Virtuelle Sozialkontakte

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Das Nachdenken über die Twitterei zeigt zugleich die positiven wie negativen Aspekte des Denkens.

Wie immer, gibt es nämlich Vor- und Nachteile daran. Nehmen wir die Tatsache, dass jemand Fernsehen sieht, z.B. eine beliebte Fernsehshow, und dazu mit anderen darüber twittert. Zuerst möge man denken, dies sei eine komische Art und Weise „gemeinsam zu fernsehen“ und es mag etwas abschrecken. Warum machen Menschen das und ist das eine sinnvolle Art und Weise des Zeitvertreibs? Überhaupt sind „virtuelle Freunde“ etwas komisches und man muss sich erst daran gewöhnen, Zeit und Energie in dieser dubiosen Datenwolke zu verbringen, über die momentan so viel berichtet wird. Traditionelle Medienkritik ist sehr leise geworden, aber nichtsdestotrotz darf man den Blick für Gefahren nicht aus den Augen verlieren. Wer könnte es besser, als die Nutzer selbst?

In Zeiten von Energieknappheit und beschleunigten Abläufen liegt es nahe, Zeit und Geld zu sparen, indem man sich Freunde aus der Datenleitung vor das Sofa holt. Bei Bedarf noch ein wenig chatten oder die Videokamera an und schon gleicht die virtuelle Kommunikation der „echten“- bis auf die Gerüche und die reale Präsenz mal abgesehen (was vielleicht auch ein Segen sein kann, gerade bei den Gerüchen….)

Ist das jetzt „schlechtere Kommunikation“? Wird man durchs Twittern und bloggen vielleicht einsam? Oder werden die Grundvorraussetzungen von Kommunikation derartig eingehalten, dass man getrost sagen kann, es sei nicht ungesund?

Obwohl dies der Grundpfeiler jedes Bloggers sein müsste, findet man zu dem Thema nur wenig. Vielleicht sind die meisten Blogger und Twitterer einfach soweit, dass sie die Vorteile der virtuellen Kommunikation soweit schätzen gelernt haben, dass sie zu dieser Entscheidungsebene gar nicht mehr zurückgehen und sie irgendwie als „ok“ abgehakt haben.

Es fällt mir immer nur bei denjenigen auf, die nicht bloggen oder twittern und dem Ganzen dann negativ und ablehnend gegenüber stehen. Wenn ich mir ihre Argumente so anhöre, wird mir bisweilen Angst und Bange und ich denke, dass ich vielleicht im falschen Zug sitze?

Die Essenz jeder Kommunikation ist „Datenaustausch“ bzw. „Informationsaustausch“. Hier ist das Internet stark und es gibt keine Nachteile, eher Vorteile, weil mehr Informationen als üblich ausgetauscht werden, manchmal zuviel (Reizüberflutung).

Aber auch Sekundärelemente wie Vermittlung von Zuneigung, Ablehnung, emotionale und zwischenmenschliche Konflikte sind für den Menschen wichtig. Zum Beispiel zur Verbesserung der sozialen und emotionalen Intelligenz und weil der Mensch grundsätzlich ein Gesellschaftswesen ist.

Denkt man an die Wirkweise der Spiegelneurone wird klar, dass auch ein direktes Sehen des Gegenüber nicht unwichtig ist, um dessen Gefühlszustand zu kopieren bzw. „zu empfinden“. Spiegelneurone werden aber (soviel ich das verstanden habe) auch bei der Vorstellung über eine Sache, bei Lauten, Handlungen, usw. aktiv und gelten als „Simulationszellen“ für eine reale Tat. Das heißt, unser menschlicher Körper besitzt die grundlegende Fähigkeit, sich eine Sache vorzustellen oder soweit zu simulieren, dass sie beinahe als real gesehen wird. Die virtuelle Welt in ihrer Gesamtheit (also Internet, Chat, Blogs, Spiele, usw.) macht nichts anderes, als unser Gehirn ständig auf dieser virtuellen, abstrakten Ebene zu trainieren und für das „echte Leben“ vorzubereiten. Denkt man die real mögliche Vernetzung von virtueller in reale Währung (z.B. in Secondlife) oder die machtvollen Fähigkeiten von Sozialkontakten in Facebook, Xing, usw. wird schnell klar, dass die Art und Weise der genutzten Schnittstellen es sind, die den Grad meiner „letztendlichen Realität“ bestimmen.

