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Ich werde Dir folgen

Ich werde Dir folgen. Ganz egal, wohin Du gegangen bist. Egal, welchen Körper du hast, welche Gefühle Du lebst oder was immer dich antreibt. Du hast mich geprägt, vor sehr langer Zeit. Die Begegnung mit Dir hat alles in mir umgekrempelt und alle Weichen gestellt. 1996 hab ich Dich kennengelernt und schon zwei Jahre später für immer aus den Augen verloren.
Du wolltest studieren, weit weg in die große Welt. Du hattest künstlerisches Geschick, eine große Sprachbegabung und konntest immer gut mit Menschen. Vor allem warst du sehr intelligent und du wolltest keine „dummen Gesprächspartner“. Nach London oder Paris hat es Dich gezogen. Darunter machtest du es nicht. Ich hingegen wollte ins kleine Koblenz. Informatik studieren und meinem damaligen Ruf als Nerd gerecht werden.

Ich weiß noch genau, an diesem einen lauen Sommerabend in Bad Dürkheim auf dem Wurstmarkt. Ich hatte eine Lederjacke an, redete über die Bundeswehr und musste mich zweimal täglich rasieren. Du hingegen kamst in einem zauberhaften kurzen Kleid. Deine Beine waren braun und glatt und deine Stimme hell und schön. Es war unsere letzte Begegnung. Ich habe Dich getroffen und Deine Augen haben gestrahlt. Wir waren verliebt. Aber keine(r) konnte es so richtig zugeben. Die Herzen pochten bis zum Anschlag. Die Hände waren feucht. Die Gedanken kreisten nur noch um uns, um unsere Liebe. Der letzte Halt in einer sich bewegten Welt. Unsere Wesen hat sich irgendwie verbunden. „London? so weit „dachte ich „dann werde ich die nie wiedersehen.“ Es war mir klar, dass ich nur eine Partnerin finden werden, die stärker und selbstbewusster als ich bin. Diese Frauen zog ich immer magisch an, alle anderen konnten mich nicht erwärmen. Es war aber auch was anderes in unserer Begegnung. Eine Freundschaft vielleicht, die Begegnung zweier weiblicher Seelen? Die eine schon völlig ausgereift und erwachsen und die andere noch in ihren Kinderschuhen. Unsichtbar, für die meisten.

Und auch in deinen Augen war die Sehnsucht und der Schmerz des Abschiedes deutlich zu spüren. In der Schule haben wir immer nebeneinander, nein mehr „hintereinander“ gesessen. Du warst schlecht in Physik und ich liebte das Fach. In der Kunst waren wir beide gut. Du allerdings hattest es als Leistungsfach und ich hatte es abgewählt, um nicht „zu weiblich“ zu wirken. Es hatte lange nicht zwischen uns gefunkt, aber dann plötzlich ganz heftig. Den Anfang hattest Du gemacht. Plötzlich war mein Interesse für dich da, aber ich kann den genauen Punkt auch im Nachhinein nicht mehr lokaliseren. Die Schulzeit neigte sich 1997 dem Ende zu, die Welt stand für uns beide völlig offen. Mit dem Studium sollte die schönste Zeit beginnen. Die Zeit der maximalen Freiheit, der Gesundheit und des Neubeginns. Du bist dann nach links gegangen und ich nach rechts. 20 Jahre später haben wir uns auf dem Klassentreffen wieder gesehen und es war so, als ob gar keine Zeit vergangen wäre. Deine Augen leuchteten wie damals und ich hab wieder kein Wort rausbekommen.

Jetzt werde ich Dir also folgen. Ich werde das tun, was du damals getan hast. Ich werde nach London oder Paris reisen. Neue Menschen kennenlernen. Mich völlig der Kunst hingeben. Frei sein, die Welt studieren! Denn du warst immer weiter als ich. Jetzt, 24 Jahre später bin ich so wie du. Ich trage ein schönes Kleid und habe glatt rasierte, braune Beine. Meine Stimme ist hell, ich bin sprachbegabt und kann gut mit Menschen. In Physik und Mathe bin ich allerdings auch schlechter geworden.

Nun sind wir beide offen, der Welt zugewandt. Neugierig. Und das „dörfliche“ hängt mir zum Hals raus, wo wie es Dir damals zum Hals raus gehangen ist.




