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Weibliche Aggressionen

(Serie Pro-Mann III)

Wann habe ich eigentlich den Unsinn verzapft und diese einfache Schublade Frauen= Ständiges Mitgefühl aufgemacht?

Leider, auch wenn ich wollte, es ist schon etwas differenzierter!

Die besten Erlebnisse und Lerneffekte hat man meistens auf Reisen und so ist es auch nicht verwunderlich, dass ich ein exemplarisches Beispiel für zwischen-weibliche Aggressionen bei meiner Reise nach Südamerika im Jahre 2004 festgestellt habe.

Diese Geschichte habe ich früher schonmal erzählt, soweit ich mich erinneren kann, sie ist aber nicht mehr online, also mache ich es aus der heutigen Perspektive nochmal.

Allerdings ging es hierbei nicht um Aggression beim Menschen, sondern um Hunde.

Wir haben eine befreundete Familie besucht, die auf dem Land in der Nähe eines beliebten Touristenortes in Chile ein Grundstück und Haus besitzen. In Chile geht die Neigung dahin, Hunde frei laufen zu lassen. Anleinen kennt man dort so gut wie nicht, es gibt auch viele streuende, herrenlose (vaterlose?) Hunde und niemand schert sich darum.

Unsere Freunde hatten einen Rüden und eine Hündin. Der Rüde war ein kleiner munterer und die Hündin ein relativ großer, aber träge wirkender Mischling.

In der Nachbarschaft gab es eine Schäferhündin, die gerade Junge im „Nest“ hatte.

Die Freundin erzählte mir, dass es schon öfters Probleme zwischen den beiden Hündinnen gegeben hatte und die sich nicht riechen konnten.

Wie auch immer- wir beschlossen an dem Tag spazieren zu gehen und nahmen beide Hunde mit, ohne Leine. Beim Vorbeigeben am fremden Haus wurde klar, dass wir hier jemanden provoziert hatten, denn fünzig Meter weiter drehten wir uns um und stellten fest, dass die besagte Schäferhündin hinter uns herhetzte und sich sogleich auf „unsere“ Hündin stürzte!

Der daraus entstehende Kampf war brutal und sitzt mir heute noch tief in den Gliedern. Sofort verbissen sie sich ineinander und kämpften und wälzten sich im Gras. Schreie, Winseln und allerlei Hundelaute mischten sich darunter. Wir Menschen waren natürlich aufgebracht und überlegten, was zu tun war. Wenn Hündinnen miteinander kämpfen, weiß man, dass es keinen Sieger, sondern nur einen „Toten“ geben kann und es sah so aus, als ob die beiden das gerade miteinander vorhatten.

Die Schäferhündin wurde von unserem Mischling rücklings in einen Graben gekämpft und unterlag augenscheinlich, biss aber noch munter weiter. Unsere Freundin ging (dummerweise!) dazwischen und holte sich einen blutigen Arm und eine blutige Hand.

Irgendwie gelang es dann, beide Kontrahentinnen zu trennen, aber die Spaziergangs-Stimmung war natürlich futsch. Hund verarzten, Nachbarn Bescheid geben, Hand verbinden, usw.

Nie werde ich den Anblick vergessen.

Und jetzt die psychologische Frage und die Möglichkeit zur Spekulation: Warum haben Rüden eine Rang- und Hackordnung und warum haben Hündinnen offensichtlich keine? Welchen Sinn macht es aus der Sicht der Evolution, Hunde-Konkurrentinnen umzubringen, anstatt sich mit ihnen zu einigen? Welches System ist das bessere?

Und warum gelingt es menschlichen Frauen, trotz ellenlangen Diskussionen, oft nicht, eine Siegerin auszumachen und einen Konflikt zu beenden? Weil sie vielleicht nicht verlieren können und immer weiterkämpfen, so wie die Hündinnen? Frauen werden dann als „zickig“ bezeichnet, was die Aggression abwertet. Vielleicht liegt das Korsett gerade in der weiblichen Rollenerwartungen, dass Frauen „lieb“ sein sollen?

Oder sind es grundsätzlich die Frauen in der Tierwelt, die weniger Spaß verstehen und alles immer so ernst nehmen?

Wie eingangs erwähnt, muss vor allem für den Mann in der heutigen Gesellschaft klarwerden, dass Frauen genauso wie Männer kämpfen, nur eben anders, subtiler und verdeckter. Wir beißen uns zwar nicht mehr, dafür sind die Mittel des psychologischen Terrors und der verbalen Mittel umso größer.

Man sollte sich nicht für Gewalt schämen, noch die Aggressionen unterdrücken. Sie müssen raus, das ist natürlich. Nur sind wir Menschen und haben bessere, edlere und lehrreichere Mittel als die Tiere. Zum Glück.

