelmäßigen Abständen vorgeworfen, als ob es ein Manko wäre, wenn man nicht laut herum brüllt, alle anderen dabei übergeht und dumme bis kurzsichtige Entscheidungen trifft.
  • Mangelnde Unterstützung durch Partner, Familie, Eltern und Angehörige: In der Uni trifft Frau vielleicht noch auf Gleichgesinnte, da sie aber ein Wesen ist, dass auf soziale Bindungen und die Meinung ihrer Vertrauenspersonen stark- vielleicht stärker als der durchschnittliche Mann hört- wird sie sehr abhängig von der Meinung dieser Personen; ich betone das immer, wie wichtig es ist, wirklich innerlich unabhängig zu sein und sich eben nicht von den „gut gemeinten Kommentatoren“ oder anderen Meinungen beeinflussen zu lassen- es ist wichtig zu wissen, was man selbst will!
    Menschen manipulieren und lenken gerne unbewusst- ein guter Ratschlag kann da schon mal das Gegenteil bewirken
  • Neid und Konkurrenz durch Gleichgesinnte: Eine Frau, die stark ist und ihren Kopf durchsetzt, wird umso stärker Gegenwind von ihren Kolleginnen erhalten, weil sie sich „unweiblich“ verhält; ganz klar zu sehen war das am sozialen Experiment in der letzten GNTM-Staffel bei dem Model Larissa, die ziemlich unweibliche Züge an den Tag legte und darauf hin heftig gemobbt und ausgegrenzt wurde; Viele Frauen wünschen sich zwar, stark und kühl zu sein (siehe auch das Buch „Bitterfotze“, da kommt diese Thematik auch drin vor), aber wenn eine Frau wirklich mal stark und kühl ist, dann wird sie eher ausgegrenzt als ein Mann
  • Rollenmodelle: Einem Mann wird man seine typische männliche Verhaltensweise eher bestärken und ihn dabei unterstützen; bei einer Frau kommt das Gegenteil vor: je weiblicher und passiver sie ist, je mehr sie allein auf ihre Optik achtet, desto eher wird sie gelobt und soziale Rückmeldungen bekommen; Diese Rollenmodelle sind extremst verbreitet und kommen in nahezu jeder Konversation o. Bewertung bewusst oder unbewusst vor; Da sie eine persönliche, eine emotionale und somit psychologische Sache sind, wird klar, warum man mit der Politik allein nicht viel ändern kann: Befreiungskämpfe von Frauen sind immer auch Selbstbehauptungs- und Befreiungskämpfe gegen ihre Mitmenschen. Und welche Frau kämpft schon gerne gegen andere?
  • Männliche Netzwerke und Hierarchien. Auf Twitter sehe ich fast immer nur, dass sich Männer öffentlich unterhalten- Frauen sieht man prozentual viel weniger und sie treten auch viel weniger selbstbewusst auf. Ich habe schon recht oft gelesen, dass Männer über andere Frauen herzogen oder irgendwie „lästerten“ – bei Frauen habe ich das noch nie gesehen- obwohl es immer heißt, dass Frauen mehr lästern würden als Männer! Diese Hierarchien sind natürlich in Firmen und anderen Institutionen noch stärker ausgeprägt und auch wirkungsvoller. Frauen werden durch den Schulterschluss der Männer quasi ausgeschlossen- eine Kommunikation auf Augenhöhe schwer bis unmöglich.
    Wege bleiben verwehrt.
  • Reduzierung auf den sexuellen Besitz: Die wohl stärkste Triebkraft neben dem Hunger und Überlebenstrieb ist der Sexualtrieb. Wenn eine Frau nicht in den Besitz eines Mannes wandern kann, wird sie für ihn wertlos; eine Frau kann oft nur Erfolg haben, wenn sie diese ungeschriebenen, sexuellen Dominanz-Regeln des Mannes befolgt; umgekehrt ist das fast nie der Fall; weibliche Dominanz eine Seltenheit
    Ich habe schon oft erlebt, dass mich Männer umgarnen und nett zu mir sind, aber wenn ich klar gemacht habe, dass ich nur „reden“ will und keinerlei Avancen mehr gezeigt habe, wurden sie plötzlich sehr unfreundlich- bis hin zum völligen Beziehungsabbruch; das ist für mich der eigentliche Skandal- die eigentliche Grenze des Belastbaren und der größte, zu überwindende Berg
  • Frauen kommunizieren nicht nur emotionaler und persönlicher- es wird im Umkehrschluss von ihnen auch oft erwartet, dass sie das tun. Wenn nicht: Ignoranz.
  • Erwartungen an die Frau als Ehefrau und Mutter; was gibt es da noch zu erklären? Eine Mutter ist eben eine Mutter und keine Präsidentin. Eine Mutter ernährt, eine Präsidentin befiehlt; eine Mutter gibt, eine Politikerin nimmt; Abgründe und Widersprüche, die man erstmal irgendwie vereinen muss. Aber wie?

