Mit voller Kraft

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Der D-Zug des neuen Jahres rollt über mich hinweg. Ich will das alte Jahr noch festhalten, klammere mich letzter Kraft an den immer schneller werdenen Waggon. Doch es ist aussichtslos! Der neue Zug nimmt Fahrt auf und die Lokomotive ganz vorne schnauft und dampft, als ob es kein Morgen gäbe. Der Heizer hat alle Reserven mobilisiert, bis zum Sonnenuntergang müssen wir in Moskau sein. Es ist kalt, doch der Lokführer wischt sich unbeirrt den Schweiß von der Stirn und schaut mich nur grimmig an. „Du wolltest doch schnell fahren oder nicht“ und dann zieht er am Seil über ihn und eine endlose Hupe tönt durch das Tal. Der Ton ist so laut und stark, er geht mir durch Mark und Bein. Jetzt, schätze ich, bin ich wach. Ich werde ankommen, denn 2000 PS und der Koloss aus Stahl um mich herum werden schon dafür sorgen. Ich fühle mich wunderbar geborgen. Ich brauche nichts tun, als mich hin und wieder zurückzulehnen, aus dem Fenster zu schauen und mich zu entspannen. Es fällt mir schwer.

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