Der Funke Deines Lebens

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Da liegt sie nun so offen vor Dir, Deine Freiheit- und Du bist nicht fähig, sie zu betreten.

Wer entlässt Dich aus der Sklaverei Deines inneren Antriebes?

Die Sehnsüchte, ferne Leidenschaften, denen schon lange nicht mehr nachgegangen wird.

Die Träume, nur noch verblichene Papiere in der untersten Schublade Deines Schreibtisches.

Gefühle- Erinnerungen an unwirkliche Erlebnisse, die du mal vor 20 Jahren hattest..

Visionen- Gedankenmuster, die du schon lange als „Spinnerei“ abgetan hast.

Was bleibt, ist der Funken Deines Lebens.

Aus dem jederzeit wieder ein wärmendes Feuer werden kann.

Der neue Ernst

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Was das Corona-Virus mit unserer Gesellschaft macht

Der Weg zur autoritären, anti-demokratischen Gesellschaft ist nicht weit, wenn die Welt in eine Krise rutscht.
Zuerst kommen die persönlichen Einschränkungen, die man alle noch locker wegstecken kann. Dann fallen die Schulen und Kitas aus.
Die Frauen müssen wieder in ihren eigenen vier Wänden bleiben, weil sonst keiner den Job macht. Der Mann steht auf der Arbeit unter Druck. Entweder es herrscht ein unfreundlicher Ton unter Kollegen, harter Wettbewerb und eines Tages fürchten sie sich alle vor der Arbeitslosigkeit. Weil jetzt auch die jungen Frauen so schön daheim sind und abends in keine Disco oder Bar gehen, sind die Männer erstmal unter sich. Durch die massive männliche Zuwanderung gibt es in einem bestimmten Alterssegment sowieso einen „Männerüberschuss“ und es ist kein Wunder, dass es genau der Altersanteil ist, der durch Aggression und wenig Kompromissbereitschaft auch den Herkunftsländern große Probleme bereitet. Und es ist für die Migranten ein leichtes, sich mit den hier lebenden, deutschen Jugendlichen zu verbinden. Was sie nämlich eint, ist das Gesfühl des „Ausgeschlossenseins“- der blinde Hass und die Zerstörungswut ist unpolitisch und einzig und allein ein Ausdruck der inneren Perspektivlosigkeit.

Die Restaurants bleiben geschlossen und der große Aufschwung will auch im Sommer einfach nicht kommen. Das setzt die kleinen Selbstständigen und kleinen familiengeführten Restaurants stark unter Druck. Der Druck wird natürlich nach innen, in die Familie weitergegeben. Ein Anstieg von Kindesmissbrauch- oder Misshandlung kann die Folge sein. Aggression von Jugendlichen bedeutet auch immer, dass sie selbst in der Erziehung Aggressionen ausgesetzt waren und diese als „Mittel der Erziehung“ eingesetzt wurden.
Die Fußball-WM fällt aus, die Gefühle der Zusammengehörigkeit und des freundlichen Wettbewerbs fehlen völlig. Keine Sportveranstaltungen, kein Mannschaftssport! Keine Möglichkeiten, die angestauten Aggressionen friedlich zu entladen und sich wieder im sportlichen Miteinander, als nur im Gegeneinander zu begegnen. Gerade junge Männer brauchen die Bewegung, weil sie sonst das überschüssige Testosteron nicht abbauen können! Früher hat dann wenigstens die Bundeswehr diese Rolle übernommen und die jungen Männer in die Gesellschaft „eingeführt“, aber auch diese fällt als prägende und bildene Kraft für einen gesunden Staatsbürger mangels Wehrdienst aus. Die jungen Männer haben also keine Schule, keine Freundin, kein Sport, keine Disco, keine Bundeswehr, kein Wettbewerb- sie haben gar nichts außer Alkohol und Langeweile! Und Lebewesen, die in einer Sackgasse stecken und keinen Ausweg sehen, werden immer mit Aggression reagieren. Jetzt nur mit Härte und mehr „Polizeiarbeit“ zu reagieren, wird die zugrunde liegenden Probleme nicht lösen, sondern eher verschärfen. Was die Gesellschaft braucht, ist eine Antwort auf die Krise der Jugendlichkeit. Denn die „Jugendlichkeit“ ist das Herz und die treibende Kraft unseres eigenen Landes, ganz egal, aus welchen Nationalitäten oder Gesinnungen sie zusammengesetzt ist.