—-Ring- Telefonanruf! ——–

Aus der hypothetischen Welt des Fabulierens in die Realität zurückgeholt worden. Ich schreibe morgen weiter!




Die Rolle der Väter

(Serie Pro-Mann II)

Wie schwer es ist, von den vielen Einzelfällen und Familienstrukturen auf eine Allgemeinheit zu folgern und wie schwierig und unberechenbar die menschliche Psyche dabei ist. Sicherlich ist die eigene erlebte Mutter meistens das Sinnbild für eine tiefe und ungebrochene Liebe, die sehr lange andauert. Aber schon beim Geschlecht gibt es Unterschiede, in der Pubertät lösen sich Mädchen meistens von der übermächtigen Mutterliebe, grenzen sich ab und suchen ihren eigenen Weg. Das ist ein nötiger und sinnvoller Vorgang, um eine eigene Familie zu gründen und bei Mädchen klappt das Sich-Lösen meist schneller als bei Jungen (die zu Nesthockertum neigen).

Bei dem Konflikt Mädchen-Mutter ist es ganz natürlich, dass Aggressionen verwendet werden und das einst so enge Band etwas lockerer wird. Für ein Mädchen ist die übermächtige Mutterliebe immer etwas Erstickendes und Einengendes und kann nur im Konflikt und der offenen Auseinandersetzung gelöst werden.

Väter haben eine andere Bedeutung für das Mädchen als die Frau, daher sind Väter so wichtig. Die Liebe, die die Mädchen von der Mutter „abziehen“ versuchen sie vielleicht im Gegenzug dem Vater anzugedeihen. Und auch umgekehrt, ist die garantierte Liebe vom Vater eine wichtige Stütze im eigenen Seelenleben der Frau.

In den romantischen Medien und vielen Köpfen wird die Liebe zwischen Mann und Frau zwar idealisiert, aber meiner Meinung nach übersieht man dabei, dass die Urliebe immer erstmal der Mutter zuteil wird. Und auch die Ehe ist eher eine Erfindung der Kirche und des materiellen Denkens, und kein Ding, dass aus der tiefsten Tiefe der menschlichen Natur entspringt (der Mensch will sich nämlich fortpflanzen, nicht stehenbleiben!).

Psychoanalytisch und pädagogisch gesehen ist der Dialog zwischen Vater und Mädchen der Versuch, spätere heterosexuelle Beziehungen zwischen Mann und Frau aufzunehmen, die letztendlich immer etwas „konstruiert“ bleiben.

Da viele Männer (vor allem aus den älteren Generationen) dazu neigen, Gefühle nicht oder nur selten zu zeigen, entsteht hier die Gefahr einer Liebes- und Kommunikationslücke zwischen Mädchen und Vater.

Wenn man jungen Vätern (der neuen Generation) also beibringt, Gefühle besser und offener zu zeigen, kann das für die Gesellschaft nur von Nutzen sein. Auch Jungs können das dann besser lernen und nachahmen, wenn sie einen verständnisvollen Vater haben, der zu seinen Emotionen steht und sich nicht versteckt oder dafür schämt.

Viele psychoanalytische Probleme der heutigen Gesellschaft scheinen „Väterprobleme“ zu sein, wahrscheinlich aus genau den Gründen, weil der Vater der „Stein“ in der Seele ist und die Mutter das fließende Wasser.
Am Vater stößt man sich, will wachsen und sich reiben. Die Mutter hat immer Liebe für einen parat, dressiert nicht, ist ständig präsent, versorgt und nährt, klammert aber auch.
Der Vater aber stachelt an, kämpft, ist absichtlich stur und bereitet auf die Gefahren des Lebens vor.

In der offenen Kampf-Auseinandersetzung mit Vätern (aber auch stellvertretend mit anderen Männern) können junge Menschen also lernen, sich zu behaupten. Der Vater ist dann ein Trainer und Vorbild.

So wundert es auch nicht, dass die meisten Tätigkeiten, die mit dem Vater gemacht werden, extrovertiert und wettkampforientiert sind. Die Bandbreite der „väterlichen Betätigungen“ reicht von Sport, Bewegung, Fußball, Boxen, Raufen über Kultur- und Bildungsleistungen wie Diskutieren, Logikfehler entlarven, sich behaupten und durchsetzen. Aber auch technische Bereiche und rationelle Erwägungen spielen eine große Rolle.
Desweiteren kann man von Vätern meistens Attribute wie Ausdauer und Entschlossenheit lernen und die Fähigkeit, sich von Fehlern nicht entmutigen zu lassen.

