„The Ghost Writer“

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THE GHOST WRITER

ist ein Film des amerikanischen Regisseurs Roman Polanski aus dem Jahr 2010.

Erzählt wird die Geschichte eines namenlosen britischen Ghostwriters (also eines Schriftstellers, der für andere, oft Prominente, Bücher schreibt und dabei selbst namentlich nicht in Erscheinung tritt), der den Auftrag erhält die Memoiren des fiktiven britischen Premierministers Adam Lang zu verfassen.

Bereits zu Beginn erfährt er, dass der bisher mit dieser Aufgabe vertraute Ghost Writer auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen ist und dass nun er dessen Werk fortsetzen soll. Ein ungewöhnlich hohes Honorar lässt ihn die extrem kurze Abgabefrist von nur vier Wochen vergessen.
Durch strikte Geheimhaltungsvereinbarung an das Haus des Verlagsbosses auf Martha´s Vineyard gebunden, entdeckt der „Ghost“ Ungereimtheiten und hochbrisante politische Verstrickungen des Premiers, die ihn selbst zunehmend in Gefahr bringen.
Noch während der Schreibarbeit und den Interviews mit Adam Lang beginnt in Den Haag am Internationalen Gerichtshof eine Untersuchung der Rolle des Premiers im Irak- Krieg. Der Verdacht, Lang hätte sein Land gegen bestehendes Völkerrecht in diesen Krieg an der Seite Amerikas „getrieben“, steht im Raum. Das Anwesen, an das der Ghost Writer mit seiner Arbeit gebunden ist und in dem er sämtliche Gespräche mit Lang führen kann, wird wie ein Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses bewacht;
ausserhalb des Sicherheitswalles sammeln sich auch tatsächlich ständig wütende Kriegsgegner, die Protestcamps errichten.
Als besonders wichtige Beraterinnen des Premiers stellen sich die beiden rivalisierenden Frauen an Langs Seite heraus: einerseits die persönliche Assistentin Amelia Bly und andererseits die Ehefrau Ruth Lang. Während Ruth die etwas unterkühlte, starke und richtungsweisende Frau hinter ihrem erfolgreichen Mann ist, so scheint Amelia durch ihren Sex- Appeal auf Lang zu wirken. Der Ghost Writer deckt im Zuge seiner Recherchen nicht nur Lügen und Falschangaben des Premiers auf, er entdeckt auch, dass sein Vorgänger, der offiziell Selbstmord begangen hat, ebenfalls von diesen beschönigenden Angaben Langs wusste. So erkennt der „Ghost“ die Verbindungen Langs mit der CIA und stößt dabei auf den Namen Professor Paul Emmetts, eines Studienkollegen Langs aus dessen Cambridge Zeiten. Dieser ist über die Waffenfirma „Hatherton“ mit der amerikanischen Rüstungsindustrie verbunden, die der CIA untersteht. Der Ghost gerät zunehmend in Gewissenskonflikte und schwankt zwischen seiner Loyalität seinem Auftraggeber gegenüber und seiner moralischen Pflicht, seine Enthüllungen publik zu machen. Da wendet er sich an Langs stärksten Kontrahenten, den Politiker Richard Rycart, und übergibt diesem das, was er für die Wahrheit über Adam Lang hält. Nach dem Heimflug nach Martha´s Vineyard, auf dem der Ghost Lang begleitet, wird Lang von einem fanatischen Kriegsgegner erschossen. Am Ende des Films entdeckt der Ghost im Skriptum seines Vorgänger die verschlüsselte Botschaft, Ruth Lang würde in Wahrheit als CIA Agentin hinter allem stecken und teilt ihr dies auch unvorsichtigerweise mit.
Beim Verlassen des Gebäudes wird er ebenfalls Opfer eines „Unfalls“.

Roman Polanskis Film glänzt – wie so viele Filme diese Regisseurs – auf mehreren Ebenen. Da ist einerseits die erstklassige Besetzung: Ewan McGregor spielt den Ghost. Der sympathische Schotte ist in Hochform und glänzt in fast allen Szenen des Films. Er portraitiert einen sensiblen (er selbst sagt in einer Szene: “We are sensitive spirits“ als doppelbödige Anspielung auf seinen Charakter) Durchschnittsmann, der etwas naiv hinter die Kulissen der Macht blickt. Da der Film aus seiner Perspektive erzählt wird, kann der Zuschauer auf ein und derselben, unvoreingenommenen Ebene mit dem Hauptdarsteller miterleben und sich seine eigene Meinung bilden. Man schwankt zwischen kopfschüttelndem, verschwörungstheoretischem Denken und einem „Naja, so einfach ist das auch wieder nicht“. So erklärt Adam Lang in einer Szene sehr glaubwürdig seine Aufrichtigkeit in seinem politischen Handeln.