Es werden für alle Menschen Regeln und Vorschriften eingeführt, um die Gefahr des Virus zu bannen. Für gebildete, eigenverantwortlich lebende Menschen in großen Häusern mit viel finanzieller Freiheit bedeutet das kein Problem. Aber in der Armut spaltet das Virus viel stärker. Da werden die engen Wohnungen und das schlechte Immunsystem (Rauchen, Ernährung, Bewegungsmangel, etc.) zu einem großen Problem. Natürlich ist die Pandemie mit Einschränkungen und Spaß-Verzicht für alle verbunden! Unsere an sich so tolle freie Gesellschaft, die nur Wirtschaftswachstum, volle Straßen und Regale kannte, endlos feiern und jederzeit in den Urlaub fliegen konnte- all das gibt es plötzlich nicht mehr. Dazu die düstereren Zukunftsaussichten und die massiven Schulden, die aufgenommen werden. Die Arbeitslosigkeit wird bis tief in die bürgerliche Mittelschicht eindringen und uns richtig durchschütteln. Lang gewachsene Industrien, die für Deutschland lange den Wohlstand erwirtschafteten, wie die Autoindustrie, der Flugzeugbau oder der Maschinenbau werden ebenfalls unter Druck geraten. In modernen Technlogien wie der Digitalwirtschaft oder der Biotechnologie und Robotik ist zu wenig nachgekommen. Der Aktienwert der deutschen Firmen ist im Vergleich zu amerikanischen oder chinesischen Firmen ein schlechter Witz. Hier braut sich bereits die nächste Krise zusammen, wenn die Steuerlast nach der überstandenen Krise nach oben korrigiert werden muss, es aber keine ausreichenden Produktivitätszuwächse in der Wirtschaft gibt. Dann muss der Staat sich das fehlende Geld bei der arbeitenden Bevölkerung holen- wo es aber auf Grund der hohen Steuerlast auf Arbeit und Einkommen nur noch wenig Spielräume gibt.

Überall, wo ich mich umhöre oder versuche, ein Gefühl für die Situation zu bekommen, merke ich eine Verschlechterung und Verschärfung des Tons. Die Menschen werden wieder härter, egoistischer. In diesen Zeiten geht es wirklich um was. Dieses Jahr hat nichts mit „Spaß“ zu tun, es ist ernst geworden. Schleichend, aber unaufhaltsam sickert der neue Ernst in unsere Gesellschaft ein. Natürlich bricht dann auch Hass und Randale auf, so wie in Stuttgart gesehen. Wir können der Jugend eigentlich dankbar sein, denn diese „unbeherrschten Teile“ der Gesellschaft sind wie ein Seismograph für die Schwingungen, die im Unterboden der Gesellschaft schon deutlich zu spüren sind. Es ist kein Wunder, dass die „Black Lives Matter“ Debatte gerade jetzt in den USA hochkocht und gerade jetzt die gesamte Geschichte des Landes durch das Stürzen von Symbolen und Statuen kritisch hinterfragt wird. Dieses Virus übt einen Druck auf den Zusammenhalt aller Gesellschaften, aller Länder und aller Menschen aus. Es ist ein Krisenbeschleuniger in jedem Bereich, den man sich vorstellen kann. Die schlechten Arbeitsbedinungen in der Fleischindustrie zum Beispiel wurden schon lange kritisiert, aber jetzt „endlich“ ist auch der politische Wille da, etwas zu ändern. Das wird natürlich auch zu Druck auf die Handelsketten führen müssen (über die bis jetzt noch keiner redet) und am Ende wird es auch bedeuten, dass wir mehr Geld für Fleisch auf den Tisch legen müssen.

Dieses Virus kann man nicht mehr verdrängen oder „schönreden“, es führt zu tatsächlichen realen Veränderungen in unserem täglichen Leben und in der Wirtschaft. Und was neu ist: Jedes Land auf der Erde ist gleichsam betroffen. Es gibt niemand, der daran vorbeikommt oder den es nichts angeht. In dieser „Gemeinsamkeit“ des Leidens liegen aber auch die Möglichkeiten für eine geeinte Antwort.

Was vom Virus übrig blieb

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Das Corona-Virus ist ein Arschloch. Seit Wochen hält es uns in Bann. Immer wenn Du denkst, jetzt ist es gerade überwunden, kommt es mit aller Härte zurück.

Wir ziehen uns alle brav unsere Masken auf, halten an der Brötchenkasse Abstand zu unserem Nachbarn und bestellen beim Kellner unser Essen, der aber -weil er selbst eine Maske tragen muss- irgendwie schlechter hört als sonst! Dabei hat er das Ding doch eigentlich über der Nase und dem Mund und nicht vor den Ohren! Wir laden uns brav die neue 60 Millionen Euro App herunter, schalten unser Bluetooth immer an, auch wenn das mordsmäßig Akku zieht. Und dann gibt es da ein paar Chaoten, die feucht fröhlich auf ihren Schlauchbooten ihre Techno-“Demonstration“ feiern müssen! Aber, da haben wir nochmal Glück gehabt, denn das Arschloch-Virus deckt leider nur da wirklich Versäumnisse auf, wo es auch wirklich welche gibt. Bei den armen Fleischzerlegern z.B. die mit Sub- Sub- Sub Verträgen fast noch stärker ausgebeutet werden, als das arme Schlachtvieh, dass sie da für einen Hungerlohn für unsere samstägliche Grillwurst zerlegen. Könnt Ihr Euch noch an das bäuerliche Geschrei erinnern, als es vor ein paar Wochen noch hieß, dass wir vermutlich zu wenige Billig-Arbeitnehmer haben, die unseren Spargel aus der Erde stechen oder die kleinen roten Erdbeeren für uns abrupfen? Als ich letztens eine Fahrradtour durch die schöne Pfalz gemacht habe, kamen mir zwei volle Busse mit „Erntehelfern“ entgegen, die von der Arbeit nach Haus gefahren wurden. Der Bus war voll belegt, jeder Platz und als ich mir die traurigen und müden Gesichter hinter der Scheibe angeschaut habe, ist mir aufgefallen, dass es für Masken wohl kein Geld mehr vom netten Bauern-Arbeitgeber gab…
Ach und die armen Schweine erst in ihren Legehennenbetrieben, auch „Wohnung“ oder „Flüchtlingsunterkunft“ genannt, z.B. in Göttingen oder Kassel. Eingepfercht wie die Hühner, bei schlechten Essen und noch mieseren Wohnbedingungen, sind wir jetzt alle ganz verwundert, wie schnell das Arschloch-Virus um sich greift und alle dahinrafft wie eine große, dicht gedrängte Fledermaus-Kolonie. Vielleicht hätte man doch früher, schon… ja hätte, könnte, jetzt ist es zu spät! Aber die Polizisten mit Kartoffen bewerfen, wie kann das denn jetzt sein? Gibt es da etwa „versteckte Kritik“ an den Unterkunftsbedingungen?