Bloggertreffen oder Twitterlesungen sind ebenfalls Dinge, die das virtuelle Denken in reale Taten, echte Menschen und „Greifbares“ umwandeln. Zuerst war das Netz, der Gedanke, dann das Treffen und -bei ausreichender Pflege- die soziale Bindung!

Es liegt also an jedem selbst, wieviel Realität er aus der virtuellen Welt zieht und umgekehrt. Ich empfinde z.B. gerade die Tatsache, dass man nicht so verletzt werden kann und bei Nichtgefallen einfach den Strom auslässt und bestimmte Dienste nicht nutzt oder Menschen meidet, sehr befreiend und angenehm! Gerade die Freiwilligkeit und die Nicht-Notwendigkeit zur Verpflichtung befreit die virtuelle Kommunikation um unnötige Zwänge und verbessert ihre Auswirkung.

Auch andere Aspekte, wie z.B. die Geschwindigkeit und die Möglichkeit „zu wählen“ sind enorm.

Mal angenommen heute abend läuft eure Lieblings-Fernsehsendung. Würdet ihr jetzt bei Regen von Haus zu Haus gehen und überall nachfragen, ob jemand mitschaut? Selbst wenn, die Gefahr wäre groß, dass man sehr lange braucht, vielleicht bei Hunderten Haushalten klingelt, sich lächerlich macht, abgewiesen wird, keine Gleichgesinnten findet, nass wird, Gefahren ausgesetzt ist, usw.

Bis dahin wäre die TV-Sendung längst vorbei!

Wie einfacher es da ist, an den PC zu gehen und sich mit ein paar Mausklicks diejenigen Menschen rauszusuchen, die genau das gleiche machen und gerade dazu schreiben wollen- und selbst wenn sie in Berlin, Hamburg oder Köln leben!

Dennoch, wenn man den Fernseher ausmacht, ist man wieder einsam, hat sich real nicht viel verändert. Es bleibt nur einfach das Gefühl, dass man mit anderen zusammen Fernsehen geschaut hat, dass sie virtuell bei einem waren. Seltsam!

Und ist nur diese Simulation einer Tat ausreichend für den Menschen, glücklich und ausgeglichen zu sein, sich im sozialen und emotionalen Bereich befriedigt zu sehen?

Was meint ihr?

Wo sind die Gefahren der virtuellen Kommunikation? Was habe ich übersehen? Wie sehen klassische Negativ-Beispiele aus?

Wo aber gibt es Leute, die von den sozialen Fähigkeiten des Internets soweit profitiert haben, dass sie durchweg als Gewinner anzusehen sind?

Nicht geschäftlich, sondern vor allem menschlich?

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Noch ein paar Links via Google als Ergänzung:


22 Gedanken zu „Virtuelle Sozialkontakte“

  1. Also einsam bin ich noch nicht geworden, aber du hast schon recht, ein wenig aufpassen sollte man schon mit wem man so tippert. Aber ich denke, das ich das ganz gut im Sinn habe. Wer gut für mich ist, und wer nicht. Gerade bei Blogs lernt man ja den Menschen kennen.

  2. Die digitale Kommunikation sollte die reelle im Idealfall ergänzen. Eine Gefahr im Twittern und Bloggen liegt darin, das Mass zu verlieren und zu viel zu kommunizieren und vor lauter Kommunizieren nichts anderes mehr zu tun. Phasen der Kommunikation müssen von Zeit zu Zeit von Phasen des Denkens und des Handelns abgelöst werden. Die vielen Anregungen und Ideen und Kommunikationsfetzen müssen manchmal zusammengefügt werden, um ihnen einen Sinn zu geben.

