Neuausrichtung des Blogs

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Seit ca. einem Jahr denke ich nun über eine Neuausrichtung des Blogs nach und ob ich sie überhaupt brauche. Ich werde daher mal versuchen, meine bisherigen Gedanken zu gliedern und die jeweiligen Bereiche zu erörtern. Der Text dient primär mir selbst, damit ich selbst Klarheit über eins meiner liebsten Schreibprojekte bekomme. Aber vielleicht gibt es auch den einen oder anderen Leser/ Leserin, der/ die was dazu zu sagen hat, daher freue ich mich immer über Kommentare. Da das Blog ja auch und vor allem für andere gedacht ist, ist Rückmeldung immer wichtig, gleichwohl man sie nicht erzwingen kann.

Verlinkungsgrad/ Kommentare
Zur Zeit kommen nur wenige bis gar keine Kommentare. Das war nicht immer so. In guten Zeiten gab es im Schnitt fünf Kommentare, manche Artikel hatten auch 20 oder mehr. Da die Anzahl der Kommentare und die Verlinkungen von anderen in der Blog-Technik sehr wichtig sind, kann ich es eigentlich nicht ignorieren. Ich müsste eine Änderung herbeiführen. Aber wie? Das geht meistens nur, indem man bei anderen kommentiert und sich aktiv in anderen Blogs tummelt, was ich derzeit gar nicht mache. Ich fand diese Phase ganz nett, habe aber auch kein Problem mit null Kommentaren. Null Kommentare = null Ärger, eine einfache Rechnung.

Ich bin auf der einen Seite etwas faul, auf der anderen Seite auch genügsam. Mir reicht es meistens, die Texte zu schreiben. Ich finde z.B. auch nicht, dass ein Blog-Text besser wird, nur weil sich viele Leute dazu äußern. Wenn jemand ein derartig aktives Blog pflegt, finde ich das immer faszinierend. Es gibt auch durchaus gute, große Blogs mit langen, durchdachten Texten, die dann 20 Kommentare oder mehr erhalten. Inklusive Flattr-Aufkommen. (Spenden bekommt man nur, wenn man ausreichend viele Leser hat, die sich aktiv einbringen)

Ich finde das alles sehr toll. Und merke dann immer, dass ich es doch nicht brauche. Mehr Kommentare würden bedeuten, ich müsste noch viel mehr Zeit mit dem Blog und dem Netzleben verbringen, die ich derzeit nicht aufbringen möchte. Außerdem ist mir der Ruhm und der Einfluss nicht so wichtig wie anderen.  ((die dann aber, wenn man sie fragt, auch sagen, dass ihnen das nicht wichtig ist, also irgendwem ist es schon wichtig, aber wem? 😉 )) Wenn ich eines Tages in Richtung Kommerzialisierung gehen würde, wäre das vielleicht anders. Aber danach sieht es nicht aus. Und wenn, dann nicht im J.A. Blog.

Solange es nur ein privates Vergnügen ist, kann man die Kommentare eigentlich vernachlässigen. Man muss sich fragen, was will man eigentlich? Will man schreiben, will man Rückmeldung, will man Geld, Macht und Einfluss? Ich bin mir derzeit sehr unsicher, weil ich meistens denke, dass ich einfach nur „Kunst“ machen will. Aber ist das genug? Ist das WIRKLICH genug? ((siehe hierzu auch den vorherigen Text mit den  Häschen-Gedanken.. ))

Stromverbrauch / Kosten- Nutzenrechnung
Klingt jetzt vielleicht ein wenig unpassend, weil die wenigsten darüber nachdenken. Aber habt ihr schonmal darüber nachgedacht, wieviel Kilowattstunden wir täglich mit sinnlosen Dingen, vor allem dem Computer und anderen Luxus-Geräten, zum Fenster herausblasen? Und jetzt sagt bitte nicht, der Computer wäre ein tägliches Grundbedürfnis.. soweit sind wir noch nicht. Noch nicht.

Nur weil wir etwas zu bequem und stolz sind und ständig auf Twitter quatschen müssen, dreht sich der Lüfter. Wir könnten in der Zwischenzeit auch mit dem Rad zu unseren Freunden fahren und die Kiste ganz auslassen. Könnten. Solange wir Eltern haben, die das alles für uns bezahlen, ist es okay. Aber die Strompreise werden in den nächsten Jahren bestimmt nicht mehr sinken.

