Gib mir deine Daten…

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…denn ich verkaufe deine Seele

Es wäre so einfach. Jeder, der zu Hause sitzt, arbeitslos ist oder in der Freizeit ein wenig Zeit mitbringen kann, wirft den Computer an und beteiligt sich an Gewinnspielen, Umfragen oder anderen Seiten im Internet, die ihren Mitgliedern Teilhabe in Form von monetärer Entlohnung oder anderen „Segen“ versprechen (z.B. Ipods, Gutscheine, Notebooks, Autos oder Reisen).

Im Grunde gibt es recht viel Anbieter, so bin ich vor allem durch die neuen Facebook- Spiele mal wieder darauf gestoßen. Auch früher habe ich schonmal eine Phase gehabt, wo ich vor allem Gewinnspiele oder Produktbewertungs- Plattformen getestet habe. Sie sind sich alle sehr ähnlich, zumindest das finanzielle Konzept, das dahinter steht. Mit viel Aufwand muss der Nutzer Zeit verbringen und sich bis auf die Hose ausziehen- die Entlohnung ist geringfügig, wird erst beim Überschreiten einer Schwelle ausgezahlt oder es wird gerade mal Spielgeld für ein Spiel vergeben, von dem man nun gerade abhängig geworden ist.

Der Nutzer wird zum Sklaven für die seriöse Firma, die schön verdeckt im Hintergrund arbeitet und als Schaufenster eine glatt geputzte Hochglanzfassade aus dem Homepage-Baukasten anbietet.

Vor allem Meinungsumfragen scheinen sehr beliebt zu sein und was kann denn an einer harmlosen Umfrage so Schlimmes sein? Wenn man sich aber wirklich mal darauf einlässt, stellt man schon bald fest, dass das harmlose Wort „Screening“ im Grunde nur eine täuschende Verharmlosung ist.

Man wird von hinten nach vorne „gescreent“. Von der Haarfarbe, dem aktuellen Auto, der beruflichen und bildungsbezogenen Situation, der Zahl der Kinder, des Haushaltseinkommens, über die Lieblings-Kosmetikprodukte, dem Freizeitkonsum und der aktuellen Hardware-Ausstattung ist alles dabei. Es kommt aber noch schlimmer, sogar sehr detailreiche Fragen zur gesundheitlichen Situation können „ganz nach Belieben“ ausgewählt und angekreuzt werden, was der Gipfel der Dreistigkeit ist.

Man muss ja nix ausfüllen, man kann auch „weiss nicht“ ankreuzen…. aber das „weiss nicht“ muss man gut suchen, bis dahin hat man sich schon längst für ein Kreuz entschieden.

Ja, der Anbieter hat ja „nur“ eine Email-Adresse, was soll daran so schlimm sein? Mein Geschlecht vielleicht, mein Geburtsdatum noch. Ach und ja die IP, die ja gespeichert werden muss/ darf / was auch immer!

Wer liest sich die AGB schon durch, mal ehrlich? Wer überprüft, was mit den Daten geschieht?

Die Firma schreibt so schön, dass sie einen Teil in gemeinnützige Zwecke stecken, also mit jeder ausgefüllten Umfrage steigt ein virtuelles Guthaben- ist dieses überschritten, wird der Betrag für die Organisation ausgeschüttet. Immerhin, 5000 €.

Der Mann von der Drückerkolonne hat auch gesagt, dass er arm ist und ein Drogenproblem hat. Ich habe ihm geglaubt und bereitwillig einen Vertrag unterschrieben. Denn mit Gutgläubigkeit und scheinbaren Mitgefühl lassen sich noch die besten Geschäfte machen.

Wie lange das mit den „Spenden“ im Einzelfall dauert und ob die Beträge wirklich ankommen, steht in den Sternen. Niemand überprüft das.

Wir sind der Klick. Der Benutzer wird zum Sklaven.

