Motivation am Bau

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Leider können wir dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren. Letztes Jahr auch nicht. Zuviele Dinge am Haus sind noch zu erledigen, zu knapp bemessen das Budget. In den Sommermonaten erwarten wir einige Besuche, nächstes Wochenende geht es schon los. Während andere Leute ihre Füße in die Hochsee hängen oder bei einer ausgedehnten Wandertour die Sinne abschalten, macht mein Schatz Früh- und Wechselschicht (Im Moment muss er morgens um 3:50 Uhr raus) und ich klemme mir tagsüber meistens den Putzeimer und den Wischmob unter den Arm. Alternativ gehen auch ein Gipsspachtel, ein Lackpinsel, eine Farbrolle, ein Hammer, ein Gartengerät, eine Gießkanne oder ein Schraubendreher. Sehr schön sind auch Silikonpumpen, Abisolierzangen, Kabelbinder, Drahtbürsten fürs Grobe, Bohrer mit Aufsatz zum Mischen des Zementmörtels. Alternativ tut es auch ein Klinkerstein, ein Sack Außengips oder eine Pressholzplatte. Wer dann noch nicht genug hat und es „selbst machen“ will, der geht in den Baumarkt und holt sich Styroporkleber, Vliestapete nebst Vliestapetenkleber, ein brandneues Abwasserrohr für die schmutzigen Dinge oder ein Einbauventilator für die Entlüftungstechnik, die sind aber ziemlich teuer, also Vorsicht.

Es ist nicht immer leicht, sich in solchen Situationen zu motivieren und mir fallen die Arbeiten, die so langweilig und wenig herausfordernd sind, oft schwer. Schön ist es natürlich, dass wir viel Abwechslung haben und durch die Größe der Baustelle fallen ständig neue Aufgaben an und wir können uns immer die aussuchen, auf die wir die meiste Lust haben. Lästig ist es immer erst, wenn man irgendwo hängt und nicht fertig wird.

Gerade wenn es warm ist und man sich lieber entspannen möchte, stellt sich oft die Frage: Wie kann ich mich jetzt motivieren, etwas zu tun? Wie kann ich mich aufraffen, zu arbeiten, wenn ich das Gefühl habe, dass andere Menschen in Urlaub sind, alles gemacht bekommen oder mehr Geld zur Verfügung haben, um alles renovieren zu lassen? Meistens sind es ja die negativen Gedanken die überwiegen, auch wenn sie nicht immer realistisch sind. Diese innere Trägheit besteht also in Form von inneren Dialogen und Motivationsbremsen, die man erst erkennen und lösen muss, möchte man Erfolge erzielen.

De- motivierend sind z.B. Gedanken wie „Ach da hab ich jetzt keine Lust drauf. Das können wir auch morgen machen. Es ist nicht so schlimm. Das sieht man nicht. Da kleben wir was drüber. Das hält noch.“

Oder man macht etwas nur halbherzig und spart an der entscheidenden Stelle. Somit erkauft man sich aber indirekt mehr Arbeit, denn eine zusammengeschusterte Arbeit hält einfach nicht so lange und muss bald ausgebessert werden. Im schlimmsten Fall macht man dann alles doppelt!
Diese Einstellung haben die Vorbesitzer des Hauses wohl oft gehabt, man sieht es an allen Ecken und Enden, was für uns doppelt ärgerlich ist: Zuerst müssen wir die offensichtlichen Fehler rückgängig machen, den Verfall stoppen und können dann erst mit der eigentlichen Arbeit, der Verschönerung und Ausbesserung beginnen.

Also lieber etwas richtig machen, mehr Zeit investieren und dafür mehr Qualität und Haltbarkeit erzielen.

So eine Arbeit ist z.B. das Tapezieren. Wenn man den Untergrund nicht vorbehandelt und die Grundierung weglässt, kann es passieren, dass sich schon bald alles ablöst oder man die Tapete gar nicht erst auf die Wand bekommt, weil der Putz zu sandig ist und der sowieso nicht so starke Kleister nicht hält. Auch wäre es sehr wichtig, vorher alles wegzuspachteln und die Unebenheiten auszubessern. Auch das kostet Mühe und Zeit, danach ist die Wand aber glatt und die fertige Tapete sieht einfach schöner aus.

Im schlimmsten Fall sinkt man in ein völliges Motivationsloch und bekommt plötzlich Gedanken wie: „Ich habe überhaupt keine Lust mehr. Es ist mir alles zuviel. Ich schaffe das nicht mehr. Wir haben uns übernommen.“ etc.