Moderne Computer brauchen inkl. Monitor gerne mal 350 Watt oder mehr, da läppert sich am Tag ganz schön was zusammen. (Das ist ungefähr die Leistungsaufnahme von drei alten Kühlschränken!) Müssen alles die Kohlekraftwerke und die bösen Atomkraftwerke stemmen. Und jetzt glaubt bitte nicht das Märchen, dass das mit den paar Windmühlen abgedeckt werden kann… das erzählen euch nur gewisse Politiker. Energiesparendes, umweltbezogenes Umdenken bedeutet: Energetisches Umdenken auch im täglichen Handeln. ((eine sehr gute Broschüre zum Thema Stromsparen im Haushalt , mit praktischen Tipps und interessanten Statistiken findet sich hier ))

Aber komisch, darüber wird so gut wie nie geredet! Beim Energiesparen muss man immer zuerst woanders ansetzen, wobei die elektronischen Geräte und Unterhaltungsmedien inzwischen schon einen großen Anteil an der verbrauchten Energie in jedem Haushalt ausmachen (tlw. mehr als Licht).
In der Zwischenzeit können wir dann einen Artikel über die Ölpest schreiben und ganz dolle darüber aufregen, wie schlimm die Menschen doch sind und wie wenig Rücksicht sie auf die Natur nehmen….

Ich finde das ein wenig zynisch. Außerdem ist Blog schreiben ein Hobby, es dient der Steigerung des Egos und es ist kein Grundbedürfnis. Vielleicht, ein bisschen mentale Aufarbeitung, aber die könnte man auch auf einem Blatt Papier oder am Musikinstrument machen…

Also allein von dieser Perspektive aus gesehen ist das Blog mehr als Zeitverschwendung. Es ist auch nicht besonders produktiv, es sei denn….

Sinnvolle Texte
…man bietet Texte an, die anderen Leuten wirklich was nützen. Über eine Krankheitsgeschichte schreiben, beispielsweise. Vielleicht werde ich hier bald mein Tabu aufbrechen und wieder über meine Krankheit schreiben oder Texte anbieten, die anderen was in dieser Richtung bringen. Es gibt viele Blogs im Netz, die das vormachen und damit zeigen, wie wichtig sie sind.

Wichtig sind generell: Ehrliche, authentische Gefühle, die den LeserInnen das Gefühl geben, einen Mensch vor sich zu haben. Kunst, die aufrüttelt und bewegt. Texte zum Nachdenken. Interessante Links, mit denen man was anfangen kann.

Wenn das alles nicht hilft, dann bleiben noch die…

Themenblogs / Nachfragesituation
Ich habe ein zweites Blog, ein sog. Themenblog angefangen, wo ich einzig und allein über ein Thema schreibe. Die Besucherzahlen (vor allem die Suchanfragen) sind in ein paar Wochen so stark gestiegen, wie in meinem „philosophischen“ Blog seit Monaten nicht. Das lässt mich aufhorchen. Im Internet zählen – wie im echten Leben- die konkreten Werte. Mit abstrakten Dingen können die meisten Menschen nichts anfangen und die abstrakten Dinge werden nicht gesucht. Ein Testbericht und Preisvergleich über das Notebook der Marke SoUndSo ist eben spannender als die „Konstruktivität des Seins“ nach Hermann T. Ganz einfache Geschichte. Analog zu sehen im Fernsehprogramm und der Verteilung nach Zeiten, Sendeplätzen, usw. Ohne Nachfrage, kein Markt- ohne Markt, keine Leser. Oder immer nur die gleichen, aber keine neuen und kein „Wachstum“.

Ein philosophisches, künstlerisches Blog bleibt immer „brotlos“ und ein reines Nischenprojekt. Man kann es nicht wirklich für etwas verwenden. Man kann kein Geld damit verdienen. Und doch liebe ich es so. Also ganz ohne geht auch nicht.

Rächtschreibunk (offtopic)

Ganz wichtig ist es auch immer auf die Rächtschreibunk zu achten und möglichst keine Kommas zu setzen damit den lesern es schön schwer fällt die texte zu verstehen naja und ein bissel korrektur lesen kann man schonm muss maber nicht ginihi!

