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Freundschaften auf Instagram

Kann man auf einer Plattform wie Instagram Freunde finden?

„Das ist ungefähr so einfach, wie auf einer Formel 1 Rennstrecke einen Menschen zu finden, der in Ruhe ein Pläuschen mit Dir halten will!“

Nein, Spaß beiseite. Die Frage ist ziemlich schwierig zu beantworten. Man kann durchaus Freunde finden, aber man muss ein paar wichtige Dinge beachten und die Spielregeln dort kennen. Denn wie bei jedem menschlichen Miteinander finden sich dort erstmal Menschen ohne größeren Vorbedingungen zusammen und die Regeln entstehen quasi „von selbst“ in einem sich selbst-regulierenden System. Von Seiten des Anbieters wird ja die „Freundschaft-Funktion“ nicht sonderlich geregelt oder verwaltet. Man kann jemand anderen folgen, der kann zurückfolgen, dann kann man sich Nachrichten mit einer ziemlich einfachen und intuitiven Chat-Funktion schreiben.

Die Software gibt zwar das grobe System vor, aber was der Mensch daraus macht, ist mal wieder völlig ihm selbst überlassen! Zuerst ist es so, dass große Anbieter und Sammler von Daten wie Facebook oder Instagram alles dafür tun, damit sie deine Bilder bekommen. Sie profitieren davon, weil sie dann herausfinden können, wo sich ihre Nutzer so rumtreiben, welchen Kaffee sie gerade trinken, in welchem Restaurant sie sind, wer eine bestimmte Location aus welchem Grund toll findet – usw !! (Stichwort Datensammelwut) Außerdem bekommen sie völlig kostenlos eine riesige Menge an Bilddaten völlig umsonst auf ihre Server geladen, mit denen sie auch noch tun können, was sie wollen, denn die Bildrechte werden zum großen Teil abgegeben. Die Nutzer profitieren wiederum von einem völlig kostenlosen Dienst und der Möglichkeit, für sich selbst und ihre Arbeit „Werbung“ zu machen. Also tut man alles dafür, dass die eigenen Fotos gut werden und versucht, die eigene Arbeit zu optimieren.

Die große Frage aber ist, warum tun das Menschen eigentlich? Warum verbringen sie soviel Zeit mit dieser Tätigkeit, die keine unmittelbare materielle Belohnung gewährt und die auch augenscheinlich nach etwas „unfairen“ Startbedingungen verwaltet wird?
Wenn die Nutzer eigentlich genau wissen, was mit ihren Daten passiert und dass andere – nämlich der große Dienstleister im Hintergrund – die Kohle damit macht?
Neben der Werbemöglichkeit ist der wichtigste Grund wohl das soziale Feedback, der „Like“. Menschen wollen für ihre Arbeit gelobt werden, sie wollen Feedback bekommen. Entweder in Form von Likes oder von Kommentaren. Hauptsache man wird beachtet. Dieser Antrieb ist für den Menschen anscheinend sehr groß und stellenweise eine größere Belohnung als Geld. Es ist dabei auch völlig egal, ob du die Person kennst, die dich gerade likt. Es geht immer wieder um neue Menschen und man muss streng genommen zu dem einzelnen keine Beziehung aufbauen. Eine Freundin von mir sagte „Wenn ich ein Bild hochlade, möchte ich neue Follower gewinnen. Die alten sind mir ja sowieso schon treu!“. Und sie postete daher ihre Bilder immer genau zu der Uhrzeit, wo man das meiste Feedback erwarten kann und am ehesten neue Menschen dazu kommen (in der Feierabend Zeit zwischen 18 und 20 Uhr). Es geht also um „viele Menschen“, nicht unbedingt um „gute Beziehungen zu einem einzelnen Menschen.“ Ich saß mit ihr im Café und wollte mit ihr reden, sie sagte aber „warte mal bitte, ich muss gerade mal ein Story-Posting machen“ und sie postete ein Bild von unseren Drinks in der untergehenden Abendsonne. Das war schön, zweifelsohne. Ich aber fühlte mich verraten. Warum sollte es jetzt die ganze Welt wissen, was wir machen, wo wir sind und wer alles dabei ist? Die schöne Stimmung war ein bisschen zerstört worden. Und dass alles nur, damit andere applaudieren oder im schlimmsten Falle neidisch sind?

