Sommerliebe – Das Ende

In der freudigen Begegnung mit Dir steckt sogleich der Abschiedsschmerz.
Ich habe gemerkt, dass es Dir in der letzten Zeit nicht gut ging.
Und Du hast erkannt, dass Du Dich verändern musst.
Der Job passt nicht mehr, die Chefin ist blöd und Du hast sowieso ganz andere Pläne.
Also wird kurzerhand alles über Bord geschmissen und ein Neuanfang gewagt.
Der wievielte in deinem Leben?

Wann ist es dir genug?
Gerade als du irgendwie Fuß gefasst hat, kribbelt es in dir und du brauchst eine Veränderung.
Ich sitze nur da und staune und begreife, dass ich das nicht ändern kann, weil es ein wesentliches Merkmal deines ganzen Charakters ist.

„Du hast dich schon entschieden“ sage ich zu dir und muss zum Abschied süß-sauer lächeln.
Ich weiß, dass es vielleicht das letzte Mal war, dass ich dich in deiner Wohnung in Mannheim besucht habe.

Wir haben zwischen den Stühlen gesessen und es gab eine Tasse Tee.
So vieles ist nicht passiert. Aber geträumt, das habe ich.

Du wirst immer reisen, immer unterwegs sein. Keiner wird dich einfangen können.
Wie ein Schmetterling, frei und leicht schwebst du von einer schönen Blume zur nächsten.
Immer da, wo es dir gerade gefällt. Immer im Gespräch mit Leuten, die du magst.

Jedes Bild nimmst du nur ein einziges Mal auf. Ein zweites gibt es nicht.




Der Rhythmus

zu „Front of the world“ von Fritz Kalkbrenner

Nichts ist ewig, alles ist vergänglich.
Schritt für Schritt, Zelle für Zelle.
Jeden Tag ein bisschen älter.

Sich fortbewegen im Zeitstrahl der Unendlichkeit.
Ganz langsam, kaum sichtbar
aber am Ende doch deutlich

Junge Haut, die Falten bekommt und schließlich grau
Ideen, Lust auf was Neues und schließlich Resignation

Jung und unerfahren, ganz am Anfang
später dann gesättigt

Ausgeglichen, zufrieden, angekommen.
Die Gewissheit, dass jetzt eigentlich nichts mehr kommt.
Das Ende, steht vor der Tür.
Voller Gewissheit, voller Einsicht
den Tod beinahe sehnend.

bietet doch das Leben nichts mehr.

Alles gesagt, alles gemacht.
Die Akte ist abgeschlossen.

Alles gesehen, überall gewesen, alle kennengelernt.
die menschlichen Tugenden, wie die Schwächen gleichermaßen

Große Reden, kleine Gedanken
in jedem Winkel gewesen
alles ausgekundschaftet, überall gesucht
und doch fast nichts gefunden.

das große Nichts, die große Leerheit
und tausend offene, nie gelöste Fragen.

Gleichmut, vermischt mit ein bisschen Traurigkeit.




Beginn des Endes

Ein Punkt nur ist es, kaum ein Schmerz,
Nur ein Gefühl, empfunden eben;
Und dennoch spricht es stets darein,
Und dennoch stört es dich zu leben.

Wenn du es andern klagen willst,
So kannst du’s nicht in Worte fassen.
Du sagst dir selber: »Es ist nichts!«
Und dennoch will es dich nicht lassen.

So seltsam fremd wird dir die Welt,
Und leis verläßt dich alles Hoffen,
Bis du es endlich, endlich weißt,
Daß dich des Todes Pfeil getroffen
. ((Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/3485/112 ))

~

Noch mehr von Theodor Storm hier




Akte geschlossen

Die Sonne senkt sich über den Horizont und taucht das Zimmer in ein warm-goldenes Licht. Aus den Boxen klingen sanfte Töne und schaffen ein wohliges Ambiente.

Der Kaffee duftet aus der Tasse. Sie bricht ein Stück Schokolade ab. Langsam lutscht sie daran und merkt, wie die Endorphine sich in ihrem Körper ausbreiten.

… die wichtigsten Texte wurden geschrieben, alle relevanten Projekte wurden gestartet, die wichtigsten Anrufe sind für dieses Jahr getätigt. Der Feierabend steht vor der Tür. Nein, Weihnachten steht vor der Tür. Nein, das Jahresende steht vor der Tür.

„Falls man sich nicht mehr sehen oder lesen sollte, wünsche ich allen Besuchern frohe Weihnachten, viele Geschenke und schöne Feiertage! Nun, ich erwarte an dieser Stelle nicht, dass man Gleiches mit Gleichem vergilt, obwohl es eine schöne Geste und angemessen wäre…“

Die Autorin klemmt den Kugelschreiber hinters Ohr und schließt den Ordner mit der Aufschrift „2008“.