Frauenquoten-Gedöns

Wo dir fehlt der Mut zu Taten, musst du halt ein wenig warten

Nachdem in der Mädchenmannschaft die Frauenquote diskutiert wurde und dabei unter anderem auf die Phoenix-Talksendung aufmerksam gemacht wurde, habe ich mir an diesem Abend das Programm freigeschaufelt und mit großer Neugierde in die Sendung eingeschaltet.

Zuerst: Das Thema Frauenquote finde ich an sich sehr wichtig, weil endlich mal ein frauenpolitisches Thema in den Medien Gehör findet. Wenn auch nicht besonders erfolgreich und meistens auch recht einseitig. Die mächtigen Frauen wie Familienministerin Schröder oder Merkel bekleckern sich nicht gerade mit Ruhm und Takraft und schon gar nicht mit einseitiger weiblicher Solidarität, was eigentlich schade ist, aber wahrscheinlich ihre Glaubwürdigkeit und ihren männlichen Durchsetzungswillen bekräftigt. Wer weiß? Und wo kommen wir denn hin, wenn plötzlich alle Frauen mit anderen Frauen solidarisch wären? Also so weit sind wir nun auch noch nicht. Wer nach oben kommen will, soll bitteschön kämpfen. Anders funktioniert es nicht! Steuergesetze und Bürokratie in unendlichen Mengen verschreiben wir dem guten Bürger ganz gerne, aber wenn es um die Freiheit der Geschlechter geht, dulden wir keine Einmischung! Schließlich geht es dabei um den heiligsten Gral in diesem Land überhaupt: Der Performance und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Und wer will schon eine Baby-Mama in der Chef-Kajüte? Die stört da nur, aus dem Weg.. entweder du kleidest und verhälst dich wie ein Mann oder du hast verloren. Hier oben weht ein rauer Wind und die Regeln die machen wir selbst, die sind männlich. Basta.

Auf bestimmten Nachrichtenseiten liest man sehr abfällig Kommentare von (Achtung, Überraschung) meisten männlichen Lesern in dieser Art, die dem Thema sehr skeptisch gegenüberstehen und andere Abwertungen gegenüber Frauen und deren Belange. Oder hat schon jemand vergessen, dass ein bundesdeutscher Kanzler Frauen- und Familienpolitik vor nicht sehr vielen Jahren noch mit „Gedöns“ bezeichnen konnte und absolut keine negativen Konsequenzen dafür erhielt? Wo sich das Patriarchat so offen formulieren kann und auf der anderen Seite die traditionelle Geschlechtlichkeit immer noch stark ist, herrscht dringender Nachholbedarf. Und zwar explizit von oben, vom Kopf und vom Verstand her. Die Rolle der Politik ist es, gesellschaftliche Misstände zu entschärfen, wenn sich diese nicht von selbst regeln. Der Gleichheitsgrundsatz ist fest im Grundgesetz verankert. Überall ist man gleich mit Gesetzen und Vorschriften zur Hand, aber wenn es umso etwas essentielles wie faktische Gleichberechtigung geht, versagt man kläglich. Ich meine, man möchte ja noch nichtmal eine 50- prozentige Quote, sondern nur eine 30- prozentige. Wozu dann die Aufregung?

Allein dieser großer Widerstand auf der einen Seite und die Skepsis und Untentschlossenheit auf der anderen zeigt, dass es ein Thema ist, dass wichtig ist und zudem noch kein besonderer gesellschaftlicher Konsens herrscht. Es bleibt dabei nicht nur bei der Frage, warum ca. 97% der Chefs in großen Unternehmen männlich sind. Warum Frauen meistens typisch soziale Berufe bevorzugen, warum Jungs schlechter im Lesen sind und bei den Schulleistungen meistens hinterhinken, usw. gehört für mich alles auch zur „Genderdebatte“. Und ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die das überhaupt nicht interessiert oder sehr einseitige Meinungen dazu haben. Männer sind halt so, Frauen so. Warum soll man sich groß daran stören? Mir scheint, dass explizite Denken über Geschlechterrollen und damit verbundene Ungerechtigkeit ist zwar vordergründig sehr beliebt, weil emotional und medientauglich, aber wenn man versucht in die Tiefe der Argumentation einzusteigen, versiegt die intellektuelle und vor allem wissenschaftliche Diskussion allzu schnell im allgemeinen Sumpf der Gemeinplätze.