Normalerweise kann man sich auf Instagram sehr gut mit anderen vergleichen und schauen, was die anderen so machen. Man kann sich für seine Arbeit Inspiration und Anregung holen. Wer einen kreativen Beruf hat, kann sich neue Anregungen holen (z.B. Design-Ideen, Foto-Vorlagen, interessante Videos, Musik, usw.) oder Menschen kennenlernen, die ähnliches tun und für sich ähnliche Dinge interessieren. Wer etwas macht, was andere ganz besonders toll finden, wird dann irgendwann „Influencer“ genannt. Aber ich habe festgestellt, dass man auch schon mit wenigen Leuten „Influence“ kreiert und von anderen nachgemacht wird (Beispiele dafür folgen in einem gesonderten Artikel). Wenn andere Leute Deine Arbeit und somit auch Dich wertschätzen, hast Du schonmal eine Grundlage für ein interessantes Gespräch. Denn nichts ist wichtiger, als ein „gemeinsames Thema“. Ob dann wirklich eine Freundschaft daraus entsteht, liegt an euch beiden.

So schön das Like-System auch funktioniert, es bleibt ständig im Hintergrund als „Bewertungsmaßstab“. Das ist schwierig, weil man sich (ob man will oder nicht) immer ein wenig daran orientiert. Wer hat wie viele Follower? Wer bekommt mehr Likes für ein Bild? Über wen spricht man öfters? Und wer wird öfters mal gefeatured? Auch wenn man selbst sehr gut ist, wird man immer wieder Leute finden, die „mehr“ haben und einen größeren Einfluss generieren. Das materielle Denken schlägt also voll zu und man kann ihm auch in der virtuellen Welt nicht entkommen. Es ist sogar bekannt, dass die Menschen, die viel Zeit mit sozialen Netzwerken verbringen, insgesamt materialistischer veranlagt sein sollen als andere.

Männer nutzen Instagram dazu, um schöne Frauen zu finden und sich deren Bilder anzuschauen. Frauen wiederum genießen die Zuwendung und die Aufmerksamkeit, die ihnen entgegenschlägt.

Und dort soll man jetzt Freunde finden können? Das ist sehr schwierig. Denn eine gute Freundschaft muss ja eigentlich frei von solchen äußeren Maßstäben sein. Frei von Vergleichen, frei von sexuellen Bedürfnissen und frei von Neid. In einer Freundschaft muss man den Menschen mit seinen Gefühlen sehen können, mit seinem Wesen, seinen Ängsten und seiner Person. Instagram ist aber eine Schein- und Blendwelt. Die Menschen zeigen dort alles, aber nicht ihre wahre Seite, ihr wahres Ich. Auch wenn es die Möglichkeit eigentlich geben sollte, denn niemand gibt ja vor, mit welchem Inhalt das nächste Foto versehen werden soll. Die Möglichkeit ein Foto hochzuladen, ist erstmal ein weißes Blatt Papier und der Inhalt wird vom Menschen und seinen inneren Entscheidungen bestimmt.

Auf Instagram versucht jeder, sein bestes nach vorne zu krempeln, um die Zahl der Likes und der sozialen Rückmeldungen zu erhöhen. Jeder zeigt nur sein persönliches „Schaufenster“, niemals aber das ganze Wesen. Für sozial akzeptierte Fotos und Bildaussagen bekommt man Zuspruch und die anderen stürzen ins Bodenlose. „Der Markt“ ist da gnadenlos und sortiert erbarmungslos aus. Frauen werden belohnt, wenn sie ihr Äußeres präsentieren, Männer für „Leistung“ und gute „Arbeit“. Generell bekomme ich für Story-Postings, die einen materiellen Bezug haben (was hab ich mir gekauft, etc.) mehr Feedback als für Posts, die sich hauptsächlich auf meine innere Einstellung und persönlichen Gedanken beziehen.

Ich habe daher festgestellt, dass die persönlichen Treffen mit anderen Instagrammern einen ganz anderen Charakter haben und für mich viel wertvoller sind als das ganze Herumgewische auf dem Handy. Ich würde es jedem empfehlen, sich mit den Leuten hinter den Accounts zu treffen. Es ist eine schöne, bereichernde Erfahrung, weil man die Menschen ohne „Schutzhülle“ und ohne Maske kennenlernt.