Aber nicht nur dass er sehr lange Zeit mit diesen Seiten verbringt und unzählige Arbeitsstunden in den Äther brät- nein er wird auch noch gläsern. Wir brauchen keinen „Bundestrojaner“ wir haben längst, ordentliche seriöse Firmen die im Großauftrag tausende von Daten erspähen und sie „produktbezogen“ und kundenorientiert weiterverarbeiten, sprich verkaufen. Denn warum sollten sonst Daten gesammelt werden? Um die Umwelt ein wenig schöner zu machen oder Tiere vorm Tierheim zu retten? Ganz bestimmt nicht.

Das Schlimme daran ist eigentlich, dass wir uns freiwillig darauf einlassen. Dass man mit bunten Spielchen wie auf Facebook dazu geködert wird, dass es einen sozialen Hintergrund hat oder die Seite sich im speziellen Fall noch gemeinnützig und wohltätig gibt. Das Geschäftsmodell wird dem ahnungslosen Verbraucher quasi von hinten eingeführt, ziemlich unsichtbar, aber doch schmerzhaft.

Im Dunkeln, verdeckt vor jeder Recherche, Meinungsfreiheit und Moral wird das Geld gemacht, vorne – also beim Nutzer selbst – kommt nicht viel an.

Die Frage ist also, wie kann jemand, der das Konzept halbwegs versteht, sich überhaupt auf so etwas einlassen? Wie können solche Firmen, die so offentsichtlich gegen jede Moral und jeden Verbraucherschutz Daten sammeln, so ein Geschäftsmodelll durchsetzen?

Wahrscheinlich nur, weil und solange es genügend Leute gibt, die kein Geld verdienen und auf die paar Cents angewiesen sind, die sie mit Klicks, Umfragen oder Gewinnspielen erhaschen könnten. Es passt alles zusammen: Die Reichen, Gebildeten, Studierten haben die Firmen und die Macht, denken sich immer wieder neue Methoden aus. Politisch wird nichts gemacht, Bildungspolitik bleibt ewig gleich und über die Steuern werden die Besserverdiener entlastet. Die Arbeit machen „die da unten“, die keine Chance auf etwas anderes haben.

Ein Konzept, dass die Umenschlichkeit neuer Informationstechnologie und die Macht der allgemeinen Datensammelwut nur zu schön präsentiert.

Wenn ich deine Daten habe, habe ich deine Seele.

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9 Gedanken zu „Gib mir deine Daten…“

  1. Findest du, es ist gebrüllt, ja? Sollte eigentlich nicht. Ich hab es nur nüchtern analysiert, aber die schlechte Laune bzw. die Entrüstung kam wie von selbst, als ich immer mehr darüber nachgedacht habe.

  2. Man merkt dem Artikel Deine Konzentriertheit an.

    Früher gab‘ es nur Gewinnspiele, die man per Postkarte beantwortete, die den Leuten die Daten aus der Tasche ziehen sollten, heute wird das mit web2.0 gemacht.
    Wobei in FB finde ich diese „Nachrichten“ so perfide, die dann nach der Handynummer verlangen. Das ist durch nichts gekennzeichnet.

    Man darf solche Instrumente wie FB nur ganz harmlos nutzen, nicht die Extra-Features benutzen.

  3. genau so ist es.

    Die Spiele find ich an sich sehr witzig und die machen mir auch Spaß. Den sozialen Aspekt finde ich gut, man lernt darüber wirklich Leute kennen.

    Aber wehe, wenn man ein wenig weiter geht und bei diesen Angeboten mitmacht, da kommen nur Abgründe.

