Die grüne Alternative

Ein Tag in der Wüste.

Sand und trockene Luft. Geschätzte einhundertvierzig Jahre Leben „über das Maß hinaus“ hat den menschlichen Zufluchtsort Erde zu einem heißen Planeten gemacht. Aber noch gibt es Menschen, die das ganze leugnen und nicht wahrhaben wollen. Einsicht ist mit Anstrengung verbunden und vor allem die notwendigen, darauf folgenden Taten. Der menschliche Körper ist auf Energie-Einsparen programmiert. Wenig essen und viel Kalorien verbrennen ist dabei problemlos möglich. Problematischer wird es hingegen, wenn man viel isst und wenig verbrennt und die ganze schwere Arbeit von Benzin- oder Dieselmotoren machen lässt.

Am Rand ausgetrockenete Erde und Blumen, die das Köpfchen hängen lassen.
Vereinsamt und leise sterbend das ungegossene Gras. Die Menschen pflastern lieber ihren kompletten Garten mit Steinen zu. Sieht erstens geradliniger aus und muss zweitens weniger oft gegossen werden.
Dazwischen ein Käfer unsichtbar hüpfend und eine Ameise fleißig Stöckchen hebend. Wer denkt schon an die Kleinsten?

Staubige Luft, staubige Straßen und CO2-Schleudern, die unermüdlich die Straße entlangbrausen.
Am Berg sauge ich die Luft tief ein, weil mein Organismus nach beschleunigtem Puls und größerer Sauerstoffsättigung verlangt.

Gedankenlose Menschen, die sich nicht für mich verantwortlich fühlen am Steuer.
Aus kleinen Augen starren sie mich an. Treten nochmal aufs Gas, so dass eine schwere Wolke voller Gifte zwischen meine Nasenlöcher dringt. Wer hat schon Angst vor Gurken? Die größte Gefahr für das Leben lauert hier, direkt neben mir.
„Warum muss die auch ausgerechnet heute und hier fahren?“ bilde ich mir ein, dass die Fahrer es denken.

Mich starren sie an, die Alternative. Die- die am heutigen Tag das Fahrrad und den Weg per Muskelkraft genommen hat. Ich zähle die Autos auf der Landstraße und komme zum Schluss, dass auf hundert Autos ca. ein Fahrradfahrer kommt. Und das an einem Sonntag! Wo wollen die Menschen denn alle hin?

„Wählt mich“, grinse ich sie freundlich an. Ich bin die Alternative. Die radfahrende Prinzessin auf ihrem neuen Rad.
Wählt mich und ihr könnt auch so schlank und hübsch werden und die Fettpolster eures Lebens los werden.

Wählt mich und ihr werdet gesund sein. Die Autofahrer blicken noch etwas grimmiger und fühlen sich von mir und meinen guten Ideen belästigt. Vor allem die Frauen meinen, dass ich arrogant und überhaupt eine blöde Schlampe wäre. Ihr Mann am Fahrersitz schaut grimmig, und gibt schnell Gas, bevor die guten, aber fremden Ideen zum Fenster reinfliegen. Wer kann dem Kostenlosen heutzutage schon trauen?

Ich gebe Handzeichen zum Abbiegen und einer der Autofahrer fährt mir fast die Hand ab. Es ist hier nicht vorgesehen, dass fremde Radfahrer unangemeldete Handzeichen mit ausgestrecktem Arm geben. An einer anderen Stelle gibt es keine Radwege. Es ist hier nicht vorgesehen, dass jemand Rad fährt. Hier sind nur Autos vorgesehen. Beim Rückwärtsfahren wird ein anderer Radfahrer beinahe vom Bus überrollt, weil der hinten keine Augen hat und Radfahrer bekanntlich schnell und unberechenbar überall auftauchen können. Puh, das war knapp. Ich schaue mich intensiv um, entdecke aber trotz Nachforschung eindeutig kein Schild mit der Aufschrift „Bitte nicht unangemeldet hinter Bussen herumcruisen“. Das hier ist eindeutig Restriskiko, Restrisiko der schwächeren Verkehrsteilnehmer, die im Verkehrsplan der Kleinstadt nicht mit einberechnet worden sind.

Weiter geht’s trotz wachsender Demotivation. Wer hat gesagt oder gedacht, dass es einfach wird? An der nächsten Kreuzung dauert es fast zehn Minuten, bis ich endlich eine freie Stelle zum Überqueren gefunden habe.
Die Autofahrer schauen weiterhin grimmig und unausgelastet. Ich bin für eine Steuer, die unnötiges Fahren an Feier- und Sonntagen teuer macht. Und für einen steuerlichen Zuschuss für Elektrofahrräder.

Ihr Körper (der Autofahrer) hätte sich heute gerne bewegt. Leider sind sie nicht gut zu ihrem Körper. Sie wollen lieber mit Fünfzig einen Herzstillstand bekommen oder mit vierzig an Überfettung sterben.

