Das war die IENA 2008

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Von Donnerstag bis Sonntag waren wir als Aussteller auf der weltgrößten Erfindermesse, der IENA in Nürnberg.

Hier stellen private Erfinder, Hochschulen und Jugendliche aus allen möglichen Alltags- und Lebensbereichen ihre Neuheiten und Erfindungen aus. Die Messe feierte zugleich ihr 60-jähriges Jubiläum.

Mit der Erfindung meines Mannes, dem Stippenzähler, ein Gerät zur optischen Endkontrolle von rieselfähigen Schüttgütern für die Industrie, waren wir jeden Tag von 9 bis 18 Uhr für Geschäftskunden und Privatleute am Stand Landau (Nr. 18, Halle 11) zu erreichen. Unser Erfinderclub aus der Pfalz ermöglicht privaten Erfindern eine kostenlose Teilnahme an der Messe, die ansonsten hohe Standgebühren verlangt. Die Teilnahme an so einem Verein kann man, neben den praktischen und kommunikationsorientierten Erfahrungen im Club nur empfehlen. Wenn man überlegt, dass ein einzelner Stand, ca. 4 qm, mit einem kleinen Tisch und einer vorgegebenen Werbefläche schon 800 € kostet, kann man sich ausrechnen, was ein größerer Eck-Kopfstand wie unserer- mit mehreren Tischen und deutlich größerer Fläche- kosten würde.

Land der Ideen
Der Staat, vor allem das Ministerium für Wissenschaft und Forschung hat natürlich ein berechtigtes Interesse, die privaten Erfindungen und Erfinder zu fördern, denn nicht umsonst gilt Deutschland zumindest offziell als das „Land der Ideen“. Von der Seite der Förderung war eigentlich alles in Ordnung. Während der Messe gab es kostenlose Vorträge von erfahrenen Fachkräften, die mit der Qualität von Hochschul-Vorlesungen zu vergleichen waren. Patentanwälte oder Erfinder, die schon etwas weiter im Berufsleben vorangeschritten sind, teilten ihre Erfahrungen und bereiteten sie anschaulich mit Powerpoint-Präsentationen und Mikrofon auf. So erfuhr man sehr viel über das aktuelle In-Thema dem Schutz vor Raubkopien und Erfindungs-Piraterie. Welche Möglichkeiten gibt es, das eigene Projekt zu schützen? Was tue ich gegen Marken-Piraterie oder dreisten Herstellern, die einfach alles nachbauen? Mit der Erfindung allein ist es nicht getan, sie erfordert Schutzrechte wie das „kleine“ Gebrauchsmuster oder das „große“ Patent. Auch hier sind wieder Fallstricke zu beachten, denn wenn eine bestimmte Frist (ein Jahr) zur Umschreibung vom Gebrauchsmuster auf das Patent vergeht, kann man diesen Schutz nicht mehr beantragen. Der Nachteil am Patent ist, dass es teuerer ist und meistens zusammen mit einem entsprechenden Anwalt ausgearbeitet werden muss, der wiederum Geld kostet.

Selbst ein Patent aber schützt nicht vor Nachahmern, wie es der Werdegang der GPS-Erfindung zeigt. Sind die Interessen der Industrie und der zu erwartende Gewinn groß genug, wird selbst ein Patent nicht ausreichen, um an sein selbstverständliches Recht für Schutz, Gebühren und Lizenzen zu kommen. Anwalts- und Gerichtkosten fressen dann das Budget auf, dass der kleine Erfinder aufbringen kann, Gerechtigkeit wird dem Markt und der Macht des Geldes geopfert.
Das betrifft wohl vor allem die Schlüsseltechnologien, die als Meilensteine in die menschliche Erfindungsgeschichte eingehen.

Kleine Erfinder dürfen durchaus mit einer Nische rechnen, in der sie sich einrichten können und vielleicht langfristig Industrie und Handel von ihrer Idee überzeugen.