Fazit
Wichtig beim Bloggen ist, dass man sich vorher auf etwas festlegt:
Themenblog, philosophisches Blog, private/ persönliche Texte, Hilfreiche Texte, Kommerzialisierung?
Viele Verlinkungen, viele Kommentare oder doch lieber stilles Wasser?

Auch den eigenen Charakter kann man nicht wirklich ändern und er wird die Geschicke maßgeblich beeinflussen.

Wenn man sich vorher festgelegt hat, kann man sich hinterher nicht beschweren, dass es anders laufen sollte. Man muss die Tatsachen der Web-Realität akzeptieren. Wenn man etwas anderes will, sollte man etwas anderes beginnen. Aber dann lieber auf einer neuen Domain, als immer die alte zu strapazieren. Denn so verliert man garantiert Leser, andererseits gewinnt man vielleicht welche.

Für mich ist klar: Das J.A. Blog bleibt privat, künstlerisch, philosophisch, unbequem und praxisfern. Für die anderen Dinge werde ich neue Projekte aufmachen. Die Vermischung hat keinen Zweck.

Da es eben aber auch nur privat ist, werde ich es so behandeln: Hin und wieder mal schreiben, ohne Druck.

Und damit sind wir wieder am Anfang…

13 Gedanken zu „Neuausrichtung des Blogs“

  1. Also, ich finde es schön, wenn Leute kommentieren, weil das das Blog erst so richtig lebendig macht. Aber nicht jeder kann kommentieren. Manche leeren halt so im Vorbeigehen ihre Blase (kommt in meinem Blog selten vor), und das bringt dann nichts. Dagegen wenn Leute neue Aspekte bringen oder ergänzende oder so, das ist eine feine Sache.

    Und was die Anzahl der Kommentatoren angeht: Ich bin nicht viele gewohnt. Vielleicht ist es auch besser so, denn viele Kommentatoren bedeutet einen ziemlichen Mehraufwand, weil ich auf jeden antworte (in der Regel, nicht immer findet sich eine Antwort).

    Willst Du Deine Krankheit wirklich öffentlich machen? Es ist doch leider so ein dermassen Tabuthema. Vielleicht wunderst Du Dich, dass ich jetzt dazu zögere, aber bei einigen meiner Freunde – Freunde, die ich sehr schätze – bin ich bei der Erwähnung des Themas schon auf ziemliche Widerstände gestossen. Unüberwindliche Widerstände.
    Was sollst Du gegen Windmühlen kämpfen? Das bringt doch nichts, machst Dich nur kaputt dabei.

    Was ich fürs Bloggen wichtig finde: guter Schreibstil, eine gute Einstellung zu sich selbst und anderen, soll heissen, man geht auf seine Zielgruppe zu und bleibt nicht in seinem Elfenbeinturm und ist sich dessen auch bewusst, dass man selbst nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Diese überhebliche Schreiberei gefällt mir gar nicht, aber leider gibt es sie allzu oft.

  2. @ Violine: du hast recht, mit der „Krankheit“ ist es gut zu überlegen. auf der anderen Seite ist auch gerade die schlechte gesellschaftliche Situation ein Grund, der mich reizt. Lieber gegen Windmühlen kämpfen und ein gutes Gefühl dabei haben, als alles verschweigen und am Ende denken, dass es keinen Sinn gehabt hat und man immer zu feige für alles war.

    Auf der anderen Seite: Warum soll man selbst für etwas herhalten, wenn es sich andere bequemer machen? Ich bin noch nicht wirklich zu einer Entscheidung gekommen. Allerdings sehe ich an Hand von Emails, dass es den Bedarf wirklich gibt und dass hier evt. Leiden verringert werden könnte. Da das J.A. Blog ja eine psychologisch/ philosophische Ausrichtung behalten soll, wäre hier der richtige Platz.

    Ich mag übrigens dein Blog und deine Art zu schreiben und zu kommunzieren. Ich bewundere außerdem Leute, die nur kurze Texte schreiben und die Kommentare mehr gelten lassen. Eine Kunst, die ich noch nicht so recht beherrsche, egal wie ich mich verdrehe. Ich bin halt eine Laberbacke. Aber es lohnt sich hin und wieder über den Tellerand zu blicken, es ist wirklich sehr wichtig.