Solche Treffen zu organisieren ist schwierig. Vor allem die Zeit-Koordination macht Probleme. Alle Leute unter einen Hut zu bekommen und sei es nur für ein gutes „Instameet“, das vielleicht 30 Minuten dauert. Denn jeder hat ja heutzutage tausend Verpflichtungen und „immer irgendwas zu tun“. Entweder Arbeit, in der Familie eingebunden, mit Freunden unterwegs. Und dann soll man sich nochmal freie Zeit für völlig unbekannte Menschen freimachen? Die Bereitschaft sich darauf einzulassen, ist nicht besonders hoch.

Und wenn jemand kommt, dann sind es sowieso meistens die Leute, die friedlich im Umgang sind und einen ausgeglichenen Charakter haben.

Die Leute, die Instagram als große Leistungsshow sehen, werden nicht kommen. Oder sie kommen, um sich Applaus einzuholen, aber nicht, weil sie dich mit all deinen Schwächen und Stärken kennenlernen wollen.

Instagram ist nur ein Medium. Es liegt an Dir, was Du daraus machst.




Freunde treffen

Ich hab es gewusst, in Wahrheit gibt es gar keine Geschlechtsunterschiede!

Frage: „Wollen wir am Wochenende zusammen was unternehmen?“

Freund: Klar, machen wir.

Freundin: Ja, eigentlich schon. Aber dann muss ich erst überlegen, ob es passt. Könnte auch sein, dass es mir gerade nicht gut geht, kann ich schlecht voraussagen. Also halte ich es lieber in der Schwebe. Und ich muss doch dies und jenes klären. Und außerdem kommt ja noch X vorbei. Und für Y muss ich noch das machen. Außerdem wollte ich noch shoppen gehen. Und wollte was schönes für meinen Freund kochen. Und eigentlich passt es mir gar nicht, aber wenn du lieb fragst und mir noch ein paar Komplimente machst, bin ich dafür bereit. Weil ich entscheide das alles spontan aus dem Bauch raus. Hihi.

Und was kommt bei raus?

Beim Freund wird es genau so, wie du es erwartet hast. Er ist nicht krank und auch nicht launisch.
Er macht es einfach und ist zuverlässig. Einer von euch beiden ist der Ältere oder der Erfahrene, es wird ein Anführer bestimmt und dann wird es so gemacht. Der Ablauf des Treffens ist vorhersagbar und „straight“. Der Freund regt sich nur darüber auf, wenn am Ablauf etwas geändert wird oder die Planung vorher schlecht war. Dann wird ein Verlierer bestimmt, der die Scheiße ausbaden muss. Das ist meistens der „weibliche Part“.

Bei der Freundin ist es etwas besonderes, wenn ihr überhaupt zusammen kommt! Dann wird es aber richtig lustig! Ihr lacht euch beide weg, weil es gerade richtig gut passt und ihr beide so Bock auf das Treffen hattet. Keiner dominiert das Treffen, die Hierarchie wird bewusst flach gehalten. Männer würden jetzt nur stören! Es gibt viele Überraschungen und es läuft ganz anders als geplant. Das Treffen läuft emotionaler und herzlicher ab, weil ihr beide mehr Rücksicht aufeinander nehmt. Ihr entscheidet spontan und einigt euch durch Diskussion darauf, was ihr zusammen macht. Das kann dann auch mal ganz anders werden. Keiner ärgert sich darüber, dass ihr zu wenig geplant habt. Das viele Quatschen und die gute Stimmung hilft über kleinere Mängel in der Ausführung hinweg.

Lustig ist auf jeden Fall beides!




Erinnerung- Teil 2

Musik:  NirvanaSchool / Rape me,
PaniqI cry about you every day, Kungfusion

Über mein 20jähriges Klassentreffen (das erste)

Da steht er der alte Bau. Verschandelt mit hässlicher Dekoration. Bis zur Unkenntlichkeit verbarrikadiert. Einlass-Kontrollen und Energie-Ausweise. Die freie offene Treppe zur Herrlichkeit des Geistes mit Bürokratie zugebaut. Über den Hof kann man nicht mehr frei gehen da steht jetzt ein massives, abgeschlossenes Tor.
Nur die Raucherecke sieht noch aus wie früher. Wieviele Stunden wir da verbracht haben! Die einzige freie Zeit in einer durchorganisierten und geplanten Zeit, in der andere für Dich entschieden haben, womit Du Dich beschäftigen sollst.