Ihre Sache. Nicht meine, nehme ich an, wenn ich vom sozialisierten Gemeinwohl der Renten, Gesundheits- und Sterbekasse mal absehe. (Radfahren spart allerdings effektiv Gesundheitskosten ein, siehe z.B. hier)

Nicht mein Ding.

Oder etwa doch?

„Wählt mich“, lächle ich sie freundlich an. Ich bin die Alternative!




25. Erlebnistag Deutsche Weinstraße

Mit dem Rad ‚on tour‘

Gestern war mal wieder time for our „weekly-on street-trekkingcycling lifetime experience-cardio workout“, auf Deutsch: Radfahr-Tag.

Denn wie das mal so ist, verliert man ganz furchtbar schnell die Kondition, wenn man nicht wenigstens einmal pro Woche, am besten aber noch viel öfters fährt! So ein Fahrrad ist ein total unterschätztes Gerät! Die Reichweite mit dem Drahtesel und vor allem auch der Spaß am Fahren korreliert eng mit der eigenen, persönlichen Fitness. Sprich: Je fitter man ist, desto weiter kommt man und desto weniger schwitzt man dabei. Das ist genau umgekehrt wie beim Autofahren: Da kann man sich total überfressen und übergewichtig reinsetzen und es fährt dennoch überall hin und die Reichweite korreliert höchstens mit der Tankfüllung und dem jeweiligen Grad der Umweltverschmutzung und der weltweit verfügbaren Ölreserven.

Was sich schon am Vortag bereits intensiv in unser jeweiliges Gesichtsfeld gebohrt hatte, war dabei nichts weniger als die schöne Ankündigung, dass der 25. Erlebnistag Deutsche Weinstraße ansteht und wie der Zufall so will, ist das eine Ende (Bockenheim) dieses lang gezogenen Straßen-Ereignisses relativ nah zu unserem derzeitigen Wohnort.

Gute Vorbereitung ist der halbe Ausflug

Gesagt getan, Räder aus dem Schuppen geholt, den Sattel nochmal vom Staub befreit, die 10 cm „lange“ Luftpumpe in Anschlag gebracht und kräftig gepumpt. Aber, oh weh, das fällt schon das erste auf: Überall wird gespart, so auch beim Fahrrad und der mitgelieferten Pumpe. Mit der macht es überhaupt keinen Spaß. Erstens wurden billige Materialien verwendet, nämlich Kunststoff und dieser biegt und streckt sich und verhält sich überhaupt recht unstatisch und unkomfortabel. Zweitens ist der Hubweg zu kurz, d.h. man braucht ungefähr 100 Stöße, um ca. 0,5 bar Druck in die Schläuche zu kriegen. Drittens: Aus irgendeinem Grund wird der Kolben bei zu viel Druck wieder rausgeschoben, dass man zu den 100 Stößen nochmal 50 Stöße extra rechnen muss, die man dann wieder verliert. Viertens vielleicht noch, dass beim Abziehen vom Ventil zusätzliche Luft entweicht. Also, das ist nichts.

Zum Glück habe ich mich am Vortag schlau gemacht und nach einer besseren Pumpe Ausschau gehalten, und mich dann für diese hier entschieden: Beto Standpumpe (keine Werbung, aber ein Shoppingtipp).

Diese ist zum einen recht günstig zum anderen eine Standpumpe (mehr dazu zu lesen in den – wie immer hilfreichen – Rezensionen bei Amazon).

Leider war die natürlich gestern noch nicht da und so schwangen wir uns mit halbwegs gut aufgepumpten Reifen endlich auf den Sattel und rollten die ersten Meter auf dem Asphalt.

Radfahren ist „frei“ fahren

Dieses frei-fahren Gefühl beim Rad ist super und ich liebe es. Gute Laune stellt sich schon nach den ersten Metern ein. Man hat eine herrliche Aussicht und sieht vielmehr als beim Autofahren. 360 Grad- Rundumblick mit komplett serienmäßiger und nullgewichtiger Panorama-Scheibe, einfach herrlich. Und das Gute: Man stellt sich die Geschwindigkeit so ein, wie man haben möchte. Man muss dem Mann nichts verbal ins Steuer greifen und keine virtuelle Fußbremse bedienen, man muss noch nicht einmal Angst haben oder nervös sein und ist total frei!

Wenn da ein hübsches Blümchen am Wegessrand steht, macht man halt langsamer und hält an. Niemand, der nervös hinter einem hupt, kein Zwang eine bestimmte Geschwindigkeit fahren zu müssen. Meistens kann man gemächlich über Feldwege fahren oder einen von den vielen Radwegen in der Pfalz aussuchen. Da ist man unter sich, da trifft man auf Familien, Kinder, usw. und ist weit weg vom Lärm und der Hektik des Straßenverkehrs. Diesen bekommt man nur mit, wenn sich mal wieder ein Sportwagen durch die Umleitung-Schilder gefädelt hat und dann dennoch die gesperrte Strecke mit 120 km/h abrauscht. So was ist ärgerlich und müsste nicht sein. Die Zufahrtswege zur Weinstraße wurden nämlich ausgewiesen und sind nur für Anlieger geöffnet, so dass der Verkehr weiträumig umfahren kann. Wenn sich dann Leute nicht daran halten, ist die ganze Umleitung für die Katz und es hatten unscheinbar viele Leute ein dringendes „Anliegen“.