  4. Ich habe den Eindruck, dass du als Verfasserin mit deinen Gedanken einfach nicht rüber zu kommen scheinst. Du machst dir mit allen deinen Beiträgen sehr tiefgründige Gedanken und die Antworten bleiben einfach bei den Nebensächlichkeiten hängen – von der Kürze mal ganz abgesehen. Du solltest, wenn ich mir das erlauben darf zu sagen, deine Welt auf andere Dinge ausrichten als dich hier im Netz weg zu werfen und immer nur darauf zu warten, dass du Menschen triffst, die dir ebenbürtig sind. Diese Gesellschaft hat genügend Probleme, die man aufnehmen sollte als ausgerechnet sich hier einzubilden, man werde Ernst genommen. Du beklagst das ja auch in einem deiner Blogs. Wir haben Störungen im Umgang mit anderen Kulturen, wir haben Störungen in der demokratischen Kommunikation, wir haben ein schiefes Bild von unseren demokratischen Spielregeln, wir haben immer noch Menschen, die die Freiheit hier im Netz verwechseln mit demokratischen Freiheiten, wir bekämpfen mit militärischen Mitteln fremde Nationen und wir lassen es zu, dass andere Nationen diesen Kampf um die Fleischtöpfe nooch massiver führen wie wir, wir schüren die Konkurrenz und schielen verliebt auf sie, weil sie die Preise angeblich senkt und wundern uns üer die Seelenlosigkeit des Umgangs der Menschen untereinander, wir haben Schwierigkeiten ohne Ende (Polkappeneisschmelze, Atomkraft, gnadenlose Reiselust auf Kosten der bereisten Länder, grenzenlose Ausbeutung der Ressourcen dieser Erde, Überbevölkerung, Naturkatastrophen), aber wir bevorzugen es, uns in Statements zu ergießen, um zu meinen, dass es reiche, mit einem 2 Zeiler die Probleme aus der Welt zu schaffen – ganz und auch aus unseren Köpfen. Keine verschwendet auch nur eine Silbe an ein Bildungssystem, das es den Menschen verunmöglicht, das zu sehen, was beängstigend auf uns zukommen wird. Es hängt eben von den Informationen abm die wir erhalten und die Sorge, dass wir falsche Informationen bekommen, ist nicht Sache der Bloger – die reden nur, damit sie reden. So redet jeder mit allen und keiner aht was wirkliches gesagt. DAs ist das Netz. Und hinter diesen vielen Beiträgen ziehen die mächtigen Gesellschaften munter ihre Strippen und verfestigen ihre wirtschaftlichen Interessen und sorgen auch noch dafür, dass sich keiner in diese Angelegenheiten unerlaubt einmischt. Doch auf solche Probleme bekommst du regelmäßig die Antwort, dass man doch nichts machen kann. Klar, deshalb verbreiten wir uns ja anonym und ohne Konsequenzen.
    Überlege dir mal, ob du nicht die Bereiche änderst, die dann sehr dankbar sind für dein Engagement und für deine Fähigkeit, denken zu können über die Dinge, die um uns herum so scheinbar unkontrolliert ablaufen.
    Ich danke fürs Zuhören.

  5. Hallo Alfred,

    also erstmal denke ich, dass es berechtigte Kritik von dir ist. Ich habe auch schon öfters darüber nachgedacht, das Blog aufzugeben und meine Ambitionen anderweitig aus zu leben. Es gab und gibt aber immer wieder Gründe, die mich weitermachen lassen und die sehen so aus:

    1.Das Blog mache ich auch für mich, für die Erkenntnis. Es hilft mir selbst, über gewisse Dinge mehr Klarheit zu bekommen und das Schreiben macht Spaß. Das Schreiben sehe ich wie eine Kunst, der eigentliche Vorgang macht frei und glücklich, nicht der Applaus oder die gefühlte Rückmeldung. Die Rückmeldung kann man sogar vernachlässigen, wenn man wirklich frei davon ist und das Ganze als meditativen Zustand oder was auch immer ansieht. (ich glaube die Psychologen sagen dazu Intrinsische Motivation )

    2.Die Webseite gibt es seit ca. neun Jahren und in der Zeit habe ich immer wieder Leute kennen gelernt, denen ich helfen konnte oder die mir helfen konnten. Das alleine reicht für die Motivation und ich bin sicher, es werden auch wieder neue Leute kommen, die sich vielleicht gegenseitig Inspiration verschenken. Es gibt immer mal wieder Phasen, bei denen nichts geschieht und ich bin auch nicht traurig darüber. Das Schöne an den Texten ist ja, dass sie keine unmittelbare Rückmeldung oder Veränderung bedürfen, man kann sie auch später nochmal lesen und für jeden Besucher entsteht das Blog neu, aus anderen Augen.

