Karriere und Pläne

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Wenn ich jetzt noch mal 15, 18 oder 20 wäre, was würde ich anders machen? Sieht man junge Leute, hat man oft ein positives Gefühl, sie sind oft so optimistisch und haben ihr Leben voll Plänen und Zielen. Je nach Biografie kommen die Probleme erst später dazu. Aber je jünger ein Mensch ist, desto optimistischer ist er meist und deswegen mag ich junge Menschen.

Ältere Menschen haben oft schmerzhafte Erfahrungen gemacht, sind irgendwie gezeichnet vom Leben. Bei nicht wenigen merkt man, dass sie das grundsätzliche Vertrauen in andere verloren haben. Sie sind nicht mehr mitteilungsfreudig und sie haben gelernt, die Welt in gut und böse aufzuteilen. Je nach Beruf, Partnerschaft, Privatleben haben sich unterschiedlichste Misserfolge, Enttäuschungen und Verluste angehäuft, so dass ein „reiferer“, aber auch ein desillusionierter Mensch übrig bleibt, der eigentlich Anlass zur Sorge und Anteilnahme geben sollte. Was aber passiert mit alten Menschen zumeist?

Man lässt sie links liegen, weil sie stören und nur alles schlecht reden. Keiner will mit diesen „Spielverderbern“ was zu tun haben. Alte Menschen werden also, auf Grund ihrer eigenen Enttäuschung und Traurigkeit einsam. Sie haben nicht mehr das Feuer in sich, die Leidenschaft und den Idealismus, den sie vielleicht mal gehabt haben. Sie rechnen ihr Leben umgekehrt und blicken meist zurück, weil da mehr liegt. Der Blickwinkel verschiebt sich.

Wie können solche Menschen dann jungen Menschen Tipps geben oder sie motivieren? Wie sollen Eltern ihren Kindern Tipps für das Leben geben, wenn es Dinge gibt, die sie selbst nie erreicht haben, die sie vielleicht schmerzlich vermissen?

Es ist da ein Loch, eine Leere, die sich der junge Mensch durch Neugierde und Mut selbst füllen muss.

Doch zurück zu mir, denn ich habe ja versprochen, wieder persönlicher zu schreiben.

Also mir war von Anfang an klar, dass die Welt recht einfach aufgeteilt ist, dass es Spießer, Streber und Angepasste gibt und dass es sehr, sehr wenige Leute gibt, die einen eigenen Kopf haben und wirklich eigene Wege gehen. Nimmt man 100 Menschen (z.B. aus verschiedenen Schulklassen) dann sind 90%, die einen normalen Weg gehen, Familie gründen und regulär arbeiten. Also irgendwie das machen, was alle machen. Wirklich freie Menschen sind selten und wenn sich nach dem Schulabschluss vielleicht noch 10% für eine Künstlerkarriere oder so was entschieden haben, wird von denen nur ca. 1% wirklich etwas „Einzigartiges“ machen. Das ist zumindest so meine Erfahrung mit Menschen aus meiner alten Herkunft.

Auch die meisten Charaktere sind eigentlich noch so, wie sie damals waren und von den neuen Leuten ist die „Normalverteilung“ der Eigenschaften und Karrieren doch mit den früheren Erfahrungen identisch. Das zeigt mir irgendwie, dass es ein Gesellschafts-Charakterprofil gibt und deswegen kann man auch von der Gesellschaft als Ganzes sprechen.

Tja, aber wo stehe ich? Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht den normalen Weg gehen möchte und auf Grund all meiner bisherigen Erfahrungen und Entscheidungen bin ich soweit, dass ich wohl bei den 1% angekommen bin, die was ganz Eigenes machen. Auf der anderen Seite bin ich auch ein Stück weit spießig und sicherheitsbedürftig und lehne es meistens ab, Dinge aus reiner Dummheit oder Übermut zu machen. Durch diese Vorsicht hab ich mir schon viel verbaut, aber vielleicht umgekehrt auch was erhalten?

Das passt zu mir als Persönlichkeit am besten, wenn ich viele Freiheiten haben, bin ich glücklich. Wenn ich mein eigener Chef sein kann, auch. Also musste für mich von Anfang an was Freiberufliches her.
Grundsätzlich kann man eigene Freiheit aber nur erreichen, wenn man Leute loslässt, die einen ausbremsen oder andere Ziele wie man selbst haben. Eigene Freiheit ist also keine einfache Sache, sondern mit Verlusten, Selbstüberwindung und Enttäuschungen verbunden. Man muss lernen, eine eigene Meinung zu entwickeln und- sehr schwierig- man muss sich auch unbeliebt machen können, was gerade für Frauen schwierig ist, die gerne kooperieren, dass aber in der harten Männerwelt nicht so anbringen können.

