Gegenwind

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macht rau und tapfer

Ein junges Mädchen, der ganze Stolz ihres Vaters. Sie lernt von ihm, ist wissbegierig und freut sich wahrscheinlich darüber, dass er sie zu gut erzieht und sie ernst nimmt. Da die Eltern Geld haben, wird es dem Kind ermöglicht, ein aufwändiges Hobby auszuüben. Ihr natürliches Talent, Sportlichkeit und Intelligenz kommen noch positiv hinzu. Frauen sind immer etwas frühreifer als Jungen, also beschließt sie in jungen Jahren, etwas zu wagen, was sonst keiner vor ihr gemacht hat: Mit 13 die Welt umsegeln! Alleine!

Leider sehen das die Richter in der Niederlande anders und wie ein Schlag ins Gesicht folgt das Urteil: Sorgerecht entziehen!

Als aufmerksame Bloggerin muss man sich nun fragen, ist das gerechtfertigt?

In dem Artikel steht, das Sorgerecht wird normalerweise nur bei extremen Fällen wie z.B. Verwahrlosung oder Missbrauch angewendet. Aber ist dieser Fall des jungen, erfolgreichen Mädchens denn nur annähernd sowas wie Missbrauch?

Kinder zu Leistung zu erziehen ist nicht verboten. Moralisch gesehen ist es sicherlich diskutabel, ob die junge Psyche dafür gemacht ist und ob das noch eine „normale Entwicklung“ ist. Aber Hochleistungssportler und andere Genies auf ihrem Gebiet wäre ohne eine gutes Maß an Handwerk und Routine nie zu dem geworden, was sie später ausgezeichnet hat.

Egal in welcher Disziplin: Früh anfangen ist immer gut. Kindheit hin oder her. Mit 13 sind Mädchen heutzutage nicht mehr reine Kinder, sondern sie stehen auf der Schwelle zum Erwachsenenwerden und wollen sich beweisen. Man soll sie an der Stelle laufen lassen und nicht bremsen, das ist Gift für das Selbstwertgefühl.

Ich interpretiere dieses Urteil der Richterin daher als hochgradig rückwärtsgewandt, als falsches Signal für junge Frauen, die auch in besonderen, nicht ganz so typisch weiblichen Disziplinen glänzen wollen.

Alles andere, was dabei diskutiert wird, dass sie keine Schulaufgaben oder ähnliches machen wird, sind nur Scheingefechte, die am eigentlichen Kern der Thematik vorbeireden. In die Schule gehen soll man, weil man etwas leisten und eine Arbeit lernen soll. Und „um die Welt Segeln“ ist erstens eine herausragende Leistung und zweitens auch ein toller Beruf.

Diese Familie kämpft nicht nur gegen das Wetter, sondern auch gegen typische gesellschaftliche Widerstände bei weiblichen Leistungen.

Wenn die 13 Jährige gesagt hätte, dass sie alleine den größten Kuchen der Welt backen wollte, hätte sich keine Sau darum geschert.

( Man bedenke aber, dass auch dies gefährlich ist z.B. bei Mehlstauballergie oder wenn einem das Nudelholz auf den großen Zeh fällt. )

7 Gedanken zu „Gegenwind“

  1. Vor einiger Zeit habe ich mal die Dokumentation einer wesentlich älteren minderjährigen Seglerin gesehen, die die Welt umrundet hat. Daher muss ich sagen, ich hätte den Eltern wahrscheinlich auch das Sorgerecht entzogen. Es bleibt noch ein langes Leben für das Mädchen erfolgreich zu sein – aber nicht, wenn ihr etwas passiert und es passiert verdammt viel bei diesen Rekordversuchen.

  2. Es gibt bestimmt gute und viele Argumente sowohl dafür, als auch dagegen. Ist es der Wille des Mädchens, könnte ich dem ggf. zustimmen. Dann müsste ich aber auch noch mit mir in Klausur gehen und abwägen, wo trage ich Verantwortung für das Wohl des Kindes, auch langfristig, und wo muss ich Nein sagen, genauso, wie wenn ich um 21 Uhr den Fernseher gegen den Willen der Kinder abstellen muss, weil es meine Überzeugung ist, dass ein Nein für die Entwicklung des Kindes besser ist.
    Was durch die Medien überhaupt nicht für mich erkennbar wird, wie weit sich eigene Wünsche der Eltern ggf. nur in dem Kind mainfestieren, es also zum Werkzeug wird. Und in diesem Zweifelsfall würde ich mich mit einem Nein zum Wohle des Kindes entscheiden.
    Einmal nur um Australien oder Neuseeland zu segeln, kann doch auch schon ganz schön sein. Wie kommt ein 13-jähriges Mädchen darauf, dass es gleich die ganze Welt sein muss, was sie aus sich allein heraus niemals stemmen könnte, weder von Logistik, finanziell, medial.
    Meine Argumentation ist nicht geeignet, Höchstleistungen, mit denen in frühen Jahren begonnen werden muss, zu erzielen, zumindest in diesem Fall.

