Gegensätze, Langeweile und ein Ausblick

Das langweiligste Fach in der Schule war… wer kommt drauf?

Geschichte!

Ich hatte einen sehr langweiligen Lehrer, wenn der über die Griechen oder Römer erzählte, war ich oft kurz vorm Einschlafen (zumal ich manchmal am Tag vorher bis in die Nacht ein Strategiespiel mit den Römern gespielt hatte, was vielleicht etwas spannender war, als die Aneinanderreihung von Fakten).

Überhaupt ist Geschichte nichts für junge Leute. Die akademische Bildung, vor allem die Vorbereitung in den Gymnasien zielt zwar darauf ab, möglichst viel theoretisches Wissen zu vermitteln- aber mal ehrlich: Weit über den zweiten Weltkrieg reicht die Masse der „Geschichten“ oft nicht. Dazu kommt, dass man lernen muss und wenn der Gong ertönt und man freien Herzens die Pause betritt, hat man den Großteil der Informationen schon wieder vergessen.

Ganz klar kommt hier der politische Auftrag der Schulen zum Vorschein, die Nachkriegsgeneration möglichst stark und intensiv gegen die ehemalige Nazi-Herrschaft zu impfen, aber was in unserem Land los war, abgesehen von den überschaubaren zwölf Jahren des „Tausendjährigen Reichs“ zwischen 1933 und 1945, erfährt man eher selten.

Geschichte ist immer auch ein Instrument der Gegenwart. Je weniger theoretische Bildung die Menschen in der Schule erhalten, desto mehr werden sie auf das bevorstehende Berufsleben „geeicht“. In den Haupt-und Realschulen überwiegen die praktischen Elemente, hier soll später mal die eigentliche Arbeit gemacht werden (mit den Händen und dem eigenen Schweiß), während die Leute mit Abitur später den Luxus haben werden, ausgedehnte und umfassende Bildungsreisen zu unternehmen (die natürlich Geld kosten und ohne Vorbildung oder Lateinkenntnisse recht langweilig sind).

Man kommt, rückwirkend über das Bildungssystem zu dem Schluss, dass Bildung eine Sache ist, die im Volk einseitig verteilt ist, trotz der Geschwindigkeit und Masse von Informationen, die man inzwischen recht günstig über das Internet erhält. Aber auch hier gibt es Statistiken, die beweisen, dass vor allem Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen das Internet „besiedeln“, während bildungsferne Schichten vom Internet nicht soviel halten-für die gibt es ja noch das Fernsehen…(Quelle , aber auch das)

Und meine Webseitenstatistik zeigt mir in verblüffender Weise, dass die Masse der Besucher nicht mehr als 180 Sekunden auf der Homepage verbringt, egal wieviel Arbeit und Mühe ich hineinstecken werde. Das Blog ist eben doch kein Buch, es ist eine Informationssschleuder ohne Tiefgang, aber weit weg vom gewünschten Altar der Weisheits-Meditation. Und das ist kein Vorurteil, sondern Realität. An einem durchschnittlichen Text arbeite ich vielleicht 60 Minuten, aber gelesen wird er -wenn überhaupt – in 3 Minuten.

Andere Menschen sagen, dass der freie Geist sich im Zuge der Industrialisierung zurück entwickelt hat, dass er von den Entwicklungen der Technik und der Moderne auf empfindliche Weise beschnitten wird. Woran kann das liegen?

Warum haben die „langwelligen Informationen“ so wenig Chancen gegen die 140 Zeichen- Flut der modernen Zukunft, wie z.B. in dem Nachrichten- Dienst Twitter?

Es ist bezeichnend für unsere Zeit, die Tiefe fehlt. Das meiste spielt sich im Kräuseln der Oberfläche ab, nur wenige tauchen unter diese reflektierende Decke der obersten Schicht. Manche halten die Luft an und tauchen einen Meter, manche schaffen zwei. Wer aber holt mir die Perlen auf dem sandigen Boden, die in hunderten Metern, weit weg von Licht und Luxus-Schiffen ihr Dasein fristen?

Niemand, so scheint es mir. Vielleicht ist eines Tages jemand gelangweilt und wagt den Versuch, bis dahin werde ich weiterhin meine Bahnen schnorcheln.

Was aber ist der Sinn der Geschichte, ganz abseits von den Pflichten und Beschränkungen der Schule? Warum interessiere ich mich heute mehr für Geschichte als früher? Warum setzte dieses Interesse heute und freiwillig so stark ein, wenn ich früher mit Gewalt nicht dazu gekommen bin?

Ein Grund dafür ist sicherlich darin zu suchen, dass ich heute lieber und mehr lese als früher. Der Wunsch nach oberflächlichen Informationen hat sich irgendwann erschöpft. Man kann eben nicht ständig die Zeit mit belanglosen Fernsehprogrammen verbringen, wenn man diese „durchschaut“ hat. Auch andere Freizeitaktivitäten erfüllen einen immer nur zum Teil und je älter man wird, desto eher ist man auch bereit, komplexere und schwierige Dinge in sich aufzunehmen. Das Gehirn ist ein großes Netz aus Neuronen und je mehr Zellen und Verbindungen man eigenhändig spinnt, desot aufnahmefähiger wird es. Das Schreiben vertieft diese Informationen und hilft beim Abheften, so dass das Schreiben eines Textes die Gehirnleistung insgesamt erhöht, vor allem für theoretisches Wissen (nennt mich Super-Woman….). Wenn man älter ist, hat man auch weniger Probleme mit praktischen Problemen und vielleicht auch weniger Geldsorgen, so dass auch Reisen und ähnliche Ausflüge, z.B. in Museen leichter werden.

Die Hormone gehen zurück, die Pubertät lässt man hinter sich, das Gehirn ist frei für theoretische Bildung. Aber in jungen Jahren hat man soviel andere Dinge im Kopf, dass man unser Schulsystem wirklich mal hinterfragen und überlegen, ob man den jungen Leuten nicht lieber ein pädagogisches, emotionales Rüstzeug mitgeben sollte (anstatt Zwang und Druck auszuüben) und die andere Hälfte des Bildungsschwanzes lieber nachreichen sollte? Zum Beispiel durch berufliche Weiterbildung, staatlich finanziert und gestützt? Aber ich bin mir sicher, Kultusministerkonferenzen und solche Dinge, werden von grauhaarigen, recht alten Menschen veranstaltet, die die Griechen und Römer einfach toll finden… aber die Seele der Jugend und Menschen mitunter nicht verstehen können.

That´s life!

Und jetzt fragt mich bitte nicht, was das heißt…