Früher hab ich sehr viel auf andere gehört und war beeindruckt von dem, was man mir gesagt hat. Das wurde zwischen 20 und 30 immer weniger und ich hab gelernt, auf mich selbst zu hören. Bei der Berufswahl war ich sehr unsicher und nur mit viel Mühe und Not kann ich heute sagen „ich bin freiberuflich künstlerisch tätig“ (neben der Arbeit in der Firma). Aber das steht nirgendswo offiziell, noch brüste ich mich damit bei Verwandten oder Freunden. Ich will auch nicht unbedingt berühmt oder reich sein, aber es ist nicht auszuschließen, dass dieser Wunsch doch noch mal eines Tages kommt.
Als Frau zählt der berufliche Status immer noch nicht soviel wie bei einem Mann und sie wird nicht abgewertet, wenn sie nichts „Richtiges“ arbeitet (außer vielleicht in Kreisen, wo es selbstverständlich ist, dass die Frau auch arbeiten geht, aber das ist selten). Wenn ein Mann nichts arbeitet oder „Kunst“ macht, ist er in ungleich schlechterer Ausgangslage, weil man eben die Erwartung hat, dass er eine Familie zu versorgen hat (… bei einer Frau ist das Analog, dass sie Kinder bekommen soll).
Was bei mir immer seltsam war, dass ich von Anfang an keine richtigen „Ziele“ hatte, wie man sie landläufig so kennt: Viel Geld, viel Reichtum, Einfluss, Freunde oder dergleichen.

Wie Alice schön beschreibt, kann man durch solche Ziele sehr leer werden und immer wieder neuen Dingen nachjagen, aber nie ankommen.

Das war mir von Anfang an auch klar … ich finde, es ist eine gute Einstellung. Man muss das Leben so leben wie es kommt und sollte nicht traurig sein, wenn man was Bestimmtes nicht erreicht hat. Es kommt alles, wie es kommen muss!

Was mir allerdings bis jetzt negativ aufgefallen ist, dass die Chancen für eine Frau Karriere zu machen, auch sehr schwierig sind. Die Strukturen sind oft patriarchalisch geprägt, nimmt man z.B. die reine Produktion von Musik, dann ist das fast immer ein Männerjob. Frauen nimmt die Industrie dann gerne als Vorzeigeobjekt, als Sängerin und hübsche Stimme. Aber dass Frauen mal hinter den Keyboards und Maschinen sitzen oder dass sie Geld und Entscheidungen verteilen ist wiederum eine Ausnahme.
Ich habe das von Anfang an auch gespürt, dass man mir nur einseitig bereit ist, Hilfe anzubieten, dass die Zusammenarbeit mit Männern ganz schnell auf eine sexuelle Schiene hinausläuft und ich bei den meisten nicht ernst genommen werde. Ich würde also jungen Künstlerinnen empfehlen, sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen und sich nicht von gierigen Managern oder schlechten Menschen ausnutzen zu lassen.

Vielleicht ist es ganz gut, einen Partner zu haben, der die Frau bei der künstlerischen Karriere unterstützt. Wenn man so einen Weg geht, muss man auch umgekehrt bereit sein, dem Mann viel zu bieten und ihn nicht auszunutzen. Nur durch Zusammenarbeit kommt man weiter.
Am besten ist immer, wenn man die wichtigsten Dinge selbst in der Hand hält, wenn man selbstständig wird und sich von keinen schlechten Menschen abhängig macht. Für die echte Karrierechance kann so was entscheidend sein.

Was mir zudem auch stark auffällt, dass es in Deutschland kaum prominente Philosophinnen gibt. Dass unsere Geschichte voll von männlichen Philosophen und Schriftstellern ist, dass es aber aus der weiblichen Ecke nur wenig kommt. Wenn ich an weibliche Autorinnen denke, dann fallen mir unweigerlich Krimiautorinnen, Kinderbuchgeschichten oder kleine Zauberer ein. Aber keine harte Analyse, keine kritischen, mutigen ehrlichen Gedanken und kein Mut zum Risiko.
Wenn also eine junge Frau Autorin werden will, dann würde ich ihr empfehlen, diesen Kampf aufzunehmen und sich von der schlechten Ausgangslage nicht abschrecken zu lassen, sondern einfach „das Ding durchziehen.“

Als Frau sollte man seine sozialen und psychologischen Fähigkeiten nutzen und auch weiterhin versuchen, zu kooperieren, es wird aber auch nicht auszuschließen sein, dass man männliche Fähigkeiten übernehmen und lernen muss. Wenn es darum geht, Verträge auszuhandeln, sich gegen Ausbeuter und Miesepeter abzugrenzen und neue Ziele zu stecken, dann kommt man ohne ein gewisses Maß an Männlichkeit und gesunder Aggression nicht aus.

Denn von selbst macht sich leider nichts.

2 Gedanken zu „Karriere und Pläne“

  1. Hey, danke für die Erwähnung. 🙂
    Ich glaube, um das zu erreichen, was man erreichen möchte, (wenn es nicht gerade das 100%ige Normalo-Leben ist), braucht man einen eisernen Willen. Und nicht nur man selbst muss seinen Willen kennen, man muss auch andere wissen lassen, was man will, sonst wird man evtl. leicht „über den Tisch gezogen“, wie du sagst. Man muss seinen Willen leben.
    Meinen Optimismus habe ich mir übrigens mühsam selbst aufgebauen müssen. Man kann sich also doch verjüngen. 😉

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