Die Frauenquote

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Sehr schön fand ich, dass in den letzten Tagen mal wieder eine Thema in den Medien war, dass mich als feministisch angehauchte Bloggerin doch sehr interessiert: Die Frauenquote. Die Telekom, ein Unternehmen dass bei Kunden und im Bereich Kundenzufriedenheit nicht gerade den besten Ruf genießt (hüstel, hüstel), ist vorgeprescht und präsentiert uns nun die bewunderswerte Aussage, eine Quote von 30 Prozent an weiblichen Mitarbeitern einführen zu wollen.

Hurra! Ein Aufschrei geht durchs Land und endlich freuen sich alle und klatschen, denn die lieben Nachbarn links und rechts, auch nördlich und vielleicht eher nicht südlich haben es vorgemacht und beenden das Zeitalter der Machos und Männlichkleits-Klüngelei, Frauen vor, noch ein börsennotiertes Rendite-Tor!

Jetzt bleibt nur noch die kritische Frage, warum nur 30 Prozent und warum nicht 50 ? Und warum sind soviele Unternehmer aus DAX- Unternehmen nicht bereit, so eine Quote zu unterstützen?

Wir kombinieren folgende Meldung mit dieser (in letzterer steht nämlich, dass nur 2,4 der Vorstandsposten von DAX 30 Unternehmen weiblich besetzt sind) und kommen zu dem Schluss, dass es vielleicht Voreingenommenheiten gibt, aber das ist nur eine reine Vermutung und statistisch natürlich überhaupt nicht

Auch ein erster Blick in die meistens männlich dominierten Nachrichten-Portale der großen Verlagshäuser und der angehängten, meist männlich bezeichneten Namen der Kommentierer verrät, dass es hier und da doch ein wenig Widerstand gegen allzu viel feministisches Aufklärungspotential gibt.

Die Argumente sind immer gleich, manchmal sehr platt, aber doch ähnlich: Frauen können nicht führen, eine Quote ist ungerecht, lieber durch Leistung glänzen, es widerspricht dem Wettbewerbs-Gedanke, usw. usf.

Wenn ich selbst im Blog Frauenthemen und genderistische/ feministische Ungleichheiten angesprochen habe, waren die Reaktionen oft gleich: Von Männern entweder Skepsis oder Neugierde und Tonnen an Meinungen und von den Frauen meistens: Kein Wort. Obwohl es doch gerade sie angeht, obwohl die Ungleichheit doch so tief sitzt und von jeder Frau emotional sehr stark gespürt werden müsste.

Und der Widerstand, den man im öffentlichen Raum gegenüber die Frauenquote spürt, zeigt im Grunde nur, dass etwas befürchtet wird, dass man „dem Ganzen“ nicht traut. Neue Dinge machen immer Angst, das alte ist bewährt und schafft Sicherheit. Dazu kommt, dass Deutschland nicht gerade Spitzenreiter in der EU ist, was Gleichberechtigung angeht und die Masse eher zu konservativem Denken neigt.

Wenn die Bevölkerung wirklich im Herzen gleichberechtigt wäre und man der Meinung wäre, dass Frauen und Männer nun völlig gleich sind, gleiche Rechte, Aufgaben und Pflichten haben, dann wäre doch eine Quote überhaupt kein Problem. Niemand würde sich darüber aufregen, es gäbe kein Widerstand, in jeder Familie würde die Struktur dafür sprechen und alles wäre in Butter.

Vielleicht bräuchte man tatsächlich keine Quote, weil es doch „von selbst“ schon gerecht ist.

Ich verstehe auch die Skeptiker der Quote: Sie regelt etwas, wo natürliche Vorgänge besser sein sollten. Aber denkt man auch daran, die Autofahrer stets selbst entscheiden zu lassen, wie schnell sie fahren, wieviel Abstand „gesund“ ist oder das ein, zwei Bier beim Fahren nicht schaden? Menschen sind eben nunmal fehleranfällig und es gehört zum Lauf der Welt, dass sich die Stärkeren gegen die Schwächeren durchsetzen und der schlaue Bürger immer den stets besten, meistens aber egoistisch vorteilhaftesten wählt- beileibe nicht den Vernünftigsten.

Die Quote könnte also den Zwang einführen, Gerechtigkeit in den Unternehmen herzustellen und es könnte Frauen, die vielleicht schwächer, bescheidener und nicht so durchsetzungsstark wie ihre männlichen Kollegen sind, dabei helfen, „nach oben“ zu kommen. Es würde auch Diskriminierung im Vorfeld verhindern, allerdings nur, wenn dann nicht im Rücken einer soeben beförderten das hässliche Wort „Quotenfrau“ fällt…

Den Frauen hat man in den letzten Jahren aber viel geholfen und im Moment gibt es viele Leute, die ernsthaft die Männer als das „bedrohte Geschlecht“ ansehen und die Jungs mehr fördern wollen. Für alle Feminismus-Skeptiker oder Feminismus-Invertierer ist eine Quote also ein rotes Tuch.

