Privat-Liebe

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Eigentlich wäre das heute ein guter Tag für einen Blog. Draußen regnet es in Strömen und wir haben uns heute nicht viel mehr vorgenommen, als den Geburtstag für und bei meiner Mutter zu feiern. Das ist für mich als Mama-Töchterchen traditionell der wichtigste Tag im Leben, gleich nach Weihnachten, Ostern und kurz hinter MEINEM Geburtstag. 😉

D.h. ich muss nachher noch ein paar Sachen zusammensuchen, die Geschenke aufsammeln, noch kurz in die Dusche hüpfen, das Sonntags-Grinsen und die Samstags-Höflichkeit aufsetzen und dann geht es schon los.

Auf der anderen Seite, wenn ich meine neue Tastatur so unter meinen Fingern spüre, wie sie sich anmutig und weich schmiegt, aber doch hart und fest im Anschlag ist, da kommen gleich ganz andere Gelüste auf. Wenn ich den Computer leise summen höre, den Kaffee neben mir langsam die Kehle herunterspüle und mich dabei in die warme Decke gewickelt habe, dann lehne ich mich langsam zurück und denke…

Wie gerne würde ich mal wieder was Schreiben, z.B. !

Was hab ich nicht große Reden geschwungen in der letzten Zeit, ich bin sehr stolz auf mich. Dass man über die Arbeit schreiben soll, das Privatleben in allen Facetten, dass man sich „öffnen“ soll und den ganzen Kladderadatsch. Und nun ist mein Leben etwas stressiger als sonst, hab ich ein wenig mehr zu tun als sonst (die Renovierungen haben wieder begonnen!) und was mache ich? Schweige wie eine Auster, aber eine knacks-harte!

Da ich leider in meinem Leben noch keine Austern gegessen habe, kann ich auch den Vergleich nicht wirklich weiterführen, aaber was ich damit sagen will : Wie kann man etwas „lehren“, wenn man es selbst nicht anwendet, wie man etwas „ratschlagen“, wenn man doch lieber selbst mal einen Rat bräuchte, und … warum schreibe ich immer darüber?

Eigentlich ist es so, dass ich in der letzten Zeit immer weniger über mein Leben geschrieben habe und das ist wohl auch gut so. Es braucht einfach eine bestimmte Vertrauensgrundlage, man muss seinem Gegenüber vertrauen können, um sich zu öffnen und warum in der Welt, sollte ich allen Menschen da draußen, allen gieirigen Suchmaschinen-Spidern der ganzen internationalen Welt, den Marketing-Experten und der versammelten Abmahn-Anwalts-Schar nebst Angehörigen auf einmal vertrauen?

Man schafft es sowieso nie so, sich selbst in dem Licht darzustellen, wie man möchte und man ist immer gezwungen, etwas verzerrt subjektiv zu schreiben und lässt manche Details weg. Da ist das Blog ein sehr verlockendes, aber auch trügerisches Medium. Es verleitet zur Selbstdarstellung zum Bühnen-Schreiben und zum punktierten rätselbeladenen Metapher-Denken. Was nicht heißt, dass ich nicht furchtbar auf sowas stehe. 😉

Aber mal im Ernst, die Gefahr, beim Schreiben auch andere zu tangieren und deren Geheimnisse gleich mit an die weiße Wand zu publizieren, ist immer gegeben. Wer ist nur für sich selbst verantwortlich? Sind wir kraft unseres Mensch-Seins nicht auch immer an andere gekoppelt, mit deren Gefühlen verbandelt und in ihr Leben eingebunden, auch wenn es manchmal „nur“ mental ist?

Alles im allen kann ich sagen, dass ich auf das private Schreiben, also das klassische Tagebuch-Bloggen so gut wie gar keine Lust mehr habe… vor allem nicht auf die sehr privaten Gefühle wie Hoffnung, Depression, Angst, Streß, Enttäuschung, Liebe, Frust, Hass, Ärger, Liebe, die diese ganze fantastische Grundlage für großartige Texte ausmachen, diese fabelhaften Gefühle, diese authentischen Pfeiler des Lebens und ….

..was aber nicht heißt, dass nicht hier und da mal wieder ein Fünkchen Privat-Emotion oder Privat-Verzweiflung, vielleicht sogar ein Berg Privat-Hoffnung oder ein ganz wenig Privat-Liebe bei rumkommt.

Man kann ja nie wissen. Schließlich ist es DEIN Blog, DEIN Leben, DEINE Verantwortung, DEINE Entscheidung.

Und wer weiß, am Ende lenkt das ganze nicht private Schreiben- können nur von einem ab: dass es einfach nichts zu beschreiben gibt, weil es LANGWEILIG ist, so wie der langweilige Winter und die langweilige Arbeit und die langweiligen, uninspirierenden Blog-Schreiber, die mich alle so LANGWEILEN..mit ihren Handy-Berichten und lustigen Internet-Videos. 😉 Vielleicht wäre ein bisschen private Emotion gar nicht schlecht, ein wenig Feuer, ein wenig Funken, ein bisschen in der Seele gegenseitig rumzündeln, na wäre das nichts?

Aber ich schweife ab. Ich wollte doch noch die Sachen packen und überhaupt…

bis zum nächste Mal

Hochachtungsvoll, ihre abschweifende Blog-Autorin

4 Gedanken zu „Privat-Liebe“

  1. Für mich ist bloggen immer ein Ventil. Privat als auch technisch. Ich schreibe einmal meinen technischen Blog als auch meinen privaten. Und man schreibt nur dass, was man verraten will. Schreibe und verrate das, womit du kein Problem hättest es einem Fremden zu erzählen 🙂

  2. „Es verleitet zur Selbstdarstellung zum Bühnen-Schreiben und zum punktierten rätselbeladenen Metapher-Denken. Was nicht heißt, dass ich nicht furchtbar auf sowas stehe. ;-)“

    Dieser Abschnitt hat mich sehr schmunzeln lassen und zu den „privaten Dingen“ hatte ich mich ja schon geäußert. Schreib was Du willst, Hauptsache Du schreibst!

  3. @Cashy: Gute Einstellung, das werde ich probieren. Seitdem ich blogge, schreibe ich immer weniger Privates, aber es lässt sich nunmal auch nicht ganz trennen. Blogs sind eben von Menschen gemachte Werke, und ein wenig Menschlichkeit steht ihnen gut ins Gesicht. Wenn es aber zuviel wird, ist es nur noch Selbstdarstellung und das finde ich auch nicht gut. Irgendwo da in der Mitte, da wird der Weg wohl liegen. 😉

    @Geheimrat: OK . Und du auch, bitte. 😉 Danke. Bin allerdings etwas verschüchtert, seitdem ich soo viele Besucher habe, das ist so ungewohnt und jetzt wo mein Blog endlich in den Top 100.000 ist, traue ich mich überhaupt nicht mehr…. hihi!

  4. Verschüchtert, soso 😉
    Wenn Dich allerdings Besucherzahlen interessieren, schreibe über Sex, hänge ein Bild ein und Du bist Top10 😀 Natürlich käme es auch noch ein WENIG darauf an, WAS Du schreibst …

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