Aber auch gerade die modernen Spiele, vor allem Shooter und kampfbetonte Actionspiele erfüllen das Bedürfnis der „männlichen Lebensauseinandersetzung“. Es ist eine psychologische Notwendigkeit für junge Männer, Konflikte zu lösen und Aggression ausleben zu können. Gerade in Mehrspieler-Szenarien werden hier auch soziale Konflikte besprochen und auf eine eigene Weise gelöst. Je mehr sich diese männliche Welt von der weiblichen abgrenzt, umso besser! Nur so ist das überdrehte und beinahe schon comichafte der Gewalt-Darstellung zu interpretieren (Splatter-Effekte, Blut, Leichtenteile die wegfliegen, usw.)

Wenn dann ein Spiel vom überstrengen Jugendschutz wieder indiziert wird oder von den Medien als Killerspiel verteufelt wird, ist die Freude umso größer, so einen „schlimmen Titel“ zu besitzen und sich damit zu brüsten. Man sieht, die mediale Gewaltspirale ist wie ein Feuer, dass nur schlimmer wird, wenn man ständig Benzin nachgießt.

Männer und Väter stehen für das „Harte im Leben“. Diese Lebensvorbereitung ist sehr wichtig, weil es im Leben unweigerlich zu Problemen kommt und die Härte irgendwann in jedes Leben bricht. Spätestens wenn der Beruf ausgesucht wird und Konflikte auf der Tagesordnung stehen, muss dieses Wissen abgerufen werden- dabei ist klar, dass früh gelernte innere Disziplin dem Kind oft mehr hilft, als wenn man alles schleifen lässt.

Männliche Aggression kann man allgemein als Schutzfunktion interpretieren, als „gesunde Aggression“ die im Sinne Erich Fromms im Dienst des Lebens steht und es vor Gefahren schützt.

Nur wenn diese- aus welchen Gründen auch immer- ausartet und sich mit den Trieben des Sadismus mischt, entartet sie und wird zu unkontrollierten Gewalt.

Die Frage nach der geächteten Aggression muss also lauten: Aus welchen Gründen eskaliert die „natürliche Aggression“ und wird zu einer bösartigen?

Wie kann man Frustrationen besser ausdrücken, formulieren und vermeiden, dass sie in Zukunft derartig unkontrolliert ausbrechen?

Dazu müsste die Gesellschaft erstmal mehr Bereitschaft zeigen, Psychologie als allgemeine Wissenschaft noch besser zu akzeptieren.

Solange die Psychologie aber als reine „weibliche Wissenschaft“ verächtlich gemacht wird und Männer bei Psychologen als „schwach“ gelten, wird es schwer, eine neue Väterlichkeit und Männlichkeit in der Gesellschaft zu etablieren.

Es mag sicherlich einige wenige Männer geben, die reflektieren können und zu ihren Gefühlen stehen. Diese sind uneingeschränkt als Vorbild zu sehen!




Ursachenforschung

(Serie Pro-Mann I)

Wo hab ich das jetzt wieder gelesen? „In unserer Gesellschaft wird Aggression sublimiert, anstatt sie auszuleben“. (hier )

Ich will noch das ergänzen: Wenn Kindergärten, Grund- und weiterführende Schulen von weiblichem Personal dominiert werden und weibliche Arten der Konfliktlösung dominieren (darüber reden, ausdiskutieren, usw.), muss man sich nicht wundern, dass immer mehr Jungen (männliche Jugendliche) zu den Verlierern eines ganzen System gehören. Auffällig ist nämlich, dass immer Jungs die Amokläufer sind, nie Mädchen. Männern fehlt zunehmend eine Lobby und hiermit beginne ich offiziell meine „Väter-Serie/ Pro-Mann“ für das Blog…

Um die Ursachen zu klären, werde ich absichtlich etwas mehr aus der männlichen Perspektive denken und die nächste Zeit den Blog-Feminismus etwas zurückdrängen (aber nur solange die Serie andauert! Danach geht´s wieder andersrum! 😉 Aber wenn man überlegt, ist guter Feminismus, nämlich in Form selbstbewusster Frauen, auch eine Lösung für den selbstbewussten Mann. Denkt mal drüber nach! )

Wann kapiert die Öffentlichkeit endlich, dass etwas anderes ist, eine männliche Identität aufzubauen, die klare Hierarchien, Strukturen und Regeln braucht? Dass Jungs auf Grund ihres (mathematisch/ logischen) Gehirns meistens mehr Probleme haben, Texte zu verstehen und Sprache anzuwenden? Dass sie eben nicht „über Probleme reden“, sondern gerne mal was in sich reinfressen und am PC abdaddeln? Dass sich im ungünstigsten Wahl diese reine Gedankenwelt aufbauschen und hochstacheln kann und bei mangelndem Verständnis für das Kind die Probleme „plötzlich“ explodieren?

