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Renovierungsbericht – 200 Jahre alter Wohnraum wird neues Schlafzimmer

Blick auf Baustelle, mit Rigips-und MDF Platten, Werkzeuge auf dem Boden

Auch gestern war es noch sehr heiß und schwül. Ich bin vor die Tür gegangen und eine Wand aus Wärme kam mir entgegen. Am liebsten hätte ich mich gleich wieder gesetzt und im Schatten einfach den schönen Tag genossen und auf den Regen gewartet. Dann wäre ich mit nassen Haaren tanzend über den Hof gehüpft und hätte „Sing Halleluja“ oder etwas ähnliches gesungen.

Zurück aus den Träumen und auf dem Alltagsboden angekommen wurde mir klar, dass für Berufstätige und deren Angehörigen der Samstag ein wichtiger „freier“ Arbeitstag ist und habe dann seufzend die Arbeitshandschuhe und die restliche Ausrüstung zusammen gesucht.

Das untere Schlafzimmer in unserem 200 Jahre alten Haus muss noch fertig renoviert werden. Unsere Vorbesitzer haben den Raum wohl als Wohnraum oder Esszimmer genutzt. Vor vielen Monaten haben wir mit den Arbeiten angefangen und eine Grundsanierung bis auf die nackten Wände vorgenommen. Dabei hat sich die Arbeit immer wieder verzögert, weil neue Herausforderungen aufgetreten sind, die das ganze in die Länge gezogen haben. Ein normales Zimmer ist schnell renoviert: Alles ausräumen, Wände befeuchten, Tapeten abreißen, Decke streichen, Tapete wieder dran kleben und fertig ist das ganze.

Bei diesem Zimmer mussten wir komplett anders vorgehen. Zuerst stellten wir fest, dass die kleine Vorratskammer neben dem zukünftigen Schlafzimmer für heutige Verhältnisse viel zu klein ist und kaum einen Nutzen hat. Das war nur ein sehr kleiner Raum, vielleicht 70 cm breit und 2 Meter lang. Man konnte sich in dem Raum kaum um die eigene Achse drehen. An den Wänden hingen alte Regale. Nach einem kurzen Wand-Test stellten wir fest, dass die Zwischenwand nachträglich eingezogen wurde und keine tragende Funktion hatte. Mit ihrer 15 cm – Wandicke war sie auch relativ schnell eingerissen und entfernt. Unser zukünftiges Schlafzimmer wurde also etwas vergrößert. Als zusätzlichen Nebeneffekt erhielten wir ein zweites Fenster zur Hof-Innenseite dazu. Leider war das alte Holzrahmen-Fenster nicht mehr zeitgemäß (Einfach-Verglasung) und musste mit viel Aufwand ebenfalls getauscht werden.

Weiter ging es mit der eigentlichen Raum-Sanierung. Die Decke war schon seit der ersten Besichtigung auffällig nach unten gebogen und zog jetzt immer mehr Aufmerksamkeit auf sich.
Damals hab ich mir noch nicht viel dabei gedacht. Als wir dann die Tapete von der Decke ablösten, fiel uns auf, dass darunter eine alte Lehmdecke angebracht ist, die seit dem Bau des Hauses drauf sein muss. Wir haben in der Decke sogar noch alte Rußspuren von einem alten, zentral gebauten Kamin gefunden, den es schon längst nicht mehr gibt. Die Lehmdecke von Hand zu entfernen, war damals sehr viel Arbeit und hat mehrere Tage gebraucht. Man muss ständig über Kopf arbeiten (Schutzbrille, Helm) und dann mit einem Meißel und Hammer Lehm und das darin verbaute Stroh durch Klopfen und Auflockern entfernen. Das ganze Zimmer staubt voll und unter der Atemschutzmaske beschlägt die Brille oder man bekommt wahlweise keine Luft mehr. Man muss die Arbeit also regelmäßig unterbrechen und durchlüften. Auf dem Boden hat man riesige Mengen an Bauschutt, die dann später noch abtransportiert werden müssen. Als das Haus vor über 200 Jahren gebaut wurde, gab es ja noch keine modernen Baustoffe wie Rigips oder Glaswolle. Der Lehm war das einfachste Baumaterial, das die Leute so finden konnten, stabilisiert wurde es mit Strohgeflechten und Draht. Der Draht leistet allerdings sehr viel Widerstand, weil er immer extra aufgeschnitten und entfernt werden muss. Dazu muss das Werkzeug ständig gewechselt werden.