So war das zuerst auch in der Phoenix-Runde. Ein wichtiges Thema über die Geschlechtergerechtigkeit, aber diskutiert wurde ausschließlich von fünf Frauen. Der oberflächliche Blick auf das Geschlecht und das Äußere machte klar, dass hier keine Dame Absätze unter vier Zentimetern Höhe trug und alle auffällig und tlw. unangenehm grell geschminkt waren. Die Frisur saß bei allen Frauen perfekt- wahrscheinlich ein Attribut, dass man braucht, wenn man in einem Fernsehstudio sitzt und die Lichter auf einen gerichtet sind- sei´s drum.

Aber schon die erste, non-verbale Kommunikation an die Zuschauer lautet: Wir sind Frauen, wir haben hübsch zu sein. Wir haben uns unbewusst in einem Äußerlichkeits-und Schönheits-Raster eingepasst. Und wenn wir das nicht tun, fallen wir gleich unangenehm auf und niemand nimmt uns ernst? Schon gar nicht die Männer?

„Die müssen wir unbedingt mit ins Boot nehmen“ wiederholte sich eine Frauenquoten-Gegnerin. Unbedingt. Ohne die Männer geht es nicht. Sie verbinde Frauen immer „in einem Atemzug“ mit Familie, fiel der Quoten-Befürworterin zu ihrer Kontrahentin ein, das irritiere sie.

Und überhaupt -stellt die intelligenteste und neutralste unter ihnen fest- : 25% der Frauen wollen Kinder und Familie, 50% wollen Vereinbarkeit von Beruf und Familie und nur 25% sind überhaupt bereit, sich komplett und mit Haut und Haaren für den Job zu engagieren.

Das sind dann ungefähr die 30 Prozent, die es überhaupt in den deutschen Belegschaften gibt, wie z.B. aus diesem Artikel hervorgeht?

Ach und überhaupt, die deutsche Präsenzkultur ist das Problem, da waren sich die meisten in der Talkrunde einig. Das Arbeitsleben muss überhaupt überdacht werden, familientauglicher werden, auch für die Männer!

Ähnliches liest man meist im „Väter und Karriere“ Blog.  Schön, die Männer-Vereinigungen und Gruppierungen sind auch wieder hörbar geworden und schießen wie Pilze aus dem Boden.  Für eine echte Feministin, die keine Berührungsängste hat, ist das eigentlich kein Problem oder?

Einzig und allein was fehlt, ist ein Konsens. Ein Gemisch aus beiden Strömungen, ein weiser Mensch der die Äußerungen und Wünsche von Frauen mit denen von Männern unter einen Hut bringt. Der sich hütet, in Gemeinplätzen und Vorurteilen zu wühlen, was zugegeben schwer fällt, bei einem Thema wie dem Geschlecht und seinen Rollen.

Die Argumente, die man hört, sind immer wieder gleich. Bevor man über eine Quote redet, sollte man dafür sorgen, dass Frauen auch niedere und körperlich belastende Berufe wie Maurer oder Lagerarbeiter machen, denn da sind die Männer eindeutig im Nachteil! Frauen wollen ja immer nur an die Spitze, aber die Gender-Gerechtigkeit und -Ungerechtigkeit, die findet auch an der Basis statt.

Dafür sollten die berührungsfeindlichen Jungs endlich mal das Wickeln lernen oder in den Kindergarten gehen! Und Frauen sollte zur Bundeswehr, möglichst verpflichtend, aber das ist ja jetzt mit dem Ende der Wehrpflicht auch vom Tisch…

„Die Selbstregulierung der Wirtschaft darf nicht politisch unterbrochen werden“ und die „unternehmerische Freiheit ist ein hohes Gut“. Das sind die stärksten Argumente der Quoten-Gegner(innen). Und sie sehen noch nichtmal ein , dass ein freiwilliges „Ja“ zur Diversity, also zur geschlechtlichen und anders gearteteten Vielfalt auch einen ökonomischen Nutzen bringen würde, wie zahlreiche Studien inzwischen belegen. Auf Deutsch? Mehr Frauen in Chefetagen und du kannst den Gewinn zum Gipfel tragen! Aber nein, dieses erkennt freiwillig niemand. Soviel Jahre hat man nun freiwillig Zeit gehabt und das Gute und Intelligente hat sich doch nicht durchgesetzt. Immer die alte Leier mit den über 50-jährigen grauhaarigen Alpha-Männchen auf dem Chefsessel. Immer das Gleiche. Und die Frauen, denen das zu hart ist, die sich ein weicheres und angenehmeres Klima wünschen… und wenn der Prinzessin der Himmel nicht wie von selbst in den Schoß fällt, zieht sie sich beleidigt in die vier Wände zurück und sucht ihre Befriedigung in einer „Caring“-Tätigkeit. Immer das gleiche mit den Frauen. Und den Männern.