Fazit

Ich würde sagen, die neue Frauengeneration hat es nicht leicht. Gleichberechtigung von Frauen wäre für mich auf jeden Fall eine Wahlkampf-Thematik, leider ist sie in der öffentlichen Diskussion derzeit nicht so verbreitet. Wer aber genau hinschaut und die Zusammenhänge, vor allem innerhalb der sozialen Gemeinschaft, untersucht wird feststellen, dass die Gleichstellungsthematik ein „Meta-Thema“ ist, ein Schlüssel zu vielen weiteren Problemen. Richtig gelebte Gleichstellung, vor allem in den Köpfen könnte viel Leid verhindern. Richtige Zusammenarbeit zwischen den Geschlechtern müsste frei von Angst und Berechnung wieder möglich sein. Der soziale Zusammenhalt muss gestärkt werden, Familien müssen gefördert werden, aber so, dass die Stellung der Mutter und Frau gestärkt wird- was letztendlich auch für den Vater von Vorteil ist.

Gleichberechtigung ist ein Zukunftsthema.

Zum Schluss möchte ich daher noch auf eine kleine Partei hinweisen, die sich vor allem für die Gleichstellung von Frauen einsetzt:

Die Frauen (http://www.feministischepartei.de/)

Aber auch die Grünen und vielleicht sogar die Linken scheinen Parteien zu sein, bei denen dieses Thema im Parteiprogramm stehen dürfte.

15 Gedanken zu „Warum es Frauen in der Politik so schwer haben“

  1. Du weißt, dass ich ein schwieriger Kommentator bin!? Und, dies wird ein längerer Kommentar 😉

    „Wir verdanken es einer einzigen weiblichen Person, dass Frauen überhaupt im deutschen Grundgesetz vorkommen und Alice Schwarzer ist zwar eine prominente, aber auch recht seltene Vertreterin von radikalem Feminismus und deutlichen Worten“.

    Du meinst sicher, dass Elisabeth Selbert im Parlamentarischen Rat das GG mit vorbereitet und SIE dafür gesorgt hat, dass der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ins GG aufgenommen wurde. Alice Schwarzer hatte damit nun nicht das Geringste zu tun. Sie hat andere Verdienste.

    „Das Ziel sollte die bedingungslose Gleichstellung und die Abschaffung jeglicher Ressentiments und Aversionen sein.“

    Per Gesetz definitiv nicht zu erreichen. Da gilt es, die Köpfe der Männer zu … renovieren. Wir denken nämlich mit den Augen 😉 Zu oft und zu viele meiner Gattung jedenfalls. Und, patriarchalisches Denken wird von vielen Vertreterinnen der Gattung Frau gefördert, die ihre Männer nach der Brieftasche, sprich einem gesicherten Einkommen aussuchen!

    „ … vor allem die persönliche Unfähigkeit jedes Einzelnen, die Frau als Mensch genauso zu respektieren, ist weit verbreitet. Es ist allerdings schwer zu beweisen.“

    Da gehst Du m. E. zu weit, viel zu weit. Als was sehen wir Männer die Frauen Deiner Ansicht nach? Als Sexobjekte, reine Lustbefriediger? Als Hausgehilfinnen, Dienstbotinnen? Tiere? Sicher gibt es Idioten, die so denken – doch das sind die Ausnahmen! Und nicht anders herum.