    Überheblichkeit beim Schreiben ist natürlich blöd, auf der anderen Seite ist das Blog auch eine Bühne und ähnlich wie im Fernsehen zeigen sich die Menschen oft anders, als sie sind. Es ist etwas schwer, sich komplett davon freizumachen, finde ich.

    viele Grüße
    Julia

  3. Ich hab in meinem Browser ein paar Linklisten zusammengestellt. Eine davon heißt „private Blogs“. Dort sind zur Zeit 12 Blogs gelistet, die ich gerne lese oder die häufig Themen behandeln, die mich interessieren. Drei- bis viermal in der Woche öffne ich alle Seiten dieser Liste zugleich in Tabs in einem Fenster, hole mir ein Glas Limo oder einen Kaffee und lese mir der Reihe nach durch, was es Neues gibt. Da der optische (und damit in der Regel vertraute) Eindruck eines Blogs für mich wichtig ist, ziehe ich diese Methode einer ständigen Verfolgung per Feed-Reader vor.
    Gelegentlich – vielleicht alle drei Monate oder so – arbeite ich mich durch diverse Blogrolls und schaue, ob es andere, mir noch unbekannte Blogs gibt, die ich in meine Liste aufnehmen könnte. Normalerweise gebe ich dann immer einem oder zwei eine Chance, schmeisse dafür dann aber auch andere, mit der Zeit uninteressant gewordene Seiten raus.

    Dein J.A.Blog ist schon ziemlich lange dabei, und ich kann mir nicht vorstellen, daß es in absehbarer Zukunft einer anderen Seite weichen wird. Ich mag Deine Art, die Dinge zu betrachten und dies entsprechend auszuformulieren. Auch wenn mich nicht jedes Deiner Themen sofort anspricht, weiß ich doch, daß es bestimmt das nächste oder übernächste tun wird.

    Aber ich konsumiere nur. Ich kommentiere nicht. Das liegt vielleicht daran, daß ich das Lesen von Blogs in der Regel als Entspannung betreibe. Ich hole mir Anregungen für meine eigenen Gedanken heraus und manchmal auch Themen, die ich im Freundeskreis ansprechen möchte.
    Kommentieren ist zuweilen anstrengend; es kostet Zeit, hält mich vom Lesen anderer Seiten ab und mein Wunsch, dann aber auch bitteschön eine Reaktion vom Blogbetreiber zu bekommen, ist unverschämt aber einfach nicht totzukriegen. Ich stehe damit – zusammen mit meinem Ein-Finger-Tipp-System sowie der gelegentlichen Fehleinschätzung und -bewertung meiner eigenen Meinung – ein wenig auf dem Kriegsfuß.

    Nichtsdestotrotz mag ich Deinen Blog (und andere, die ähnlich gestaltet/aufgebaut sind); eine Neuausrichtung (allein um der Neuausrichtung Willen, oder um irgendwelche Kennzahlen wie Zugriffe und Kommentare zu steigern) halte ich nicht für nötig, sehe darin zudem die Gefahr, daß Dinge, die Deine Texte und Themenauswahl ausmachen, verloren gingen.
    Aber ich habe Deinen Eintrag so verstanden, daß Du zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen bist und Dir für Experimente oder spezielle Themenbereiche andere Plattformen suchen möchtest (verlinkst Du die dann auch hier?). Dieser Ansatz gefällt mir, und deshalb – sowie um Dich zu bestärken – habe ich dann diesmal doch einen Kommentar geschrieben. 🙂

    Vielen Dank für die vielen spannenden und zum Nachdenken anregenden Texte der vergangenen Monate.

    Yva

  4. Hallo Yva,

    vielen Dank für deine lange und ausführliche Meinunge zu meinem Blog und deinen Lesegewohnheiten. Also, ich würde sagen, du bist die perfekte Leserin. 😉 Und immerhin, du hast schon zweimal kommentiert, das ist mehr als die meisten.

    Ich erwarte auch nicht unbedingt, dass zu meinen Texten etwas zurückkommt, ich werfe sie ja in die Welt und wenn ich diskutieren wollte, dann würde ich vielleicht lieber ein Forum aufmachen. Und nur, um meinen Stolz zu befriedigen, und ständig Lob für alles zu erhalten, wäre ein Blog zu schade. Ich mag auch lieber kritische Leser, die nur bei wirklich guten Texten kommentieren oder wenn sie der Meinung sind, dass ihr Beitrag etwas hilfreiches anhängen kann.