Ob sich überhaupt irgendwann mal irgendwas ändern wird?

„Ganz bestimmt, wir sind auf einem guten Weg“ meint die Quotengegnerin. In den letzten Jahren war viel Bewegung. Die Gesellschaft braucht halt ein wenig Zeit.

Lasst uns nach vorne schauen und ein bisschen hoffen. Weiblich, passiv abwarten und auf den lieben Gott vertrauen.

Denn für praktische Taten haben wir (noch) keinen Mut.




Gender-Unterschiede in Blogs

Gestern kam von verschiedenen Stellen ein Artikel auf mich zu, was wiederum zeigt, wie wichtig er bestimmten Personen war und wie gut die Quervernetzung im Netz funktioniert.

Es geht um das Thema „Blogs von Frauen“ und die Frage, warum Frauen nicht in der Zahl im Netz vertreten sind und gehört werden wie Männer.

Ich möchte einfach die prägnanten Thesen herausgreifen und dann meine (persönliche) Meinung dazu formulieren.

Hinweis: Da ich wieder vermute, dass es -wie bei allen Gender-Themen- viele Kommentare dazu geben wird, werde ich die Moderations-Funktion anschalten und nur solche Kommentare freischalten, die einer bestimmten Netetiquette genügen, freundlich und sachlich sind. Außerdem wünsche ich mir mehr Kommentare von anderen Frauen, da es schließlich auch um sie geht!
Dafür wird der Artikel dann in jedem Fall im Netz stehenbleiben und nur bei groben grammatikalischen oder inhaltlichen Fehlern nachträglich korrigiert werden.

…………
Zum Artikel

Im ersten Absatz wird eine Statistik herangezogen und die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die geschlechtliche Vertretung im Netz nicht ganz identisch ist (nämlich 79% der Männer und 65% der Frauen). Dieser Unterschied wäre noch zu vernachlässigen, auffälliger wird es in den „Blogcharts“ , eine viel zitierte Seite, die die Bedeutung und vor allem den Verlinkungsgrad und den Einfluss von Blogs misst.

Der erste, von einer weiblichen Person betriebene Blog landet auf Platz 46, davor sind es alles Männer.

Auffällig ist vor allem die inhaltliche Verteilung der Blogs, dass Frauen mehr Tagebuch-Einträge schreiben und Männer mehr „für die Öffentlichkeit relevante Themen“. Aber hier darf man schon die erste Frage stellen und Zweifel anbringen: Ist es denn so wichtig, unbedingt in diesen Charts vertreten zu sein? Und wer bestimmt eigentlich, was für die Öffentlichkeit relevant ist? Wir haben hier nicht nur ein Wahrnehmungs-, sondern auch ein Interpretationsproblem.

Wenn Frauen persönliche Einträge schreiben und sich mit ihren Blogs lieber um gute, soziale Kontakte kümmern oder mit Hilfe einer nach innen gerichteten Nabelschau ihre Gefühle verarbeiten, was ist daran auszusetzen? Die Frage muss dann nicht lauten: Warum gibt es so wenige weibliche Bloggerinnen in den Charts, sondern: Warum werden weibliche Themen soviel anders „bewertet“ ? Warum gibt es für weibliche Themen weniger Verlinkungen und weniger Machtgeplänkel um den Einfluss und die Bedeutung herum? Vielleicht weil das zwei verschiedene Paar Schuhe sind, die überhaupt nicht zueinander passen?

