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Dein Ego

Gedanken der Altruistin

Dein Widerstand ist unerbittlich. Mit dir ist nicht zu reden.
Du hast mich in ein großes schwarzes Loch aus Ignoranz, Einsamkeit und Selbstzweifel gestoßen.
Am Rand schaust du mir noch nach, wie ich falle und du lächelst gewitzt.
Es macht Dir Spaß, mich fallen zu sehen. Wie ich noch strample und mich mühe, das macht dich vermutlich an.
Du hingegen machst nichts. Du saugst nur die Energie von anderen und gibst ihnen 0.0 zurück.
Du bist ein Energiesauger und du vernichtest, kleine weibliche leuchtende Sterne, die dir meistens im Weg stehen und die Aussicht auf dein eigenes kaltes Ego versperren, dass aus nichts weiter besteht als Dir selbst.

Du könntest soviel machen! Wahrlich, das läge in deiner Größe.
Du könntest ihr helfen. Du könntest mir ihr reden, ein paar Tipps geben.
Du könntest dir Zeit nehmen. Du könntest sie lieben, sie anfassen und ihr all das geben, was sie braucht.
Von dem du sogar weißt, dass sie es braucht!

Aber im passenden Moment beschließt du,
dass es Zeit für dich ist zu gehen. Und dann verschwindest du wie der Rauch aus dem Schornstein in den Himmel steigt, wie der Morgennebel sich durch die Sonnenstrahlen auflöst und das Eis im Frühling schmilzt.
Du schmilzt dich einfach davon. Du diffundierst und landest im Kreislauf der Elemente.

Gesättigt, nein überfressen von ihrer Anwesenheit musst du alles erstmal verdauen. In all dem Gefasel, was sie in der letzten Zeit so von sich gegeben hat, versuchst du jetzt verzweifelt deine eigene Linie wieder zu finden, die nie wirklich existiert hat.

Dein Ego! Überschätze es nicht. Es ist nur eine Ansammlung von Dingen, Meinungen und Erfolgen, die aus den Händen anderer Menschen gekommen sind. Du bist nichts ohne die anderen! Vergiss das nicht.

Du bist nur ein kleiner Wurm.. und es schmerzt dich zu erkennen, dass es vermutlich genau so ist.

Ich hab versucht dich zu lieben, aber es ist schwer.
Du bist mir zu schwer!
Dein Egoismus trennt dich von der Welt „da draußen“.
Du lässt es nicht zu, dass jemand diese Mauer überwindet.
Dein Ego ist stärker als meine Liebe.

Dein Ego ist dein Panzer, der dich vor Verletzungen schützt,
aber immer einsamer macht.

Dein Ego, ich hasse es.

Du bist der Schatten, an dem ich vorbeistrahlen muss, wenn ich leben will.

„Denn das Licht diffundiert aus sich heraus in jeden Teil selbst, so wie von einem Lichtpunkt aus eine Lichtsphäre von beliebiger Größe plötzlich erzeugt wird, wenn kein schattenhafter Körper ihm entgegensteht“




Verschwunden

Passende Songs zum Text: And all that could have been von Nine Inch Nails oder Exit Music von Radiohead

verschwunden

Von heute auf morgen war sie verschwunden. Sie hatte niemandem Bescheid gesagt. Sie hatte einfach ihre Tasche genommen, die neuen Schuhe angezogen, die Winterjacke vom Bügel genommen und so schnell wie möglich das Haus verlassen. Am Abend zuvor hatte sie sich heftig mit ihrem Freund gestritten und seitdem sprachen sie kein Wort mehr nebeneinander. Die Nacht hatte sie auf dem Sofa verbracht, er wollte natürlich nicht aus einem gemachten Bett weichen. Sie schluckte bitter, als sie nachdachte, wie sie ihm letzte Woche noch mit Liebe alles frisch bezogen hatte.

Aber wie immer bedankte er sich dafür nicht und stellte es einfach als selbstverständlich hin. Nie lobte er sie, immer erwartete er nur und fühlte sich als Chef und wollte sie dominieren. Obwohl er gut verdiente und sie nur eine Halbtagsstelle hatte, sah sie von seinem Geld nie einen Cent und er gab auch meistens alles nur für seine Hobbys und teuren Technik-Spielereien aus. Hier eine Spielkonsole, da ein Motorrad, da ein neues Handy mit Vertrag und oder Tuning- Teile fürs Auto. Das Leben konnte verdammt teuer sein, wenn man so viele Wünsche hatte wie Carsten.

Das ganze (selbst verdiente!) Geld von ihrem Konto hatte sie sich am Vortag noch in bar auszahlen lassen, aber ihr Freund hatte zum Glück kein Verdacht geschöpft, auch wenn es diesmal am Automaten etwas länger dauerte. Warum mussten die das auch immer in so kleinen Scheinen stückeln?