Und nun kommen wir an, alle 20 Jahre älter geworden und der ganze Schrecken von früher kann uns nur noch ein Lächeln entlocken.
„Allein der Geruch da drinnen…! Ich wäre am liebsten sofort wieder rausgerannt“ erzählt mir eine Freundin von einer Episode mit Ihren Kindern in diesem Gebäude. Die Widerstände sind also noch da. Die negativen Erlebnisse wie auf einer Festplatte fest gespeichert. Man kann sie nach Belieben hervorholen oder in einen „neuen Ordner“ packen. Vielleicht noch auf eine andere Platte verschieben. Nur löschen geht nicht ganz.

Und dann erlebe ich noch etwas, das ich ganz vergessen habe. „Es handelt mich“, anders kann ich es nicht beschreiben.
Ich sage plötzlich Dinge und reagiere auf Menschen, ohne darüber nachzudenken. Mir rutscht ein Kompliment nach dem anderen heraus und alles liegt mir auf der Zunge. Wo ist die coole Zurückhaltung von früher? Nur keine Gefühle zeigen, man könnte sich ja in eine unangenehme Situation bringen. Und ich bin auch tatsächlich überrascht von der positiven Reaktion anderer Menschen auf mich. Die meisten erkennen mich nicht. Ich muss jedes Mal mein Sprüchlein aufsagen, was denn alles passiert ist und wie ich früher geheißen habe und warum sich manche Vorzeichen geändert haben, aber ich immer noch der gleiche Mensch wie früher bin. Das will mir keiner glauben. 😉 Neugierige Blicken lasten auf mir, ich hätte mich doch chicer machen sollen, wo ich jetzt so im Rampenlicht stehe. Wobei mir auch die Natürlichkeit auch wichtig ist und ich eben so bin, wie ich bin.

Ich frage mich, was ich gemacht hätte, wenn schon früher alles anders gewesen wäre. Dann hätte ich einen ganz anderen Freundeskreis gehabt. Ich setze mich mit den Männern von früher an einen Tisch. Es ist genauso wie früher. Die gleichen Sprüche, die gleichen Witze, die gleichen genervten Blicke oder die freudigen Überraschungen und lustigen Einfälle. Nur ich bin anders. Ich vertrage nix mehr. Nach drei Gläsern Sekt habe ich schon genug und will auf Wasser umsteigen.

Dafür werde ich blöd angemacht und muss mir einen Spruch anhören „was, jetzt schon mit Wasser?“. Ich gucke auf die Uhr, es ist vielleicht 21 Uhr und ich denke daran, welcher Film zu Hause gerade im Fernsehen läuft. Die anderen scheinen sich recht wohl zu fühlen und haben alle viel Ausdauer. Die ganze Situation hat etwas Aufkratzendes, bewegendes, belebendes.
Einer der krassesten Erlebnisse, die ich in der letzten Zeit so durchgemacht habe. Es ist alles anders, die Welt bewegt sich, verändert sich und man ist mittendrin. Kein Stein bleibt auf den anderen. Das Leben ist ein Kontinuum und alles festes kommt uns nur so vor, weil wir so langsam denken und keine Vergleichsmöglichkeiten haben.

Ich gehe zu einer Zweiergruppe mit Mädchen, die den gleichen Vornamen wie ich tragen. „Na, da hast Du Dir aber einen hübschen Vornamen ausgesucht“ lächelt mich die eine an. „Den besten der Welt“ muss ich freimütig zugeben. Dann verwickeln wir uns schnell in interessante Gespräche. Hier ist sie also. Meine neue Clique. Mein neuer Bezugsrahmen. Ich bin mir sicher, wenn ich mit Ihnen damals mehr als drei Tage in der Schule gesessen hätte, wären sie auch heute noch meine besten Freundinnen.
Und ich mäandere wieder zwischen den Welten, kann mich nicht so recht entscheiden, wen ich jetzt cooler finde und wo ich mehr Gemeinsamkeiten finde.

Die Männer von früher haben sich zum Teil stark verändert. Viele sind kräftiger geworden oder haben mehr Gewicht.
Bestimmte Züge von früher kommen jetzt noch mehr zum Vorschein. Die gewonnene Lebenserfahrung merkt man vielen deutlich an. Nicht auf den ersten Blick, aber wenn man genau hinhört und hinschaut. Alles fühlt sich reifer an. Es ist mehr Reue im Spiel. Von dem Ausgeflipptsein von früher ist nicht mehr viel übrig. Alle sind sehr beherrscht, fast könnte man meinen, sie haben Angst wieder in in ihre alte Rolle zu fallen. Das finde ich fast ein wenig traurig, weil ich doch gerade diese Jugendlichkeit, die wir durch gemacht haben, sehr reizvoll fand. Aber man kann sie nicht bewahren. Sie verändert sich, sie entwickelt sich und an ihre Stelle treten neue Verhaltensweisen.

