Brücken und Schluchten

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Über zwischenmenschliche Sympathie und Antipathie

Was entscheidet eigentlich, ob uns jemand sympathisch ist oder nicht? In der realen Welt würden mir sehr viele Dinge einfallen, Aussehen, Geruch, Verhaltensweisen- aber in der virtuellen Welt wird es schon schwieriger. (Siehe auch: Virtuelle Sozialkontakte)

So ist mir z.B. neulich etwas aufgefallen. Ich habe eine Frau kennen gelernt, die ich sehr nett fand- durch Zufall auf Twitter, da lernt man schnell mal neue Leute kennen. Sie hat das gleiche Hobby wie ich, nämlich die Sendung GNTM zu schauen. Auch sonst schien sie in meinem Alter, einen ähnlichen Humor zu haben und war recht tolerant. Ich schrieb ein paar Mal hin und her und es entwickelte sich so eine kleine Freundschaft, die mich glücklich machte. Ich finde, Frauen sind untereinander viel zu selten wirklich befreundet, viele Frauen, die ich so kennen gelernt habe, bauen sehr schnell eine (für mich völlig unverständliche) Konkurrenzsituation auf, was ein Relikt aus alten Zeiten sein muss- oder whatever! So fällt mir z.B. auf, dass Männer viel eher in größeren Teams zusammenarbeiten können, sich bei Frauen aber immer unweigerlich ein Zickenkrieg entfacht und der mangels eindeutiger Hierarchie und dem ständigen Versuch, sich gegenseitig durch Worte zu manipulieren und zu dominieren, endlos wird.

Es mag nun nach Vorurteil klingen, aber wer genauer hinsieht, wird vielleicht ähnliches beobachten und bestätigen können. Meine These ist ganz einfach, dass bei Frauen auf Grund der Familiengründungs-Rolle immer nur eine Frau im Haushalt sein kann und diese dann unweigerlich alle anderen (artfremden) aus ihrem Revier so lange wegbeißt, bis halt nur noch eine übrig ist. Nur so kann man auch die schwierigen Konflikte erklären, die sich z.B. zwischen Ehefrau und ihrer Schwiegermutter abspielen, wenn diese mal im Haushalt ist- oder die Situation zwischen Hausfrau und Stieftochter aus einer Patchwork-Familie (was ich auch schon erleben durfte). Wer die Sendung „Frauentausch“ auf RTL2 schon mal gesehen hat, bekommt hier eine Dauerberieselung über Frauen-Feindschaften auf dem Fließband serviert. Im seltensten Fall funktionieren die Experimente, was auch zeigt, wie unterschiedlich Denk- und Verhaltensstrukturen in den einzelnen Familien sind und wie sehr diese von den jeweiligen Frauen bestimmt werden. (Mitfühlende Akademikerinnen und psychologisch geschulte Professorinnen mal ausgenommen, aber die sind im Fernsehen meistens in der Unterzahl).

Obwohl Frauen also diese Fähigkeit zur sozialen Kompetenz eigentlich haben sollten, stoße ich immer wieder auf das paradoxe Erleben, dass es irgendwo hakt und dann doch nicht funktioniert. Alle Kleinigkeiten, alle lästigen Dinge, die eigentlichen keinen Grund zur Erwähnung haben sollten, nehmen ihren Weg durch das limbische System des weiblichen Gehirns (den Gefühlen..) werden dadurch ums 1000fache verstärkt, umgehen dabei das Logikzentrum und enden als Kurzschluss im Sprach-Zentrum. Nur so kann ich mir erklären, warum viele Konflikte nur auf emotionaler Schiene ausgetragen werden und warum es selbst für erfahrene und eigentlich „reife“ Frauen so schwierig ist, Konflikte mit einer gewissen Distanz und Abgeklärtheit zu lösen. Mehr Nachdenken und weniger Fühlen wäre auf jeden Fall einer der wichtigen Schlüssel zur Lösung!