Die übergeordnete Frage bleibt zudem: Sind Frauen und Männer denn wirklich gleich? Möchte man Gleichheit auf dem Papier herstellen, wo es in der Realität, im Rollenbild und vielleicht auch in der biologischen Gehirnsturktur soviel elementare Unterschiede gibt?

Das angriffslust-steigernde Testosteron sorgt für Macht-Kämpfe, für Gerangel und begünstigt den Stärksten. Keine Kompromisse eingehen zu können, Tag und Nacht hart zu arbeiten, dabei den Haushalt zu vernachlässigen oder eine starke Partnerin zu haben, die den Rücken freihält sind meistens sehr männlich dominierte Lebensweisen. Für eine Karrierefrau ist auch deshalb so schwer, weil einmal immer die Kinderfrage im Raum steht und es zudem ungleich schwieriger ist, einen Partner für die Unterstützung bei der Karriere zu bekommen, als umgekehrt.

Frauen sind von der Natur her oft auf Ausgleich oder soziale Kompetenz ausgelegt, gehen Konflikten gerne aus dem Weg und sind durch das Östrogen insgesamt weniger aggressiv. Das fördert zwar die Beziehungen und die Gesundheit, nicht aber den harten Aufstieg auf der Karriereleiter.

Es gibt aber durchaus Frauen, die es mit Männern aufnehmen können und auch ähnlich „männliche“ Gehirnstrukturen, Denk- und Verhaltensweisen an den Tag legen. Umgekehrt gibt es auch viele weibliche Männer, die aber dennoch zur Bundeswehr eingezogen werden und ihren Mann stehen sollen.

Die einfachsten Schubladen „Mann“ und „Frau“ sind eben sehr oft zu klein und völlig unpassend.

Eine Quote würde die schützen, die sich nichts schützen können und es würde wenigstens „von oben herab“ die Notwendigkeit zur Gleichheit schaffen. Das ist im Grunde ein ureigenes Politik-Feld und daher vernünftig.

Ob die Natur auch mitmacht, wird sich zeigen müssen. Dass Frauen in Unternehmen auch für mehr Gewinne und vielleicht ein besseres Betriebsklima und somit mehr Effizienz sorgen, ist tlw. sogar belegt.

Wir alle müssen uns daran gewöhnen, dass die moderne Zivilisation und Kultur mehr Freiräume, mehr Möglichkeiten, neue Denkweisen, mehr Transparenz und somit auch mehr Gleichheit schafft und im Umkehrschluss erfordert.

Die Rollenbilder und Modelle in unseren Köpfen sind zwar alt und tradiert, es heißt aber nicht, dass sie überhaupt nicht zu ändern sind.

4 Gedanken zu „Die Frauenquote“

  1. Hallo Julia,
    ein interessantes Thema! Mir fiel gerade heute in der Vorlesung mal wieder der allgemein gedachte Unterschied auf (Stichwort Multitaskingfähigkeiten). Ich hoffe, dass sich bald einiges ändert und z.B. die Männer auch nicht immer darauf herumreiten, dass man sich als Frau „in eine Männerdomäne vorgewagt“ hat und da recht einzeln steht.
    Ich werde mir auf jeden Fall weiter Gedanken machen,
    schönen Abend noch 😉

  2. Hallo Laura, schön wenn dir das Thema gefällt. Endlich mal ne Frau 😉

    Das mit den Männerdomänen ist echt schlimm, hab auch oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich im Baumarkt herumstöbere. Aber auf der anderen Seite geht es wohl auch so manchem Mann im Schmuck- oder Modegeschäft so.

    Man sieht, die Gleichberechtigung kann eigentlich nur helfen. Also Frauen vor… und Männer dann irgendwann auch. 😉

    mfg, Julia

  3. Ich habe als Geheimrat dazu schon so viel gesagt – da halte ich mich als Ultimalatet erst einmal zurück 😉

    Ja, mein altes Blog ist dicht – aber: Es lebe das neue Blog. Mit vielen alten Inhalten, aber auch neue Themen werden dort ihren Platz finden! Damit Du Dich da auch einmal als Kommentatorin verewigst! Es würde mich sehr freuen …

    Herzliche Grüße,
    Ralph alias Ulti aka Geheimrat!

  4. Hallo Geheimrat, ich habe ein so schlechtes Gewissen weil ich noch nicht bei dir kommentiert habe. 😉 Bei deinem früheren Blogs habe ich mich nie getraut, weil ich ehrlich gesagt schüchtern bin und auch eher selten bei anderen kommentiere. ich mag es nicht so, wenn man sich in Diskussionen gegenseitig angreift und ich kann auch schlecht meine Meinung gegenüber anderen Meinungen behaupten. deswegen kommentiere ich nicht gerne.

    Aber wenn mir etwas wirklich gut gefällt, dann versuche ich dennoch irgendwie meine Zuneigung auszudrücken. Ich hoffe, das ist (erstmal) genug. 😉

    viele Grüße
    Julia

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