Dann kann es schon passieren, dass die Baustelle für Tage oder Wochen ruht und man keinen einzigen Strich mehr tut. Je mehr man wartet, desto schlimmer wird aber alles: Zuerst verliert man die körperliche Konstitution, kommt aus dem Rhythmus. Dann vergisst man, wo alle Arbeitgeräte liegen und verliert die Routine. Innerlich stellt sich der Körper wieder auf Pause ein. Ein „Neueinsteigen“ kostet dann umso mehr Kraft und wird immer unangenehmer.

Wichtig ist zuerst, dass man sich einen Plan macht. Zeitlich und inhaltlich organisieren, was zuerst gemacht werden muss, wo die Prioritäten liegen. Alles mit dem Partner und der Familie absprechen, damit es keine Überschneidungen gibt und sich alle einig sind. Mit Einigkeit kommt man wesentlich schneller ans Ziel. Besprechen muss man die Arbeit eigentlich jeden Tag.

Dann muss man das Budget und die Zeit planen. Wie viel Arbeit will man im Urlaub investieren? Wo und wann kann man am besten zusammen arbeiten? Wann können evt. Freunde und Verwandte kommen und helfen?

Man muss sich selbst und seine Möglichkeiten kennen. Ich habe z.B. die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist, am Tag nur 2 bist 3 Stunden körperliche Arbeit zu machen, dafür aber jeden Tag in der Woche. Das ist besser, als wenn man 10 Stunden voll durchrenoviert und in den nächsten Tagen total fertig ist und keine Lust mehr hat. Lieber mehr Kontinuität, als übertriebene Leistungsspitzen.

Manchmal reicht auch eine halbe Stunde Arbeit, die man so zwischendrin reinschiebt. Wenn es draußen sonnig ist und man was Schönes zusammen mit dem Partner „bastelt“ kann das sogar richtig Spaß machen und der Begriff Arbeit löst sich dann langsam auf. Hierin besteht sowieso die Kunst: Die Arbeit sollte immer Spaß machen. Abwechslung und Pausen sollten auf dem Programm stehen. Man sollte sich innerlich motivieren und z.B. überlegen, was man dann abends macht, ob ein guter Film im Fernsehen kommt, etc. oder was man noch am Computer machen will (wie wäre es mit bloggen?).

Am wichtigsten für die seelische Eigenmotivation ist aber das Erkennen von großen Zusammenhängen. Dieses sich selbst Sinn- geben halte ich für das Schwierigste, aber auch das Wichtigste bei der Arbeit.

Man muss überlegen, warum man etwas macht und wie man es in einen größeren Kontext stellen kann. Das weitet den Blickwinkel. Anstatt immer nur die Baustelle, den Dreck und Lärm zu sehen, sieht man innerlich weiter und schafft sich Perspektiven, auf die man dann hin arbeitet.

Gerade bei starken Motivationslöchern (im Sommer, wenn man müde ist und nicht so gut arbeiten kann) ist das hilfreich.

Gedanken-Beispiele für positive Eigenmotivation:

  • Wenn wir fertig renoviert haben, wohnen wir in einem hübschen Haus und müssen nichts mehr daran arbeiten. (Vordergründige Ziele)
  • Wir sparen Geld, indem wir alles selbst machen und können das Gesparte für was anderes ausgeben (Rationale Motivation).
  • Wir erwirtschaften selbstständig einen Wert und sehen die Früchte unserer eigenen Arbeit. Andere werden das sehen, uns loben und es vielleicht nachmachen (Motivation durch soziale Werte)
  • Wir erreichen ein energieeffizientes Haus und sparen Energie. Damit helfen wir auch der Gesellschaft (ethische Motivation)
  • Durch das Renovieren erreichen wir in erster Linie Modernisierung, Hygiene und Sicherheit. Das erhöht unseren eigenen Lebensstandard und die Lebensbedingungen (Alltagsmotivation)
  • Wir haben die Kraft, alles selbst zu machen. Anstatt uns alles abnehmen zu lassen, machen wir es selbst. Wir können stolz auf uns sein, wenn wir diese Ziele erreichen. (Leistungsmotivation)

Je nach Charakter und Umständen muss man eine andere Eigenmotivation wählen. Meistens ist eine Kombination aus allen Gedanken und ein paar Zusätzen sehr sinnvoll. Man kann die nicht immer alle im Kopf haben, aber bei besonders schweren Motivationslöchern ist es hilfreich, darüber nachzudenken.

Wenn das alles nicht hilft, muss man ein wenig Zeit und Pause zwischendrin einlegen. Erzwingen lässt sich nichts und der Arbeits-Bogen sollte weder schlaff, noch überspannt sein.

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