Die moderne Netz-Beichte

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Ich surfe in der letzten Zeit mehr als sonst in anderen Blogs und was mich immer wieder überzeugt und motiviert, sind besonders die persönlichen Geschichten aus dem Leben. Diese sind oft so ehrlich und mutig geschrieben, dass ich mich oftmals dafür schäme, es selbst je in Frage gestellt zu haben, ob man nun Privates schreiben soll oder nicht. (Diese Webseite besteht in wechselhafter Ausgestaltung seit ca. 8 Jahren und langjährige Besucher dürften sich noch erinnern, dass es oft ein Thema war).
Nun habe ich weitere Pro-Argumente gesammelt. Wenn nicht im Netz, wo sonst? Ein Blog ist wirklich die perfekte Grundlage, für private und intime Gedanken, über die man sich unsicher ist und Rückmeldung haben möchte. Impressums-Pflicht hin oder her, mit den meisten Menschen wird man doch eh nie was im realen Leben zu tun haben und so entsteht über den Blogs eine schöne, heimelige Sphäre des Geborgenseins und des Zuhörens, perfekt für das eigene Mitgefühl und Problemlösungen. Das ist zumindest ein Punkt, den ich an Blogs sehr mag.
Wenn man sich fragt, warum sich niemand um einen kümmert, dann liegt es wohl auch oft daran, dass man nicht wirklich imstande und willens ist, Privates preis zu geben, weil man in dieser Hülle der Oberflächlichkeit gefangen bleibt und sich dafür schämt, etwas zu sagen, was man wirklich denkt. Okay, der Schutz von Dritten ist noch so ein Thema, da schrecke ich meistens zurück. Ich habe es schon erlebt, dass ich was geschrieben habe, was dann andere verletzt hat, die sich angesprochen fühlten. Wenn man mit einem bestimmten Menschen Probleme hat und sich sicher ist, dass dieser Mensch ständig bei einem liest, sollte man es wirklich vermeiden, da negative oder andere bewertende und verurteilende Sachen zu schreiben. Die einfache Schilderung einer Sache reicht oft schon oder auch der Versuch zu sagen, was einen belastet und drückt.

Belastet hat mich persönlich heute nichts über Gebühr, ich will dennoch einen Versuch wagen und meinen Tag schildern:

Ich habe zu lange geschlafen und mal wieder meinen Wecker nicht gestellt. Dadurch fing der Tag schlecht an. Ich hatte – auch wegen der Wärme- den ganzen Tag Kopfschmerzen und mir war schwindlig. Dennoch hab ich irgendwie versucht, was zu machen. Zusammen mit meinem Schatz haben wir uns an den einen Raum gemacht, wo die Erdung neben der Hauptwasserleitung liegt. Diese Erdung, ein langes. ca. 6 cm breites Stahlband, ist teils verrostet und vor allem verbogen. Mit viel Aufwand und einigem Denkaufwand haben wir dann endlich eine Methode gefunden, die Biegungen herauszubringen und zwar ohne(!) das Ding durchzuflexen. Der Clou bei der Sache war einfach, die Erde unterhalb abzugraben, teils zu meißeln, weil es gehärteter Lehm und Sand ist. In den entstandenen, neuen Graben kann man die etwas biegsame Wasserleitung reinlegen und das Erdungsband darüber legen. Mit Kabelbinder um die Stränge und schweren Steinen beschwert, haben wir das Problem dann gelöst. Später kommt dann Estrich darüber und zum Schluss der fertige Boden. Bis dahin müssen die Wände und vor allem die Decke aber auch noch gemacht werden.

Der offene Boden roch nach Lehm, wie in einer Werkstatt. Selbst in einem Stockwerk oben drüber, wo ich vergessen hatte, die Tür vom Flur zu schließen, roch es abends noch danach.
Die Nachbarin klingelte beim Abendessen, gab ein angenommenes Paket ab, und beschwerte sich etwas darüber, dass unsere Klingel schon wieder nicht ging. Das müssen wir dann morgen machen. Wir haben einen speziellen Feuchtraum-Wippschalter gekauft, der das leidige Problem Wasserschaden an der Klingel endlich beheben sollte.