Endlich im großen, benachbarten Dorf angekommen konnte man die ersten lachenden und feiernden Menschen schon sehen und wie in der Pfalz üblich, sitzt man zusammen und trinkt Wein. Herrlich. Leider hatte ich nur Leitungswasser dabei und beschlossen, auf dem Rad kein Alkohol zu trinken. Einmal wegen der Verkehrstüchtigkeit und dann wegen der sportlichen Fitness (Alkohol und Sport vertragen sich nämlich nicht gut).

Schön, wenn man mal über die gesperrte Hauptstraße (in Grünstadt ) radeln kann, die ansonsten immer mit Autos überladen ist. Ein entspanntes Gefühl macht sich breit und die Leute sind auf Grund der fehlenden Abgase und des freien Tages gut gelaunt.

Problemfall Radwege (abseits der gesperrten Strecke)

Grünstadt hat ein Verkehrsproblem und an Geschäftstagen ist die Hauptader durch die Innenstadt immer viel zu voll. Durch das pfälzische Erbe dieser Stadt sind die Straßen recht eng und nicht wirklich für viele Autos ausgelegt. Die nahe liegenden Industriegebiete und Einkaufszentren verursachen aber sehr viel Verkehr. Unverständlich für mich, warum die Radwege dann plötzlich enden und man an manchen Stellen überhaupt nicht mehr weiterkommt. Die Brücke über die Gleise war eine echte Zumutung. Weder ein ausgewiesener Radweg und dann nur ein ca. 80 cm breiter Fußgänger-Notweg, der an der Kante zur Straße ca. 20 cm tief und scharfkantig abfällt, wo man auf keinen Fall gerne mit dem Fahrrad lang fährt. Am Ende der Brücke folgt eine scharfe Kurve. Prompt kamen mir da Fußgänger entgegen und ich musste wieder absitzen und mein schönes Fahrrad weit in die Böschung schieben, damit überhaupt alle vorankommen. Die Büsche ragen über den Fußweg und zwingen dann hin und wieder zum Absteigen, möchte man nicht alle Äste ins Gesicht bekommen. Ich verstehe hier manchmal die Radfahrer, die dann stur auf der Straße fahren. Leider war die Brücke auch hierzu zu eng und in der Mitte ein durchgezogener Strich.

Um die Innenstadt zu entlasten und die Leute zu mehr Fahrradnutzung zu motivieren, sollten die Stadtplaner das Konzept „Radwege“ mal überdenken. Aber so wie es jetzt stellenweise ist, ist es nur Flickschusterei und nicht wirklich zu Ende gedacht. Mal gibt es einen ein km-langen Radweg, der dann aber plötzlich endet. Wo soll man dann hin? Diese ständige (zudem gefährliche) Überbrückung der Fahrradweg-losen Strecken macht keinen Spaß.

Regen…

Bis hierhin war das Wetter noch gut, dann wurde es immer schlechter. Schließlich endeten wir in einem Wolkenbruch (wir berichteten)… und hier ist der Nachteil beim Rad, man muss sich irgendwo unterstellen. Die einzige Alternative wäre ein unhandlicher und unpraktischer Regenschutz, am besten inklusive wasserabweisender Sportbrille. Außerdem wurde es deutlich kühler und immer unangenehmer. Wenn man das Fahrrad irgendwo abstellt, wird gleich alles nass: Lenker rutschig, Sattel nass, usw.

Wir nutzten eine Lücke und fuhren dann schnell nach Hause. Der Ausflug hat dennoch sehr viel Spaß gemacht. Am Abend schlief ich viel besser und war insgesamt glücklich und ausgeglichen.

Vom Erlebnistag Deutsche Weinstraße haben wir nicht ganz soviel gesehen, da wir mehr in Grünstadt unterwegs waren (dort fand parallel ein Straßenfest statt) und wir auf Grund des Regens u. der Kälte nicht mehr weiter nach Bockenheim fahren wollten. Aber wenn er nächstes Jahr wieder ist und es zudem sonnig wird, wird das ein absoluter J.A. Blog-Ausflugstipp! Für die Leute in Mannheim und Umgebung gibt es sogar extra eingerichtete Züge und Sonderverbindungen, tlw. sogar mit Fahrrad-Mitnahmemöglichkeit.

Fazit:

Erlebnistag Deutsche Weinstraße- Tolle Sache und eine gute Idee, aber das Wetter sollte schon passen.

Radfahren kann man allerdings jeden Tag. 😉