    3.Ich habe nicht viele Besucher, ich will aber auch nicht viele Besucher. Mir ist ein kleiner Kreis lieber als ein großes Medienecho. Ich kenne meine Besucher lieber persönlich. Große Politik wird mir nicht liegen, mein kleines Nischenblog ist genau auf mich und meine Fähigkeiten zugeschnitten. Wenn ich eines Tages selbstbewusster werde oder den Bedarf nach mehr Echo und Resonanz habe, werde ich das sicherlich tun. Bis dahin gräme ich mich nicht, ich taste mich lieber langsam vor.

    4.Die Themen, über die ich schreibe, sind gar nicht so fremd. Datenschutz, z.B. ist ein sehr beliebtes Thema im Moment und eine ganze Partei ist daraus entstanden (die „Piraten“). Genauso die anderen Sachen, Menschen- und Bürgerrechte, Ungleichheiten im Bildungssystem, usw. Warum soll ich nicht meinen persönlichen Beitrag dazu leisten? Ich kann vielleicht keine Massen bewegen, aber ich kann wenigstens versuchen, Inhalte zu liefern.

    5.Dass es dabei nicht bleiben sollte, ist klar. Aber ein durchschnittlicher Blog-Artikel braucht für mich eine Stunde pro Tag, warum sollte ich diese Stunde nicht in die Allgemeinheit stecken? In der Familie, im Ehrenamt oder ähnlichen Positionen arbeitet man ja auch „unentgeltlich“, das Helfen alleine ist das schönste Gefühl und die Arbeit, die man leistet. Geld ist da nur ein aufgesetztes Zubrot.
    Andere Blogger schreiben ja auch umsonst, bei denen bekomme ich die Nachrichten auch „umsonst“. Das ist der Sinn des Internets. Wenn ich meine Providerkosten zurück haben will, schreibe ich vielleicht mal eine Trigami-Anzeige, also Werbung, aber das muss nicht zwingend sein. Es ist auf jeden Fall keine Sache, die mich großartig unglücklich macht, sonst hätte ich es wohl schon längst geändert. 😉

    6. Wenn andere Leute nicht helfen wollen oder können, kann ich sie nicht zwingen. Ich denke es ist genug, wenn man die Texte liest. Sie werden sicherlich irgendwo „ankommen“ und dann kann auch jeder persönlich Konsequenzen ziehen. Nur wo, das kann ich nicht befehlen. Ich kann nur sagen, wie ich es sehe.

    Ich würde mich gerne um andere Bereiche kümmern, aber das Schreiben ist nun mal das, was ich am liebsten mache. 😉

    Das Schreiben ist aber im Grunde auch die Essenz der vorherigen Handlungen, eine Verfeinerung des gelebten Lebens. Das Schreiben ermöglicht eine Abstraktion der eigenen Gedanken und Gefühle und es macht ganz einfach Spaß.

    Wenn ich dieses Ventil nicht hätte, was hätte ich dann? Dann würde ich noch mehr grübeln, mit meinen Sorgen noch mehr alleine sein und alles würde nur noch schlechter werden. Nein, dann lieber schreiben.

    Ich danke dir auch fürs zuhören… schließlich bist du mal wieder eine „neue Person“, die sich Gedanken macht. Na, wenn das kein Erfolg ist, was dann? 😉 Jetzt hab ich ca. eine halbe Stunde damit verbracht, über deine Worte nachzudenken, mir selbst Gedanken gemacht und so hat letztendlich jeder was davon.

