Neuausrichtung des Blogs

Seit ca. einem Jahr denke ich nun über eine Neuausrichtung des Blogs nach und ob ich sie überhaupt brauche. Ich werde daher mal versuchen, meine bisherigen Gedanken zu gliedern und die jeweiligen Bereiche zu erörtern. Der Text dient primär mir selbst, damit ich selbst Klarheit über eins meiner liebsten Schreibprojekte bekomme. Aber vielleicht gibt es auch den einen oder anderen Leser/ Leserin, der/ die was dazu zu sagen hat, daher freue ich mich immer über Kommentare. Da das Blog ja auch und vor allem für andere gedacht ist, ist Rückmeldung immer wichtig, gleichwohl man sie nicht erzwingen kann.

Verlinkungsgrad/ Kommentare
Zur Zeit kommen nur wenige bis gar keine Kommentare. Das war nicht immer so. In guten Zeiten gab es im Schnitt fünf Kommentare, manche Artikel hatten auch 20 oder mehr. Da die Anzahl der Kommentare und die Verlinkungen von anderen in der Blog-Technik sehr wichtig sind, kann ich es eigentlich nicht ignorieren. Ich müsste eine Änderung herbeiführen. Aber wie? Das geht meistens nur, indem man bei anderen kommentiert und sich aktiv in anderen Blogs tummelt, was ich derzeit gar nicht mache. Ich fand diese Phase ganz nett, habe aber auch kein Problem mit null Kommentaren. Null Kommentare = null Ärger, eine einfache Rechnung.

Ich bin auf der einen Seite etwas faul, auf der anderen Seite auch genügsam. Mir reicht es meistens, die Texte zu schreiben. Ich finde z.B. auch nicht, dass ein Blog-Text besser wird, nur weil sich viele Leute dazu äußern. Wenn jemand ein derartig aktives Blog pflegt, finde ich das immer faszinierend. Es gibt auch durchaus gute, große Blogs mit langen, durchdachten Texten, die dann 20 Kommentare oder mehr erhalten. Inklusive Flattr-Aufkommen. (Spenden bekommt man nur, wenn man ausreichend viele Leser hat, die sich aktiv einbringen)

Ich finde das alles sehr toll. Und merke dann immer, dass ich es doch nicht brauche. Mehr Kommentare würden bedeuten, ich müsste noch viel mehr Zeit mit dem Blog und dem Netzleben verbringen, die ich derzeit nicht aufbringen möchte. Außerdem ist mir der Ruhm und der Einfluss nicht so wichtig wie anderen.  ((die dann aber, wenn man sie fragt, auch sagen, dass ihnen das nicht wichtig ist, also irgendwem ist es schon wichtig, aber wem? 😉 )) Wenn ich eines Tages in Richtung Kommerzialisierung gehen würde, wäre das vielleicht anders. Aber danach sieht es nicht aus. Und wenn, dann nicht im J.A. Blog.

Solange es nur ein privates Vergnügen ist, kann man die Kommentare eigentlich vernachlässigen. Man muss sich fragen, was will man eigentlich? Will man schreiben, will man Rückmeldung, will man Geld, Macht und Einfluss? Ich bin mir derzeit sehr unsicher, weil ich meistens denke, dass ich einfach nur „Kunst“ machen will. Aber ist das genug? Ist das WIRKLICH genug? ((siehe hierzu auch den vorherigen Text mit den  Häschen-Gedanken.. ))

Stromverbrauch / Kosten- Nutzenrechnung
Klingt jetzt vielleicht ein wenig unpassend, weil die wenigsten darüber nachdenken. Aber habt ihr schonmal darüber nachgedacht, wieviel Kilowattstunden wir täglich mit sinnlosen Dingen, vor allem dem Computer und anderen Luxus-Geräten, zum Fenster herausblasen? Und jetzt sagt bitte nicht, der Computer wäre ein tägliches Grundbedürfnis.. soweit sind wir noch nicht. Noch nicht.

Nur weil wir etwas zu bequem und stolz sind und ständig auf Twitter quatschen müssen, dreht sich der Lüfter. Wir könnten in der Zwischenzeit auch mit dem Rad zu unseren Freunden fahren und die Kiste ganz auslassen. Könnten. Solange wir Eltern haben, die das alles für uns bezahlen, ist es okay. Aber die Strompreise werden in den nächsten Jahren bestimmt nicht mehr sinken.