Diese Frau auf Twitter, die ich so mochte, löschte mich also kurzerhand und ohne Begründung aus ihrem Followerkreis. Aber bis heute weiß ich nicht warum. Für immer stehe ich gestraft da. Immer werde ich weinen. Ich werde mir Sorgen machen, Selbstvorwürfe und vielleicht am Ende einen Strick….

Vielleicht bin ich auch zu stolz, um sie zu fragen.. und mal ehrlich: ich habe auch schon Leute gelöscht, die mich genervt haben, aber dafür gibt es nur einen einzigen Grund: Wenn sie zu viel erzählen und den Chat zumüllen. Oder wenn es rein kommerzielles Geschreibsel ist und von keinem „Menschen“ kommt.

Das habe ich aber nicht gemacht. Was ich gemacht habe, ist mich bei einem Dienst wie Twitterfeed anzumelden, der dann automatisch alle neuen Blog-Beiträge in Twitter „spamt“ und da ich an den Einstellungen noch werkeln musste, kann es sein, dass hier die eine oder andere Nachricht zu viel geschrieben wurde. *

Ich weiß immer noch nicht, was die Frau bewegt hat, mich zu löschen- aber ich verdanke ihr indirekt diesen Beitrag.

Ich werde mir Gedanken zur Sympathie und Antipathie machen und ich stelle fest, dass es in der virtuellen Welt noch schwieriger ist, Konflikte zu lösen und Menschen so zu sehen, wie sie wirklich sind. Was in der realen Welt schon schwierig genug ist!

Was sollte also als Fazit bleiben? Sollte man das Internet weiterhin Menschenlos betrachten und nutzen? Sollte man andere Menschen und Konflikte daraus ausklammern, weil es scheinbar nicht geht? Ist der Gegenüber nur ein leeres Profilbild, dass ich nach Bedarf weg klicken oder hinzufügen kann? Nur ein Link, einer kleiner HTML-Befehl trennt meine Welt von dem des Gegenüber.

Doch ein seelischer Abgrund tut sich manchmal dazwischen auf.

Weiterführende Links

( * An der Stelle muss ich noch darauf hinweisen, dass ich jetzt mit der Medienrunde ein Gemeinschaftsblog habe. Im J.A. Blog habe ich das noch nicht vorgestellt. Ihr könnt euch aber mal das „Über uns“ durchlesen, da habe ich versucht zu erklären, um was es geht. Hartmut und ich suchen grundsätzlich noch Leute, die daran teilnehmen wollen, die mit uns zusammen Fernsehen und twittern wollen oder auch mal Lust auf „reale Treffen“ außerhalb der Blogosphäre haben.
Es kann auch sein, dass ich noch weitere Blogs gründen werde und alles, was ich dann schreibe und blogge, wird dann in den Twitter-Account übernommen. Eigentlich ist das praktisch, oder? )

10 Gedanken zu „Brücken und Schluchten“

  1. Vielleicht hat dich die Frau gar nicht entfollwet? – Twitter ist da manchmal etwas zickig.

    Zickiger jedenfalls als die Frauen von denen du am Anfang deines Artikels schreibst. Manchmal sagen meine Kolleginnen (Anwenderinnen) etwas ähnliches über die Frauen, dann ergreife ich immer das Wort und sage, dass das eine vereinfachte Sicht der Realität ist. Frauen sind oft mehr in den Situationen in denen sie einen „Lagerkoller“ entwickeln und dann reagieren sie, wie alle Menschen in Situationen reagieren, wenn sie abhängig sind, ohne Aussicht die eigene Situation zu verbessern, auf einander angewiesen, ohne sich die Kontaktmöglichkeiten aussuchen zu können.

    Männer sind seltener in diesen Situationen gefangen, reagieren aber ähnlich, wenn sie hineingeraten. z.B. wenn sie arbeitslos sind.