Unter der Lehmdecke haben wir dann die alten Holzbalken (vermutlich Eiche) entdeckt. Diese machten weitesgehend einen guten Eindruck, nur an der einen Stelle war das Holz recht dünn geworden. Wir wollten nichts riskieren. Für diese Zwecke haben wir zwei Sachverständige um Rat gefragt, die uns versichert haben, dass die Decke stabil ist und noch lange halten wird. Dennoch haben wir als zusätzliche Absicherung neben dem älteren, dünnen Holzträger einen extra-Stahlträger eingezogen (Gewicht ca. 100 kg). Man kann sich denken, dass das auch sehr lange gedauert hat und nochmal einiges an Arbeit war. Für diese Arbeit mussten wir auch mehrere Helfer anheuern. Diesen Stahlträger konnte man nämlich nur von außen durch die Wand „einschieben“ und dann auf das alte Wand-Fundament legen. Dafür muss extra eine Aussparung im Mauerwerk geschaffen werden. Das ganze soll ja auch halten und der Decke neue Stabilität geben.

Trotz Strahlträger ist uns allerdings aufgefallen, dass die Decke leicht wippt, wenn man oben drüber herumläuft. Das ist einfach der Elastizität der restlichen Holzbalken geschuldet. So ganz abstellen können wir das nicht. Dennoch haben wir überlegt, die nun offene und sehr unregelmäßige Decken-Unterseite mit MDF-Holzplatten abzudecken und durch eine angepasste, fest verschraubte Unterkonstruktion waagrecht abzuschließen. Dazwischen wird eine Lage aus Dämm-Material geschoben, um den alten Lehm zu ersetzen. Die gewellte Decke sollte endlich der Vergangenheit angehören. Dazu mussten wir den höchsten möglichen Punkt ermitteln und von da aus mit Wasserwaage eine neue Decke einplanen. Das ist sehr aufwändig und man muss sehr exakt arbeiten. Parallel musste an einer anderen Wand die ebenfalls alte, wellige Wand mit einer Trockenbaukonstruktion vertikal neu aufgebaut werden. Dabei wählten wir eine recht dünne Wandstärke, um nicht soviel vom Raum zu verlieren.

Beim Aufbau der neuen Wände und Decken muss man aber auch gleich an alle Stromleitungen und Steckdosen denken. Denn in den alten Häusern gibt es meistens viel zu wenige Steckdosen, weil die Leute früher einfach viel weniger Strom gebraucht haben. Oft haben die alten Räume aus den 60er Jahren nur ein oder zwei Steckdosen, meistens direkt neben der Tür (für den Staubsauger). Für heutige Verhältnisse ist das natürlich viel zu wenig und so gilt es die Stromverteilung neu zu planen. „Schatz, mach mal“ (das bin in dem Fall ich) Also musste alles geplant werden („Jeder bekommt an seinen Nachttisch zwei Steckdosen“) danach mussten noch Kabelschlitze gefräst werden und hinter dem Trockenbau noch spezielle Steckdosen und Kabelkanäle verlegt werden.

Und was ist eigentlich, wenn wir abends im Bett noch Nachrichten oder einen Spielfilm schauen wollen? Für diese Zwecke mussten wir auch noch SAT-Leitungen und neue Anschlussdosen in entsprechender Höhe verlegen. In diesem Raum kam irgendwie alles zusammen… Zu diesem Zwecke wurde eine neue Sat-Schüssel und ein Vierfach-Verteiler (Quad LNB) angeschafft. Das Ganze war im Paket erstaunlich günstig (mit Kabeln ca. 100 Euro  ).. teurer und schwierig wurde es dann erst bei der Installation. Und weil das Haus sehr dicke Außenwände hat, haben wir einen Großteil der Kabel durch einen alten, nicht mehr benutzten Schornsteinschacht und über den Dachboden verlegt. Das war letztes Jahr im Sommer. Ich erinnere mich noch gut an die Hitze… Einzig die Verbindung zur SAT-Schüssel muss dann noch über die Außenwand erfolgen. Auch das war wiederum eine Herausforderung und hat mehr Zeit als nötig gebraucht. Die normalen Bohrer für Wände haben meistens nur 20-30 cm Länge, die Wand hat aber fast 45 cm Dicke. Wir mussten uns also einen Spezial-Stein-Bohrer mit mehr Länge kaufen und trotzdem noch von zwei Seiten arbeiten. („Da, siehst du schon was? Wo ist das Licht? Warum finde ich das Loch nicht? argh..“)

Beim Verlegen der Leerrohre durch den neu gebohrten SAT-Schacht gab es auch Probleme, weil diese nicht sehr flexibel sind und das gebohrte Loch eine leichte Krümmung hatte.

