Keine Chance auf Fairness

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Ich finde es sehr schade, aber auch bezeichnend für den Geist von GNTM und die Berichterstattung „drumherum“, dass Gisele nun rausgeflogen ist. Die Sendung von gestern liegt noch auf meinem Rekorder, da ich mit der vorherigen Sendung im Rückstand war, hat sich alles nach hinten verschoben. Aber über diverse Blogs habe ich Neuigkeiten über diese Sendung erhalten, die ich seit der 1. Folge durchgehend gesehen habe. (Sozusagen als kleines Blog-Schreib/ Interpretier- Experiment und weil es mich einfach sehr interessiert).

Es geht ja viel um eine vordergründige Schau-Seite der Gesellschaft, die vermittelt durch das Fernsehen und andere Medien stark an Gewicht erhält und die Köpfe und das Verhalten der Menschen prägt. Im Grunde geht es ständig um die Frage, wie Frauen Karriere machen können, welche Eigenschaften sie brauchen, wie sie lernen, sich zu verbessern und Selbstbewusstsein aufzubauen. Leider sieht man gerade in den letzten Ausgaben die Neigung der Veranstalter, das Konkurrenzdenken absichtlich zu fördern. Ein Beispiel dafür war folgender Vorgang:

Die Mädchen sollten zu einem Casting gehen (was berufsfördernd und positiv für den gesamten Wettbewerb ist), aber zwei von ihnen müssen verzichten und sie sollen es selbst regeln, wer verzichtet. Sie hatten so etwas schon einmal gemacht und dabei hatte sich herausgestellt, dass die Mädchen auf natürliche Art und Weise ihre soziale Intelligenz benutzen und die stärksten Mädchen verzichten lassen, damit die Schwachen „auch mal eine Chance haben“ und auf diesen Castings Erfahrung sammeln können.

Heidi, als Vorsprecherin für die Jury, hatte dieses Verhalten eindeutig kritisiert und den Mädchen gesagt, dass es um Sieg und Konkurrenz bei der Sendung geht, danach wieder das übliche Gebets-Sprüchlein: „Denn nur eine kann Germanys Next Topmodel werden!“

Doch so ganz in den Köpfen der jungen Frauen war dieses Leistungsprinzip noch nicht angekommen, denn bei dem zweiten „Spiel“ dieser Art machten es die Mädchen genauso.

Mit dem Ergebnis, dass Heidi kurzerhand das Casting für alle absetzte und damit ein überflüssiges und schädliches Zeichen der Strafe setzte. Das war der ethisch und moralisch gesehen größte Fehler, den ich bis jetzt in allen Teilen entdecken konnte. Ansonsten hat die Sendung sich eigentlich recht gut entwickelt und stellenweise, vor allem am Anfang, war es oft zu beobachten, wie die „Lehrer“ sich mit Geduld und Zuversicht ihren „Schülerinnen“ annahmen, erfahrene Menschen was von ihrem Wissen abgegeben und die Charakterentwicklung gefördert haben. Da das Ganze ja eine geschnittene Sendung ist, kann man leider nur schlecht beurteilen, was hinter den Kulissen stattfindet und die Beurteilung ist auf das zu reduzieren, was „gesehen werden soll“.

Auffällig bei dem eben beschriebenen Vorgang war auch, dass das Mädchen Gisele, die vormals als schwierig und wenig gruppenfähig galt, nun versuchte, ihre Punkte bei den anderen Mädchen zu verbessern und auf eine Teilnahme verzichtete, obwohl sie in der letzten Zeit keine Erfolge verzeichnen konnte.

Das zeigt, wie lernfähig sie ist und sie eigentlich auch „gut sein“ will. Gisele hat es vielleicht etwas schwieriger als die anderen Mädchen gehabt, in der einen Sendung erzählte sie über Ausgrenzungsprobleme auf Grund ihrer Herkunft und andere Probleme. Ich empfand sie durchgängig als glaubwürdig und auch fair eingestellt.

Leider ist sie wohl empfindlich und hat auch schnell geweint, wenn es mal Probleme gab. Es wirkte ein bisschen so, als ob sie das Weinen dazu benutzte, bei den anderen besser anzukommen oder Schutz und Anerkennung von der Jury zu erhalten. (die Jury steht hier stellvertretend für das Eltern-Ich bzw. die Eltern-Projektionsfläche der Mädchen).

Nun gut, jetzt ist sie wohl ausgeschiedenen.

Nicht fair ist aber das Verhalten von einigen Autoren, sie jetzt im Nachhinein noch zu kritisieren oder einen „Läster-Gruß“ hinterher zu schicken. Andere Sachen kamen dazu, angeblicher Drogenkonsum während der Sendung und sie soll in der Schule mit Haschisch gedealt haben, wehrt sich aber gegen die Vorwürfe.

Ein unschönes Ende für diese mutige Frau, die mehr Charakter hatte, als alle anderen Mädchen zusammen.

4 Gedanken zu „Keine Chance auf Fairness“

  1. Eine Freundin von mir schaut auch sehr gerne diese Castingshows an. Sie schwärmt auch vom Klima innerhalb der Gruppe und wie die Kandidaten gefördert werden.
    Ich selbst kann das nicht beurteilen, weil ich keinen Fernseher habe. Mir kommt das aber seltsam vor, da ich denke, dass solche Sendungen reiner Kommerz und Marketing sind.

    Ich war jetzt zum ersten Mal seit langem wieder auf Deinem Blog (ich hab Dich in meinem Feedreader), das Layout ist sehr schön, bleib dabei!

  2. Da ist schon viel Marketing drin, das überspringe ich aber immer, indem ich die Sendungen aufzeichne und zeitversetzt schaue. Dann kann man die Werbeblöcke wegspulen. Warum hast Du denn keinen Fernseher? lg, Julia

  3. Ich habe schon lange keinen mehr.
    Als ich in der vierten Klasse war, ging unser Fernseher kaputt, und wir hatten kein Geld für einen neuen. Erst hat er uns gefehlt, und mein Bruder und ich hatten aus den alten Kinderbetten die Matratzen rausgenommen und als Ersatz zum Fernsehgucken darauf rumgeturnt. Mit der Zeit haben wir uns an den fernseherlosen Zustand gewöhnt und ich habe das bis heute beibehalten. Mir fehlt er überhaupt nicht.
    Und ich treffe immer wieder Leute, die keinen Fernseher haben.

    Ich benutze dafür viel das Internet, für Mails, Blogs, Zeitung.

  4. Ich finde es gut, dass du ohne Fernseher leben kannst und nichts vermisst. Meine Eltern haben mich damals immer davon abgehalten, zuviel Fernsehen zu schauen, so dass ich auch gezwungen war, etwas anderes zu machen. Später kam eine Phase, wo ich es es sehr intensiv nachgeholt habe(so mit ca. 17 Jahren). Inzwischen gucke ich nur die Sendungen, für die ich mich wirklich interessiere. Meistens bin ich ich auch am PC. Da kann man einfach mehr machen. 😉 Fernsehen geht gut, wenn man sich absolut passiv entspannen will und die Bilder einfach nur in sich reinrieseln lässt. Leider kann ich meinen Kopf dennoch nicht abschalten und muss ständig alles interpretieren. 😉

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