  2. @ Claudia
    Sicherlich hast du Recht damit.. wenn eine Frau in einer ungünstigen Lage ist, wird sie wahrscheinlich genauso „gereizt“ und aggressiv wie ein Mann reagieren. Das komische ist nur, dass es bei Frauen dann gleich „zickig“ heißt, bei Männern aber „natürliche Gene zur Selbstbehauptung“ sind, nur um mal einen Unterschied herauszustellen, der sich durch die Geschlechtsrolle ergibt. Wie immer, ist es sehr schwierig, allgemeine Regeln aus solchen Einzelfällen abzuleiten, aber dennoch inspiriert und interessiert es mich irgendwie und es brennt mich, die wahren Ursachen und Regelmäßigkeiten zu finden. (hab noch ein paar Links zum Artikel nachgetragen, die das Thema behandeln, es wäre aber gut, wenn ich noch Quellen finden würde, die von Frauen geschrieben wurden)

    Ich bin mir aber sicher, dass sie mich „unfollowed“ hat, weil sie es an dem Tag auch geschrieben hat, dass sie das macht (so im Allgemeinen) und als ich dann nachgesehen hatte, war ich tatsächlich raus geflogen. 🙁 Ich hab vorher schon gemerkt, dass sie mir nicht mehr geantwortet hat, auf meine Tweets und -naja- das war es dann wohl. Schade. Mir hat das Ganze mal wieder die Euphorie am Twittern genommen und es wird ein wenig dauern, bis die wieder kommt.

    @ Violine: siehe Antwort zu Claudia! Ich recherchiere noch ein bisschen zu dem Thema „Zicken“ und hoffe, dass wir des Rätsel Lösung bald finden. 😉

  3. Ich glaube, du nimmst das zu persönlich. 😉
    Jemand entfollowt dich bei Twitter – was hat das schon zu bedeuten?
    Vielleicht wissen wir es, wenn ein Twitter-Knigge rauskommt. Bis dahin würde ich vorschlagen, im Zweifelsfall ernsthaftere Kommunikation auf eMail und Telefon zu verlegen.

    Was Zickenkriege angeht, kann ich nicht mitreden. Mir gegenüber verhält sich fast nie jemand zickig – und wenn ich mal zurückdenke, dann fallen mir im Moment sogar mehr Männer als Frauen ein, die zickig zu mir waren.

  4. @Alice: mir ging es einfach darum, die Vor- und Nachteile von Twitter zu beurteilen. Und die mangelnde Konfliktfähigkeit, die sich dabei ergibt, ist für mich schon ein Problem. Wenn ich mich mit der Frau gut verstanden habe und sie mich einfach rausklickt, dann kann ich das nicht übersehen, dann ist es eine Sache, über die ich nachdenken muss. (zumindest, weil das hier ein Blog mit sozialen Schwerpunkten sein soll)

    Ich nehme es nicht persönlich, aber ich bin etwas kritisch, weil es immer kleine Tropfen sind, die sich in meiner gesamten These über soziale Beziehungen niederschlagen. Nicht der einzelne Fall ist entscheidend, sondern die Summe aller bisherigen Erfahrungen und Analysen.

    Ich möchte keinem nachtragen und du hast sicherlich recht, dass man mit dem Telefonieren vielleicht mehr erreicht.

    Aber es ist schon auffällig, wie die meisten Frauen abstreiten, dass sie zickig wären. 😉

    Das muss mich einfach neugierig machen. 🙂

    Viele Grüße
    Julia

  5. Aber im Prinzip bringt das alles nichts mit dem Grübeln. weil es einfach immer weiter geht.
    Ich denke mal an meinen heftigen Konflikt mit Ecki: Erst fetzen wir uns, dann bin ich traurig und depressiv, dann rappel ich mich hoch, dann folgt er mir wieder auf Twitter, dann geht er mit seinem Blog offline und nun folge ich ihm auch wieer bei Twitter.

