Den Tag verschenken

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Gibt im Moment nicht viel zu bloggen, hab auch keine Lust dazu. Ich bin eigentlich schon am Überlegen, das Blog ganz dicht zu machen, weil ich irgendwie eine mittelschwere „post-Blog“ Phase erreicht habe, wenn man das so nennen kann.

Das Schreiben im Blog lebt bei mir immer von zwei wichtigen Dingen: 1.) Der Wunsch, mit anderen zu kommunzieren und das Leben und die Gedanken für andere zu öffnen und 2.) Die Lust am Schreiben selbst, das Nachdenken über bestimmte Dinge und das reine Handwerk & Hobby „Schreiben“. (3. vielleicht noch: Die Muse, die Inspiration und die gute oder in einer anderen, gewissen, formulierbar gefärbten Laune)

Auf alles hab ich im Moment keine Lust. Meist tun mir die Hände abends weh oder die Augen brennen und ich bin froh, wenn ich ein wenig Ruhe und Zeit für mich habe. Auch der Druck, mich jetzt unbedingt der Öffentlichkeit präsentieren zu müssen und mein Alter Ego, meine virtuelle Identität weiter aufzubauen oder abendfüllende Spannungsbögen zu formulieren, habe ich im Moment nicht.

Ich bin eigentlich ganz zufrieden, vielleicht liegt es daran? Die innere Zufriedenheit, die Ausgeglichenheit, vielleicht auch die Gelassenheit, Langeweile und der Gleichmut sind die besten Gründe, sich nicht zu äußern. Das Leben plätschert so vor sich hin. Ich muss nicht betonen, dass mich das Wetter (auch wenn ich vorher einen leicht ironischen Winter- Adé Artikel geschrieben habe) nun doch ein wenig nervt. Wann wird’s mal wieder Sommer?

Es ist hier kalt wie am Nordpol! Ich öffne die Tür und ein eisiger Wind pfeift mir ins Gesicht. Überall am Haus bricht sich die peitschende Luft an Dachziegeln, kleinen Vorsprüngen und ähnlichem und erzeugt somit kleine Wirbel, die wiederum mit einem munteren Surren und Pfeifen die Ruhe des Tages durchbohren. Im Hof liegen noch kleine zu Eis gewordene Hügel aus Schnee, vom Auto habe ich letztens Stück für Stück die Eiszapfen abgebrochen und dabei eine kleine Genugtuung verspürt. Wenigstens in diesem Moment habe ich die Gewalt über den Winter! Wenn ich den Schnee räume und die Kristalle mit Salz zum Erweichen bringe, dann gehört der Winter mir! Zumindest diese Straße, dieser Weg, dieses kleine Abteil des Lebens ist winterfrei geworden. Da kann die Luft kalt sein, wie sie will. Der Mensch ist doch stärker.

In der Stadt machen sich wieder die „schlechte Laune“ Gesichter, das gehetzte Waren- durch- die- Luft- wirbelnde Kassiererin-Syndrom und der allseits hektische und angespannte Straßenverkehr breit. Ich bin erstaunt, wie langweilig, wie monoton alles ist.

Wie schlecht die Leute gekleidet sind, wie wenig sie auf ihr Aussehen, ihre Manieren und die Höflichkeit achten. Die meisten Menschen schauen überhaupt nicht! Sie bewegen sich unsichtbar gezogen von einem Draht unter dem Supermarktboden, stieren streng nach vorne oder kurz in die Regale. Ich versuche die meisten anzulächeln, aber bei den meisten kommt nichts zurück. Es herrscht eine geschlossene Stimmung. Eine gehbehinderte, ältere Frau im Rollstuhl bat mich heute, ihre Artikel vom Band in der rückseitigen Tasche zu verstauen, an die sie nur schlecht herankam.. Wenigstens hier hatte ich eine kleine menschliche Berührung, das Gefühl, gebraucht zu werden. Ich war so erstaunt über ihre Frage, dass ich es einfach gemacht habe und ihre Bitte nur mit einem recht unfreundlichen Grummeln beantwortet habe.

Die meisten Menschen im Alltag, auch ich, erfüllen ihre Pflicht, als seien sie Spielfiguren in einem großen Spielbrett, dessen Regeln und Sinn sie anscheinend nicht begreifen, sonst würden sie was ändern. Oder sie haben einfach Angst, darüber nachzudenken?

Was kann man schon ändern? Wann hat man schonmal was unter Kontrolle, wann ist man frei? Welcher Tag ist ohne Verpflichtungen, welcher Tag ohne Streß, welcher ohne Hektik?

Wann wird man mal nicht kritisiert, nicht angemacht, nicht hinterfragt? Wann kann der Mensch einfach Mensch sein?

Es ist ein kostbarer Augenblick. Vielleicht schreibe ich deshalb nicht. Ich möchte mein Mensch-Sein, meine Freiheit für mich behalten und bin zu geizig, sie mit anderen zu teilen. Denn diese könnten sie wieder anzweifeln und dann würde ich das verlieren, was ich gerade verschenkt habe. Aber das ist paradox. Wenn man etwas verschenkt, verliert man nichts. Es ist weg und das mit einem guten Gefühl. Das Verschenken bereichert das Leben, der Geiz verengt es.

Also verschenke ich meinen Tag, ein Stück von ihm, ein Bruchteil. Lächerlich und nicht der Rede wert.

Für euch, für mich, für wen auch immer.

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