Bei manchen Menschen scheint das Virus aber auch das Gehirn zu befallen, oder wie soll man sich die jüngste Randale in der Innenstadt von Stuttgart sonst erklären? Da kommt man gerade frohgelaunt aus der Shisha-Bar oder vom saufen mit den Kumpels an der Ecke und schon grölen ein paar von den Freunden an der nächsten Straßenecke, dass es da „Krawall gibt“. Na los, da muss man schnell mitmachen, gibt sowieso nicht viel zu tun für die jungen Leute. Schule abgeschafft, Uni abgeschafft, Festival, Weinfest, Disco abgeschafft. Da hat das Arschloch-Virus viel Zeit, im Gehirn von der schlechten Laune Besitz zu ergreifen und die Chance auf die neusten Addidas-Schuhe oder das neuste Handy aus dem nächsten Schaufenster ist einfach zu verlockend, wenn man selbst keine Perspektive mehr für sich sieht.

Geschlechtergerechtigkeit beim Fotografieren

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Eigentlich wollte ich das feministische Thema nicht mit in das andere Hobby „Fotografie“ nehmen, mit der Zeit drängt es sich aber immer mehr auf. Die Themen Geschlechtergerechtigkeit, Feminismus, Geschlechterwirkung, soziale Unterschiede („Gender Studies“) laufen aber in der stillen Beobachtung bei mir immer nebenbei und mit der Zeit lädt sich ein riesiger Müllberg auf, der hin und wieder in das Blog gegossen werden muss.

Was fällt mir auf? Erstmal, der prozentuale Anteil von männlichen Fotografen ist auf Instagram viel höher und die männlichen Profile haben meistens auch viel mehr Besucher, mehr Likes, – kurzum „mehr Influence“. Zumindest wenn es um die klassische Fotografie, z.B. Landschaftsaufnahmen, Naturfotografie oder Street geht. Es gibt natürlich auch viele weibliche Fotografen, aber sie haben meistens andere Motive und daher auch andere Rückmeldungen und „Klickzahlen“. Erfolgreiche weibliche Instgram-Kanäle haben fast alle mit Ernährung, Mode, Fitness oder Beauty zu tun. Sehr auffällig ist z.B. bei männlichen Fotografie-Accounts, dass sich oft eine große Schar von „weiblichen Fans“ bildet, die dann den männlichen Fotografen anhimmelt. Umgekehrt habe ich noch kein einziges Profil gefunden, bei dem das so ist! Eine weibliche Fotografin, die von männlichen Fans für ihre Arbeit gelobt und angehimmelt wird? Das gibt es meistens nur, wenn die Arbeit sich auf die Präsentation ihres eigenen Körpers oder Gesichtes beschränkt.

So hat mir ein „Fan“ auch einmal unverblümt über Instagram eine Nachricht geschickt „mehr Fotos von der Fotografin selbst wären schön“ und mich damit erstmal verdutzt im Regen stehen gelassen. Als ich diesem Wunsch erstmal nicht nachgekommen bin, gingen mit der Zeit seine Likes auf meine Bilder stark zurück. Überhaupt scheint die „männliche Zuwendung“ zu Frauen sehr stark auf die Sexualität gebunden zu sein und weniger auf das, was die Frau leistet oder an ebenbürtiger Arbeit hervorbringt.

Wenn man als Frau Fotos von sich postet, steigt das Interesse und somit auch die Rückmeldungen von anderen Fans stark an. Interessant ist aber auch, dass auch weibliche Fans auf Fotos von Frauen sehr gut reagieren. Entweder weil sie sich dann besser „mit der anderen Frau“ vergleichen können, oder aber weil es einfach damit zusammenhängt, dass Frauen gerne „Gesichter“ anschauen und meistens auch stärkere soziale Interessen haben. „Als Frau“ kommt man also früher oder später nicht darum herum, den eigenen Körper irgendwie direkt oder indirekt zum Mittel des „eigenen Erfolges“ zu instrumentalisieren.

Sympathie- Likes: Als Frau bekommt man meistens Likes, wenn man bei anderen Menschen auch likt und sich als Person höflich und nett hervortut. Man bekommt dann oft als Gegenleistung nette Kommentare oder Likes. Wenn sich das Verhältnis zu einem Menschen (das über den Chat aufgebaut werden kann) abkühlt, gehen meistens auch die Likes und die freundlichen Kommentare stark zurück.