Nebenbei habe ich die Blumen gegossen und festgestellt, dass es kein richtiger „Blauer Enzian“ ist, sondern spezieller Herbst-Enzian, auch blau, den man als winterharte Staude ziehen kann. Den werde ich also demnächst aussetzen. Die japanische Zierweide hat ihren vorläufigen Platz im Topf an dekorativer Stelle zum Hausaufgang gefunden, wo sie uns beiden gut gefällt und einen Akzent setzt. Dem Oregano habe ich die ersten Blätter abgeschnippelt (ohne Narkose) und ihn als schmackhaftes Beiwerk zur Salami-Pizza verwendet.

Im Fernsehen gab´ s die interessante Sendung „Hagen hilft“ und Thema war, wie der findige Unternehmensberater mit den richtigen Ratschlägen und Analyse einer jungen Friseuse auf die Sprünge mit ihrem Geschäft half. Sehr sehenswert.

Danach wollte ich noch was am PC spielen, aber irgendwie war ich zu müde und hab stattdessen lieber gesurft (und was gebloggt). Zum Thema „Blog und Geld verdienen“ gibt es einen wirklich sehr lesenswerten Artikel und das Blog dahinter ist auch einen Besuch wert: Blogs und ihre Einnahmen

Also, ich finde es erstaunlich, dass es anscheinend doch möglich ist, mit ausreichend Besuchern und entsprechender Schaltung von Werbung wie Google AdSense, Geld zu verdienen. Diese SEO- Blogs und andere, die sich vor allem mit Finanziellen und Marketing beschäftigen, finde ich sehr interessant. Wenn ich die lese, merke ich immer wieder, wie wenig ich noch darüber weiß und dass es eine Wissenschaft für sich ist.

Dennoch denke ich, dass es ein guter Aufwand ist, so was professionell aufzuziehen. Und die Grundlage muss auch stimmen. Wenn man ein privates Blog hat und über Gott und die Welt bloggt (so wie ich) wird man wohl nie an Geld kommen. Es bleibt einfach ein Hobby. Wenn, dann müsste das Konzept völlig neu aufgesetzt werden. Oder sehe ich das falsch? Gibt es auch private Blogs, die mit ihren Postings und Inhalten Geld verdienen?

Wo ist da die Grenze? Wie ist es mit der Ethik? Hat der private Blog- Autor das „Recht“ auch Geld und Anerkennung für seine gesellschaftliche, kulturelle Arbeit zu bekommen? Und wenn ja, wie bekommt er die?

Fragen über Fragen und Stoff für nächste Postings… bis dahin, macht es gut!

5 Gedanken zu „Die moderne Netz-Beichte“

  1. Wie Du ja weißt, betreiben meine Freundin und ich ja schon eine kleine Weile unseren Blog und wir haben uns wirklich „ausgekotzt“, was unser Privatleben betrifft. Von meiner früheren Drogensucht bis zur Vergewaltigung meiner Freundin. Aber genau solche Beiträge werden oft gelesen, bleiben aber auch unkommentiert.

    Es ist also nicht einmal so, dass man in eine anonyme Welt hineinschreibt, sondern in der anonymen Versenkung verschwindet.
    Es gibt keinen Austausch, weil es keine Rückmeldung gibt. Vielleicht mal ein Forum-Admin einer Alkoholiker-Selbsthilfegruppe. Dann vielleicht aber auch noch „lieber“ an die private E-Mail-Adresse als sich offen im Blog erkennen zu geben.