Wieso herrscht auf so breiter Front Blindheit und Abneigung gegen jegliche Form von männlichem Verhalten und Gewohnheiten? Ist es nur Unwissen? Oder auch gezieltes Suchen von Tätern, Opfern und Schuldigen?

Und das sind nicht nur die zurückgebliebenen jungen Männer aus den neuen Bundesländern (denen regelrecht die Frauen weglaufen), sondern- oh Schreck – auch die unter uns in den alten Bundesländern.

So ein Amoklauf löst reflexartig Fragen nach der „Schuld“ und Fragen nach den möglichen Lösungen. Es wäre so einfach und bequem, jetzt einfach Computerspiele zu verbieten (das hat man sowieso schon über Gebühr gemacht mit dem Effekt, dass es nichts bringt, Deutschland gilt als das Land mit dem schärfsten Jugendschutz bei Spielen). Also wenn man keine Ahnung hat, sollte man am liebsten schweigen oder wenigstens versuchen, die Gesamtheit zu überblicken und nicht nur einfache, bequeme Puzzlestücke aus dem Ganzen rauszugreifen.

Die zunehmenden Spannungen und Amokläufe, die von den Schulen aus aller Welt berichtet werden, zeigen, dass wir viele verschiedene Ansätze brauchen, um die Gesamtheit zu verstehen.

Mögliche Probleme und Ursachen sind -meiner Meinung- hier zu suchen:

  • in allen Medien, speziell aber im Fernsehen wird Gewalt als einziges Mittel der Lösung gezeigt
  • somit sind hauptsächlich die Medienproduzenten das Problem- aber auch die Käufer, weil sich Gewalt eben noch am besten verkauft
  • Wenn große Staaten wie die USA Gewalt und Krieg einsetzen, um sich durchzusetzen, wie soll man Einzelnen klar machen, dass Gewalt nicht gut sei?
  • jeder Held , ob in Kino oder Spiel darf und soll Gewalt anwenden, um „cool“ zu sein und am Ende zu gewinnen
  • nach dieser Art und Weise der psychologischen Medienauseinandersetzung fragt aber keiner; stattdessen wird ein ganzer Industriezweig tabuisiert und das Leid mit Hilfe einer „unnötigen und blinden Strenge“ nur verschlimmert
  • die Bildung wird weiblich dominiert, Männer gehören meist zu den Verlieren der „klassischen Bildung“ mit Lesen und Sprache
  • Alternativen, männliche Vorbilder und gesunde Arten der Aggressionausübung (Sport, gesunde Arten des Spiels) stehen in der Öffentlichkeit oder in den Bildungseinrichtungen meistens nicht zur Verfügung
  • die zunehmende Zahl der alleinerziehenden Frauen und das Fehlen der Vaterfigur lässt Jungs unsicher und/oder gewaltbereit werden=> ein Junge ohne Vater fühlt sich schon bald als Chef und will alle dominieren, auch wenn er jung ist; das ist die Natur der Hormonsteuerung, könnt ihr gerne mal googeln
  • die Kontrolle über Waffen und Munition darf nicht vernachlässigt werden; wenn aber im Privathaushalt versagt wird:wer hat dann die Schuld?
  • Gewalt als solches ist zu sehr ein Tabuthema, anstatt es wahrzunehmen und zu akzeptieren, dass jedes Wesen voller Aggression ist und diese auch braucht, um „zu überleben“;
  • stattdessen unterdrücken wir mit aller Kraft Gewalt und Aggressionstendenzen und verdrängen es ins Unbewusste
  • unterdrückte u. aufgestaute Aggressionen haben die blöde Neigung plötzlich und unkontrolliert zu explodieren (Freud und ähnliche…)
  • die Bildungssysteme sind schlecht und es wird am Menschen gespart (Lehrermangel, zusätzliche Sozialpädagogen, usw.)
  • der wirtschaftliche Druck auf die Bildungssysteme ist stark (zu stark!) geworden; Scoring-Systeme, finanzieller/ Lern-Erfolg ist oft der einzige Faktor, der zählt
  • Mobbing und Ausgrenzung ist eine Folge des zunehmenden Leistungsdrucks und der mangelnden Mitmenschlichkeit
  • die Menschen/ die Politiker lernen aus Amokläufen nichts und machen immer so weiter (Trägheit in ihrer Gesamtheit)

Wenn nicht wenigstens eine Ursache von den obigen geändert wird, wird es in DE weiterhin Amokläufe geben. So traurig dieses Fazit ist, so sehr glaube ich daran. Belehrt mich bitte eines Besseren!

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