Besonders schlimm sind die Männer mit „Anspruchshaltung“. Sie quatschen einen über den Chat an und wollen sofort eine Antwort und sind dann beleidigt, wenn man sich zwei drei Stunden Zeit lässt und nicht sofort antwortet. Das kann dann sogar mit Beleidigungen und Entfollowen enden.

Auch sexuelle Anmachen und Flirtversuche sind fast an der Tagesordnung, wenn man sich bei Instagram „als Frau“ präsentiert.

Beim weiblichen Geschlecht („den Verbündeteten“) gibt es oft kein Verständnis darüber, man steht dann mit seinen Problemen alleine da. Ich habe mich mal mit einer Bekannten auf Instagram unterhalten, und mich beklagt, dass diese sexuellen Anmachen und teilweise auch Belästigungen so stark sind, darauf ihre Antwort „ich mache auch keine Selfies von mir und hab daher meine Ruhe“. Aber nur seine Ruhe zu haben, weil man sich selbst nicht zeigt, ist noch keine sexuelle Freiheit!! Das geht nämlich in die gleiche Richtung, als wenn man sagt „die Frau ist selbst schuld, dass sie vergewaltigt wurde, weil sie sich so sexy angezogen hat“.

Frauen haben mit der Präsentation ihres Körpers und ihrers Aussehens eine starke Macht über andere Menschen, vor allem Männer. Diese Macht wird ihnen aber nicht in vollem Umfang zugestanden, sondern ist auch Regeln und „Vorschriften“ unterworfen.

Ein Beispiel: In einer Facebook-Gruppe dürfen Hobbyfotografen Fotos von sich posten. Meistens sind es Natur- oder Landschaftsaufnahmen. Eine Teilnehmerin postet ein Selfie von sich und wird dafür stark kritisiert. Ihre Kritiker sind alle männlich und machen sie auf Grund ihres Fotografie-Stils deutlich herunter. Durch die Blume ist aber erkennbar, dass die Männer hier den Stil der Gruppe vorgeben wollen, keine „weiblichen Fotos“ tolerieren und die „Reinheit dieser Gruppe“ quasi verteidigen. Die Frau wird aus der Gruppe ausgeschlossen, bzw. verlässt die Gruppe aus eigenem Anlass. (Ähnliche Probleme hat man ja mit der Gestaltung der Themenbereiche auf Wikipedia, wo soziale, psychologische, esoterische und weiche Themen auch deutlich unterrepräsentiert sind; wir nehmen das oft gar nicht wahr und halten die Abbildung des Wissens dort für repräsentativ, aber es sind immer die Menschen, die die Wertungen vorgeben, auch bei einem „sachlichen Lexikon“).

Es ist also auch in der Fotografie stark abgegrenzt, was weibliche oder männliche Fotos sind und wie sie auf das Publikum wirken.

Meistens definieren Männer den Geschmack von großen Foto-Websites, das hat dann zur Folge, dass „weibliche Motive“ wie Körper, Menschen, Tiere, Blumen als „Schnickschnack“ abgetan werden und nicht in den großen Männerzirkus aufgenommen werden. „Als Frau“ hat man dann vor allem Erfolg, wenn man sich diesem männlichen Diktat beugt und dann quasi als „Chamäleon“ an den Männer-Stil anpasst. Dann verliert man aber auch die ureigene, weibliche Identität, die wiederum prägend auf die Gesellschaft wirken kann. Oder die Männer tun sich als große Kritiker hervor und kritisieren die vermeintlich unwissende und dumme Frau, die mit der Technik nicht umgehen kann. Auch diesen Fall habe ich selbst schon erlebt.

Mischmaschtag

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Gestern war der langweiligste Tag des Jahres. Ein Wetter zum Vergessen. Weder Fisch, noch Fleisch. Weder warm, noch kalt, nicht sonnig, aber auch nicht regnerisch. Ich habe schöne Kerzen angemacht und wir haben „Bruschetta“ mit Tomatenwürfeln und Mozarella gegessen. Die Zutaten hab ich eigentlich für warme Tage gekauft, aber sie haben auch in dieser heimeligen Herbst-Sonntagsstimmung gut geschmeckt.

Dieses Jahr ist so ereignislos, es fühlt sich so leer an. Keine richtige sichtbare Krise für die meisten von uns, aber dennoch eine „unsichtbare“, deren unheilvolles Damoklesschwert nur in schemenhaften Konturen am Horizont zu erkennen ist und an unserer eigenen Unbeschwertheit nagt. Bei jedem Husten und Niesen denke ich jetzt „es ist vielleicht Corona“ und fang schon ängstlich an, die Symptome zu googeln. Meistens liege ich dann doch daneben und vergesse, wieviele Schnupfenviren und Hustenarten den Menschen schon seit Angedenken plagen. Dazu kommt das völlige Ausbleiben von Events. Keine Weinfeste, keine Festivals, keine größeren Familienfeierlichkeiten. Ein schwarzes Jahr, inmitten von vielen bunten.