    Viele Grüße und einen schönen Sonntag,
    Julia

  6. Liebe Julia,
    allmählich habe ich doch den Eindruck, dass du die Minuten zählst, die für das Schreiben eines Blogs oder für das Schreiben einer Antwort brauchst. Ich brauche auch Zeit für das Lesen und Zeit für das Antworten, wobei die Zeit noch nicht mit gerechnet ist, die ich zum Fassen der Gedanken brauche und auch nicht die, die notwendig wird, um die vielen Schreibfehler zu verbessern, damit der Text lesbar und der Eindruck auf andere wegen der Schreibfehler nicht schon nach der ersten Zeile ein anderer wird, als den, den ich mir erwarte.

    2.
    Wenn ich einen Blog als das fasse, als was du ihn fasst, dann gebe ich dir Recht, dass Blogs im Internet eine verstärkte Impulskette darstellen, die sich vielleicht auf Handlungen niederschlagen, was ja sicher wünschenswert wäre. Und, ich gehe mal davon aus, dass das auch so ist. Nur kenne ich die Handlungen nicht, die sich da einstellen bei der Vielfalt der Leser und deren vielfältiges Denken und Handeln. Ich habe aber ein ganz bestimmtes Interesse an bestimmten Handlungen, wenn ich über eine Sache, noch dazu über eine politische Sache nachdenke. Je nach Art der Bewertung eines solchen politischen Bereichs, über den ich nachdenke, möchte ich gerne, dass meine involvierten Handlungen auch auf andere überspringen, denn ich schreibe ja, um darzulegen, was ich von einer Sache halte.

    3.
    Du schreibst, wie du sagst, auch u. a. deshalb, um deinen Frust über die Dinge abzubauen, die dich so beschäftigen, dass sie in negative Gedanken ausarten, die du dann, je nach Verfassung, in einen mehr oder weniger positiven Text gießt. Das aber ist nicht das, was mir so vorschwebt. Ich schätze es wohl, dass immer mehr Menschen sich im Internet „verewigen“; ich schätzte es aber gar nicht, dass dieses riesige und nicht fassbare Netz lediglich zu einem Textmoloch wird, für den ich eine Unmenge an Zeit brauche, um solche zu finden, die mir genügend Impulse geben, um meine Handlungsabsicht aufgehoben zu wissen bei einer bekannten Menge von Menschen, die erkennen lassen, dass ich mit meiner Auffassung von Leben eben nicht alleine stehe und dass es sich lohnt, mit diesen Menschen zusammen eine Konsens zu finden sowohl in der Auffassung als auch in der daraus resultierenden Handlung.

    4.
    Deshalb ist es mir auch nicht wichtig, Meinungsbildend im Internet aufzutreten. Dazu ist viel zu wenig erkennbar, dass irgend wer meine Meinung sucht. Es ist eher das Gegenteil erkennbar: Alle haben ja bereits eine Meinung – irgend eine. Und mir ist es kaum möglich, aus der Unmenge von Meinungen die heraus zu suchen, die zufällig meiner Meinung entsprechen. Deine Blogs fand ich ganz zufällig – wie viele solcher Zufälle aufzuspüren sind wohl notwendig, um auf Meinungen zu treffen, die sich mit meinen in etwas treffen? Und dann, zurück zu den Handlungsfeldern, liegt mir an den Meinungen auch nur dann etwas, wenn sie sich einbinden lassen in meine Absicht, politisch zu handeln.

    5.
    Es ist für eine unübersehbare Anzahl von Menschen nicht möglich, dass sie sich aktiv in die politische Arena begeben und dort ihre Auffassung nicht nur kund tun, sondern dafür zu kämpfen, dass sich ihre Meinung zu einem Handlungsfeld verdichtet, um Einfluss nehmen zu können auf die politische Bühne oder Bühnen, die wir alle vor Augen haben. Viele interessiert das gar nicht und viele Blogs haben den Mangel an sich, dass sie das auch nicht interessiert. Auch deshalb nicht, weil die meisten Menschen an sehr schnellen Lösungen interessiert sind und vor allem an Lösungen, die für sich selbst eine Abhilfe oder eine Weiterentwicklung bedeuten. Ob das mein Interesse sein muss, wenn ich Einfluss nehmen will auf die Gestaltung des politischen Bereichs?