Nach vielen Stunden Arbeit waren wir endlich mit den Vorarbeiten fertig und nun gilt es noch die Kleinigkeiten fertig zu stellen.

Damit haben wir gestern weitergemacht. Am Fenster gab es noch einiges zu gipsen und die Oberflächen zu verbessern. Durch das neu eingebaute Fenster (Vergrößerung) entstanden Unregelmäßigkeiten im Mauerwerk, die geglättet werden müssen. Oberhalb des Fensters ist aus früheren Zeiten noch eine Rundung, die sieht sehr hübsch aus und soll erhalten werden- das ist allerdings besonders schwierig zu spachteln.
Am Fenster sieht man durch den Lichteinfall jegliche Unregelmäßigkeit, also muss man hier besonders genau arbeiten.

Die vom Vorbesitzer nachträglich eingebauten Heizungsrohre sitzen vor der Wand und mussten einen neuen Heizungsschacht bekommen. Dazu haben wir uns Holzbretter aus dem Baumarkt geholt und eine Spezialanfertigung zusammengeschraubt (Ein Quader mit ausgesparten Schlitzen für die Rohre)… Wichtig ist dabei, den Schacht nicht zu klein zu bauen und alle möglichen Berührungspunkte zwischen Holz und Rohr mit Silikon abzufedern. Denn bei den Heizungsrohr-Abdeckungen aus anderen Räumen ist uns aufgefallen, dass diese zu knacken anfangen, wenn die Heizung stark arbeitet oder es Wärme-Schwankungen gibt. Das ist sehr störend, und sollte vor allem im Schlafzimmer nicht sein. Zum Schluss kamen noch neue Plastikabdeckungen (Manchetten) über die Verbindung zwischen Rohr und Holzschacht, so dass man die ausgesägten Bereiche kaschiert. Diese haben natürlich auch nicht auf Anhieb gepasst, sondern mussten noch mit dem Cutter-Messer angepasst werden.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine neue Fensterbank, ein neuer Gurt und Aufwickler für das Rollo, kleinere Kaschierungen neben der Tür und ein neues Türblatt. Dazu brauchen wir vermutlich eine Woche. Diese freie Woche zu finden ist ein anderes Thema…

Wenn die Vorarbeiten fertig sind, kann endlich mit der eigentlichen Renovierung gestartet werden. Decke streichen, Tapete draufkleben, Teppichboden ausrollen. Danach wird das Schlafzimmer mit neuen Möbeln bezogen. Der Einfachheit erstmal von der Stange, noch besser wären natürlich selbst-gemachte, speziell angepasste Möbel.

Wie auch immer, wenn das Schlafzimmer fertig ist werde ich mich erstmal so richtig ausschlafen! 😉




Sparwahn – eine ewige Baustelle?

Baumärkte scheinen ein sehr lohnendes Geschäft zu sein, allerorten sprießen sie aus dem Boden, die Werbung dafür im TV ist sehr oft zu sehen. Wie so oft, teilen sich die großen Konzerne die Gewinne und es gibt keinen kleinen Baumarkt mehr, sondern immer nur diese riesigen Dinger, die vor Angebot nur so strotzen.

Diese zeichnen sich meistens durch schlechten Service und überfragtes Personal aus. Bezeichnend ist z.B. dass das Personal immer an ihren Verkaufsinseln verharrt und irgendwie immer was zu tun haben. Manche von ihnen sind sehr freundlich, anderen merkt man jedoch ihre schlechte Ausbildung an. Sie sind unfreundlich, lassen sich auf den vorwurfsvollen Ton des Kunden ein, anstatt Höflichkeit zu bewahren. Manche sind fachlich überfragt, andere beraten schlecht und verkaufen einem immer das teuerste, aber nie das beste Produkt.

Wie so oft ist die Ausbildungsqualität ein politisches und gesellschaftliches Problem, denn der Eindruck drängt sich oft auf, dass billige Leiharbeitskräfte oder andere ungeschulte Menschen zu möglichst niedrigen Lohnkosten eingestellt werden. Diese sind also selbst ein Opfer, und anstatt sie auf Fortbildungskurse zu schicken und in die Menschen zu investieren, schauen die Inhaber großer Baumärkte anscheinend nur auf den Faktor Geld (und das sehr vordergründig, aber nicht nachhaltig genug, denn ein Baumarkt, der mit gutem Personal aufwarten kann, würde ich viel lieber benutzen als einen großen, unfreundlichen, anonymen, aber das nur am Rande).

