Frauen in Männerberufen

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Gestern kam eine Sendung im Fernsehen über eine Frau, die sich als KFZ-Meisterin selbstständig macht. Obwohl der Tenor darauf ausgelegt war, sich tolerant zu zeigen, kam der Sprecher nicht umhin, ständig zu betonen, wie die Frau bei männlichen Kollegen aneckt und Verwunderung auslöst, weil es ja kein typischer Frauenberuf sei. Die ganze Sendung beschränkte sich eigentlich darauf, der Frage nachzugehen, wie sich eine Frau in einem Männerberuf behaupten kann. Und wenn man sich die Strukturen und Dialoge so anschaute, so hatte man wirklich das Gefühl, dass es im Jahr 2008- aller Gleichberechtigung und Quotenregelungen zum Trotz- noch etwas besonderes mitten in Europa sei, wenn eine Frau mit langen Fingernägeln einen Schlagschrauber führt. Diese Handwerkerin wirkte alles andere als weiblich, sie hatte ein recht androgynes Autreten und von der Gehirnforschung ist es ja bekannt, dass auch genetisch weibliche Personen durchaus ein Gehirn haben können, dass dem männlichen sehr ähnlich ist, also logisch-mathematische und räumliche Aufgabenstellungen grundsätzlich besser beherrscht, als weibliche Domänen. Ihre Sprache war auch männlich, kurz abgehackt und kumpelhaft angelegt. Schade, dass ihre Kollegen schnell in alte Rollenmuster verfielen, sie irgendwie beschützen wollten oder unsicher bis verärgert reagierten, als sie ihnen vormachte, wie etwas funktioniert. Ihre Einstellung und Verhalten waren nicht immer günstig, so reagierte sie oft sehr schroff und musste sich schnell die Bezeichnung „Zicke“ gefallen lassen. Sie fiel weiterhin dadurch auf, dass man es ihr in der schwierigen Phase der Gründung nicht besonders recht machen konnte und sie ständig an allem rummeckerte. Bei einem Mann wäre es Anspannung und Führungsstärke gewesen, die Darstellung der Reportage machte sie zwischen den Zeilen zu einer überforderten Frau.

Der neugierige Zuschauer mag sich am Ende die Frage stellen, was einen Beruf eigentlich männlich und was ihn weiblich macht und kommt zum Schluss, dass diese Aufteilung nur in den Köpfen existiert, aber nichts greifbares oder sinnvolles sein kann. Ein Auto ist ein technisches, komplexes Produkt mit vielen Details. Die Arbeit daran erfordert Kraft, Geduld, Ausdauer und eine gewisse Leidenschaft für technische Zusammenhänge und öl-verschmiertes Metall. Alles Dinge, die uns nicht in die Wiege oder in das Geschlecht gelegt worden sind, sondern allein durch die Anlage unseres Gehirns, dem persönlichen Interesse und der individuellen Förderung in Kindheit und Jugend bestimmt wird. Was nützt das schönste männliche Gehirn in einem Frauenkörper, wenn sich alle Leute querstellen und einem nicht helfen, entsprechend zu handeln?

Hut ab vor ihrer Leistung, sich den alten Rollenmustern entgegen zu setzen und einfach das zu tun, worauf sie Lust hat: An Autos schrauben.

2 Gedanken zu „Frauen in Männerberufen“

  1. nein, soviel ich weiß, wurde die Sendung von einer Frau gemacht (steht unter dem Link, den ich angegeben habe). das ist aber nicht schlimm, denn ich denke, Vorurteile gibt es immer von beiden Seiten. für Frauen kann es ja auch bequem sein, sich in vorherrschende Rollenmuster einzupassen und die Abweichlerinnen dann auszugrenzen (was der schlimmste Fall wäre).

    Auf jeden Fall find ich´s gut, dass Du nicht so schleche Erfahrungen machen musstest. Und danke für den Link! Das passt!

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