Sie wusste noch nicht genau, wohin die Reise gehen sollte, als sie den Zündschlüssel im Schloss umdrehte. Der kleine Wagen sprang sofort an. Das Navi ließ sie erstmal aus, zuerst wollte sie ein wenig durch die Straßen fahren und über alles nachdenken.

Auch wenn ihr eigentlich die ganze Zeit zum Weinen war und sie so einen Kloß im Hals hatte, versuchte sie sich auf die Straße zu konzentrieren und das Fahren lenkte ein wenig ab. Sie schaltete das Radio ein und spielte eine selbst gebrannte CD mit traurigen, zusammengestellten Liedern, die ihr besonders gut gefielen.

Was er jetzt wohl dachte? Ob er sich bei ihr melden würde? Das Handy hatte sie an die Freisprechanlage angeschlossen, sie würde es auf jeden Fall hören.

Das Wetter war gut, die Sonne schien. Sie hatte Lust, etwas zu unternehmen.

Gerade als sie beschlossen hatte, ans Fluss-Ufer zu fahren und dort ein wenig spazieren zu gehen, klingelte das Telefon. Sie war aufgeregt und hoffte innerlich, dass er es sein würde und sie darum bitten, nein darum flehen würde, nach Hause zu kommen.

Es war ihre Mutter. Sie erkannte die Nummer sofort und überlegte, ob sie abnehmen sollte. Obwohl sie keine Lust auf Erklärungen hatte und sie genau wusste, dass nun alles ans Licht kommen würde, drückte sie das Hörer – Symbol und meldete sich.

Ob denn alles in Ordnung sei, was sie gerade mache, ob sie nicht vorbeikommen, … das ganze Programm, dass Luise nur zu gut kannte und im Moment eigentlich nicht besprechen wollte. Wo sie denn sei? Das ist wohl die einzige Sorge von Müttern auf der Welt dachte sie nur verächtlich. Nie wollte sie werden wie sie, soviel stand fest.

„Ich habe mich von Carsten getrennt, Mama. Ich bin gerade auf dem Weg zum Ufer und will jetzt über alles nachdenken.“

„Aber Kind, das kannst du doch nicht machen, ihr wart doch schon verlobt und was ist mit euren Kinderplänen…“ und Carsten verdient doch so gut, bla bla bla.

Da kamen ihre Tränen wieder hoch und sie drückte ihre Mutter weg, bevor sie das Schluchzen in der Stimme erkennen würde. Weil sie wusste, dass sie danach wieder nerven und nochmal anrufen würde, schaltete sie das Handy ganz aus.

Sie war abgelenkt, kam dabei von der Spur ab und stieß fast mit einem entgegen kommenden Auto zusammen, dessen Fahrer, ein älterer Herr mit Hut sie bitterböse anschaute und mehrmals hupte.

„Idiot“ dachte sie sich nur und schaute noch nicht mal in den Rückspiegel. „Alle Männer sind gleich, ob alt oder jung“. Die heiße Wut verdrängte die Angst und die Trauer für einen Augenblick.

Ihr ging es schon ein wenig besser.

Sie hielt bei einem Bäcker an und holte sich frische Brötchen. Sie ließ das Auto stehen und ging zu Fuß zum Fluss. Dabei kaute sie genüßlich auf dem trockenen Brötchen herum.

Wie friedlich dort alles war. Mütter mit spielenden Kindern tummelten sich auf der Wiese, glückliche Rentner-Ehepaare gingen eingehakt den Weg entlang, überall saßen Vögel und beobachten das Geschehen von den Bäumen und Büschen aus.

Der Fluss floss ganz gemütlich, so wie immer und die Sonne spiegelte sich in der Oberfläche.

Luise atmete tief durch und war glücklich. Sie nahm das Handy aus der Innentasche, schaltete es ein und bemerkte, dass sie in der Zwischenzeit eine SMS bekommen hatte.

„Luise, ich liebe dich, es tut mir Leid wegen gestern, lass uns wieder vertragen, ok? Wo bist du? Carsten“.

Eine kleine Träne rollte ihr von der Wange.

Sie würde sich erst wieder bei ihm melden, wenn sie ein Stück gegangen war.

Die frische Luft machte sie glücklich und frei.




Kälte

Vergangenheit

Endlos geliebt, endlos versiebt
ewiglich gesehnt
und dafür geschämt
das Ende nicht gesehen
weit weg vom Verstehen.

Traurig bis in jede Zelle
Die Seele nur mit großer Delle
Trauer im Herzen
Vermisst mit Schmerzen.

Die Landschaft, zieht leer vorbei
früher, da waren wir zwei
Jetzt sind wir – allein
und sie sagen „es muss so sein“.

Kann nicht glauben, noch es verstehen
kann nicht beten und auch nicht flehen
kann nicht drohen und auch nicht drehen.

muss es still und leise akzeptieren,
in der Kälte da draußen nur frieren.

(Bester Song zum Gedicht „Ich bin verändert“ von Rosenstolz)