Wir sind losgefahren, um einen schönen Ausflug zu machen, aber mir fiel kein richtiger Zielort ein. Also sind wir ein bisschen durch die Wingerte spazieren gegangen, mit der Hoffnung, dass dann ein Geistesblitz „von oben“ kommen würde, was wir am besten aus diesem von Schnecken angefressenen Mischmasch-Tag machen sollen. Es kam keiner.

Stattdessen hab ich mich in mein Innerstes zurückgezogen und mich wieder auf das Studium von Büchern und Computerspielen beschränkt. Es ist schon eine seltsame Mischung, die ich zur Zeit konsumiere:

Da ist zum einen „Assassins Creed, Teil 4 Black Flag“ , ein Computerspiel in einem schönen Piraten-Südsee-Setting, ersetzt mir ein bisschen die Fernreise und den Urlaub unter Palmen. Die Geschichte ist hervorragend erzählt und das ganze Game ist mit Ereignissen und Action nur so vollgepackt.
Es lässt einen wirklich abtauchen und in ferne Welten versinken, genau das, was ich jetzt nötig habe. Allerdings stoße ich immer wieder auf Ruckler und kleine, schlampige Programmierfehler, was die Immersion doch etwas behindert und für ein Vollpreisspiel für so einen großen Entwickler nicht ganz würdig ist. Dennoch komme ich gut voran und stehe jetzt bei 16 Prozent Spielfortschritt.

Morgen lese ich meistens ein paar Zeilen im „Werther“, den ich schon als Kind gerne gelesen habe, und auf den ich letztens bei der Suche nach einer guten Vertonung für mein Video drauf gestoßen bin. Es gibt bei „Amazon Kindle“ solche alten Bücher alle gratis zu lesen, das ist wirklich gut.

Die Sprache von Goethe ist einfach einzigartig und obwohl er ja schon lange tot ist und man die Sprache als „alt“ bezeichnen muss, ist sie irgendwie noch gut zu verstehen. Nur ein paar Vokabeln von damals haben es nicht in unseren neuen Wortschatz geschafft.

Ich habe mir eine schöne Passage aus dem Buch genommen und sie zu den Bildern von meinem letzten Worms-Trip vermischt. Ihr findet das Video unter meinem Youtube-Kanal, wie gewohnt (Link):

Leider läuft der Youtube-Kanal noch nicht so gut wie andere Soziale Netzwerke. Ich bin nicht sicher, woran es liegt.
Zur Zeit bin ich so sehr mit der Bearbeitung der Videos beschäftigt, dass für die „Werbung“ und „Vernetzung“ nicht soviel Zeit bleibt. Bei Instagram ist es etwas einfacher, mit neuen Beiträgen Rückmeldungen und Austausch zu bekommen. Daher würde ich mich auch über Likes von Euch freuen oder wenn Ihr meinen Kanal abonniert.

Zu guter Letzt, vor allems abends habe ich wieder „Friedhof der Kuscheltiere“ von Stephen King rausgekramt. Das Buch ist schon alt und wurde so ca. 1983 auf den Markt gebracht. Es geht um den Tod, und die Auferstehung davon. Gewissermaßen katholisch, aber auch ein bisschen heidnisch. In der Wikipedia steht, dass das Buch den größten kommerziellen Erfolg von Kings Werken darstellt, und es gab ja auch eine Verfilmung. Aber auch mein tatsächliches Taschenbuch hat einen alten „DM“ Aufkleber und ein kleines Datum daneben verrät, dass es damals im Juni 1996 gekauft wurde. Ich weiß nicht mehr, von wem, von mir oder meiner Schwester.

Im Sommer vor zwei Jahren hab ich dieses Buch zufällig bei meinen Eltern im Schrank gefunden, ein paar Seiten gelesen und es dann hier zu mir nach Hause mitgekommen. Gestern ist es mir wieder ins Auge gestochen. Man mag über Stephen King denken, was man will, ob man das Genre „Horror“ nun mag oder nicht, aber ich finde, er schreibt genial. Seine Beobachtungen der Natur, der Menschen, der inneren Empfindungen- ich finde es einfach großartig. Und die Geschichte ist so spannend. Man wird vom ersten Moment an völlig „hineingesogen“. Ich wünschte, ich könnte so gut Romane und Geschichten schreiben wie er !

Abschied

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Im Haus riecht es überall noch Dir. Ich gehe durch den Flur und erhasche die letzten Düfte Deines Deos in meiner Nase.
Wenn ich die Tür nach draußen öffne, vermischt sich der süßliche Duft Deines Körpers mit der klaren, nassen Luft des grauen Samstages.

Auf dem Küchentisch steht noch Deine Tasse. Der Rand ist noch warm, der Löffel steckt im Inneren.
Ich räume sie seufzend ab und klopfe danach die Krümel des grauen Tischdeckchens in die Spüle. Jetzt ist Dein Platz leer und aufgeräumt.
Ich merke, wie sich mein Hals kurz vor Traurigkeit verengt und im Bauch eine leichte Sehnsucht zu spüren ist.