Wirklich diskriminierend finde ich daher nur die Art der Fragestellung, den rhetorischen Rahmen, der über die Realität und den Status Quo gespannt wird: Frauen sind nur gut und wertvoll, wenn sie mit den Männern gleichziehen können, wenn sie sich in Bereichen behaupten können, die klassisch männlich besetzt sind. (Gleichbedeutend damit: Frauen sind nur wertvoll, wenn sie eigenes Geld verdienen und sich von einem Mann loslösen können- überspitzt formuliert)

Der Reiz der Geschlechter und der sexuellen Anziehung liegt aber auch gerade an den Widersprüchen und der Unterschiedlichkeit. Schonmal überlegt, dass Frauen gar nicht gleich sein wollen? Oder dass sich Männer mit Beeindruckungs-und Machtposen vor den Frauen absichtlich stark positionieren wollen? Man sollte also auch fragen: Warum ist es dem männlichen Geschlecht so wichtig, nach Macht und Einfluss zu streben und warum werden Männer immer auf die Rolle des Machers, des gefühlskalten Analysten und des pausenlosen Arbeiters reduziert? Der zudem die Familie ernähren muss?

Und auf der anderen Seite: Macht man die Frauen nicht per se unglücklich, wenn man die Fragestellung so formuliert? Kann es nicht eine Minderwertigkeit und sogar eine Abwertung von Weiblichkeit sein? Warum kann man diese Weiblichkeit und dieser andere Art der Lebensbewältigung nicht einfach akzeptieren? Ich persönlich empfinde es (als Frau!) abwertend, wenn ich mich mit solchen, rein technischen Charts messen soll und mein Wert dann indirekt nur über die Verlinkung erkannt werden soll. Das ist der typische, feministische Bemessungsrahmen „von oben“ und er stinkt mir, auf deutsch gesagt. Ich möchte selbst entscheiden dürfen, was gut und wichtig ist. Oder was ich als „weiblich“ und für mich wichtig empfinde.

Der Wert eines Blogs und vor allem einer Person liegt in vielen Dingen, aber er liegt ganz sicher nicht im Grad der Macht oder der Anzahl der Personen, die irgendwo ihren Senf ablassen. Wer das für sich erkennen kann, wird frei von diesen Belangen und ich schätze persönlich(!) solche Menschen höher ein, als diese, für die es extrem wichtig ist, immer und überall gehört werden zu müssen (das ist nämlich kein wirkliches Zeichen von Stärke, eher von Geltungssucht). Aber das ist wiederum auch mein persönliches Dilemma meiner persönlichen Einschätzung von Menschen und Situationen und damit ist es: weiblich! Ein „Genderproblem“. Aber mein eigenes, kein gesellschaftliches.

Etwas später wird in dem Artikel behauptet, dass die Sozialisation an allem Schuld sei, dass man mit der Ausbildung eines bestimmten Rollenbildes (z.B. über Spielzeug) Frauen in eine Rolle drängt und sie dann wie aus heiterem Himmel jegliches Interesse an Jungspielzeug und Jungsdingen verlieren. Dagegen sprechen aber aktuelle Hirnforschungen und andere Studien und die Frage nach der Rolle und der Prägung über die Gesellschaft ist höchst umstritten. Fakt ist z.B. dass es große Unterschiede in den Gehirnen, schon von Geburtsseite her gibt und dass die Geschlechter dadurch unterschiedliche Lebensthemen wählen und eben auch „von innen heraus“ andere Interessen haben (das festgelegte Geschlecht eines Menschen ist im wesentlichen eine Kopfsache, aber keine erlernbare, sondern eine unveränderliche).

Nicht umsonst wollen viele Frauen heutzutage immer noch Friseuse oder Model werden und die Männer KFZ-Mechaniker oder etwas mit Technik. Die Frage muss also lauten: Was war zuerst: das Identitäts-Geschlecht oder die Sozialisation? Und ich denke, dass dies die Kernfrage für den aktuellen Feminismus sein müsste.

In vielen Fällen kann man die Identität einer Person und die von ihr bevorzugten Lebensbereiche auch mit Gewalt, mit Zureden, mit Umerziehung, mit Quoten und allen anderen Dingen nicht ändern. Wichtig ist: Die Identität eines Menschen zu akzeptieren und sich nicht immer auf Vergleiche mit anderen einzulassen (in diesem Fall die von den Männern dominierte, kämpferische Außenwelt, die sich auf Macht und Status gründet).