    6.
    Wenn eine bestimmte Gruppierung von Menschen sich in einer Bürgerbewegung zusammen finden, dann ist es bestimmt nicht ihr Anliegen, sich in unendlich langen Blogs zu verewigen; sie wollen bestimmte Dinge politisch ändern und sie bewegen sich und Texte gaben den Sinn, die Bewegung zu verdichten – nicht den Sinn, die Bewegung explodieren zu lassen wegen einer Unmenge von Auffassungen. Die haben sich längst bebildet.

    7.
    Meine Texte in Bezug auf deine Blogs sind entstanden, weil ich gerade mal über viel Zeit verfügte. Ich bin wieder in einer Phase, in der ich für mich produktiv wirke und deshalb reduziere ich auch meine Zeit für Antworten auf Blogs. Ich wollte meine Antworten auch nur so verstanden wissen, dass sie Stellung nahmen zu deiner Auffassung – sie waren nicht so angelegt, dass ich eine neue Meinung produziere für den großen Topf der sonstigen Meinungen. Es hat mir gefallen, dass es da eine Frau gibt, die sich sehr viel Mühe macht, Stimmungen und Auffassungen von ihr in Texte zu fassen – auch in solche, die den Lesern verdeutlichen, dass es sehr wohl große Mühe macht, solche Texte zu verfassen und dass man auch einmal darüber reflektieren sollte, wofür die ganze Zeit stehen soll, die dafür aufgewendet wird bei der geringen Nachfrage solcher in Texte gegossenen Ansprüche.
    Gehe doch mal auf die Nachdenkseiten (http://www.nachdenkseiten.de/) und orientiere dich an denen, die sich da Gedanken machen. Du musst ja nicht deshalb die SPD unterstützen – du sollst nur erkennen, dass sich dort Menschen treffen, die ihre Meinung deshalb zum Ausdruck bringen, weil sie mit diesen darauf hoffen, dass sich die politische Arena verändert – nicht, das sich das Netz füllt mit neuen Auffassungen.
    Ich verstehe es nicht, warum du deine Zeit dafür verwendest, irgend welche völlig unbekannte Menschen mit Informationen zu versorgen, die sie sich wohl selbst beschaffen können – sie könnten, das wäre ein Zugeständnis von dir an sie, sich mit dir in Verbindung setzen, wenn sie deinen Rat benötigen. Ich fürchte fast, dass es wohl weinige Anfragen gäbe.
    Für Menschen mit deine Potenzialen gäbe es genügend Projekte in diesem Land und außerhalb, die auf dich warten würden – die Blogs, die darauf hin entstehen würden, würden nicht den Mangel in sich tragen, dass sie von einer irgendwie doch „genervten“ Frau geschrieben wurden.
    Auch ich danke dir wieder für deine Zeit, die nun aufgewendet hast, mich zu lesen.

  7. Lieber Alfred,

    ich möchte diesmal nicht den Fehler machen, zu viel zu schreiben, sonst sitzen wir hier noch nächstes Jahr und bloggen uns gegenseitig die Kommentare zu- was zugegeben ganz spaßig ist- aber auch ein Ende haben muss (denn ich will ja auch neue Artikel schreiben und das Leben geht immer weiter…)

    Lass mich einfach deine Punkte und Thesen, so wie ich sie herausgehört habe, nochmal zusammenfassen:

    — Dein Appell war und ist ganz eindeutig, dass mein Blog (so wie er jetzt ist) eine schlechte Möglichkeit ist, mit den Gedanken auch tatsächlich politisch (oder in irgend einer anderen, eher realistischen Form) Fuß zu fassen.