Vor einer halben Stunde hast Du mich noch mit großen Augen angesehen und zum vierten Mal gefragt, ob ich nicht mitkommen will.
Ich habe wiederholt nein gesagt, obwohl es mir sehr schwer gefallen ist. Ich hab mir die ganze Nacht um die Ohren geschlagen, weil ich nicht genau wusste, was ich Dir antworten soll. Kurz vor dem Aufwachen hab ich noch geträumt, dass wir zusammen einkaufen fahren. Dass es ein schöner Tag zusammen wird. Dann, so langsam sickerte die andere, tatsächliche Realität in mein Bewusstsein. „Ich kann Dich diesmal nicht begleiten“, der Satz und die Erkenntnis sind mir so schwer gefallen.
Zu gerne wäre ich mit Dir gekommen. Und zu gerne hätte ich Dich bei Deiner inneren Entwicklung weiter verfolgt. Die Fahrt ist so wichtig, aber ich – möchte keine Verantwortung übernehmen. Ich fühle mich schlecht, ausgelaugt. „Mir geht es einfach nicht gut. Ich bin erkältet, habe Schnupfen und auch ein bisschen Husten. Ich will Euch nicht anstecken. Macht Euch eine schöne Zeit ohne mich.“

Du lässt meine Argumente nicht gelten. „Wenn Du Husten oder Schnupfen hast, hab ich die doch auch längst. Es ist egal, ob Du krank bist oder nicht. Komm mit.“

Ich habe nach dem ersten Kaffee heute morgen erstmal an die Arbeit gedacht, die liegen geblieben ist. Seit Tagen geht es mir schon schlecht. Seit Tagen bin ich schlapp. Der Haushalt sieht aus wie mein innerer Zustand- nicht gut. Überall liegen Sachen rum, wo sie nicht hingehören. Strickjacken, achtlos in die Ecke geknallt. Kleine dreckige, Staubecken. Die Fernsehdecke ist nicht schön zusammen gelegt. Die Fernbedienungen, DVD-Hüllen und sonstiges Inventar ist über das ganze Wohnzimmer verteilt. Dreckige Socken im Schlafzimmer. Es muss gelüftet werden. Die Küche! Das Geschirr stapelt sich. Der Mülleimer quellt bereits über, die Glasgefäße müssen dringend in den Container. Auf der Straße sprießt das Unkraut, weil es soviel geregnet hat, derweil sehe ich die Mängel an Dach und Vordach und ein dünner Strahl aus bräunlichem Regenwasser fließt an der falschen Stelle die Wand herunter.

Ich komme mir vor wie auf einem Laufband des Chaos, das ständig so eingestellt ist, dass es mich ein bisschen weiter nach hinten, als das vorne wirft.

Alle Fotos vom letzten Wochenende sind noch unbearbeitet, mein großer „Videoschnitt“ kommt nicht in die Gänge, aber ich kann an nichts anderes denken als an Dich. Ich höre noch das Brummen des Motors, als Du ihn gestartet hast. „Weißt Du die Adresse?“ frage ich Dich besorgt, als ich durch Dein Fenster schaue und Du mir versicherst, dass Du alles im Griff hast. „Hast Du an das Mitbringsel gedacht?“ Die Werkzeuge hättest Du beinahe vergessen! Wie willst Du nur leben, ohne mich? Und ich, ohne Dich? Nun, ich werde Dich eine Weile nicht wiedersehen, und die Distanz wird schrecklich werden.

Ich hoffe wirklich, dass Du heute abend wohlbehalten nach Hause kommst.

Dein versteinertes Gesicht

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Ich habe mit Ihr geredet. Im Dialog. Jedes Gefühl von Ihr gespürt. Und sie verstanden. Sie hat mich verstanden. Es war alles klar. So eindeutig.

In der Kunst bringst Du seit Wochen nichts Vernünftiges zustande. Alle Deine Bewegungen (innere wie äußere) fühlen sich so ungelenk und dilettantisch an. Du schafft es nicht mehr, Gefühle in Deine Werke zu bringen, weil alle Deine Gefühle weggebrochen und neutralisiert worden sind.

In der Nacht „auf Pfingsten“ ist es dann soweit. Endlose Tränenbäche spülen das Innerste nach außen. Du willst es noch unterdrücken, aber der Schwall der Emotionen ist zu stark. Der Tag ist vorbei, aber die Gefühle wurden nicht gehört. Der Zorn, die Anspannung, die Erregung und die Konzentration der letzten Tage landen in einem Wasserfall aus Salzflüssigkeit. Es gluckert und pocht. Dabei spürst Du Ihren Kummer. Ihre Angst. Wie sie dich vermisst. Du stellst es Dir lebhaft vor. Und kannst das Gefühl ohne Weiteres erwidern. Alles zittert. Alles bebt. Sie ist hier. Genau hier. Bei Dir. So nah. Und dann .. wieder weg.

Alles Sichtbare, was von Ihr bleibt, sind die Kristalltropfen in meinem Taschentuch. Der Schnodder, der Schleim. Alles geht zum Klo runter.

Da soll es bleiben! Für immer. Eingemauert. Einzementiert. Und doch so lebendig. Denn die Liebe ist nicht zu bremsen. Sie will immer wieder zurück. Du kannst Sie noch so stark unterdrücken. Eines Tages wird sie wieder leben. Eines Tages wird sie wieder von Dir Besitz ergreifen. Und aus deinem versteinerten Gesicht eine Wiese mit kleinen bunten Blumen zaubern. Du hoffst, dass du sie wieder sehen wirst, deine Liebe. Aber das Schloss aus Euren Gedanken ist hart und fest und umklammert das schöne Antlitz.