  3. Ich sehe es grundsätzlich auch so wie der sonst stetig Fragende es dargestellt hat.
    Allerdings bin nach wie vor davon überzeugt, dass erst die richtige Nutzung dieses Mediums seine wahre Bedeutung für unsere Lebensweise offenbaren kann und wird.

    Hierbei darf nicht vergessen werden, dass das Wissen an und für sich immer komplexer wird und daher in immer weniger Fällen von Einzelnen erfassbar ist. Soweit ich diese beobachtet habe ist dies in der sog. Gentechnik schon seit einer Dekade so. Es braucht ganze Gruppen um kleine Aspekte dieses Themas zu erweitern, noch komplexere Fragmente zu entschlüsseln.

    Im Zuge dieser Entwicklung und den Umstand berücksichtigend das wir es normaler Weise der individuellen Entscheidung des Einzelnen überlassen auf welchem Gebiet er/sie tätig ist, werden wir also dazu gezwungen sein Gruppen über sehr große Distanzen zu bilden. Die aktuellen Lösungen hierzu sind allerdings mehr als mangelhaft…

  4. Die reale Kommunikation – zum Beispiel bei einer Tasse Kaffee am Küchentisch – besitzt eine Unmenge an Faktoren, die auf virtuellem Wege komplett verlorengehen.

    Und da sind die erwähnten Gerüche nur ein ganz kleiner Aspekt. Berührungen beispielsweise sind ein elementarer Bestandteil von menschlicher Kommunikation – sei es ein leichtes Tippen an den Arm, um Aufmerksamkeit einzufordern, oder ein sanftes Anfassen, um Trost zu spenden oder Verständnis zu signalisieren.

    Auch die körperliche Nähe spielt eine Rolle. So kann ich durch ein Zurücklehnen räumliche Distanz schaffen und durch ein Vorbeugen diese wieder verringern. Je nachdem, inwieweit ich mit dem, was mein Gegenüber mir gerade sagt, einverstanden bin.

    Die zwei Gesprächspartner am Küchentisch haben zudem eine gemeinsame Umgebung. Kaffeetassen, ein Aschenbecher, die Tischplatte, vielleicht noch ein Teller mit Gebäck oder ein paar Zeitschriften. All diese Objekte kann man in eine Unterhaltung einbauen, sie verwenden, um Dinge zu erklären oder mit ihrer Hilfe ein neues Thema anzuschneiden.

    Achja, und man muß auch nicht im Fokus einer Webcam sitzen bleiben. Man kann aufstehen, um eine stärkere Gestik zu verwenden oder Objekte aus einer gewissen Entfernung holen und in die Kommunikation einbinden – kurz gesagt: man kann dreidimensional sein.

    Diese Dinge (und vermutlich noch einiges mehr) funktionieren via Chat, Mail, Twitter, Webcam oder Teamspeak nicht. Allein aus diesem Grunde halte ich die virtuelle Kommunikation für eingeschränkt. Und es ist im Prinzip immer als negativ zu bewerten, wenn sinnvolle Errungenschaften verloren gehen.

    Auf der anderen Seite bedeutet das aber auch nicht den sofortigen Weltuntergang. Seit 100 Jahren gibt es Telefone, die eine ähnliche Einschränkung der menschlichen Kommunikation mit sich gebracht haben, und letztendlich hat man diese Technologie ganz vernünftig in den Alltag eingebaut.
    Die Menschen sind kreativ damit umgegangen, haben versucht, fehlende visuelle Aspekte durch sprachliche Mittel (Betonungen, Geräusche, Schlagwörter, Kraftausdrücke) zu kompensieren, und das Telefon schließlich eher als Ergänzung und nicht als Ersatz von Kommunikation zu verwenden.

    Den neuen virtuellen Methoden wird es auf die Dauer ähnlich ergehen, allerdings ist dieser Prozeß insofern chaotisch, da alle paar Monate ein neues Kommunikationsmittel auftaucht, das – weil es ja so schick und modern ist – dann direkt bis zum Anschlag genutzt, ausprobiert und durchdiskutiert wird.

