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Blog schreiben ist Wahrheit suchen

Ein Rückblick

Am Anfang des Blogs hatte ich eine private Homepage, dann habe ich erkannt, dass ich das Nischenthema, das mich beschäftigt, ausbauen könnte. Ich traf viele Leute, die sich dafür interessierten und manch anregende Diskussion entfaltete sich. Ich habe über dieses Nischenthema sogar Menschen und Freunde kennen gelernt. Irgendwann wurde dieses Nischenthema aber unwichtig und so zog ich mich immer mehr davon zurück. Zuerst sporadisch, in Wellen und schließlich mit der Aufgabe der alten Domain endgültig.

Ich weiß nicht, ob das ein Fehler war und vielleicht kehre ich das Ganze auch wieder um. So wie es sich im Moment anfühlt, ist es aber besser, alles ruhen zu lassen und den Themen endlich ihren Frieden zu lassen.

Ich erkannte beim Schreiben, dass mein eigenes Thema andere schwierige Menschheitsthemen berührt und dass ich im Grunde zu einseitig denke. Um dem entgegen zu wirken, überlegte ich, wie ich andere Themen wie Religion, Soziale Themen, Geschlechter, usw. in meine Sichtweise integrieren könnte. Wie also das „Drumherum“ eigentlich aussah. Das hat mir tatsächlich geholfen, mich vom eigenen Thema, von der eigenen Krankheit zu lösen und optimistischer und gelöster zu werden.

Da ich damals noch sehr euphorisch war, hatte ich die Idee für die Spendenseite, welches der geistige Vorläufer für das heutige J.A. Blog darstellt und quasi das Fundament ist. Die Idee war, gesellschaftlich schwierige Themen anzusprechen und im Anschluss der geweckten Gemüter dafür zu sammeln. Also ich spreche z.B. über Tierschutz-Probleme und sammle im Anschluss für ein Tierheim, oder ich zeige mit dem moralischen Finger auf Armutsprobleme und sammle im Anschluss für Arme. Ich war damals sehr euphorisch und überzeugt, von dem, was ich vorhatte.

Kurioserweise bin ich aber schon ganz am Anfang gescheitert- und zwar in dem Versuch, Menschen aufmerksam zu machen und zu berühren. Zudem muss ich sagen, dass bis heute kein einziger eine Spende getätigt hat. Nur der Versuch, eigene Fotos und Texte über das Internet anzubieten, den ich mal ganz kurz wagte, zeigte ein wenig Resonanz. Aber Kommentare, Diskussionen und ähnliches entwickelten sich nie in eine Weise, aus der man einen „Sozialen Kreis des Helfens“ hätte ableiten können. Die Einsicht und die Motivation fehlt bei vielen- nach wie vor, das ist das Hauptproblem.

Ich merkte plötzlich, wie die Besucherzahlen weniger wurden und meine damalige private Seite, die einen guten Zuspruch und Leserstamm hatte (aus der Zeit kommt auch noch der Pagerank 3) immer mehr ausblutete. Ich konnte diese Entwicklung nicht stoppen und schon bald kam mir von allen Seiten Kälte und Ignoranz entgegen. Mit den neuen Themen wollte keiner mehr was zu tun haben. Schon die Nischenthemen waren immer etwas schwierig, aber mit dem Versuch, noch allgemeiner zu schreiben und den Blickwinkel zu weiten, kam ich nicht weit. „Widerstand“ ist vielleicht das beste Wort dafür.

Sehr erhellend wurde es dann im Jahr 2006, als ich mit Claudia und den Socialblogs endlich jemand fand, der ähnliche Interessen und Ziele hatte. Mir ging es in der Zeit gut und vielleicht hatte ich einfach genug Kraft und genügend positive Ausstrahlung, um den Horizont zu weiten.

Aber auch die Probleme ähnelten sich und wir merkten schon bald, dass die Widerstände groß und die gesellschaftliche Bereitschaft zu helfen klein sind. Claudia hat z.B. mit ihrem Menschenrechteblog sehr negative Erfahrungen in Form von offener Ablehnung u. Anfeindungen sammeln müssen.

Ich hatte in der Zeit auch immer weniger Lust auf das Ganze und versteifte mich immer mehr in meine eigenen Gedanken. Anstatt anderen zu helfen, wendete ich den Blick nach innen und überlegte, was ich eigentlich wollte und wo die Probleme sind. Je mehr ich überlegte und suchte, desto tiefer drang ich aber in die Abgründe der Gesellschaft und ihrer Probleme vor. So sehr, dass ich oft nach dem Schreiben kaputt war und mich fragte, was ich da eigentlich machte. Probleme zu suchen und zu benennen, ist manchmal wie eine Sucht und sehr kräftezehrend, weil man eben nur sucht, aber nichts ändert.

Und im Grunde stehe ich an dem Punkt heute und überlege, welche neue Richtung mein Blog und mein Denken braucht.

Das Blog als solches ist nicht vielmehr als ein Gedankengebäude, eine riesige imaginäre Blase über den eigenen Kopf, aus dem man Gedanken, Gefühle und Motivationen fürs Handeln ableitet. Umgekehrt leitet man aus eigenen Gefühlen das Blog und die Inhalte auch erst ab- sie hängen also zusammen.

Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass das Blog eine gute Möglichkeit ist, besser und stabiler durchs Leben zu kommen. Dass es ein Begleiter ist, mein eigener Spiegel, den ich immer wieder um Hilfe und Rat fragen kann. Das Blog hilft, die Hürden zu erkennen und lässt einen präziser springen.

Man kann im Grunde nicht „die Gesellschaft ändern“. Man kann nur sich selbst ändern.

Das Blog zu schreiben bedeutet also, die Wahrheit zu suchen.