Sprich: Wer in den Baumarkt geht, sollte sich auskennen oder zumindest jemand dabei haben, der sich gut auskennt.

Auch bei den einzelnen Produkten kann man diesen Sparwahn, der unsere Gesellschaft so tief-gehend erfasst hat, allerorten erkennen. In einem Regal gab es beispielsweise Entwässerungsrohre mit guter Qualität von einem renommierten Hersteller. Dieses Produkt lief mit der Zeit aus und wurde durch einen türkischen Hersteller ersetzt. Erst durch genaues Hinschauen ist uns das aufgefallen: Die neuen Entwässerungsrohre waren qualitativ nicht mehr so gut verarbeitet, wie die alten „Marken-Rohre“. Ein kleiner Aufdruck verriet uns dann den anderen Hersteller-Hintergrund.

Der Preis, für den Kunden gut sichtbar am Warenkorb zu sehen, blieb aber der Gleiche! Das bedeutet nichts anderes, als dass der Zwischenhändler nun das gleiche Produkt zu weniger Geld einkaufen kann, aber den unveränderten Preis an den Kunden weiter gibt und den Zwischengewinn in die eigene Tasche stecken kann.

Dies ist ein sehr schönes Beispiel, wie die Globalisierung und die möglichen Kosteneinsparungen nicht an den Verbraucher (also den Menschen selbst) weitergegeben werden, sondern im Kanal der Mächtigen, nämlich der Zwischen- und Großhändler, versickern.

Im schwierigen Bereich der Milch- Wirtschaft ist ja derzeit ähnliches zu beobachten.

Die geballte Marktkraft der Großhändler ist für den Verbraucher also nur begrenzt von Vorteil.

Dazu kommt nämlich, dass bei den Produkten durch diesen Kostendruck meistens auch die Qualität sinkt und was offensichtlich so ein schönes Schnäppchen ist, offenbart beim genauen Hinschauen einfach nur schlechte Qualität.

Das bedeutet auf der Baustelle dann nichts anderes als abgebrochene Dübel oder Schrauben (wir berichteten) und höheren Zeit- und Verarbeitungsaufwand durch schnellen Verschleiß und Planungsunsicherheit.

Auch die Sicherheit kann betroffen sein, gerade wenn man elektrische Geräte von mangelnder Qualität kauft und z.B. der Rückstell-Mechanismus eines Kreissäge-Schutzes nicht mehr funktioniert oder ähnliches.

Die Baumärkte werben oft damit, dass der Kunde Geld durch Eigenleistung sparen kann. Auch dies ist richtig, allerdings darf „der Kunde“ nie vergessen, dass auf der Baustelle meistens alle Gewerke erforderlich sind, wobei allein der Beruf des Trockenbauers schon drei Jahre erfordert ( und dabei noch nicht mal das Gipsen/ Verspachteln eingeschlossen) und auch die anderen Berufe/ Gewerke ähnliche Qualifikationen und Erfahrung verlangen.

Der Heimwerker hat am Anfang aber keine oder nur ein Bruchteil dieser Erfahrung und wer nur weiß, wie man eine Schraube richtig in die Wand dreht, ist noch lange kein „richtiger“ Heimwerker.

Gerade auch das Zusammenspiel der verschiedensten Aufgabenbereiche erfordert viel Planung, die man als Laie vorab nur schlecht leisten kann. Farb- und Raumaufteilungen gehören vielleicht noch dazu, oder wo welche Steckdosen hinkommen sollen. Die einzelnen Abläufe kann man aber nur durch Erfahrung und praktische Anschauungs-Werte ermitteln.

Richtig sparen lässt sich im Grunde nichts. Denn die Arbeit bleibt die Arbeit und den teueren Handwerker einzusparen, verlangt vom Heimwerker selbst einiges an Mehraufwand, Geld und Zeit.

Letztendlich muss man auch überlegen, dass den regionalen Handwerksbetrieben langfristig die Kunden wegbleiben, wenn alle Leute ihre Renovierungen selbst machen.

Wenn die Politik also schon Geld und Steuergeschenke verteilen möchte, dann sollte sie überlegen, wie sie die Anreize zur bezahlten Arbeit auf den vielen Privatbaustellen der Haushalte besser entlasten und fördern kann.

War da nicht mal etwas im Gespräch, dass man die Mehrwertsteuer für Handwerkerleistungen ermäßigen möchte?

Das wäre- meiner Meinung nach- ein guter Ansatz. Es würde die Menschen entlasten, die alles selbst machen müssen (dabei noch Unfälle riskieren und die Krankenkassen belasten) und es würde die Wirtschaft und den Mittelstand ankurbeln.