Praktische Erfahrungen sammeln
Die Messe ermöglicht den Erfindern etwas sehr Wertvolles: Die anwesenden Besucher kommen aus sovielen verschiedenen Fachbereichen und Berufszweigen, dass eine schnelle und zuverlässige Einordnung des eigenen Fortschritts bemessen werden kann. Ob die Erfindung überhaupt gebraucht wird, ob sie von Privatleuten leicht zu verstehen und anzuwenden ist, ob es einen Markt oder eine potenzielle Nachfrage geben könnte. Oder wie Projektberater und gewiefte Erfinder mit vielen Anmeldungen die eigene Erfindung berurteilen und einschätzen. All diese Informationen bekommt man als Aussteller kostenlos zurück, zu beachten ist allerdings die nicht unerhebeliche Anforderung an Geist und Körper um die täglichen 9 Stunden im stets vollen, lauten und mit Klimaanlage bewehrten Raum zu überstehen. Diesen Preis zahlt man allerdings gerne, denn die kreative Denk-und Ideenschmiede hinter dem Projekt kam angesichts der ständig sprudelnen Eindrücke nie zum Stehen.

Nicht zuletzt die Medaillenverteilung der IENA-Messeleitung, die von einer professionellen Jury auf der Grundlage eines Punktesystem entschieden wurde, ermöglicht eine technische und inhaltliche Einordnung des eigenen Produktes. Darüberhinaus sorgen die Medaillen und die Ehre für einen Motivationsschub und das Gefühl, auf der richtigen Spur zu sein. Ich gratuliere meinem Mann und dem Team dahinter für die Goldmedaille! 😉

Das Verwerter-Problem
Die ersten zwei Tage waren dem Fachpublikum vorbehalten. Hier war der Eintritt zugleich deutlich höher, was zusätzlich dazu geführt haben könnte, dass die Resonanz der angesprochenen Wirtschaftszweige eher bescheiden war.

Gespräche mit anderen Ausstellern und eigene Erfahrungen haben ergeben, dass es nur sehr wenige, wenn überhaupt keine Firmen gibt, die bereit sind, technische Erfindungen mit Hilfe einer professionellen Produktlinie auszuarbeiten oder gar die ganze Lizenz abzukaufen. Diesen Traum vom großen Hauptgewinn hatten natürlich sehr viele Erfinder, aber die deutschen Firmen zeigten sich zurückhaltend und konservativ. Eher hätte man eine chinesische Kooperation eingehen können, weil hier anscheinend mehr Mut und Risikobereitschaft vorhanden war. Belächelt wurden von Einzelnen zu Unrecht die jugendlichen Erfindungen, die nicht schlecht waren und ein hohes Entwicklungspotenzial der jungen Köpfe offenbarten. Es gab z.B. ein kombiniertes Fitnessegerät zur elektrolytischen Trennung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff. Ein denkbarer Einsatz wäre- so wie mir der Erfinder erklärte- der flächenmäßige Einsatz im einem Fitness-Studio. Das Trimmrad trennt das Wasser auf und der angeschlossene „Druck-Stepper“ komprimiert die Gase verwendungsfähig in Flaschen und Druckbehältern. Wasserstoff kann man dann z.B. für ein Wasserstoff-Auto einsetzen, das produzierte Abgas ist wiederum: Wasser!

Stärkeres und professionelles Interesse an Erfindungen gab es eher von Mittelsmännern oder Firmen wie Anwälten, Projektberatern oder Händlern. Selbst der direkte Kauf eines Produktes hätte leicht vonstatten gehen können, so groß war die Nachfrage und die Begeisterung von Privatleuten über die Präsentationen.

Fazit

Da unsere Erfindung aber eher ein Produkt ist, dass sich an die Industrie richtet, wird uns nichts anderes übrig bleiben, als die gewonnene Erfahrung und die gesammelten Kontakte zu unseren Gunsten zu verwenden und selbstständig das Beste daraus zu machen.

Manche Aussteller sind diese Weg schon mit aller Konsequenz gegangen, so hat z.B. die Erfinderin des „Lady Prizes“ also für die beste Erfindung einer Frau, ein fertiges und verkaufsfähiges Produkt ausgestellt, den Stanz-Locher zum Einheften dicker Bücher und Mappen in einem klassichen Lochersystem, wie sie von Aktenordnern bekannt sind.

… Akten werden wir haufenweise brauchen, um all die gewonnenen Erfahrungen zu verwalten und weiterzuverwenden!

IENA 2009, wir kommen wieder!

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