Moderne Computer brauchen inkl. Monitor gerne mal 350 Watt oder mehr, da läppert sich am Tag ganz schön was zusammen. (Das ist ungefähr die Leistungsaufnahme von drei alten Kühlschränken!) Müssen alles die Kohlekraftwerke und die bösen Atomkraftwerke stemmen. Und jetzt glaubt bitte nicht das Märchen, dass das mit den paar Windmühlen abgedeckt werden kann… das erzählen euch nur gewisse Politiker. Energiesparendes, umweltbezogenes Umdenken bedeutet: Energetisches Umdenken auch im täglichen Handeln. ((eine sehr gute Broschüre zum Thema Stromsparen im Haushalt , mit praktischen Tipps und interessanten Statistiken findet sich hier ))

Aber komisch, darüber wird so gut wie nie geredet! Beim Energiesparen muss man immer zuerst woanders ansetzen, wobei die elektronischen Geräte und Unterhaltungsmedien inzwischen schon einen großen Anteil an der verbrauchten Energie in jedem Haushalt ausmachen (tlw. mehr als Licht).
In der Zwischenzeit können wir dann einen Artikel über die Ölpest schreiben und ganz dolle darüber aufregen, wie schlimm die Menschen doch sind und wie wenig Rücksicht sie auf die Natur nehmen….

Ich finde das ein wenig zynisch. Außerdem ist Blog schreiben ein Hobby, es dient der Steigerung des Egos und es ist kein Grundbedürfnis. Vielleicht, ein bisschen mentale Aufarbeitung, aber die könnte man auch auf einem Blatt Papier oder am Musikinstrument machen…

Also allein von dieser Perspektive aus gesehen ist das Blog mehr als Zeitverschwendung. Es ist auch nicht besonders produktiv, es sei denn….

Sinnvolle Texte
…man bietet Texte an, die anderen Leuten wirklich was nützen. Über eine Krankheitsgeschichte schreiben, beispielsweise. Vielleicht werde ich hier bald mein Tabu aufbrechen und wieder über meine Krankheit schreiben oder Texte anbieten, die anderen was in dieser Richtung bringen. Es gibt viele Blogs im Netz, die das vormachen und damit zeigen, wie wichtig sie sind.

Wichtig sind generell: Ehrliche, authentische Gefühle, die den LeserInnen das Gefühl geben, einen Mensch vor sich zu haben. Kunst, die aufrüttelt und bewegt. Texte zum Nachdenken. Interessante Links, mit denen man was anfangen kann.

Wenn das alles nicht hilft, dann bleiben noch die…

Themenblogs / Nachfragesituation
Ich habe ein zweites Blog, ein sog. Themenblog angefangen, wo ich einzig und allein über ein Thema schreibe. Die Besucherzahlen (vor allem die Suchanfragen) sind in ein paar Wochen so stark gestiegen, wie in meinem „philosophischen“ Blog seit Monaten nicht. Das lässt mich aufhorchen. Im Internet zählen – wie im echten Leben- die konkreten Werte. Mit abstrakten Dingen können die meisten Menschen nichts anfangen und die abstrakten Dinge werden nicht gesucht. Ein Testbericht und Preisvergleich über das Notebook der Marke SoUndSo ist eben spannender als die „Konstruktivität des Seins“ nach Hermann T. Ganz einfache Geschichte. Analog zu sehen im Fernsehprogramm und der Verteilung nach Zeiten, Sendeplätzen, usw. Ohne Nachfrage, kein Markt- ohne Markt, keine Leser. Oder immer nur die gleichen, aber keine neuen und kein „Wachstum“.

Ein philosophisches, künstlerisches Blog bleibt immer „brotlos“ und ein reines Nischenprojekt. Man kann es nicht wirklich für etwas verwenden. Man kann kein Geld damit verdienen. Und doch liebe ich es so. Also ganz ohne geht auch nicht.

Rächtschreibunk (offtopic)

Ganz wichtig ist es auch immer auf die Rächtschreibunk zu achten und möglichst keine Kommas zu setzen damit den lesern es schön schwer fällt die texte zu verstehen naja und ein bissel korrektur lesen kann man schonm muss maber nicht ginihi!

Fazit
Wichtig beim Bloggen ist, dass man sich vorher auf etwas festlegt:
Themenblog, philosophisches Blog, private/ persönliche Texte, Hilfreiche Texte, Kommerzialisierung?
Viele Verlinkungen, viele Kommentare oder doch lieber stilles Wasser?

Auch den eigenen Charakter kann man nicht wirklich ändern und er wird die Geschicke maßgeblich beeinflussen.

Wenn man sich vorher festgelegt hat, kann man sich hinterher nicht beschweren, dass es anders laufen sollte. Man muss die Tatsachen der Web-Realität akzeptieren. Wenn man etwas anderes will, sollte man etwas anderes beginnen. Aber dann lieber auf einer neuen Domain, als immer die alte zu strapazieren. Denn so verliert man garantiert Leser, andererseits gewinnt man vielleicht welche.

Für mich ist klar: Das J.A. Blog bleibt privat, künstlerisch, philosophisch, unbequem und praxisfern. Für die anderen Dinge werde ich neue Projekte aufmachen. Die Vermischung hat keinen Zweck.

Da es eben aber auch nur privat ist, werde ich es so behandeln: Hin und wieder mal schreiben, ohne Druck.

Und damit sind wir wieder am Anfang…