    „Dass Frauen mehr Rechte wollen und auf Unabhängigkeit und Selbstständigkeit pochen, ist gut …“
    Nein! Das ist unnötig! Sollte es sein. Es gilt nur, die VORHANDENEN, gleichen Rechte endlich in die Realität umzusetzen! Unabhängigkeit und Selbständigkeit sind gegeben – solange keine Kinder im Spiel sind. Leider hast Du recht, wenn Du hier Ungerechtigkeiten beklagst. Das ist eine große Sauerei; doch die kann per Gesetz geändert werden. Halt: könnte! Aber da ist Frau von der Leyen offensichtlich nicht emanzipiert genug!

    „Wer für Frauen kämpft, kämpft auf der richtigen Seite, denn Frauenthemen sind weiche Themen. Kriege wurden immer nur von Männern geführt, die von Testosteron getränkt, ihre Macht und Einfluss vergrößern wollten und dabei die guten Ratschläge ihrer Frauen meistens ignoriert haben.“

    Das ist ein „Aua“-Abschnitt. Pures Klischeedenken. Ich sage doch auch nicht, alle Frauen im Minirock wollen es „ordentlich besorgt“ bekommen. Entschuldige, aber nicht nur Testosteron verursacht Gewalt! Frauen morden auch. Nur … subtiler.
    Die Mär vom kriegerischen Mann und der weisen Frau – ist doch meistens eine Mär. Intrigen an den Höfen führten oft zu Kriegen, angefacht von Frauen. Gebt den Frauen endlich die Macht, Präsidentinnen zu sein – sie werden nicht weniger Kriege führen als die Männer.
    Glaubst Du ernsthaft, Frau Merkel würde anders entscheiden als Herr Kohl oder Herr Schröder?

    „Frauenthemen sind soziale, altruistische Themen, sie sind dezentral und Hierarchie-frei.“

    Och büdde – Frauen kämpfen nicht um höhere Positionen, wollen keine Macht? Auch das ist Klischee – das hilft keinem weiter. Nur weil sie ungerechterweise nicht so oft gewinnen dürfen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie es nicht TUN! Frauen sind nicht selbstlos.

    „Ich habe schon oft erlebt, dass mich Männer umgarnen und nett zu mir sind, aber wenn ich klar gemacht habe, dass ich nur “reden” will und keinerlei Avancen mehr gezeigt habe, wurden sie plötzlich sehr unfreundlich- bis hin zum völligen Beziehungsabbruch; das ist für mich der eigentliche Skandal- die eigentliche Grenze des Belastbaren und der größte, zu überwindende Berg“

    Entschuldige, da kennst Du die falschen Männer. Alle Männer wollen immer NUR das Eine. Nicht reden, nur ficken. Das nervt mich! MANN kann auch reden – gerne sogar. Auch mit Frauen. Wirklich!
    Ich kann auch von Fällen berichten, wo Männer für Frauen uninteressant wurden, weil sie den falschen Beruf hatten. Das sind Charakterschwächen – auf beiden Seiten. Generell helfen Verallgemeinerungen keinem weiter. Es gibt immer so´ne und solche. Gut, etwas mehr so´ne 😉

    „Richtige Zusammenarbeit zwischen den Geschlechtern müsste frei von Angst und Berechnung wieder möglich sein. Der soziale Zusammenhalt muss gestärkt werden, Familien müssen gefördert werden, aber so, dass die Stellung der Mutter und Frau gestärkt wird- was letztendlich auch für den Vater von Vorteil ist.
    Gleichberechtigung ist ein Zukunftsthema.“
    Da sind wir wieder so was von einer Meinung – wenn ich das als Mann sagen darf. Ohne dabei als weiblich zu gelten 🙂 Nun, in meinem Fall, schon rein optisch, eher unwahrscheinlich. Mir liegt viel daran, dieses Thema etwas subtiler zu betrachten, als Du es teilweise getan hast. Du hast in ganz vielen Dingen m. E. den Nagel auf den Kopf getroffen – und andererseits bedienst Du die gleichen Klischees wie die Männer. Nur anders herum.
    Leider ist mein Kommentar schon viel zu lang und ich wollte mich nicht direkt unbeliebt machen 🙂 Falls es nicht schon passiert ist! Doch über dies Thema gäbe es noch sehr viel zu sagen. Mann könnte mit Frau darüber nächtelang philosophieren – und hätte doch nur zwei nicht repräsentative Meinungen!
    Und, ohne Dir gleich unter den Rock schauen zu wollen, möchte ich Dir sagen, dass ich dieses Blog sehr lesenswert finde und Du eine sehr engagierte und gut zu lesende Art hast, Dinge beim Namen zu nennen. Daher werde ich Dich, Dein Einverständnis hast Du ja in Deinem Blog gegeben, gerne verlinken. Und hoffe, Du kannst meine offene und ehrliche Art ver- und ertragen. Dann könnten wir noch so manchen Strauß ausfechten 😉 Auch wenn ich nur ein Mann bin …