    Ich selbst weiß übrigens bis heute nicht so richtig, wie Twitter funktioniert – und ich bin mir sicher, daß das auch völlig egal ist, da in zwei Jahren niemand mehr von Twitter sprechen wird. Und bevor ich meinem Nachbarn eine Mail schicke, gehe ich doch besser rüber und klingele an seiner Tür. Vielleicht fällt dann sogar eine Tasse Kaffee dabei für mich ab.

    Y

  5. Also, mich vereinsamt die virtuelle Kommunikation schon enorm. weil mir halt, wie es schon angesprochen wurde, auch der Kontakt der Nähe fehlt. Besonders Twitter ist für mich keine reine Kommunikationsplattform. Da gibt es für mich weder eine reine Unterhaltung noch die Aufmerksamkeit, die ich für eine Kommunikation benötige. Es ist, als wäre ich auf einer Party bei Menschen, die ich nicht kenne. Ich schnappe nur Fetzen von Unterhaltungen auf und gehe von Smalltalk zu Smalltalk.
    Verlasse ich die Party, genieße ich die Ruhe aber fühle auch wieder meine Einsamkeit.

    Der Chat ist da eher eine tolle Plattform. Ich habe schon die intensivsten Gespräche über Messenger geführt. Das liegt halt auch an der Aufmerksamkeit, die man seinem Gegenüber schenkt.
    Man liest unweigerlich die empfangenen Worte, liest sie ein zweites Mal, wenn man sie nicht gleich versteht oder fragt nach.
    So intensiv kann keine verbale Unterhaltung, entweder am Kaffeetisch oder am Telefon sein. Da gehen einfach mal ein paar Worte unter, weil man sich nicht immer gleich auf seinen Gesprächspartner konzentriert.

    Was mich aber an den rein virtuellen Kontakten abschreckt – und hier drehe ich mal Julias Worte um – ist, dass man Menschen trifft und schneller auch wieder aus seinem Leben drängt. Da keine soziale Bindung an sich stattfindet, kommen und gehen sie. Nerven sie mich, werfe ich sie aus Twitter oder ignoriere ihre Beiträge und Kommentare.
    Es findet einfach keine Auseinandersetzung, wie sie bei realen Kontakten auch mal üblich sind, statt. Das Krisenmanagement für das Pflegen einer Freundschaft will gelernt sein. Viel zu leicht ist es, den Account zu sperren und dicht zu machen.

    Nochwas zum Twittern: Ich sehe auch noch die Gefahr der Archivierung meiner Worte. Ich melde mich wieder öffentlich bei einem fremden Dienst an, der meine Worte aufzeichnet. aööe Suchmaschinen archivieren diese Worte. Ich hatte schon ein paar Mal Twitter-Suchergebnisse über Google. Sowas gibt mir immer zu denken. Alles regt sich über StudiVZ auf, aber wenn Studenten virtuelle Saufgelage über Twitter feiern, sind sie ebenfalls in der Überwachungsfalle.

    Für mich bleibt in erster Linie der persönliche Kontakt, sei er nicht möglich und muss in einer virtuellen Welt ablaufen, dann noch so intim wie möglich, d.h. per Artikel im Blog, per Kommentar – auch gerne auf einem anderen Blog (wie hier) oder per 1 zu 1 – Chat in einem Messenger.

    Schließlich noch etwas zum Simulieren und Vorstellen der nonverbalen Kommunikation. Klar, stelle ich mir meine virtuellen Gesprächspartner vor, ich sehe sie vor Augen, wie sie mit Händen und Füssen gestikulieren. Mache ich das nur noch ohne auf die reale Welt zu achten, wird es unweigerlich auch zu Fehlinterpretationen führen. Ich merke das deutlich, wenn ich 5 Tage meine Wohnung nicht verlassen habe. Ich merke meine Unsicherheit in der realen Welt und muss manchmal neu lernen, wie ein persönlicher Kontakt sich „anfühlt“.
    So, habe fertig 😛

  6. Du fragst, ob du etwas übersehen hast. Vielleicht die Verbindung zwischen den virtuellen und realen Kontakten. In der virtuellen Welt sind ganz sicher Menschen gefährdet, die in der realen Welt schon Kontaktstörungen haben und die in den virtuellen Kontakten den Ersatz für die realen Kontakte suchen. Das kann nur schief gehen.
    Die erste und wichtigste Ebene des menschlichen Kontaktes ist und bleibt der reale Kontakt und die Körperlichkeit.