Polanski, dem als Vorlage zu diesem Film der Bestseller „The Gost Writer“ von Robert Harris dient, trägt zur Verarbeitung der politischen Ereignisse rund um den zweiten Irak- Krieg bei. Adam Lang, der unzweifelhaft für den damaligen Premier Tony Blair steht, wird ausgezeichnet von Pierce Brosnan verkörpert, der zeigt, dass er abseits von der James Bond- Stereotypie ein exzellenter Schauspieler ist. Er portaitiert einen Machtmenschen, von dem man etwas klischeehaft davon ausgeht, es handle sich um jemanden, der skrupellos über Leichen geht. Brosnan zeigt aber neben einem starken Mann, der durch eigenes Selbstvertrauen (oft in Eitelkeit umschlagend) Erfolg hat, auch einen verletzlichen Menschen, der Nerven zeigt und sich oft an seine Frau wenden muss, wenn es um wichtige Entscheidungen geht, bei denen er zögert.
Ruth Lang (Olivia Williams) ist die wirklich starke Person in diesem „Stück“. Sie gibt den Ton an und man kann erahnen, dass sie es ist, die die Geschicke Großbritanniens oft lenkt. Sie ist hochintelligent, kühl und berechnend. Sie hat auch wenig Skrupel, eine Affaire mit dem „Ghost“ zu beginnen, als ihr Mann nicht da ist. Und schließlich ist auch sie es, die sich am Ende als Agentin der CIA herausstellt, die so entscheidend auf die Aussenpolitik Großbritanniens Einfluß nimmt.
Ebenfalls herausragend spielt Tom Wilkinson Paul Emmett, den Verbindungsmann der CIA mit Ruth Lang.

Polanski, der ja seit den Siebzigern nicht mehr nach Amerika reisen kann, da ihm dort die sofortige Verhaftung droht, konnte die Dreharbeiten folglich nicht auf Martha´s Vineyard stattfinden lassen (>mehr Info darüber). Stattdessen wurde ein Großteil auf Usedom und in Berlin gedreht; die grandiose Kamera liefert zum Film passende düstere Aufnahmen der tollen Landschaft. Allein diese Bilder erzeugen eine sehr dichte, sehenswerte Atmosphäre, die durch eine ausgezeichnete Filmmusik noch verstärkt wird.

Der Film hat als Aufarbeitung der politischen Hintergründe zum Irak- Krieg vor elf Jahren eine fortdauernde Aktualität. Wir erleben auch heute noch die Folgen der Destabilisierung der arabischen Welt. Saddam Hussein wurde damals ja bezichtigt, Massenvernichtungswaffen zu besitzen; erst nach dem Krieg und Husseins Hinrichtung mussten die USA zugeben, niemals Beweise dafür gewonnen zu haben.
Großbritanniens Tony Blair war einer der glühendsten Kriegsbefürworter und schickte tausende Soldaten in den Irak. Man warf ihm im eigenen Land eine unterwürfige Haltung gegenüber den USA vor; er selbst steht nachwievor zu seiner damaligen Politik.
Deutschland, vetreten durch Aussenminister Joschka Fischer, war sehr kritisch bis ablehnend einem Krieg gegenüber. Denkwürdig ist da zum Beispiel Fischers Pressekonferenz in München, in der er sichtlich erregt sagte: „Wo sind die Beweise, Herr Präsident?“ (an George W. Bush gerichtet).Die Folgen jahrzehntelanger politischer und miltärischer Eingriffe des Westens (und Russlands) in islamisch beherrschte Länder sehen wir heute jeden Tag in den Medien und erleben sie auch in unserem Land; der Film „The Ghost Writer“ leistet ein wichtiges Stück Aufarbeitung.

Alles in allem: Sehr sehenswert!

Ein Gedanke zu „„The Ghost Writer““

  1. Vielen Dank, liebe Cathi für Deinen ersten Gast-Artikel. 😉

    Wie ich schon gesagt habe, muss ich den Film unbedingt sehen! Er steht schon ganz oben auf der Wunschliste.

    Das Review ist wirklich gut geschrieben.

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