  2. @ der werthe(r) Geheimrat:

    Das mit dem schwierigen Kommentator habe ich schon mitbekommen. 😉 Aber, kein Problem- dazu habe ich das Blog. Ich mag lange Kritik (….) und ich will mich dem auch stellen. Ich bin nicht perfekt und ich erwarte auch von niemanden, dass er „perfekt kommentiert“. Du machst dich damit auch nicht unbeliebt- im Gegenteil- je mehr die Leute erzählen, desto besser. Wenn niemand etwas erzählt, kommt auch keine Diskussion zustande und das wäre dann letztendlich für alle Beteiligten das Schlechteste.

    Also… zur Sache:

    Mit dem ersten Absatz hast du natürlich recht. Den habe ich falsch formuliert. Ich meine es so, wie du beschrieben hast und die arme Alice Schwarzer hab ich ein wenig (grammatikalisch) mit der anderen Frau vermengt. Danke für die Richtigstellung!

    Auch der erste Einwand ist prinzipiell richtig. Mit dem Gesetz schaffen wir die Gleichstellung nur bedingt. Aber das mit den Köpfe renovieren, das klingt gut. Da hätte ich schon ein paar Ideen. 😉

    Dass „die Frauen umgekehrt auch viel falsch machen“, ist klar. Wichtig aber (sehr wichtig sogar!) : Wir müssen zwischen objektiver und subjektiver Ungleichbehandlung trennen. Es geht nicht darum, jemanden Schuld in die Schuhe zu schieben oder zu überlegen, wer mehr Fehler macht.

    Ich möchte immer wieder betonen, und werde es bei Bedarf auch weiter beweisen, dass Frauen (aus welchem Grund auch immer!) den Männern in vielen Dingen im Nachteil sind- auch in DE. Ich meine damit objektive Zahlen wie z.B. Zahl der Geschäftsführerinnen, Frauen in Führungspositionen, Frauen in Naturwissenschaften, in Politik, im Bundestag, Ungleiche Bezahlung, mehr Frauen in schlechten Jobs, Anzahl der Hausfrauen, usw.

    Hier sprechen die Zahlen, also die Statistik doch ganz klar dafür, dass die Frauen objektiv weniger und schlechter vertreten sind, dass sie weniger verdienen und generell weniger „messbare Macht“ verwalten. Dass sie im Geheimen vielleicht die Fäden in der Hand haben und subtiler lenken, ist auch richtig- aber zugleich auch ein Warnsignal. Denn eine Frau, der man objektive Macht einräumen würde, bräuchte vielleicht nicht auf solche Mittel zurück zu greifen.

    Im Grunde habe ich mit dem Blog-Artikel nichts anderes gemacht, als diese schlichte Erkenntnis der Ungleichstellung ein wenig zu emotionalisieren, um damit wach zu rütteln. Mir geht es um zweierlei: Einmal sollen die Frauen selbst erkennen, dass sie viel ändern können- dass sie viele Möglichkeiten haben und diese nutzen müssen. Ich will also Frauen den Rücken stärken und ihnen Gründe und Motivation für ihre Selbstständigkeit liefern. Auch ein wenig mir selbst, denn ich bin nicht besonders emanzipiert, es ist mehr ein leidenschaftliches Hobby und ein Ideal von mir.

    Ich will auf der anderen Seite aber auch den Männern klarmachen, dass sie eine Verantwortung tragen, dass sie daran beteiligt sind, dass sie als Mensch wichtig sind und dass ihre Meinung- vor allem in Bezug auf Frauen- sehr wichtig und prägend ist!