    So wie es momentan ist, ist es wohl gut. Und ich bin auch beruhigt, dass du es mit den Besucherzahlen und den anderen Kennzahlen ähnlich wie ich siehst. Sie sind nicht das Maß aller Dinge, aber ganz vergessen kann man sie auch nicht.

    Vielleicht frage ich nochmal nach, welche Themen dir am besten gefallen und welche weniger? Dann könnte ich immerhin eine kleine Vorauswahl treffen. Ich habe zumeist sehr viele Ideen und weiß oft nicht, worüber ich zuerst schreiben sollte. Ein Feedback hilft da ganz gut.

    Ob ich die anderen Projekte hier verlinken werde, weiß ich noch nicht, da sie noch in den Kinderschuhen stecken und auch von den Inhalten so gar nicht zum alten Blog passen. Wenn es sich gut entwickelt und ich mir sicher bin, dass es in der Richtung weitergehen möchte, werde ich sie natürlich verlinken und/ oder einen kleinen Artikel darüber schreiben. Stichwort „Quervernetzung“. 😉

    Viele Grüße und nochmal Dankeschön für deine Meinung,
    Julia

  5. Meiner Meinung nach bist Du am besten, wenn Du Dir einen Aspekt aus der Realität herauspickst, ihn mit Deinen Worten beschreibst und Deine Gedanken und Gefühle hinzufügst. Ein schönes Beispiel aus jüngster Zeit hierzu ist der Eintrag „Bahnfahren – gestern und heute“. Deine Erinnerungen an die Zeit vor dem Großraumwagen waren unglaublich treffend, und die (versteckte) Botschaft, was uns verloren geht (generell gesehen, die Bahn ist hier nur ein anschauliches Beispiel), hat mich berührt und nachdenklich gemacht. Und meinen Blick dafür geschärft, wo man überall sonst noch ähnliche Entwicklungen beobachten kann.

    Mit einigen Deiner (reinen) philosophischen Texte, mit Kurzgeschichten oder Gedichten kann ich allerdings in der Regel wenig anfangen. Das ist aber jetzt keine Kritik. Viele Deiner Leser werden das – mit Recht! – anders sehen. Da fehlen mir offenbar die nötigen Synapsen, oder schlicht die Geduld, tief genug in die Zeilen einzusteigen.

    Eine unbestrittene Stärke von Dir ist es jedoch, eine gewisse Emotionalität zu transportieren. Sie ist dezent, meist sogar unterschwellig – aber sie erschlägt einen auch nicht. Vielmehr „würzt“ sie Deine Texte und bringt beim Leser sanft etwas zum Mitschwingen.
    Unter diesem Aspekt finde ich besonders Deine politischen Einträge sehr erfrischend. Sie unterscheiden sich deutlich vom Mainstream in den bekannten, großen Politblogs, in denen mit Superlativen und beißendem Spot um sich geworfen wird, um mühsam die eigene Wut und den Unwillen, über den Tellerrand zu schauen, zu unterdrücken. Wenn ich dort etwas lese, rufe ich entweder kräftig „Jawoll!“ und klatsche beigestert in die Hände oder ich murmele „Blödsinn!“ und breche den Text nach der Hälfte ab. Bei Dir lese ich immer bis zum Ende, gebe meistens nur ein nachdenkliches „Hmmm…“ von mir und fange wieder von vorne an, um das Gefühl, das ich bei der Lektüre hatte, noch einmal spüren zu können.

    Wenn Du es bisher so gehalten hast, daß Du für einen neuen Blogeintrag genau das Thema auswählst, was Dich aktuell am meisten bewegt, dann solltest Du das so beibehalten. Je näher ein Thema an Deinem Herzen ist, um so authentischer, mitreißender und ehrlicher wirst Du es angehen können.
    Sich für ein Thema ausschließlich aufgrund der Wünsche der Leser zu entscheiden, mag gelegentlich ein nettes Experiment sein; auf die Dauer wird dabei aber diese persönliche und emotionale Note in Deinem Blog – die ich so schätze – zu kurz kommen.