Aber dennoch zeigt der Artikel, dass es eine Diskriminierung dahinter geben kann, die kaum sichtbar ist: Nehmen wir die Blogs. Ein Blog kostet Unmengen an Zeit und möchte man einen annehmbaren hohen Verlinkungsgrad und entsprechenden Einfluss erlangen, muss man extrem viel Zeit verbringen und : Man muss auch gut sein. Das ist die natürliche Auslese in einem marktwirtschaftlich-orientierten Gesellschaftssystem, zu dem leider auch die derzeitige Blogosphäre und deren geistige Inhalte gehören. Nur nett sein alleine reicht da nicht.

Da Frauen auf Grund der gesellschaftlichen erzwungenen Doppelbelastung durch Familie, Kinder, Haushalt und Beruf meistens alle Hände voll zu tun haben, ist es kein Wunder, dass sie insgesamt weniger Zeit in ihre Arbeit stecken können, wenn sie nicht die anderen Dinge vernachlässigen möchte. ((Politisch wird das christlich-konservative Hausfrauenmodell immer noch gefördert und dann ist da noch die stets offene Frage mit der Kleinkindbetreuung)) Und welche Frau möchte ihren Mann vernachlässigen oder sich nachsagen lassen, dass sie keine gute Mutter wäre, weil sie ständig am Computer sitzt? Hier greift dann die Ungerechtigkeit über die „Rollenbewertung“ und das ist dann eine wirkliche Diskriminierung. Denn eigentlich dürfte eine Frau genauso viele Freiheiten haben wie ein Mann, genauso viel arbeiten und sich genauso lautstark Gehör verschaffen. Eigentlich. Könnte, dürfte, wenn….

Ungerecht ist es, wenn Frauen nicht die gleiche Zeit mit Technik und Computer verbringen können und sie in einem traditionellen Partnerschaftsmodell nicht ausreichend entlastet werden. Hier greife sich jeder Mann und jedes zu lang daheim gebliebene Kind mal an die Nase und frage sich, ob für die Mutter & Frau genug getan wird? Oder immer nur gefordert und erwartet? ((dies ist die eigentliche Grauzone der Diskriminierung, die man mit politischen Mitteln nur schwer erreichen kann))

Meine Vermutung ist daher, dass eine Frau genau den gleichen Erfolg erreichen könnte, wenn sie nur genügend Zeit und Energie in bestimmte Projekte stecken würde und auch langfristig den entsprechenden Ehrgeiz hätte, so gut wie die Männer zu sein.

Die Frage hinter dem Artikel muss also auch lauten: Warum gibt es so wenige Frauen mit dem entsprechendem Ehrgeiz? Ich denke nicht, dass es an den Fertigkeiten oder „den Genen“ liegt. Ich denke, dass es für viele Frauen derzeit weder erstrebenswert noch möglich ist, ein zeitintensives und Macht/ Streit geprägtes Medium wie ein Blog zu führen und führen zu wollen. Das Problem ist eine Mischung aus gesellschaftlichen Rollenerwartungen/ Chancen, tatsächlicher Lebensrealität (Bloggen kostet Zeit und Geld) und eigene Geschlechtsrollen-Interpretation. (wie weiblich o. wie männlich will ich sein?)

Vergleichbar sind die Vertretungen in anderen Berufen, die viel Arbeit und Ellenbogen verlangen und eher als Männerdomänen gelten: Führungspositionen, Politische Ämter, Aufsichtsräte.

In einem Absatz des TAZ-Artikel steht weiter: „Frauen empfinden es eher als Missbrauch einer sozialen Beziehung, was für Männer normal ist: Netzwerken, um voran zu kommen.“ Dies ist ein Hinweis darauf, dass es auch eine Art der Eigen-Bewertung ist, die im Weg steht. Um wirklich voranzukommen, reicht es nicht, bestehende Rollenmodelle zu kopieren, sondern man muss auch bereit sein, neue Wege zu gehen und ich finde: Man sollte vor allem die ganzen Zweifel endlich beiseite legen.

Im besten Fall können solche Artikel dazu beitragen, dass der Ehrgeiz geweckt wird, im schlimmsten Fall: Können sie das eigene, passive weibliche Rollenbild nur zementieren und in die Resignation führen („ich bin eben Frau, ich kann nichts daran ändern“).

Denn das Modell der hemdsärmeligen „Powerfrau“ liegt nicht jeder.

Die, die es kann, sollte ihre Chance ergreifen. Und dann sollte man sie auch lassen.