    In den letzten Artikeln, die ich über Ungleichbehandlung geschrieben habe, hatte sich Medioman (Hartmut) stark eingemischt und auch berechtigte Kritik und Einwände vorgetragen- das ist gut so. Ich finde es ein wenig erstaunlich, dass es vor allem die Männer sind, die das machen- obwohl ich die Texte in erster Linie für Frauen schreibe. 😉

    …..
    „Vorhandene Rechte umsetzen?“ Richtig: Genau ins Schwarze getroffen. Darum sollte es gehen. Hier liegt die Chance.

    „Wer für Frauen kämpft..“ und

    „Kriege von Männern“ sind zwei verschiedene Sachen. Ich hab sie etwas vermengt, sorry dafür.

    „Die selbstlose Frau“- bei der These bin ich mir schon öfters unsicher gewesen. Aber die Tatsache, dass eine Mutter im Schnitt anders denkt und im Allgemeinen mehr im Dienst für das Leben steht, während Männer auf der Jagd waren und Kriege geführt haben, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Oder?

    „Die netten Männer, und die, die nur ficken wollen“. Ich weiß nicht. Das ist wirklich Erfahrungssache. Vielleicht bin ich auch überempfindlich. Ich müsste da bessere Beweise anbringen. Und ich lasse mich natürlich auch gerne vom Gegenteil überzeugen. Bin ja nicht so. 🙂

    So , den Rest hebe ich für deine nächsten Kommentare auf. Denn ich bin mir irgendwie sicher, dass da noch was kommen wird. Wäre schön!

    Viele Grüße
    Julia

  3. Hallo Julia,

    hier nun meine Replik: 🙂

    „Aber die Tatsache, dass eine Mutter im Schnitt anders denkt und im Allgemeinen mehr im Dienst für das Leben steht, während Männer auf der Jagd waren und Kriege geführt haben, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Oder?“

    Genau – oder 🙂 Den dieses Verhalten stammt noch aus den Urzeiten der Menschheit: Der Mann, körperlich stärker, ganz anders anatomisch konstruiert (Jahrhunderte währende Evolution) ist der Jäger und somit der Ernährer der Familie. Er war ergo wichtig und schlicht der Stärkere – und somit der Boss. Instinktgeprägtes Verhalten … Die Reste davon knabbern wir in der Neuzeit ab – doch bis sich die Gene an so etwas anpassen – keine Ahnung, wie lange dies dauert. Die Frau bekommt die Kinder – wie logisch ist es da, dass sie für sie auch stärker verantwortlich ist/war? HEUTE muss es nicht mehr so sein, richtig. Da wären wir wieder bei der Renovierung der Köpfe. Doch natürlich ist das alles nur die halbe Wahrheit. 🙂

    zu Köpfe renovieren:
    „Da hätte ich schon ein paar Ideen. ;-)“

    Na, dann formuliere sie doch einmal. DAS wird ein sehr schöner Artikel! Mit vielen Kommentaren 😉

    „Ich möchte immer wieder betonen, und werde es bei Bedarf auch weiter beweisen, dass Frauen (aus welchem Grund auch immer!) den Männern in vielen Dingen im Nachteil sind- auch in DE. Ich meine damit objektive Zahlen wie z.B. Zahl der Geschäftsführerinnen, Frauen in Führungspositionen, Frauen in Naturwissenschaften, in Politik, im Bundestag, ungleiche Bezahlung, mehr Frauen in schlechten Jobs, Anzahl der Hausfrauen, usw.“

    Brauchst Du nicht – ist eindeutig so!

    „Ich will also Frauen den Rücken stärken und ihnen Gründe und Motivation für ihre Selbstständigkeit liefern. Auch ein wenig mir selbst, denn ich bin nicht besonders emanzipiert, es ist mehr ein leidenschaftliches Hobby und ein Ideal von mir. „
    Ein Selbsthilfe-Blog also 😉 Warum bist Du nicht emanzipiert? Mmmmh, geht für einen Kommentar evtl. zu weit – können wir aber gerne per Email ausparlieren. Adresse in meinem Impressum. Gäbe es auch viel dazu zu sagen …

    „Ich will auf der anderen Seite aber auch den Männern klarmachen, dass sie eine Verantwortung tragen, dass sie daran beteiligt sind, dass sie als Mensch wichtig sind und dass ihre Meinung- vor allem in Bezug auf Frauen- sehr wichtig und prägend ist!“
    Dieser Ansatz ist goldrichtig. Damit wäre aber nur die Hälfte der Arbeit erledigt! Auch viele Frauenköpfe sollten mal generalüberholt werden … Ich denke, hier lautet das Zauberwort schlicht partnerschaftlich!