    Liebe Grüße,

    Yva

  6. Hallo Yva,

    diese „Geschichten aus dem Leben“ mag ich selbst auch am meisten, es ist unglaublich befreiend, sie aus dem Herzen zu schütten. Aber ich kann nur über etwas schreiben, wenn ich wirklich was fühle, ansonsten empfinde ich es als bloße Wiederholung der Nachrichten, wie es sie auf tausend anderen Blogs auch gibt.

    Die Kunst bedient eine ganz andere Schiene und bei der reinen Lyrik schreibe ich abstrakt und halte mich an keinerlei Vorgaben oder Richtlinien. Das mag sie etwas schwer verdaulich machen.

    Viele Grüße,
    Julia

  7. Ähnliche Gedanken habe ich mir auch gemacht. Mir scheint, dass der Rückgang von Kommentaren und Verlinkungen ein generelles Problem der meisten Blogs ist. Möglicher Grund ist, dass die meisten Leser von Blogs auch selbst Blogger sind und Bloggen seinen Zenit überschritten hat. Weder die Träume vom Geldverdienen, noch die idealistischen Hoffnungen auf eine transparentere, ehrlichere und demokratischere Medienlandschaft haben sich erfüllt. Ich merke an mir selbst, dass mir zu viel Zeit im Netz beim Diskutieren mit fremden Menschen nicht wirklich guttut. Und so dämmert nicht nur mein eigenes Blog ein wenig vor sich hin, sondern hat sich auch mein „Konsumieren“ anderer Blogs samt Kommentieren dramatisch verringert. Ich frage mich, ob ein Gemeinschaftsblog mit Gleichgesinnten eine Lösung sein könnte?

  8. @Fragezeichner: Du hast in allen Punkten völlig recht und schön, dass auch mal jemand die negativen Punkte am Bloggen anspricht: Dass zu wenig verlinkt wird, dass die Kommentare fehlen, usw. Es tut mir auch leid, dass du dein Blog nicht mehr so schreibst wie früher, habe es immer gerne gelesen. Vor allem deine Musik ist klasse.

    Mehr Gemeinschaft wäre wirklich eine gute Lösung, aber dann eine Gemeinschaft, die nicht nur im Erreichen eines gemeinsamen Ziels arbeitet (ist mehr ein Zweckbündnis), sondern eine Gemeinschaft, die zusammenarbeitet, weil sie sich gut versteht. Die Mitglieder der Gemeinschaft sollten untereinander eine Zuneigung verspüren, sich gegenseitig verantwortlich fühlen und auch egoistische Belange hinten anstellen können. Ein gutes Vorbild wäre eine große, innerlich konsistente Familie, aber davon gibt es immer weniger. Also woher die Vorbilder fürs Bloggen u. Verlinken nehmen, wenn sie real immer weniger werden? Die Menschen und ihre soziale Handlungen sind ein direktes Spiegelbild ihrer Gesellschaft.

    Da die meisten Leute im Leben (und somit auch die Blogger) inzwischen so sehr vom Konkurrenz- und Leistungsdenken dominiert werden, ist das alles sehr schwierig. Für die meisten wäre es wohl Zeitverschwendung, irgendein übergeordnetes Ziel braucht man immer, um sich gut zu fühlen und einen Sinn bei der Arbeit zu haben. Mitgefühl, Vertrauen, Altruismus und Mitteilungsfreudigkeit (Offenheit) wären eigentlich ein gutes Ziel.

    Vielleicht braucht die Medien-Gesellschaft einfach noch ein wenig mehr von diesen Werten und Erkenntnissen, um die Blogs wirklich so einzusetzen, wie sie gedacht sind: Als offenes, transparentes Werkzeug des Miteinanders. Als Meinungsplatform, um sanfte Diskussionen anzustoßen, anstatt mit der Holzhammer-Methode jedwede Gegenwehr und andersartige Denkweisen in Sätzen und Kommentaren „niederzuknüppeln“.

    Die ganze Aggression, die Vorwürfe und der schlechte Umgangston, der überall herrscht, schreckt mich doch oft eher ab, als dass er mich lockt. Um da mitzuhalten, muss man sich zwangsläufig anpassen. Wie weit kann diese Anpassung gehen und wo sagt das Gewissen: Stop?

