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Das vorzeitige Ende

bei der Frauenfußball WM

Tja, das ist nun das Ende „unserer Frauen“ bei dieser WM. Völlig überraschend sind sie vorzeitig ausgeschieden und in ihrer wechselhaften Leistung erinnern sie mich damit an die Leistung ihrer männlichen Kollegen, die auch stets für eine Überraschung gut waren und nach einem sehr guten Spiel, plötzlich grottenschlecht gespielt haben. Fußball ist eben deswegen so spannend für seine Fans, weil man nie weiß, wer gewinnt, weil man meistens bis zum Schluss nicht sagen kann, wohin sich der Zufall neigen wird. Dass beim letzten Spiel gegen Japan sehr viel Glück im Spiel war, davon bin ich fest überzeugt. Die deutsche Mannschaft war eindeutig die bessere, zweikampfstark, lauffreudig und mit vielen Torchancen. Aber manchmal „geht das Ding eben nicht rein“, da kann man machen was man will. Dazu passen auch die Kommentare nach dem Spiel, dass man noch locker zwei Stunden hätte spielen können, ohne ein Tor zu schießen. Es ist letztendlich eine banale Fußballweisheit, dass ein Team, dass seine Chancen nicht nutzen kann, das Spiel verliert. Und so ist es auch gekommen. Die Japaner, die deutlich weniger Chancen hatten und im Grunde nur durch souveräne Abwehrarbeit und einen ruhigen Spielfluss glänzten, hatten ein sehr glückliches Tor, geschossen aus einem sehr spitzem Winkel und begünstigt durch einen winzig-kleinen Torwartfehler. Ein paar Millimeter weniger hier und dort mehr- und schon wäre es den Japanern so gegangen wie den Deutschen, die ein um den anderen Ball neben das Tor schossen oder sich immer wieder in der grundsoliden Abwehr verhedderten.

Auf der anderen Seite ist es aber auch erfreulich, dass Japan so gut gespielt hat und auf der technischen und läuferischen Seite mit dem deutschen Team locker mithalten konnte. Auch wenn das jetzt das Ausscheiden der deutschen Mannschaft bedeutet hat, so ist es doch insgesamt ein Gewinn für den Fußball- weil er eben nur mit starken und ebenbürtigen Gegnern spannend und aufregend bleibt. Wenn Deutschland weiterhin im Eiltempo durch die WM marschiert wäre, dann wäre es doch auch langweilig. So weiß man, dass man sich niemals auf dem Erfolg ausruhen darf und sich immer ein wenig mehr anstrengen muss, als die anderen. Dass die Konkurrenz und das harte Ringen um den Sieg ein wichtiges Element geworden ist, kann nur ein Vorteil für die Attraktivität des Sportes sein.

Das Ausschieden aus der WM ändert meiner Meinung nur wenig an dem Erfolg der Frauen-WM insgesamt und seiner Wirkung auf die fernsehschauenden und sport-praktizierende Bevölkerung. Für mich war diese WM z.B. schon ein Erfolg, weil ich das erste Mal Frauenfußball-Spiele geschaut habe, sie ziemlich gut fand und weil ich gerlernt habe, dass man sich für weiblichen Sport und „Leistung“ genauso begeistern kann, wie für die männliche Variante. Ich werde sicherlich wieder schauen, wenn die nächsten Turniere anstehen.

Und ich fand es erstaunlich zu sehen, wie wenig sich die Geschlechter in diesem Sport unterscheiden und wie sehr die meisten Grenzen doch von unserem Kopf gezogen werden.

Schade ist nur, dass ich kaum Leute gefunden habe, die diese Begeisterung teilten, obwohl ich im Bekanntenkreis ständig herumgefragt habe und versuchte, die Menschen aus ihrer Reserve zu locken. Aber beim „Sportschauen“ speziell beim Fußball, scheiden sich ohnehin die Geister. Entweder die Menschen lieben es und machen nichts anderes oder sie sind komplett teilnahmslos.