Viele Mädchen sind zur Zeit in der Familien-Gründungsphase. Viele haben Kinder und Partner mitgebracht. Es wirkt bei vielen sehr harmonisch, viele sind glücklich, so ist mein Eindruck. Über den Beruf und die Karriere wird auch geredet, aber nicht mehr so intensiv wie früher, als man sich die Karrierepläne ausgemalt hat und alles noch vor einem lag. Die Streber von gestern sind auch heute noch Streber. Aber das klingt so abwertend. Sie sind einfach anders. Interessierter, wissenschaftlicher, akademischer. Und die intelligenten von früher sind auch heute sehr erfolgreich geworden. Keiner spricht über Geld oder Einkommen, aber ich bin mir sicher, dass die meisten, die hier gekommen sind, sehr gut verdienen und erfolgreich sind.
Und das finde ich gleichzeitig schade. Denn von denen, bei denen es nicht so gut gelaufen ist, hört man nichts.
Man hört und sieht nur die Schokoladenseite des Lebens, aber nicht die Enttäuschungen, Probleme oder negativen Erfahrungen.

Nur einer ist bereit, offen und ehrlich darüber Auskunft zu geben. Schon bei der Begrüßung fängt er damit an, was alles schlecht gelaufen ist. Er tut mir leid, ich würde ihn am liebsten umarmen und trösten. Ich sage ein paar Worte, spüre aber, dass sie nicht ausreichen, seinen tiefen Lebenskummer zu vertreiben.

Und wer sich heute fragen sollte, ob er je auf ein Klassentreffen gehen sollte- ganz gleich welches Schicksal er oder sie erlitten hat. Ganz gleich wie groß die Gefühle und die Enttäuschungen im Inneren so sind. Ich würde sagen, es lohnt sich.
Man sollte wenigstens eins im Leben machen.




Ohne Dich

Besinnliche Gedanken in einer manchmal unbesinnlichen Zeit

Ich weiß nicht, ob ihr sie kennt, aber in diesen übervollen Geschenkeläden und kleinen Mitbringselstationen am Bahnhof findet man sie oft gedruckt auf aller Art: Süße Comics, in diesem Falle ein Schäfchen, das den Kunden traurig anblickt und verkündet „dass ohne dich alles doof ist“.

Als ich sie das erste Mal gesehen habe, war ich richtig angerührt. Ich unterbrach das hektische Suchen im Laden, schaute mir die Tasse an und dachte über den Comic nach: Genau das ist es! Super, genau auf den Punkt gebracht. Etwas kitischig, natürlich und für den Massengeschmack getrimmt, aber im Kern doch eine schöne und wichtige Aussage, die zudem sehr gut in die besinnliche und wettertechnisch graue, langweilige Vorweihnachtszeit passt.

Ohne den Mitmenschen ist alles fad. Das ist in erster Linie der Partner, der dem eigenen Leben einen Sinn verleiht. Aber auch- oder gerade- wenn man allein ist, kann diesen Sinn jeder Mensch erfüllen.

Das Leben ohne Mitmenschen oder ohne sich für die Mitmenschen zu interessieren, macht keinen Sinn. Es ist sicherlich nicht Zweck unserer Existenz, andauernd allein zu sein oder Selbstgespräche zu führen. Selbst, wenn man dabei sehr weise wird oder gar die Erleuchtung findet. Hey, aufgerafft, irgendwann musst du auch mal lernen, auf andere zuzugehen! Lernt man das nicht schon im Kindergarten oder der Grundschule? Vielleicht lernen es manche auch nie..

„Freunde“ stehen hoch im Kurs und in jedem drittklassigen, psychologischen Essay zu dem Thema findet man die Ratschläge zuhauf: „Öffnen sie sich, gehen sie auf andere zu, wagen sie den ersten Schritt! Ein soziales Netzwerk ist gut für die Gesundheit, schafft Sicherheit und Geborgenheit, erhöht die Potenz und die Lebenserwartung, und bringt dir augenblicklich den genetisch unbelasteten und atomwaffenfreien Weltfrieden. Sichern sie sich ihr sozial erfülltes Leben noch heute. Rufen sie an, unter der kostenpflichtigen Hotline…“