Und dann kommt noch die Königin der Musik für einen kleinen Abstecher in deinen heruntergekommenen Vorgarten vorbei. Sie will natürlich gefahren werden. Königinnen benötigen ein bisschen Aufmerksamkeit. Erst willst Du Dich noch rausreden, aber es funktioniert nicht richtig. Sie weiß, was in Dir steckt. Und sie fordert es jetzt für sich. Also fährst Du in ihre Stadt und wartest auf die Königin. Sie kommt sogar und nimmt sich Zeit für Ihre Untertanen. Sie sagt nicht viel. Aber sie hört zu. Und lächelt mild. Du kommst Dir ganze Zeit wie ein Prolet vom Lande vor. Weil du das wahrscheinlich auch bist. Aber doch mag sie dich. Da hast Du aber nochmal Glück gehabt!

Loslassen und Neues gewinnen

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Ja eines Tages musst Du Dich lösen. Da muss die ganze Energie, die Du an eine Person oder ein Thema gebunden hast, endlich freiwerden! Es ist ein schwieriger Moment. Ein Moment, des Loslassens. Viel schwierig als das Festhalten. Viel aufwändiger. Aber in dem Moment, in dem Du eine Person oder eine Sache gehen lässt, die Du sehr geliebt hast, wird auch wieder Platz frei. Platz für was Neues. Für neue Menschen. Neue Dinge. Neue Momente und neue Eindrücke. Für neue Begegnungen, neuen Input. Das Leben will fließen, nicht stocken. Das Leben will sich entwickeln, nicht ausschließlich verharren. Das Leben will so viel und wir wissen so wenig darüber.

Wer klammert denn fest? Es sind nicht nur die Gefühle. Es ist vor allem der engstirnige Geist, der alles festhält. Der die Erinnerung mit Leben versorgt, so wie ein toter Körper auf dem Seziertisch noch an den Geräten hängt. Der Geist will etwas, aber die Realität ist längst eine andere. Das ärgert den Geist, denn es hätte „ja so toll werden können“. Wurde es aber nicht. Die Begegnung ist abgeschlossen, die Erfahrungen sind gemacht. Ihr habt euch kennengelernt und festgestellt: Das wird nichts mehr.

Klar, kann sein, dass sich der andere ändert. Aber zuerst soll sich der andere bitteschönändern!

Und was ändert sich? Nichts!

Lass es alles endlich los und werde frei. Genieß den Duft der klaren Weite. Genieß Dein Leben, so wie es vor Dir liegt. Es bietet Dir soviel. Es will Dir soviel schenken, du musst es nur begreifen.

Dein Lachen & Dein Bild

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Dein Lachen
Und welche Geschichten willst Du dieses Jahr erzählen?
Mit wem willst Du feiern?
Wen willst Du anschreiben?
Welche Party wirst Du machen?
Wie oft wirst Du grillen?
Wieviel Musikstücke bis ganz zum Ende hören?

Wen willst Du lieben?
Wen küssen?
Und mit wem den Sonnenuntergang genießen?

Alles ist offen, alles ist frei.
Wir befinden uns im Corona-Übergangszustand.

Ich lehne mich ganz entspannt zurück.
Und hoffe, dass es endlich „zündet“.
Dass das Kribbeln vom letzten Jahr wiederkommt.
Die endlosen Parties.
Die Sonnenuntergänge.
Die neuen Menschen.
Die Gerüche. Das Leben. Dein Lachen!

Ich wünsch es mir so sehr zurück.

Großkraftwerk Mannheim im Sonnenuntergang
Großkraftwerk Mannheim im Sonnenuntergang

Dein Bild

Ja, bei diesem Bild war ich Dir nahe. Ich konnte mir vorstellen, wie Du es fotografiert hast.
Wie Du da gestanden hast. Genau da, wo ich jetzt stehe.
Und was Du dabei gedacht hast.

Wie Du auf der Suche nach der perfekten Einstellung warst.
Alles ganz genau getimt hast.
Die Ausrüstung auf den letzten Stand gebracht hast.
Den schweren Rucksack kaum tragen konntest.
Und Dir beim Stativ aufstellen deinen Nagel abgebrochen hast.

Du hast Dir soviel Mühe gegeben!
Und dann hat doch wieder irgendwas nicht gestimmt!
Eine kleine Kleinigkeit hat dich völlig aus dem Konzept gebracht.
Dein zartes, fein austariertes Wissen, jetzt fing es an zu kippen.
Und der schwarze Strudel öffnete sich erneut.
Und zog Dich immer tiefer hinein.
Kein Licht am Ende des Tunnels.
Das einzige Licht – war das gebrannte Foto auf deinem Mikrochip.

Und ich – Dein Spiegelbild, das ich für einen kurzen Moment sein durfte.

Das Zimmer ist errichtet

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Zeit zum Innehalten. Endlich.