Hier entdecke ich allerdings noch eine deutliche Diskrepanz zwischen den „herausragenden“ Einschaltquoten und den tatsächlichen Effekt auf die Breite der Bevölkerung. Ich denke, das Sommermärchen wird so schnell verpuffen, wie es gekommen war. Und von den schönen Seifenblasen, die man in den Himmel geschickt hat, bleiben nur schmierige Reste auf dem Boden kleben. Darüber können sich nur jene freuen, die den Frauenfußball ohnehin nicht gemocht haben, die damit eine Bedrohung auf die letzten „männlichen Werte“ in der Gesellschaft sehen oder andere Stock-Konservative, die vielleicht meinen, so ein Sport sei unweiblich und Frauen sollen ohnehin lieber an den Herd…

Die Lanze, die mit der WM gebrochen wurde, ist nicht mehr zu flicken. Frauenfußball ist in den Herzen der Menschen endgültig angekommen. Wenn jetzt noch die Leistungen stimmen, steht der nächsten euphorischen Fußball-Welle nichts mehr im Wege.




Fußball WM 2011 – Zwischenfazit

Ganze zwei Spiele habe ich im Frauenfußball je in voller Länge gesehen- und wie es der Zufall so will, waren das die Vorrunden-Spiele der deutschen Mannschaft in dieser WM.
Fußball schaue ich an sich wenig und wenn, dann nur die großen Turniere und da auch nur die entscheidenen Spiele. Qualifikations- oder Testspiele sind meistens langweilig und nur was für echte Fans. Genauso wie die Bundesliga, die mich nur im Entferntesten interessiert (so ca. 0,56 Prozent, wenn Kaiserslautern mal wieder ein Spiel gewonnen hat oder aufsteigt, das war´s aber auch).

So konnte ich mir im Vorfeld auch überhaupt kein Urteil bilden: Kannte weder Spielerin noch Belegung und bis auf Sylvia Neid und Birgit Prinz auch keine Namen. Spielen die jetzt gut oder schlecht, wie ist überhaupt das Niveau im Frauenfußball- und warum heißt es eigentlich bei den Männern „Fußball“ und bei den Frauen immer mit dem Geschlechter-Zusatz? Aus feministischer Perspektive ist es klar: Die Männer bilden hier eine ungeschriebene, aber doch gültige Norm und die Frauen können höchstens versuchen, sie nachzuahmen oder ein wenig einzuholen- aber der Status Quo oder besser der „state of the art“ des Fußball ist eine männliche Perspektive und somit auch deren kraft- und körperbetonte Spielweise.

Schon im Vorfeld habe ich außerdem überlegt, wird man jetzt etwas „anderes“ erkennen an der Spielweise, wird das einholen einer männlichen Norm überhaupt irgendeine Rolle spielen? Wird mich das Spiel dadurch langweilen, werde ich in der Lage sein, mein Geschmack anzupassen oder ist mein Gehirn selbst von der männlichen Norm durchdrungen und ich die Frauen nur geringschätzig für ihren netten Versuch belächeln?

Wird es eine neue Form von Fußball sein, wird es langweiliger sein, werden weibliche Attribute oder gar Rollenmodelle eine besondere Rolle spielen? Wird man davon irgendwas bemerken, auf dem Platz, im Stadion, in der Berichterstattung, bei den Menschen im Umfeld, bei den anderen Zuschauen und Bloglesern-/ Schreibern?

Um es vorweg zu nehmen: Die Spiele haben mich sehr begeistert und der typische WM-Funken ist sogleich übergesprungen. Ein Blick durch die Straßen am heutigen Vormittag zeigte, das vereinzelt deutsche Fahnen aufgehängt worden sind und sogar ein Auto mit deutschem Wimpel ist an mir vorbeigebraust. Die Einschaltquoten der bisherigen Spiele mit deutscher Beteiligung waren fantastisch (( jeweils ca. 15 Millionen Quelle 1 und 2 ;  )) , was indirekt darauf schließen lässt, dass es auch andere Menschen interessiert und der Frauenfußball diesmal endgültig aus seiner Nische gekommen ist.

Nicht ganz so einfach, für „die Frauen“ diese vielen Erwartungen zu erfüllen oder sich daran anzupassen.