Soziale Netzwerke im Internet bringen dir Freunde in Massen und jede Woche schickt mir der Facebook-Konzern meines Vertrauens die dringliche Botschaft, dass die 534 Freunde (die ich hauptsächlich durch das Abo einer Browserspiel-Massenmail erhalten habe) auf mich warten und mich soo sehr vermissen. Auf Twitter kann man am Leben fremder Menschen ständig teilhaben, man bekommt mit, wann sie einkaufen, wann sie ihren Kaffee kochen, ob sie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder doch eher Menstruationsprobleme haben, ob derzeit die Kondome, das Katzenfutter, das Geld ausgegangen oder die Akkus leer gelaufen sind, wie sie sich über das Fernsehprogramm aufregen, mit ihrem Freund Schluss gemacht und stattdessen einen neuen Handyvertrag begonnen haben. Die GPS- Ortung im Handy macht den genauen Aufenhaltsort bekannt und in Verbindung mit der Adresse und Google Streetview haben auch geschickte Langfinger ein leichtes Spiel. Alles ist offen, alles ist transparent! Jeder Mann ist Teil der Horde, Teil der Masse, jeder macht das Gleiche und doch teilen sie alle das gleiche Problem, dass am Ende des Tages auf der Rechnung Einsamkeit steht. Und zeitgleich regen sich alle massenkonform über den mangelnden Datenschutz auf.

Diese Art in der Masse zu schwimmen, ist attraktiv und berauschend. Es gleicht dem Gang durch eine überfüllte Shoppingmall an einem Adventssamstag. Jeder ist in Bewegung, man sieht tausende unterschiedliche Gesichter und die Luft ist erfüllt von Millionen unterschiedlichster Duftmoleküle. Auf den Weihnachtsmarkt vermischen sich die Glühweinschwaden mit gebratenem, gesottenem oder knackig süßem. Der Mitmensch reibt seinen Hintern an mir ich schiebe zum Dank meinen Ellenbogen in seine pelzig-bewehrte Rippe; man geht nicht durch die Masse, sondern man wird mehr geschoben, man taucht ein in das Bad der Menge und hat ein sehr gutes Gefühl dabei- von der unterschwelligen Angst vor Terroranschlägen vielleicht abgesehen.

Das alles ist sehr berauschend und in diesem Fall ist man nichts „ohne dich“. Sobald man ins Auto gestiegen, das Parkhaus verlassen und nach stressigem Verkehr auf der überfüllten Straße endlich wieder in die gemütlichen vier Wände einkehrt, umgibt einem wieder diese Stille, diese Leere. Es ist wie ein Heroin-Süchtiger auf Entzug: Vom farbenprächtigsten und schönsten Rausch der Erde kehrt man wieder in seinen grauen Betonbunker zurück.

In viel größeren Dimensionen erlebt der Mensch das Wechselbad der Nähe und Einsamkeit in den Phasen seines Lebens und in den größeren zeitlichen Phasen der Schicksalschläge, des Alterns und in den verschiedenen Lebensabschnitten.

Als junger Mensch ist man gewöhnt, viele Freunde und viel Freizeit zu haben. „Ausgehen“ ist das Wort, das eine große Bedeutung hat und auch unweigerlich mit Leben gefüllt werden muss. Nach der kurzen, unsicheren Phase der Pubertät macht sich schon bald ein neues Selbstbewusstsein und eine neue Lebensanschauung breit, die für neue Erfahrungen sorgt und den Menschen verändert. Er hat diese Reifung auch bitter nötig, denn nur zu schnell drängen die Anforderungen der Gesellschaft, der Arbeit und der Familie an ihn: Es muss eine Ausbildung oder ein Studium begonnen werden. Irgendwann ist man dann im Idealfalle im Berufsleben angekommen. Die Zeit für die Freunde wird weniger. Selbst gute Freunde aus der alten Zeit werden „vergessen“.
Schon im Studium musste man umziehen und hat sich umorientiert. Der kleine, begrenzte Freundeskreis aus der Schule wurde komplett ausgetauscht und mit einem neuen ersetzt. Zeitweilig ist man vielleicht einsam. Im Beruf dann hat man keine Zeit für Einsamkeit, da die Arbeit und die acht Stunden pro Tag die wichtigste Lebenserfahrung sind. Am Ende steht Geld auf dem Konto und der Mensch funktioniert.

Er hat vielleicht eine Ehe und Kinder.. aber doch meistens keine Zeit oder umgekehrt. Als Frau gibt man den Beruf auf und ist nur noch für die Kinder und den Mann da. Die schönsten und wichtigsten Kontakte sind dann die Mütter aus dem Kindergarten. Und das Highlight des Abends ist, wenn der eigene Mann an der Tür klingelt. Neben dem (relativ schlechten) Fernsehprogramm.