2007 sind wir in unser altes Haus in Ebertsheim eingezogen. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Wie groß das Ausmaß der Arbeit sein würde oder wie sich das anfühlt, alles „selbst zu machen“. Die Bilder in den Baumarkt-Prospekten waren so trügerisch. Dort ist immer alles perfekt ausgeleuchtet und glückliche Menschen beziehen mit einem Lächeln auf dem Gesicht ihren Balkon, ihren Garten, oder lümmeln in ihrem frisch tapezierten Wohnzimmer. Der Dreck wurde ihnen von der Maskenbildnerin künstlich ins Gesicht geschmiert und die Klamotten ein bisschen zurecht gezupft. Es sieht immer alles so leicht und einfach aus. Und es scheint alles nur einen Kaufvertrag weit entfernt. Eine kleine Entscheidung im Geiste, die wir damals in Mannheim getroffen haben, die aber unser Leben so sehr geprägt hat.

Ein Raum, in diesem großen alten Haus, fiel mir gleich ins Auge. Es war der hellste und schönste Raum. Der einzige Raum, der wirklich von allen Seiten Licht bekommt und der dazu noch etwas höher, also im ersten Stock gelegen ist. Er liegt an einem Endpunkt und man wird nicht von anderen gestört. Er hat eine hohe Decke und ist nicht so gedrungen wie die anderen Räume. Vor 200 Jahren war das die gute Stube im Bauernhaus. Damals haben die Leute nicht viel drinnen gelebt. Meistens war sie draußen auf dem Feld und wenn mal alle „reingekommen“ sind, dann hat man sich mit der 7-köpfigen Familie einen Raum geteilt. Für die Frau un ihre „Schreibarbeit“ war kein Platz, schon gar nicht der ganze große Raum! Das wäre absolut undenkbar gewesen! Man muss sich ab und zu mal zurücklehnen und über diese Privilegien nachdenken, die man erhält. Früher hatte der Raum 3 Steckdosen, jetzt haben wir ihn aktualisiert auf 17 und er hängt an zwei Sicherungskreisen. Es ist der schönste und hellste Raum und mein Mann hat ihn mir bereitwillig und ohne Zögern überlassen. Diesen schönsten Raum im Haus, den hat er mir geschenkt. Und er nimmt den etwas schlechteren Raum im Durchgangsbereich.

Ich stellte mir schon damals vor, wie ich da eines Tages sitzen werde. An meinem kleinen Schreibtisch, nur das Laptop und meine freien Gedanken vor mir. Ohne Ballast, ohne Verpflichtungen, einfach nur meine Gedanken und ich in einer perfekten Umgebung. Und ich schreibe einen Text. Mitten im Grünen, mitten in der Ruhe. Ich stellte mir das schön vor. Romantisch irgendwie, im eigenen Haus. Ehemann, Familie, Garten- fehlt noch ein kleiner Hund. Das war und ist mein Traum vom einfachen und guten Leben. 2020, also 13 Jahre später kann ich mir den eigentlichen Traum erst erfüllen. Solange hat es gebraucht, bis wir den Sanierungsstau des alten Haues überwunden haben, Schichtarbeit, Firmengründung, Seelenschieflage, Trauerarbeit und alles andere unter einen Hut gebracht haben und endlich in diesem Raum angekommen sind. Wir waren physisch zwar schon immer in diesem Raum, haben ihnen lange als Schlafzimmer für die Nachtschicht/ Spätschicht benutzt. Das war überhaupt der Grund warum wir aus der lauten Stadt weggezogen sind. Weil die laute Stadt nicht für Schichtarbeiter und ihre besonderen Bedürfnisse gemacht ist. Und weil das Einkommen nicht für ein Haus in der Stadt, auch nicht am Stadtrand gereicht hat. Wir wurden schon damals aus dem „Lebensraum Stadt“ verdrängt und kamen in einen ruhigeren, gemütlichen, freundlicheren Lebensraum „Land“ an. Ein Lebensraum, in dem frische Gedanken, und tatkräftige Menschen mit Eifer und Pioniergeist dringend gebraucht werden. Ein Lebensraum, der sich besonders in der Corona-Krise als sehr vorteilhaft erwiesen hat. Mir fehlt nichts, absolut nichts. Gerne würde ich mit 10 anderen Leuten jetzt den Umzug feiern. Das muss ich erstmal „per Skype“ machen. Und wie so oft, wenn man irgendwas frisch hinter sich gebracht hat, kommt die Freude noch nicht so richtig auf. Noch überwiegt die Müdigkeit. Alles tut mir weh. Die Hände vom Renovieren und Putzen, die Beine vom Räumen und Hin- und Hergehen, und die Seele von der aktuellen Nachrichtenlage und der großen Einsamkeit, die uns plötzlich alle erfasst hat. Die Augen brennen, entweder von der Müdigkeit oder dem Heuschnupfen. Dennoch ist der Mensch so voller Hoffnung und voller Energie. Die Energie wird uns als Menschen niemals ausgehen, auch wenn wir mal in einer Notlage sind und großes verbringen müssen. Gerade dann, wachsen wir über uns hinaus.

Ich hätte jetzt Zeit. Zeit für die nächsten großen Projekte. Zeit zum Schreiben, Zeit zum Nachdenken. Zeit, um mich mental wieder auf andere Menschen einzulassen. Das Zimmer ist errichtet, jetzt muss ich es nur noch mit Leben füllen.