Liebe und andere Gefühle

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Passender Song zum Lesen: Creep von Radiohead

Sie war eifersüchtig. So unglaublich eifersüchtig! Auf sie, ausgerechnet auf sie. Sie verehrte diesen Mann und sie konnte es nicht ertragen, wie die andere ihm schöne Augen machte. Wenn er ihren Namen erwähnte. Wenn sie merkte, wie er hinter ihr her war, jeden nach ihr und ihrem Befinden fragte. Sich dabei aufführte wie ein streunender und von Gerüchen und Geilheit geleiteter Hund!

Dabei wurde ihr regelmäßig schlecht. Was fand er nur an ihr? Ihren neuen Duft, die billigen Klamotten, das künstliche Lächeln, was sie immer dann aufsetzte, wenn er in den Raum kam? Ein dicker Kloß setzte sich in ihrem Hals fest und sie merkte, wie ihr warm vor Hass wurde und die Tränen langsam auf die Augen drückten.

Sie wusste es einfach nicht. Und das machte sie nur noch böser und verzweifelter.

Schon so lange war sie allein geblieben: Sie fand sich eigentlich ganz nett, recht attraktiv, aber der Funke wollte nicht auf andere überspringen. Meistens verliebte sie sich in den Falschen, in Männer, die nichts mit ihr zu tun haben wollten.

Sportliche, geradlinige Typen mochte sie besonders. Aber auch Intellekt war wichtig.

Überhaupt musste es die richtige Mischung sein.

Angeber konnte sie nicht leiden, sie wollte jemanden auf Augenhöhe betrachten können und keinen eingebildeten Blödian. Auch Treue war ihr sehr wichtig. Sie hatte mal einen, der schaute ständig nach anderen Frauen, wie selbstverständlich nahm er sich das Recht heraus und scherte sich dabei nicht im Geringsten um ihre Gefühle. Er gierte und gierte und holte sich ständig neue Aufmerksamkeit. wie ein Gejagter war er ständig in Unruhe. Er konnte keine echte Liebe empfangen. auf jeden Fall nicht dauerhaft. Sie hatte sich anfangs in ihn verliebt, aber doch bald gemerkt, wie der Hase läuft und dass sie ihm nicht trauen kann. Also hatte sie frühzeitig damit angefangen, ihre weiblichen Gefühle (für die die meisten Männer sowieso kein Gespür hatten) schnell zurück zu ziehen und in ihr kleines persönliches Schneckenhaus tief einzuschließen.

Dort konnte es keiner sehen, wie sie litt. Wie sie nach Aufmerksamkeit gierte. Aber unbewusst musste sie das doch ausstrahlen- denn es war wie verhext- traurig und erschöpfend.

Ständig wurde sie persönlich genommen, jeder zog sie auf, niemand nahm sie ernst. Wenn jemand ein Sinnbild für gescheiterten Feminismus war, dann sie. Und das wurmte sie! Sie, die große Sprücheklopferin, die sich immer so selbstsicher gab. Niemand nahm sie ernst, das spürte sie sehr genau. Auch wenn es keiner sagte. Das war es ja gerade! Keiner sagte was! Immer nur war sie am Reden. Was für ein Drama.

Sie wollte einfach nur als Frau , aber auch als Mensch akzeptiert werden. Sie verlangte nicht viel, ging neugierig durch die Welt, aber was sie da sah, war meistens nur Gier und Hass oder eine unbedeutende Mischung aus beidem. Das machte sie traurig. Sehr traurig sogar.

Es zog sie herunter, immer wieder.. und so wurde sie immer einsamer und trauriger…..

Bis zu dem einen Tag, als sie ihn kennen lernte- aber das ist eine andere Geschichte.

2 Gedanken zu „Liebe und andere Gefühle“

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