  3. Ich stimme dem Tenor von euch beiden grundsätzlich zu-
    13 ist vielleicht wirklich noch etwas jung für so eine Reise.

    Bei 16, 17 oder 18 Jahren wäre es zumindest noch grenzwertig. Man muss in dem Fall – ganz ohne Satire- sicherlich für das Eigenwohl des Kindes entscheiden und die befürchteten Gefahren sind realistisch.

    Dennoch bleibt ein seltsamer Nachgeschmack, denn wieviele Kinder werden von ihren Eltern zu Leistungen erzogen oder Wettkämpfen ausgesetzt, die ebenso beträchtliche Nebenwirkungen und/ oder seelische Schäden verursachen können, aber nie vorm Richter landen?

    Ich finde es einfach erstaunlich, wie sehr dieser Fall aus den anderen herausragt.

  4. @ Menachem: Ich fand deine Argumentation übrigens sehr gut. Von Höchstleistung würde ich in diesem Fall auch gar nicht sprechen wollen, weil es einfach schön ist, wenn überhaupt diskutiert wird. 😉

    Neben den Geschlechterfragen, die ich im Artikel besonders hervorgehoben habe, ist die Frage nach dem für und wider bei der Erziehung der andere Knackpunkt an der Seglerin-Geschichte. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Vielleicht fehlt mir ein wenig Erfahrung, aber ich könnte mir vorstellen, dass gerade das nicht so einfach ist.

    In der Schule Summerhill (aus dem Buch „antiautoritäre Erziehung“) gab es auch eindeutig Regeln und Grenzen, nämlich alle, bei denen das Kind sich selbst verletzen oder schaden könnte.

    Hier muss (ungeachtet aller anderen Richtlinien) die Erziehungsautorität eingreifen und Schaden abwenden.

    Es bleibt halt nur die Frage: Wann genau?

  5. „..alle, bei denen das Kind sich selbst verletzen oder schaden könnte.“
    Diese Regel find ich sehr gut, Julia, weil sie einfach und klar ist.
    Je größer und komplizierte die Regelwerke werden, je schwieriger wird es, sie anzuwenden, und bei denen immer ein Gefühl der Unsicherheit des richtigen handelns bleibt.
    z.b. in der Moral/Ehtik. Gibst du das dir zuviel gegebene Wechselgeld zurück oder nicht? Das ist noch relativ einfach, geht es nur um eine Zweierbeziehung.
    Sind aber schon drei Personen involviert, wie der klassische Fall der Notlüge zugunsten eines Dritten, wird es schon richtig kompliziert und es können sich endlos verschiedene Argumentationsreihen auftun.
    Warum nicht intuitiv entscheiden? Ich glaube, das wir mit einfachen Regeln, wie deiner obigen, ein sehr gutes Gerüst bekommen mit dem wir in der Lage sind, intuitiv gut, sicher und richtig zu entscheiden.
    Die Kräfte des Meeres sind ubändig, reißen Containerschiffe in die Hälfte und haben in ihrer Ruhe schon fast Columbus an den Rand seines Verstandes gebracht.
    Intuitiv würde ich also NEIN entscheiden.
    Darin liegt genau so das Recht zum Fehler, wie nach einem langen analytischen Gesetzesstudium des Falles.

  6. Mann mus denken das der Richterin nicht gesagt hatte das die Eltern slecht sind und auch nicht das sie zu jung ist. Nicht das madchen oder die eltern doch die Kinderschutz (?) mus beweisen das es slecht ist fur das machen. Auch eine psycholog werd angesteld um zu sehen ob es slecht ist. Wenn ich dieses madchen gesehen und gehort habe denke is das die diese weltreise machen kann.

  7. @ Pluutje: Als Niederländer wirst du vielleicht noch etwas mehr von dem Fall als wir in Deutschland erfahren haben.

    Wenn ich aber nur nach den Fotos (intuitiv) urteilen müsste, würde ich sagen:

    Ja klar, sie schafft es!

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