Oder die Ehe löst sich von heute auf morgen auf. „Es passt nicht mehr“ hat sie gesagt „ich habe einen anderen“. „Du bist nicht mehr attraktiv und das mit dem Sex hat doch eh nie geklappt zwischen uns. Machen wir uns nichts vor. Es ist vorbei.“

Das alte Leben löst sich auf. Eine Krankheit entsteht. Etwas unerwartetes, heimtückisches, das so nicht auf der Agenda deines durchgeplanten und von einem Versicherungskaufmann gegengerechneten Lebensprofiles stand. Vielleicht folgt dann die Arbeitslosigkeit. Die guten Freunde verabschieden sich plötzlich, durch den Jobverlust hat man auch keine Kontakte mehr. Alkohol kommt ins Spiel und dann ist sie wieder da, ganz plötzlich und unvermittelt steht sie vor deiner Tür: Die Einsamkeit.

„Hey, lange nicht gesehen, wie geht es dir?“ Schaust du sie fragend an.

Du hast ganz vergessen, wie sie aussieht. Früher war sie hübscher, aber sie ist älter geworden. Man sieht die Verhärtung um die Mundwinkel herum, der Blick ist fahl geworden, desillusioniert und leer.

Das Fernsehprogramm vorhin konnte dich ablenken, die gute Reise sowieso. Du konntest sie verdrängen, deine alte Freundin.

Aber jetzt nagt sie an dir, tief drinnen, ein Gefühl das einfach nicht weggeht. Du schaust aus dem Fenster und siehst niemanden. Wann hat dich das letzte Mal jemand gelobt, in den Arm genommen, dir Aufmerksamkeit und Liebe geschenkt?

Der Kloß der Traurigkeit und Enttäuschung klettert den Hals hoch.

Du schaust nach draußen. Es schneit. Die Sonne ist untergegangen, dabei ist es gerade mal fünf Uhr.

„Ohne dich“, denkst du.

Ohne dich ist alles doof.




Brücken und Schluchten

Über zwischenmenschliche Sympathie und Antipathie

Was entscheidet eigentlich, ob uns jemand sympathisch ist oder nicht? In der realen Welt würden mir sehr viele Dinge einfallen, Aussehen, Geruch, Verhaltensweisen- aber in der virtuellen Welt wird es schon schwieriger. (Siehe auch: Virtuelle Sozialkontakte)

So ist mir z.B. neulich etwas aufgefallen. Ich habe eine Frau kennen gelernt, die ich sehr nett fand- durch Zufall auf Twitter, da lernt man schnell mal neue Leute kennen. Sie hat das gleiche Hobby wie ich, nämlich die Sendung GNTM zu schauen. Auch sonst schien sie in meinem Alter, einen ähnlichen Humor zu haben und war recht tolerant. Ich schrieb ein paar Mal hin und her und es entwickelte sich so eine kleine Freundschaft, die mich glücklich machte. Ich finde, Frauen sind untereinander viel zu selten wirklich befreundet, viele Frauen, die ich so kennen gelernt habe, bauen sehr schnell eine (für mich völlig unverständliche) Konkurrenzsituation auf, was ein Relikt aus alten Zeiten sein muss- oder whatever! So fällt mir z.B. auf, dass Männer viel eher in größeren Teams zusammenarbeiten können, sich bei Frauen aber immer unweigerlich ein Zickenkrieg entfacht und der mangels eindeutiger Hierarchie und dem ständigen Versuch, sich gegenseitig durch Worte zu manipulieren und zu dominieren, endlos wird.

Es mag nun nach Vorurteil klingen, aber wer genauer hinsieht, wird vielleicht ähnliches beobachten und bestätigen können. Meine These ist ganz einfach, dass bei Frauen auf Grund der Familiengründungs-Rolle immer nur eine Frau im Haushalt sein kann und diese dann unweigerlich alle anderen (artfremden) aus ihrem Revier so lange wegbeißt, bis halt nur noch eine übrig ist. Nur so kann man auch die schwierigen Konflikte erklären, die sich z.B. zwischen Ehefrau und ihrer Schwiegermutter abspielen, wenn diese mal im Haushalt ist- oder die Situation zwischen Hausfrau und Stieftochter aus einer Patchwork-Familie (was ich auch schon erleben durfte). Wer die Sendung „Frauentausch“ auf RTL2 schon mal gesehen hat, bekommt hier eine Dauerberieselung über Frauen-Feindschaften auf dem Fließband serviert. Im seltensten Fall funktionieren die Experimente, was auch zeigt, wie unterschiedlich Denk- und Verhaltensstrukturen in den einzelnen Familien sind und wie sehr diese von den jeweiligen Frauen bestimmt werden. (Mitfühlende Akademikerinnen und psychologisch geschulte Professorinnen mal ausgenommen, aber die sind im Fernsehen meistens in der Unterzahl).

