Erfolgreich erfolglos bloggen

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So ein erfolgloses Blog wie meins hat auch Vorteile! Man muss sich nicht entschuldigen, wenn mal was daneben geht. Niemandem Rechenschaft über Termine oder Artikel ablegen. Man kann schreiben, was man will, niemand sitzt einem im Nacken und überprüft die Gedanken. Man kann sich emotional austoben und neben den sachlichen Artikeln auch künstlerische Schnipsel einstreuen. Man ist nicht dem Zwang unterworfen, damit Geld zu verdienen, es steht im luftleeren Raum und freut sich einfach über sein Dasein. Ich brauche keine Steuererklärung, keine Umsatzsteuer- ID, kein Presserecht.
Manchmal beneide ich mein Blog darum, dass es so unberührt neben allen anderen Dingen steht. Ich kämpfe nicht damit, ich will niemanden übertrumpfen, okay manchmal kommt das Kleinkind durch und ich will ein bisschen spielen, das war´s dann aber auch schon mit der „Motivation“.

Ich kann auch gut im Bett sein, wenn ich nicht an der Spitze der deutschen Blogcharts stehe. Ich kann morgens in den Spiegel schauen, auch ohne mehr Werbeeinnahmen als mein Konkurrent zu haben. Ich brauche keine Angst vor negativer Presse oder Abmahnungen zu fürchten von Menschen, denen ich auf den Schlips getreten habe.

Äh, ich habe nicht das ungute Gefühl die Weltmeinung irgendwie beeinflusst zu haben, weil ich ja keine Besucher habe. Ich hechle keinen Erfolgsgedanken hinterher. Ich muss meine Meinung nicht verteidigen, schlafe besser und ruhiger als andere. Ab und zu mal ein bisschen mit den KommentatorInnen plauschen- was gibt es schöneres?

Warum habe ich ein Blog? Wenn es doch augenscheinlich keinem anderen Zweck dient, als den eigentlichen Zweck ins Nichts aufzulösen?

Wenn ich so schreibe, dass man nur jedes dritte Wort versteht- hm, da bleibt aber nicht viel übrig!

Versucht mal, ein künstlerisches, abstrakt gemaltes Bild zu verstehen- es geht nicht eindeutig! Jeder Mensch sieht was anderes darin, es wird zum Spiegel für die eigene Persönlichkeit. Bloggen bedeutet also: Sich selbst spiegeln. Allein der Versuch, etwas zu schreiben, kann nichts anderes werden als der Ausdruck des eigenen Charakters und der Persönlichkeit- und wenn es nur Gekritzel ist und letztendlich doch nichts aussagt.

Sinnlosigkeit beginnt und endet damit, etwas Sinnvolles machen zu wollen.

11 Gedanken zu „Erfolgreich erfolglos bloggen“

  1. Von mir und im Namen von Marcella ein fröhliches Hallo, Du sinnlos vor Dich hin plappernde und die Welt nicht verbessernde Bloggerin.
    Der Satz stimmt schon nicht, weil Du heute meine Welt verändert hast.
    Just, als ich vorhin Neues in meinem Feed-Reader von Dir sah, hellte sich meine Welt auf, obwohl Du Trübsal bliest.
    Nein, Julia, Dein popeliger Blog ist nur ein Sandkorn. Du bist nicht die ultimative Gebährmaschine für News, Software, die ultimative Psychologie, Philosophie und was immer uns Menschen sonst so Wichtig erscheint.
    Du bist ne olle Kritzeltante, die mal wirr, mal sehr poetisch, mal völlig abgehoben und mal sehr persönlich über das schreibt, was sie gerade will und dabei ist es Dir nunmal egal, was Google und die paar Menschen, die hier so auf Deiner selbstinstallierten und fein gepflegten WordPress-Webseite so rumklicken.
    Wem das nicht passt, der soll sich verpieseln oder besser seinen Senf dazu beitragen. Und er soll mal selbst den Mut haben, so vor sich hin zu bloggen, ohne zu wissen, ob und wen das ganze überhaupt interessiert.
    Ich kenne Dich nicht, Julia, aber Du schreibst so, wie es mir gefällt. Auch das kann Dir am Po vorbeigehen und ob Du Lust hast, weiterhin ein paar Menschen den Horizont zu vernebeln, zu verwirren oder zu erheitern, bleibt Dir überlassen.
    Ich sage und während ich das so schreibe, fühle ich mich wie ein Voyeur, der durchs Blog-Schlüsselloch in Dein Leben schaut, aber was soll’s.
    Gib nicht auf, Marcella und ich sabbeln ja auch so vor uns hin und irgendwie macht es Spaß.
    Wir sagen uns immer, wenn es nur einen Menschen auf dieser Welt gibt, der uns einmal kurz versteht, mal innehält und nachdenkt, dann haben wir das undefinierte Ziel schon erreicht.
    Wir streben alle nach Glück und Harmonie, Gerechtigkeit und Liebe, Poesie und Freiheit, halt nach Friede, Freude, Eierkuchen.
    Wenn nicht Du, wer denn dann sonst?
    Mit lieben Grüßen aus Berlin
    Hartmut