Doch schon bei den ersten Spielminuten merkte man, dass es hier eindeutig um Fußball und Sport- und automatisch deutlich weniger um Geschlechter oder „Frauen“ geht. Durch den athletischen Körperbau der meisten Spielerinnen passen diese sich schon rein optisch an ihre männlichen Kollegen an. Die Muskeln sind ausgeprägter als bei den typischen „Alltagsfrauen“, die weiblichen Rundungen perfekt wegtrainiert und die Haare streng auf dem Kopf zusammengenommen und mit Haarbändern noch zusätzlich gebändigt. Die Gesichtszüge bei den meisten Spielerinnen eher harsch und konzentriert und gänzlich ungeschminkt, ungepudert und ohne jeglichen Schmuckassecoires oder andere Dinge, die für das „schöne Geschlecht“ und seine Rolle ansonsten so ausschlaggebend sind. Man kann also etwas ironisch sagen, Frauenfußball ist rein optisch das natürliche Gegengewicht zu den hochgezüchteten und rein für einen finanziellen Zweck vermarkteten Superfrauen einer „Germanys Next Top Model“ Sendung. Die Frauen wirken einfach natürlich und voll und ganz auf ihre Sache konzentriert. Auch in den Emotionen standen sie den Männern in nichts nach: Bei Torjubel wird sich übereinander geworfen und eine frustrierte Birgit Prinz hätte nach ihrer Auswechslung vor Wut und Enttäuschung über ihre eigene Leistung am liebsten in ihr Handtuch gebissen.

Sogar ein eigenes Trikot gab es für diese WM. Bisher mussten die Fußballfrauen die Trikots der Männer tragen, aber mit dieser optischen Präsentation nach außen ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Akzeptanz dieser Sportart gelungen.

Und das Spiel selbst? Wie sie da wuseln und den ein um anderen Pass in die Tiefe geben, sich bei den Zweikämpfen bemühen, die Dribblings um die Beine ihrer Gegnerinnen schlagen, rennen was das Zeug hält und mit einem Mordseifer einen Schuss aufs Tor abgeben- als Laie kann ich absolut keinen Unterschied zum Männerfußball erkennen. Noch nicht mal einen kleinen. Freilich der Kommentator der Spiels scheint mir sehr kritisch und den Eifer und Einsatz der deutschen Frauen nicht so recht zu erkennen- das könnte diskriminierend sein, passiert aber bei den Männern mind. genauso häufig und ist einfach eine Sache des Sports und seiner Berichterstattung.

Am Anfang wirken die Zweikämpfe etwas humaner, vor allem im Spiel gegen Kanada glänzte das Spiel mit einem hohen technischen Niveau und war sehr angenehm zu betrachten. Gegen Nigera fiel dann die ungewöhnliche Härte der nigerianischen Mannschaft auf und die besonders schlechte Leistung der koreanischen Schiedsrichterin. Auch das gibt es beides im Männerfußball: Übertriebene Härte, die ein ganzes Spiel kaputtmachen kann und Schiedsrichter, die man anscheinend irgendwo im Sonderangebot für einen schlappen 10er ersteigert hat. Auffällig, dass der männliche Cotrainer der Nigerianischen Trainerin hier beraten haben soll und nach Moderatorenmeinung einen höheren Körpereinsatz verordnet hatte, um die Technikfreude der Deutschen zu stören – kaum ist ein Mann dabei und gibt Tipps, wird das Spiel deutlich brutaler? Das passt wieder zum Klischee aber zum Klischee des brutalen Mannes. Letztendlich sind es die Spielerinnen selbst, die diese Tipps beherzigt haben und in der zweiten Spielhälfte gelang es dem deutschen Team dann auch endlich „dagegen zuhalten“ und sich nicht den Schneid abkaufen zu lassen. Wodurch das Spiel noch brutaler wurde, aber wenigstens wieder ausgeglichener und irgendwie auch „fairer“.

Die kommentierte Statistik passte zum diesem Trend: Sind es im Männerfußball durchschnittliche 2.5 Verletzungen pro Spiel sind es im Frauenfußball schon 2.3. Kein gutes Argument also, wenn jemand behaupten würde, die Frauen würden „femininer“ oder freundlicher spielen oder hätten größere Hemmungen mit 25 Stundenkilometern und weit gegrätschen Beinen eine Spielerin von hinten „umzupflügen“….

Die schwache Torausbeute im zweiten Spiel war natürlich traurig und enttäuschend, aber man konnte auf beiden Seiten einen hohen Einsatz und den Willen zu gewinnen sehen- dadurch werden Fußballspiele interessant und spannend. Der Zuschauer wurde gut unterhalten, die deutsche erfolgsverwöhnte Mannschaft endlich mal gefordert und der Frauenfußball kommt noch mehr aus dem Schatten seiner selbst heraus.

Ich freue mich schon auf die nächsten Spiele und hoffe, dass die deutsche Mannschaft äh Frauschaft noch weit kommen wird!

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Pressekonferenz vom 1.7.2011 mit Kim Kulig und Simone Laudehr