Rezension „The Fortress“

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Gestern kam zu später Stunde ein recht guter Science-Fiction-Film, den ich auf Grund der etwas konservativen Bewertungsweise meiner Fernsehzeitschrift beinahe übersehen hätte.

Denn darin stand, dass die Story von „The Fortress“ nicht so gut wäre und nur Wert auf Spezialeffekte gelegt worden wäre, was so überhaupt nicht gestimmt hat.

Es ist eher umgekehrt: Der Film aus dem Jahre 1992, in der Hauptrolle der legendäre „Highlander“ Christopher Lambert,  zeichnete sich eher durch eine glaubwürdige, fesselnde Story aus, die- eingebunden in ein unheilvolles und bedrückendes Science-Fiction Szenario- menschliche Probleme und Ängste vor einer allzu technisierten Zukunft, mit hochwertigen Szenen und einer guten Spannungskurve sehr gut zum Ausdruck gebracht hat.

Inhalt

Im Wesentlichen geht es darum, dass der ehemalige Soldat John Brennick mit seiner Frau aus den USA fliehen möchte, weil nach der Gesellschaftsordnung der Zukunft kein zweites Kind erlaubt ist. Bei der Ausreise werden sie kontrolliert und fliegen auf. Seine Frau Karen (gespielt von Loryn Locklin) kann zuerst fliehen, aber letztendlich landen beide in dem Hochsicherheitsgefängnis „The Fortress“. John wird zu ca. 30 Jahren Haft verurteilt, wohingegen seine Frau etwas weniger hart bestraft wird und nun für die Zwecke der Gefängnis-Gesellschaft „MenTel Corporation“ ihr Kind austragen soll.

Das Gefängnis ist ein hochspezialisierter Sicherheitsapparat und wurde über dreißig Stockwerke tief in die Erde gebaut. Die Zellen sind sehr klein (fünf Leute teilen sich ca. sechs Quadratmeter) und ein voll-automatisches Computersystem kontrolliert die Insassen auf eine sehr unmenschliche Weise. So wird z.B. allen Neuankömmlingen eine Sonde eingepflanzt, die ferngesteuert oder beim Übertreten von Grenzlinien unerträgliche Schmerzen im inneren Organbereich auslöst. Als besonders perfide erweist sich die Gedanken- und Traumkontrolle, mit der die schlafenden Gefangenen überwacht und gescannt werden. Sollten sie die falschen Gedanken träumen, z.B. Sex mit einer Frau, wird in ihrer Magensonde Schmerz eingeleitet, so dass sie qualvoll aufwachen.

Als besonders schlimme Strafmaßnahme gibt es die „Gehirnwäsche“, die im Film nicht näher erklärt wird, aber anscheinend dazu führt, dass die Gedanken der Insassen derart durcheinander geraten, dass kein klares Denken mehr möglich ist und auch kein Schmerz mehr empfunden wird.

Da sich der Insasse John als sehr unangepasst erweist und in einen Kampf mit einem anderen Insassen verwickelt wird, landet er letztendlich auch in dieser „Gehirnwäsche“, die ihn für vier Monate komplett lahmlegt. In der Zwischenzeit entscheidet sich der Gefängnis-Direktor Poe dazu, eine Beziehung mit der inhaftierten Ehefrau von John anzufangen. Dieser Direktor ist allerdings kein echter Mensch, sondern ein Cyborg, der ähnlich wie „Data“ aus Startrek daran arbeitet, menschliche Gefühle, vor allem zu einer Frau, zu empfinden. Dadurch ist er für Fehler anfällig.

Karen möchte sich innerlich natürlich wehren, kooperiert aber vordergründig mit Poe, um sich dessen Vertrauen zu erschleichen und ihrem Mann indirekt die Flucht zu ermöglichen. Sie entwendet z.B. einen holographischen Chip, auf der eine dreidimensionale Karte des Gefängnisses eingebrannt ist und einen Fluchtweg aufzeigt.

Die Insassen der Zellen knacken schließlich den implantierten Chip, der die Schmerzen auslöst und starten während der Arbeitszeit einen Aufstand und einen hektischen Fluchtversuch. Es gelingt ihnen nach spektakulären Kämpfen in die Kommandozentrale des Gefängnisses vorzudringen, den Direktor Poe zu überwältigen und den Computer mit einem Virus zu infizieren. John rettet seine Frau, kurz bevor diese von Ärzten gezwungen wird, ihr Baby zu gebären.