    „Ich finde es ein wenig erstaunlich, dass es vor allem die Männer sind, die das machen- obwohl ich die Texte in erster Linie für Frauen schreibe. ;-)“
    WIR Männer nehmen Frauen halt ernst – wollen sie als Partner! Als gleichberechtigten Partner natürlich, an dem wir uns messen können. Doch andere Eigenschaften dürfen/sollen Frauen schon haben. Gegenpole sind ebenfalls wichtig. „Mannweiber“, um es despektierlich zu sagen, sind für viele Männer uninteressant. Mann sind sie selbst. Natürlich gibt es da auch Ausnahmen. Doch die emotionale Ebene hat mit Gleichberechtigung m. E. wenig bis nichts zu tun. Zwei paar Schuhe?!

    „“Die netten Männer, und die, die nur ficken wollen“. Ich weiß nicht. Das ist wirklich Erfahrungssache. Vielleicht bin ich auch überempfindlich. Ich müsste da bessere Beweise anbringen. Und ich lasse mich natürlich auch gerne vom Gegenteil überzeugen. Bin ja nicht so. :-)“

    Oh, vielen Dank, gnädige Frau 🙂 Schlechte Erfahrungen – hast Du meinen „Der Spiegel des Lebens“-Artikel gelesen? Die Aura formt den Raum? Mit was für Gestalten verhüllst (umgibst) Du Dich? Ich denke, da könnte die Antwort liegen. Welche Art Männer ziehst Du an? Geht schon wieder zu weit – entschuldige …

    Bevor ich mich zu warm schreibe, höre ich lieber auf 😉

    Herzliche Grüße,
    Ralph

  4. Nein, das ist kein reiner Selbsthilfe-Blog. Ich fühle mich rundum wohl. 🙂 Aber ich kann ja nur darüber authentisch schreiben, wenn ich es selbst im Leben vertrete. Vieles ist Theorie, manches gelebte Erfahrung- aus der Summe entstehen dann die Texte. Mehr kann und will ich eigentlich nicht verraten. Ein wenig Spaß am Entschlüsseln müssen die Leser auch noch haben. 😉

    Emanzipiert ist ein sehr allgemeiner Begriff- und ich hadere noch mit der Definition:

    Bedeutet es Männer zu hassen?
    dann bin ich es nicht

    Bedeutet es, ohne Männer leben zu können?
    nein, kann ich nicht

    Bedeutet es, selbstständig zu leben und keinen Partner zu wollen?
    Nein, bin nicht emanzipiert.

    Bedeutet es, eine eigene Meinung zu haben?
    Oh ja, die hab ich!

    Bedeutet es, sich für Gleichberechtigung „auf Augenhöhe“ einzusetzen zu wollen und darüber nachzudenken?
    Ja, dann bin ich emanzipiert!

    Bedeutet es, Vorurteile zu hinterfragen und skeptisch zu sein?
    bin ich

    Bin ich ein Mannweib?
    Ich hoffe nicht.

    Bin ich eine Frau?
    Meistens. 🙂 Aber ich dehne den Begriff „Frau“ sehr weit und hoffe, dass sich die Ausläufer irgendwann mit dem Begriff „Mann“ vereinen…. sonst gäbe es keine Schnittmengen.

    Wir können an sich gerne mal Emails schreiben, oder auch chatten, beispielsweise mit ICQ oder MSN… wenn du etwas davon nutzt. Ich muss da mal so ein Kontakt-Plugin installieren für diese Sachen. Auf jeden Fall geht es immer- per Mail (julia@julia-adriana.de).

    mfg, Julia

  5. „Emanzipiert ist ein sehr allgemeiner Begriff- und ich hadere noch mit der Definition:“

    Manchmal hilft der Duden ja auch weiter:

    e|man|zi|piert: die traditionelle Rolle [der Frau] nicht mehr akzeptierend, selbstständig, unabhängig, selbstbewusst

    Mit dieser Definition kann Mann leben. Frau auch?

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