    — Es gibt nicht genügend Menschen im Internet, die über politische Themen schreiben und wenn, dann sind sie schwer zu finden.

    — Mir wird das Schreiben nicht gedankt und es gibt auch keine Menschen, die sich direkt oder fragend an mich wenden, oder die Mühe machen, über alles nachzudenken und einen Kommentar zu hinterlassen > ergo, es ist verschwendete Lebenszeit.

    Ich muss wirklich sagen, dass du mit allen drei Punkten überwiegend Recht hast und das auch eine Sache ist, über die in der letzten Woche vermehrt nachgedacht und daher auch keine neuen Artikel geschrieben habe. Ich befinde mich schon länger in einer Sinnkrise beim Bloggen und habe das immer wieder direkt oder indirekt thematisiert. Mein Horizont ist mir ganz einfach zu eng geworden und ich sehne mich danach, mit anderen Leuten zusammen zu arbeiten und Meinungen auszutauschen oder gar politisch etwas zu bewegen.

    Dass ich in der Richtung also etwas tun oder verändern sollte, ist wirklich nicht von der Hand zu weisen. Ich muss weiterhin Leute finden, die sich politisch interessieren, die sich vernetzen wollen und die aufgeschlossen, freundlich und zur (ehrenamtlichen) Zusammenarbeit bereit sind. Vielleicht sollte ich auch Mitglied in einer Partei werden.

    Ich weiß nicht, ob ich solche Leute mit diesen vorzüglichen und seltenen Eigenschaften jemals in großer Zahl finden werde, wenn ich meinen eigenen Horizont nicht verlasse.

    Bis jetzt habe ich meinen Genuss aus dem Schreiben der Texte selbst gezogen und nicht wirklich viel Gedanken über eine Zielgruppe gehabt. Schließlich ist das ganze Webseitenprojekt ja immer nur ein Hobby gewesen. Zugegeben, ein Hobby mit Leidenschaft und ein Zeit verschlingendes, aber das Fundament war und ist immer noch die Freiwilligkeit, die Lust am Schreiben und der Kommunikation- aber auch die Selbstdarstellung (ohne ein wenig Eigenliebe und Narzissmus kann man nur schwerlich eine gute Bloggerin sein).

    Es gibt zudem Untersuchungen über die Möglichkeit, Blogs in Deutschland als Medium der Meinungskultur zu etablieren und wir stehen im Vergleich zu anderen Ländern relativ schlecht da (auf die Schnelle finde ich den Link jetzt nicht, werde aber bei Bedarf mal schauen). Auch hat mein geschätzter und einflussreicher Blog-Kollege Hartmut einmal interessante Untersuchungen über Besucherzahlen und Verbreitungen von privaten Blogs im Vergleich zu anderen, größeren Webseiten angestellt. Das Ergebnis ist ganz einfach ernüchternd, Blogs sind immer noch die reinsten Nischen und haben sehr wenige Leser und Anhänger im Vergleich zur Gesamtbevölkerung gesehen. Hier kämpfen wir (die junge Netz-Generation) also gegen ein allgemeines Akzeptanz- und Verbreitungsproblem.

    Für die Gesellschaft zu arbeiten und freie Texte anzubieten finde ich überhaupt nicht schlimm, mein Mitteilungs- und Schreibwille, aber auch die Möglichkeit, bei anderen umsonst zu lesen, übersteigt einfach stets alle Bedenken.

    Ich habe ja auch Offline-Projekte (über die ich nichts schreibe, weil sie privat sind und nicht ins Blog gehören), bei denen ich mich auch gehörig austoben kann- letztendlich bin ich einfach gesättigt.

    Nur der Bedarf nach netten, interessanten Menschen, die sich Gedanken machen und wollen- der ist (fast) nie zu stillen. 🙂

    Daher danke nochmal für die netten Kommentare

    und viele Grüße,

    Julia

    ps: Den empfohlenen Link werde ich mir mal in Ruhe anschauen

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