Ihnen gelingt die Flucht mit einem geklauten LKW des Gefängnisses. Kurz nach der Grenze bekommt Karen ihr Kind und damit endet der Film.

Interpretation und Bewertung

Manche Vorgehensweise im Gefängnis sind sehr unmenschlich, etwas an den Haaren herbeigezogen und wurden arg übertrieben, auf der anderen Seite kann der Film nur so sein apokalyptisches und düsteres Zukunftszenario frei entfalten. Die Einzelzellen z.B. sind enge Konstruktionen aus Laserstrahlen, in dessen Bereich der Gefangene nur stehen kann und solange festgehalten wird, bis er seine Straftat gesteht.

Einen Mensch dauerhaft von seinen Träumen zu „befreien“, würde wahrscheinlich nicht gehen, da das Gehirn ohne Träume nicht überleben kann. Auch ist es fraglich, wieso diese von Maschinen gesteuerte MenTel-Gesellschaft soviel Macht erlangen konnte und warum das Gefängnis nicht schon längst wegen Menschenrechts-Verletzungen geschlossen wurde. Der Film startet eher mit der Ausgangslage einer sehr heruntergekommenen Gesellschaft, die kurz vor ihrem Abgrund steht. Damit erinnert das Szenario an die Terminator-Filme oder an Matrix, in denen auch die Maschinen die Kontrolle über Menschen erlangt haben.

„The Fortress“ ist aber auch eine Kritik an der totalen Überwachung und Kontrolle durch den Staat, sowie an schlechten Haftbedingungen, die man in den USA wohl häufiger als in Europa findet (z.B. Guantamo oder andere Massen-Gefängnisse). Das traurige ist nicht der Film, sondern dass es in der Realität ähnlich grausame Gefängnisse gibt. Der Film illustriert diese Qualen sehr deutlich und sät ein wenig Hoffnung in einer fast aussichtslosen Situation.

Dass ein zweites Kind eine Straftat ist, für die man dreißig Jahre bekommt, scheint übertrieben. Dennoch ist der Film in sich stimmig, was nicht zuletzt an den tollen Darstellern und dem düsteren Szenario liegt.

In vielen Dingen erinnert der Film an „Riddick“  oder andere Klassiker der Science-Fiction Kultur. Die totale Überwachung durch Maschinen und das Zurückdrängen der Menschlichkeit sind die zentralen Themen. Und letztendlich die Befreiung gegen das Unheil, die vor allem durch den menschlichen Zusammenhalt und den Glauben an das Gute durchgesetzt wird. Eine Schlüsselszene ist daher jene, in der Karen mit Hilfe der Gedankensteuerung Zugriff auf die Gedanken ihres Ehemanns erhält. Dieser befindet sich nach der Gehirnwäsche noch in mentaler Starre und ist von außen nicht ansprechbar. Durch die Gedankenkontrolle dringt Karen zu ihm vor und hilft ihm, sehr metaphorisch aufbereitet, aus der Grube seiner Angst, reicht ihm die Hand und steht ihm bei. Danach erwacht John und beginnt den Fluchtversuch. Diese Szene ist sehr schön und anrührend und steht damit für eine der wichtigsten Hauptaussagen des Films.

Die Gewaltszenen halten sich zum Glück im Hintergrund. Lediglich die Demonstration der Strahlenkanone, die Menschen zerfetzen lässt, erklärt warum der Film eher ab 18 gedacht ist. Der Film kommt ohne viel Effekte aus und bezieht die Spannung eher aus der bedrückenden Stimmung und dem spannenden, stets anhaltenden Verlauf der Geschichte.

Fazit

„The Fortress“ ist ein spannender Film, nicht nur für Freunde von düsteren Sciencefiction- Filmen oder Christopher Lambert-Fans.

Die Story und Darstellung sind vorbildlich, die Thematik recht unverbraucht.

Durch das Gefängnis- und Unmenschlichkeits-Szenario erhält er einen universellen Anstrich und kann sich getrost Klassiker der Filmgeschichte nennen, auch wenn er in der Öffentlichkeit nicht so bekannt sein dürfte.

Wer ihn nicht kennt, sollte ihn sich anschauen!

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