  2. wow, die Kommentare hauen mich echt um. danke dafür. 😉

    @ Claudia: Natürlich zählt ihr!! Im Grunde sind ja die Besucher, die sich melden und reagieren, die einzigen, die mir wirklich wichtig sind. Deswegen habe ich ja überlegt, was wichtiger ist: Nette Menschen oder nur olle Zahlen.

    @ Hartmut: Schön, wenn dir das Blog gefällt. Habe ich schon erwähnt, dass es umgekehrt auch gilt? 😉

  3. Hatte ich also Recht mit dem Jammerlappen, der sich im Selbstmitleid ertrinkend profilieren möchte?
    Nein, Julia, das bist Du nicht! Lass Dich nicht abschrecken von einem Kerl wie mir 😛

    Marcella hat mir das Kommentieren „verboten“ (sie will wohl ihren eigenen Senf ‚dazu‘ schreiben), daher lasse ich es jetzt hier und dort.
    mfG Hartmut
    P.S.: Besonders Dein vorheriges Gedicht hat uns tief beeindruckt und wahrscheinlich auch andere. Ich möchte daher nicht der 1. sein, der seinen „Senf“ dazu beiträgt!

  4. Liebe Julia,
    Ich bin durch Hartmut auf deinen Blog gekommen und ich gestehe, ich betrete fast nie einen anderen Blog. Ich kann dir noch nicht einmal eine Antwort darauf geben, warum.
    Hartmut hat mir deine Texte per Telefon vorgelesen und ich war tief beeindruckt.
    Dein Gedicht ist einfach irre toll, aber ich lese gerne zwischen den Zeilen und denke, dass du sehr traurig warst, als du es geschrieben hast. Tip: Schreibe doch einfach einmal ganz offen über deine Traurigkeit. Nicht nur das es dich befreit, sondern es gibt immer Menschen, die dir im Blog helfen können.
    Zu deinem letzten Artikel, kann ich dir nur sagen, habe Mut weiter zu machen. Es gibt immer irgend jemanden da draußen, der deine Texte liest und wenn es nur einer ist. Wichtig ist aber, dass du es für dich tust!
    Ich hadere auch sehr oft mit mir und meinen Artikeln, aber Hartmut richtet mich immer wieder auf und sagt: „Du schreibst für dich, egal was andere denken.“
    Liebe Julia, denke du auch an dich und liebe deinen Blog! Egal ob du Antworten bekommst, es ist dein Blog!
    ICH höre dir zu!
    Marcella

  5. vielen Dank, Marcella für die netten Worte. Das ist wirklich schön.

    Ich war schon sehr traurig, als ich alles geschrieben habe, aber ich habe meistens ein Problem damit, die Gefühle zu sehr auszudrücken. Ein Gedicht hilft mir dabei, ich finde es eine gute Möglichkeit, den eigenen Gefühlen etwas Raum zu geben. Dann können sie zumindest wieder atmen- und dann findet sich auch vielleicht eine Lösung. Hier ging es ganz einfach nur darum, dass ich mein Blog vermisst habe und den Eindruck hatte, dass es so leer und „einsam“ vor sich hin treibt, was ich dringend ändern wollte.

    Was ich nicht machen möchte, ist über persönliche Dinge zu sehr im Detail zu schreiben, weil ich hier eine kleine, unsichtbare Grenze sehe, die ich ständig neu abwägen muss. Ein Kunstwerk ist das ideale Mittelding zwischen meiner eigenen Gefühlsrealität und dem Versuch, niemanden zu schaden und Verantwortung für meine eigenen Emotionen zu übernehmen.
    Puh, was für ein Satz. 🙂

  6. Hallo Julia,

    bin ich schon wieder mal zu spät? Scheint so 😉

    Dennoch war es mir schon immer eine Freude deine private Bibliothek zu besuchen und ihre kreativen Inhalte in mich aufzunehmen. Aber leider habe ich auch nur 24 Std. am Tag. Und manchmal (das gestehe ich gern ein) frustrieren mich manche Debatten die hier geführt werden (nicht mit den Teilnehmern, aber mit div. Kandidaten) so sehr, dass ich mich nicht einmal mehr deiner Kreativität hingeben mag. Verzeih 🙂

    Gruß

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