    Die virtuellen Kontakte können Lücken füllen; so wie du sie beschreibst: man sucht für ein Hobby, ein Interessengebiet Menschen, die sich auch dafür interessieren und findet sie im Internet, weil im direkten Umfeld zu wenige, dieses Interesse teilen. Das kann so eine Lücke sein.


  7. Also erstmal an die Damen unter uns, mag ich gleich was sagen, etwas deplatziert, vielleicht, aber ich bin halt etwas kontaktgestört. 😯

    Und übe mich hier in diesen Dingen wie dem Blog hier und so… witzel…

    Äh, ja also ich wollte eigentlich sagen, dass man vielleicht einen Datenhandschuh oder sowas erfinden sollte, um den weiblich-taktilen Bereichen unseres Lebens mehr Beachtung zu schenken. Partner 2.0 reloaded, direkt aus dem Word Wide Web gesaugt. Und man kann ihn quasi vor Kauf schonmal probekuscheln… das wäre doch was.

    …und wenn das alles nichts hilft: Kiste ausmachen und die Realität genießen. Was für ein Gefühl! Um nichts in der Welt würde ich es für immer eintauschen.

    Freiheit ist drinnen! Freiheit ist draußen! Freiheit ich komme!

    den Rest beantworte ich später…

  8. @ Hartmut wollte ich noch sagen, dass ich das mit dem Chat auch so sehe und es eine sehr schöne und bereichernde Erfahrung ist- Längen besser als Telefonieren und ich mach es auch lieber als Telefonieren. Man hat mehr Aufmerksamkeit füreinander, mehr Tiefgang, es ist literarisch-sprachlich geprägt und vor allem: man nimmt sich mehr Zeit für jedes Wort.

  9. @ Yva: (schöner Name übrigens!) Twitter habe ich auch lange nicht kapiert und nicht genutzt.

    Hier im Blog hab ich ein wenig darüber geschrieben, wenn du willst und Zeit hast, erkläre ich es nochmal kurz: Im Grunde ist Twitter nichts anderes als ein Chat, nur „dezentral“, d.h. die Nutzer schreiben einfach ihren Senf aus der Ich-Perspektive, so wie bloggen, daher auch die Bezeichnung „microblogging“.

    Man sucht sich dann nach Interessen spezielle Leute raus. Da jeder schreiben soll, was er so macht („what are you doing?“) ergeben sich Persönlichkeits-und Alltagsprofile, bei denen man schnell ersehen kann, wie jemand lebt und wo so die Schwerpunkte der Lebens-Betrachtung liegen.

    Wenn Du es noch nie gemacht hast, kann ich Dir empfehlen, es wenigstens mal auszuprobieren. Sicherlich kann und soll es keine normale Kommunikation ersetzen- das wird es nie.

    Aber es ist eine schöne Bereicherung und ergänzt das normale Kommunizieren um ein paar interessante Aspekte.

    Vor allem der sprachlich-geschriebene Fokus, und ähnlich wie beim Chatten, die Zeit für alles, schätze ich daran am meisten.

  10. @ Fragezeichner: Wichtiger Punkt! Die Menge macht das Gift und Einseitigkeit sollte vermieden werden.

    @ Ecki: Du bist eher jemand, der von den Fähigkeiten der Blogs profitiert, oder? Aber auch sonst ein geselliger Typ, nehme ich an? Anders könnte ich es mir nicht vorstellen. 😀

  11. Es gibt die Gefahr, sich in der virtuellen Welt zu verlieren, die Kontakte dort zu überschätzen. Andererseits gibt es die Gefahr in der realen Welt doch auch: Leute, die von Party zu Party hüpfen, ohne innezuhalten, Menschen, die Hobbys haben, ohne über ihre dringendsten Bedürfnisse nachzudenken. Ich schätze Blogs, soziale Netzwerke und Twitter sehr, weil ich dort mit Menschen in Kontakt komme, die ich sonst nie hätte kennenlernen können. Und – ich gebe es zu – ich finde es toll, dass ich hier themenbezogen kommunizieren kann und vieles (erster Eindruck, Berührungsängste wegen meiner Behinderung usw.) wegfällt.