    Viele Grüße und danke für dein Kommentar,
    Julia

  9. nochmal ganz explizit zu der Gemeinschaftsblog-Frage: An sich ja, es wäre ein gutes Experiment. Man müsste sich selbst überwinden und mal anders denken, mehr für die Gemeinschaft, weniger für den eigenen Erfolg.

    Aber wenn, nur mit Leuten, die ich auch mag. Freunde aus dem realen Umfeld vielleicht (die bloggen aber alle nicht..) oder Netzkontakte, die man schon lange kennt und mit denen man gut kann.

    Vielleicht hat das Bloggen aber insgesamt seinen Zenit überschritten. Vielleicht spüren andere Menschen diesen Ausverkauf auch.. vielleicht.. kommt schon bald der nächste Trend?

    Der neue Trend: Gemeinschaftsblogs! Das wäre doch was. 😉

  10. Eure Kommentare habe ich vor ein paar Stunden gelesen, und kann Euch nur zustimmen.
    Ich war jetzt bei mehrere Gemeinschaftsblogs dabei und meiner Erfahrung nach ist es Grundvoraussetzung, dass sich die Beteiligten gut verstehen. Dann zieht man an einem Strang – was dieser Strang auch immer ist – und dieses Gruppengefühl gibt dem Ganzen eine Einheit. Es wird dann auch untereinander kommentiert, und ich denke, da kommen dann in den Kommentaren die guten Diskussionen raus.
    Letzteres konnten wir im Heidelberger Blog bis jetzt nicht so verwirklichen, weil wir bis jetzt nur zu zweit sind (gar nicht so einfach, weitere Autoren mit echt Qualität, die dazu passen, zu finden) und in der Vergangenheit von anderem aufgesogen waren.
    Aber wenn man sich gut versteht, dann kann man sich mit dem Projekt auch identifizieren und trägt gerne etwas dazu bei.
    Und dadurch ist es dann über die Jahre auch eine schöne Erinnerung.

  11. @ Violine: hab beim Kommentieren/Schreiben auch ein wenig an dich gedacht und deine geschilderten Erfahrungen mit bestimmten Projekten..

    Schreibst du eigentlich noch beim Heidelberger Blog? Oder ist das komplett eingestellt?

    Ich hatte ja auch mal ein Team-Projekt, vor ein paar Monaten mit Hartmut.. hat eigentlich Spaß gemacht. Aber irgendwie muss man sich immer sehr überwinden (mehr kommunizieren, mehr Energie reinstecken) und das ist oft schwieriger, als wenn man „nur“ für sich selbst bloggt.

    viele Grüße,
    Julia

  12. Wir haben beschlossen, das Heidelberger Blog leben zu lassen. Einmal ist es so einfach eine schöne Sache, das Layout ist gut, der Inhalt ist gut. Und selbst wenn wir gerade nichts schreiben, liegt es uns trotzdem am Herzen. Und es stecken Erinnerungen drin. Und von anderen wird es geschätzt. Wir bekommen manchmal von Firmen Pressematerial zugeschickt, sehr gutes. In den seltensten Fällen benutzen wir das, aber das zeigt unser Ansehen.
    Das Foto von der Brückenbeleuchtung, das ist in einer Zeitschrift von Heidelberg von irgendeinem wichtigen Verein in Heidelberg abgebildet worden (natürlich auf Anfrage beim Autor).
    Enttäuschen ist im Moment einfach nur unsere Blogfrequenz, aber das kann sich ja immer ändern. Robèrt hatte auch keine Zeit mehr für den Podcast, obwohl er den sehr gerne macht.
    Na, ich denke, irgendwann wird es mal wieder klappen (vor ein paar Tagen habe ich ein nettes Foto eingestellt) und unsere Einstellung, dass es einfach ein nettes Hobby sein soll, hat sich einfach gelohnt. Auch ein nettes Hobby dümpelt mal vor sich hin, ohne dass man deswegen ein schlechtes Gewissen haben muss.

  13. Ja, der Umgangston ist auch das, was mich am meisten abschreckt. Dass Gemeinschaftsblogs ein Trend werden, glaube ich nicht. Es gab ja ein paar Versuche (Menachem z.B. hatte ja in der Endlosrekursion geschrieben, hat das mittlerweile auch wieder aufgegeben und widmet sich nur noch seinem eigenen Blog). Probleme sind vielleicht andere, aber wohl auch nicht weniger…

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