Obwohl Frauen also diese Fähigkeit zur sozialen Kompetenz eigentlich haben sollten, stoße ich immer wieder auf das paradoxe Erleben, dass es irgendwo hakt und dann doch nicht funktioniert. Alle Kleinigkeiten, alle lästigen Dinge, die eigentlichen keinen Grund zur Erwähnung haben sollten, nehmen ihren Weg durch das limbische System des weiblichen Gehirns (den Gefühlen..) werden dadurch ums 1000fache verstärkt, umgehen dabei das Logikzentrum und enden als Kurzschluss im Sprach-Zentrum. Nur so kann ich mir erklären, warum viele Konflikte nur auf emotionaler Schiene ausgetragen werden und warum es selbst für erfahrene und eigentlich „reife“ Frauen so schwierig ist, Konflikte mit einer gewissen Distanz und Abgeklärtheit zu lösen. Mehr Nachdenken und weniger Fühlen wäre auf jeden Fall einer der wichtigen Schlüssel zur Lösung!

Diese Frau auf Twitter, die ich so mochte, löschte mich also kurzerhand und ohne Begründung aus ihrem Followerkreis. Aber bis heute weiß ich nicht warum. Für immer stehe ich gestraft da. Immer werde ich weinen. Ich werde mir Sorgen machen, Selbstvorwürfe und vielleicht am Ende einen Strick….

Vielleicht bin ich auch zu stolz, um sie zu fragen.. und mal ehrlich: ich habe auch schon Leute gelöscht, die mich genervt haben, aber dafür gibt es nur einen einzigen Grund: Wenn sie zu viel erzählen und den Chat zumüllen. Oder wenn es rein kommerzielles Geschreibsel ist und von keinem „Menschen“ kommt.

Das habe ich aber nicht gemacht. Was ich gemacht habe, ist mich bei einem Dienst wie Twitterfeed anzumelden, der dann automatisch alle neuen Blog-Beiträge in Twitter „spamt“ und da ich an den Einstellungen noch werkeln musste, kann es sein, dass hier die eine oder andere Nachricht zu viel geschrieben wurde. *

Ich weiß immer noch nicht, was die Frau bewegt hat, mich zu löschen- aber ich verdanke ihr indirekt diesen Beitrag.

Ich werde mir Gedanken zur Sympathie und Antipathie machen und ich stelle fest, dass es in der virtuellen Welt noch schwieriger ist, Konflikte zu lösen und Menschen so zu sehen, wie sie wirklich sind. Was in der realen Welt schon schwierig genug ist!

Was sollte also als Fazit bleiben? Sollte man das Internet weiterhin Menschenlos betrachten und nutzen? Sollte man andere Menschen und Konflikte daraus ausklammern, weil es scheinbar nicht geht? Ist der Gegenüber nur ein leeres Profilbild, dass ich nach Bedarf weg klicken oder hinzufügen kann? Nur ein Link, einer kleiner HTML-Befehl trennt meine Welt von dem des Gegenüber.

Doch ein seelischer Abgrund tut sich manchmal dazwischen auf.

Weiterführende Links

( * An der Stelle muss ich noch darauf hinweisen, dass ich jetzt mit der Medienrunde ein Gemeinschaftsblog habe. Im J.A. Blog habe ich das noch nicht vorgestellt. Ihr könnt euch aber mal das „Über uns“ durchlesen, da habe ich versucht zu erklären, um was es geht. Hartmut und ich suchen grundsätzlich noch Leute, die daran teilnehmen wollen, die mit uns zusammen Fernsehen und twittern wollen oder auch mal Lust auf „reale Treffen“ außerhalb der Blogosphäre haben.
Es kann auch sein, dass ich noch weitere Blogs gründen werde und alles, was ich dann schreibe und blogge, wird dann in den Twitter-Account übernommen. Eigentlich ist das praktisch, oder? )