Im Reich der Götter

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„Die Hochzeit“ habe ich nicht mit besonderem Interesse verfolgt. Zuerst hatte ich den Livestream eingeschaltet und wollte für einen Tag zur Klatschreporterin mutieren (was ja durchaus spaßig sein kann), habe dann aber gemerkt, dass es sich mit der Ernsthaftigkeit der sonstigen PC-Arbeit nicht wirklich verträgt. Ich wäre eine schlechte Braut an diesem Tag gewesen und nicht wirklich „in Stimmung“ wie man so schön sagt und wie sie bei Frauen auch so schnell umschlagen kann. Vielleicht hat man deswegen das bürgerliche Korsett der Ehe erfunden? Damit die Liebe und die Schwankungen, die Eifersucht und das Fremdgehen, die größer werdene Langeweile und das Drücken der Alltagspflichten schön hübsch sauber in einen Rahmen gepresst wird, aus dem man ein Leben lang nicht mehr entweichen kann. Gibt es ein größeres Sinnbild an Unfreiheit für den modernen Menschen, als die Ehe?

Aber halt, ich habe gehört, Frauen reißen sich doch immer um die Hochzeit und die Unfreiheit wird eher vom Mann als solche eingeschätzt. Ist er es doch, der den Samen in die Welt tragen will und daher rein biologisch auf eher kurze Liebschaften ausgelegt ist, während die Frau, Hüterin des Heims und meistens der Kinder, die ganzen Pflichten und Verantwortungen der Familien-Mitte auf sich schultert. Da kann ein starker ((im modernen Sinne: reicher Mann)) und vor allem treuer Mann schon ein großer Vorteil sein. Eigentlich nur das Einmal- Eins der menschlichen Fortpflanzungsbiologie, mehr nicht.

Oder wie kann es sonst sein, dass meine Fernsehzeitschrift stolz titelt: „Ich habe Fünflinge, was Mütter alles leisten“.

Hm, der aufmerksame Leser wird feststellen, dass zum Kinderkriegen eigentlich immer zwei Menschen gehören, aber die Fernsehzeitung des Vertrauens nur die Mutter erwähnt. Vielleicht ist ja nur die Geburt gemeint, dieser anstrengende Tag (( manchmal auch zwei, so genau kenne ich mich da nicht aus )) im Leben der Mutter. Aber mit der Geburt ist es ja nicht getan. Fünf Mäuler muss man erstmal mit Essen vollstopfen, ihnen ein Rahmen geben, Geld, Bildung, Unterkunft.. es könnte schon sein, dass es unter Umständen anstrengend und schwierig wird und dafür auch ein männlicher Part benötigt werden könnte. Woran aber die Autoren der Fernsehzeitung anscheinend nicht gedacht haben, vielleicht auch weil sie aus einem Verlag kommen, der als eher konservativ-bürgerlich eingeschätzt wird… und da gilt ja die Leistung der Mutter als alleingestellt lobenswert, wohingegen dem Mann alle Freiheiten der Welt zugebilligt werden. Also doch anders herum?

Nun ja, was Mütter alles leisten!

In so einer royalen Ehe leisten sie natürlich nicht ganz so viel. Da wird die meiste Arbeit abgenommen und dann noch das ganze Tam-Tam der Dienerschaft drumherum. Möchte gar nicht denken, was das alles gekostet hat, aber hey, nur Spielverderber denken an so einem Tag ans Geld.

Man hat sogar ausgerechnet, dass die Kosten für die Royals pro Steuerzahler nur bei ca. 66 Pence und Kopf liegen, das entspricht ungefähr dem Satz, der für unseren Bundespräsidenten und seinen Lebensstil gezahlt wird. Tja, 66 Pence, das ist nun wirklich nicht soviel. In früheren Tagen, als die Monarchie noch mehr Macht hatte, ist das schlimmer gewesen. Da mussten die einfachen Arbeiter die Steine für die Burg per Hand auf den Berg raufrollen. Da sind die Soldaten und das einfache Fußvolk in ständigen Kriegen dutzend-und tausendfach verheizt worden, nur damit die Könige abends vorm Kaminfeuer etwas zum Angeben hatten. Ach ja, die alten guten Zeiten, zum Glück sind sie lange her!

Da kann man auch mal das Auge zudrücken, wenn die Royals im Rampenlicht stehen. Ganz ehrlich, im Grunde ist es doch der Neid, der aus den Mündern der Spötter spricht. Man tut es nicht anders als die, die sich begeistern und mitfiebern: Man vergleicht sein eigenes, langweiliges und monotones Leben mit dem Stil der obersten Schicht und was heraus kommt, kann eigentlich nur eine große Diskrepanz sein. Aber, das ist doch der Sinn der Sache! Es geht um eine „fantastic show“ nicht um die Realität! Es geht um die Träume für die Massen, um mal für einen Tag von den Problemen der derzeitigen Politik abzulenken und ein wenig Spektakel aufzufahren. Bei der Fußball-WM ist es doch genauso. Wer da mit Logik kommt, kann nur scheitern, denn hier geht es um ganz primitive, einfache menschliche Gefühle.

Jede Frau ((und auch so mancher Mann)) will so ein Hochzeitskleid wie Kate tragen und könnte man doch nochmal so jung und hübsch sein, um den Traumprinzen zu küssen!

Wer weiß, vielleicht reitet ja mal einer vorbei? Aber kein aufgeblasener Gockel, der nie im Leben arbeiten musste, sondern ein bodenständiger und dann noch einer mit Gefühlen? Der dich ernst nimmt und alles anhört, was du zu sagen hast? Diese Sorte Traumprinz, die es normal nur in Rosamunde Pilcher- Filmen oder schlechten Soaps gibt, diese perfekten, durchgestylten und auch charakterlich einwandfreien…

Würdest zu seinem schönen Pferd aufsteigen und eine Runde mit ihm durch die sonnenverwöhnte Landschaft reiten? Nur für einen Tag?
Und dann abends aufwachen und feststellen, dass es nur ein medikamentenverseuchter Tagtraum war..

Oder lieber mit einer anderen Prinzessin? Die beste Freundin, Seite an Seite für einen Tag im Reich der Götter leben….

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