  12. @Heiko: Finde ich einen interessanten Punkt. Der aeussere Eindruck faellt im Netz weg, bzw. ich kann mein Bild veruchen so zu praesentieren, wie ich es moechte. Einerseits fuehrt das zu dem Problem der fehlenden Authentizitaet, die eine reale Person natuerlicherweise besitzt, andererseits eroeffnet es Freiraeume fuer Menschen, die sich nicht auf ihr Aeusseres reduzieren lassen moechten oder wollen.

    Mir faellt ausserdem auf, dass ich mich im Netz zum Grossteil mit Menschen austausche, die ich auch im „wahren Leben“ getroffen habe. Ich nutze das Netz daher mehr als ein anderes Mittel um mit anderen in Kontakt zu bleiben, die nicht in meiner Stadt wohnen (und das sind in meinem Fall der groesste Teil meiner Freunde und Bekannten).

  13. @Stephan: Ich schließe mich Deinen Ausführungen im ersten Absatz an. Wie man sich im www präsentiert, ist noch freier als es je im realen Leben möglich ist. Man kann sich komplett neu definieren, sich einen eigenen Charakter zulegen, eine Rolle spielen. Man kann sogar das Geschlecht wechseln, so man will (vielleicht ist Julia doch ein Mann, der hier bloggt?).
    Ich für mich habe das nie hinterfragt. Ich bin im www schonungslos ehrlich. Besonders, was das Bloggen, twittern, soziale Netzwerken betrifft. Ich schlage alle Warnungen in den Wind und bin so authentisch, so ich das nur sein kann.
    Ich glaube, es war Claudia (Sammelmappe) vor einiger Zeit in ihrem Blog, wo sie sich genau diese Gedanken machte und für sich entschied, lieber mit einer Maske im Netz unterwegs zu sein.
    Eigentlich ein perverser Gedanke. Ein virtueller Charakter in einer virtuellen Welt.
    Wie sagt man? Doppelt gemoppelt hält besser 🙂
    Moment, wenn ich dann noch die Rückprojektion auf meinen erschaffenen Charakter hinzurechne, dann ergibt sich ein virtuelles Bild eines virtuellen Charakters in einer virtuellen Welt.

    Wenn das kein Song-Text ist:
    Virtual pictures of virtual men in virtual worlds

    Zum zweiten Absatz hoffe ich, dass eine Kommunikation trotz des Umstandes weiterhin stattfindet, obwohl wir uns persönlich nicht kennen 🙂

  14. Lieber Hartmut, im Buddhismus gibt es den schönen philosophischen Satz „Es gibt kein männlich oder weiblich“… über den ich bin ich vor langer Zeit mal gestolpert und er hat sich mir tief eingeprägt. Es ist eine Hypothese, aber die meisten Leute kommen damit nicht zurecht. Wir haben uns im Alltagsleben zu sehr daran gewöhnt -und sind zugleich zu sehr gezwungen- in einfachen Kategorien wie M oder W zu denken, dass uns das Lösen von den Kategorien schwer vorkommt. Im Blog kann ich das machen- die Rolle wechseln- im echten Leben vielleicht auch.

    Die Identität hingegen ist meistens etwas festes.

    Christen sehen es z.B. anders, die denken, es gäbe eine unsterbliche Seele, die auf immer und ewig durch das Weltall schwirrt. Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem das Denken darüber anstrengend wird, also lass ich es lieber jetzt. 😯

  15. Christen sehen es z.B. anders, die denken, es gäbe eine unsterbliche Seele, die auf immer und ewig durch das Weltall schwirrt. Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem das Denken darüber anstrengend wird, also lass ich es lieber jetzt.