    Noch so ein Killerargument für oder gegen die Offenheit des Bloggers ist seine berufliche Perspektive.
    Ich bin freiberuflich als Freelancer und Dozent unterwegs und gebe bei meiner Bewerbung auch gerne meine Domain(s) als Visitenkarte ab. Auf eine tiefgründige Recherche seitens meines potentiellen Arbeitgebers, der mich dann schließlich wegen meiner waghalsigen Gedanken oder meines früheren Lebens ablehnte, bin ich noch nicht gestoßen.
    Wenn, dann bekam ich eher ein unidentifizierbares höfliches Kopfnicken.

    Wenn man aber einen sehr persönlichen Blog betreibt, dann sollte man klar die Menschen nie mit ihren Realnamen mit in seine Artikel hineinziehen.
    Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, nie den Fehler beim Anderen zu suchen, ich habe gelernt zu spiegeln.
    Die Fehler bei mir selbst zu erkennen und so meinen Frust, den ich mit einem bestimmten Menschen habe, in eine Geschichte umzuwandeln, in der ich mich mit mir selbst auseinander setze.
    Ob dann dieser Mensch sich selbst in dieser Story selbst wieder findet, ist eine andere Sache.
    Habe fertig 🙂
    Hartmut

  2. Hallo Hartmut, mir hat Euer Blog gleich von Anfang an gut gefallen, weil es so ehrlich geschrieben ist. Wenn Du diese Fähigkeit des „selbst spiegeln“ hast, ist das eine sehr wichtige Eigenschaft, die nicht viele Menschen besitzen. Wahrscheinlich sind es erst die tiefgreifenden und schlimmen zwischenmenschlichen Erfahrungen, die solche Fähigkeiten wachsen lassen.
    Das Argument mit der Freiberuflichkeit ist wichtig- und schön, wenn man das so sagen kann.

    Aus meiner Erfahrung ist es so, dass die wirklich wichtigen, emotionalen und traurigen Beiträge unkommentiert bleiben, weil einem z.B. niemand zu Nahe treten will. Nichts-Schreiben kann dann auch ein vertrauensvolles Zuhören sein, aber so richtig „weiß“ man es nicht. Es ist dann mehr wie eine Beichte in den leeren Raum.

  3. Ich bin immer etwas gelangweilt, wenn ich in Blogs davon lese, dass die Blogger damit Geld verdienen wollen. Kenne ich ein Blog nicht und stoße gleich auf so einen Artikel, dann lese ich dort gar nicht weiter. Andererseits gibt es einige Blogger und einige wenige Bloggerinnen, die mit ihren Blogs Geld verdienen und die ich gerne lese. z.B. Wirres, Spreeblick oder das Digital Diary von Claudia Klinger. Bei denen stört mich das nicht, weil das Geld verdienen ein selbstverständlicher Aspekt ist, der nicht überbetont wird.

  4. Für mich ist der Aspekt „Geld verdienen mit Blogs“ sehr neu und ich finde ihn interessant. Insofern kann ich es verstehen, dass sich Leute ausschließlich damit beschäftigen. Allerdings besteht gerade die Schwierigkeit darin, von den privaten Informationen ausgehend die Brücke zum Beruflichen und Finanziellen zu schlagen, ohne rot zu werden und das Gefühl zu haben, den Leuten den letzten Blödsinn verkaufen zu wollen. Ich finde das eine Herausforderung, die gut durchdacht sein muss.

    Besonders schwierig wird es dann, wenn man bisher soziale und psychologische Themen zum Inhalt hatte. Dann ist der wirtschaftliche Aspekt ein bisschen was wie „Seiten wechseln“. Und das macht ihn gerade so reizvoll!

  5. Na ja, man verdient nicht so leicht Geld mit Websiten, besonders mit Blogs. Viele träumen davon – haben Kai und ich in einem Gemeinschaftsprojekt erlebt – und das kann dann viel Nerven kosten.
    Im Regelfall bloggt man aus Spass an der Freude, das bringt am Meisten.

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