    Das habe ich ja noch nicht gehoert. Die Seele schwirrt keinesfalls durchs Universum, sondern stirbt mit der Person um am Juengsten Tage aufzuerstehen um gerichtet zu werden. Dann kommt sie entweder direkt in den Himmel oder zunaechst ins Fegefeuer. Die boesen Seelen kommen in die Hoelle. Merkwuerdige Vorstellungen sind das, aber ein Wunderbares Thema fuer Bilder (z.B. Hieronymus Bosch hat diese wirre Lehre wunderbar visualisiert).

  16. Der Himmel ist jenseits des sichtbaren Himmels und das Weltall ist eine Erfindung dieser kriminellen Darwinisten 😉
    Du meine Guete, Du verknuepfst doch hoffentlich nicht die wissenschaftliche Logik mit der Logik der christlichen Dogmatik, bloss weil sie von Maennern erschaffen wurde. Diese Maenner haben Weihrauch geschnueffelt, Wein getrunken und sich dann diese Geschichten ausgedacht und anschliessend festgelegt, dass diese Geschichten ein fuer alle Mal wahr sind. So einfach war das. Und wenn Du das nicht glaubst, bist Du eine Suenderin und kommst in die Hoelle.
    Wenn Paradies und Hoelle tatsaechlich so aussehen, wie sich die Maler der fruehen Neuzeit es vorgestellt haben, muss der Himmel ein furchtbar langweiliger Ort sein. Man sitzt im Halbkreis um den Chef und schaut gediegen hin und her.
    Aber irgendwie gleite ich vom Thema ab.

  17. @ Stephan: natürlich will ich verknüpfen. Zumindest mal versuchen, denn so ganz schlecht kann das Christentum auch nicht sein, wenn man überlegt, wieviel Mitglieder es noch weltweit gibt.

    Ich frage mich vor allem nach der Bedeutung des „Gottlosen Christentums“, also ob es möglich ist, eine christliche Ethik anzunehmen, einen Glauben zu haben, aber dennoch auf die teils unsinnigen Vorstellungen von Himmel, Hölle und ähnlichem zu verzichten.

    Wenn hier Interesse bestehen sollte, würde ich mich nach der Väter-Reihe mal wieder mit Religionsthemen beschäftigen.

    Viele Grüße, Julia

  18. Gute Idee, Julia. Da laesst sich sicher einiges verknuepfen. Ist das Thema Vater – Sohn in irgend einer anderen Religion so ausgepraegt, wie im Christentum?

    Ich frage mich vor allem nach der Bedeutung des “Gottlosen Christentums”, also ob es möglich ist, eine christliche Ethik anzunehmen, einen Glauben zu haben, aber dennoch auf die teils unsinnigen Vorstellungen von Himmel, Hölle und ähnlichem zu verzichten.

    Ein „gottloses Christentum“ kann ich mir zwar nicht vorstellen, das waere wie autofahren ohne Auto etc.
    Ein Christlicher Glaube ohne Hoelle ist im Prinzip gar kein Problem. Das Urchristentum sagt, dass der, der glaubt in den Himmel kommt, da Jesus die alle Schuld auf sich geladen hat. Auch in der evangelischen Kirche spielt die Hoelle kaum eine Rolle. Das christliche Weltbild, das ich in meinen polemischen Kommentaren gezeichnet habe, mit Hoelle und Fegefeuer entstand erst spaeter, im Laufe des Mittelalters. Einen Himmel jedoch, oder ein abstrakter, gottnaher Ort, wo die Seele nach dem Tod hin gelangt, ist unverzichtbar. Es gibt im Christentum kein Nirwana und auch keine Wiedergeburt als etwas anderes.

  19. Ich lese deinen Webblog jetzt doch schon eine ganze Weile aber irgendwie hab ich nie einen Kommentar zu deinen Posts hinterlassen. Wollte jetzt aber endlich mal ein Lob aussprechen, sind richtig tolle Post welche du hier jedes mal postest. Ich hoffe es kommen noch viele weitere so gute Artikel.

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