    Und denk mal nach, wie wir uns beim Kennenlernen „gefetzt“ haben. Wir haben uns mit der Zeit angefreundet, weil wir beide gearbeitet und nicht aufgegeben haben.
    Ich denke, es gehören zwei Seiten dazu, wirklich den Willen zu haben, eine Freundschaft aufbauen und erhalten zu wollen. Und ob nun Twitter die Plattform für das Schließen von Freundschaften ist, ich weiß es nicht.

    Was Frauen-Freundschaften betrifft, kann ich natürlich nicht mitreden. Ich habe nur Erfahrungen aus einem Großraumbüro. Und da war das Gezicke immer tierisch. So lange, bis nur ein Kerl (ich) den Raum betrat. Dann war plötzlich Friede und jede Dame stellte sich im Besten Lichte dar.
    Also irgendwelche Revier- und Grabenkämpfe laufen tatsächlich ab.
    Männerteams laufen da etwas anders ab. Sie suchen eher eine Hierarchie. Einer muss das Sagen haben, dann klappt das meistens auch. Gibt zwar dann noch einen Rebellen, der wird aber durch die folgenden Gruppenmitglieder „begradigt“. Bei den Damen hat auch eine Vorsteherin/Vorarbeiterin wenig Chancen, da wird hinter deren Rücken gelästert und gemobbt.
    So waren das zumindest meine Erfahrungen in einem 1,50 Euro-Job, den ich vor 2 1/2 Jahren machen durfte.

    So, habe fertig, eventuelle Rechtschreibfehler bitte ich zu entschuldigen, sitze bei meiner Mutter am Netbook und hatte mal eben Lust und Zeit zum Kommentieren.

  6. Das war dann also ein Crash-Kurs in Sachen digitale Freundschaften. Aber wie willst du dir ein Bild von einer Person machen, die du nur durch kurzen Austausch von ein paar Worten kennst? Mir scheint, du hast dich in ihre Worte hineinprojeziert und ihnen einen Sinn gegeben, der vor allem aus dir selbst kommt. Und wer weiss: vielleicht hast du irgendetwas geschrieben, das sie an irgendetwas erinnert, was ihr unangenehm ist. Also: ein Missverständnis. Das kommt im richtigen Leben vor und dann, wenn man nur über so einen mikroskopisch kleinen Kanal kommunizieren kann, erst recht.

  7. @ Fragezeichner: ja, die Größe des Kanals, das ist ein wichtiger Punkt. Das andere- okay, habe ich übertrieben- absichtlich, genau aus diesem Grund, um es deutlich zu machen. Tagtäglich werden bei Twitter Menschen weggeklickt, einfach so, niemand macht sich Gedanken. Ich kann auf dieser Plattform einfach keine „echten Menschen“ spüren- und warum sollte ich sie dann noch nutzen? Ich habe schon vermutet, dass die Kürze der Nachrichten ein Problem sein kann, da ist mir das Blog doch lieber, hier kann ich mich wenigstens „ausschreiben“.

    Und ich finde es schade, dass hier fast jeder in den Kommentaren relativiert und mir keiner glaubt, abnimmt oder bestätigt, was ich eigentlich mit diesem Fall sagen will.

    Ich war einfach enttäuscht, traurig und es hat mich daran erinnert, wie schnell Leute andere Leute fallen lassen können- ohne jeden Grund- und einfach, weil es so bequem ist.

    Es wäre auch schon längst vergessen, wenn ich nicht darüber geschrieben hätte.

    Insofern gibt es immer noch was Gutes daran.

  8. ps: Die schwierige Aufgabe für die moderne Netzwelt wird sein, sich von den Computern nicht das Menschliche abreden oder verdrängen zu lassen und trotz aller Neuheiten, die unser Leben so verändern, Mensch zu bleiben und die sozialen und mitmenschlichen Werte dauerhaft hochzuhalten. Echte, ehrliche mitmenschliche Kommunikation ist das Ziel. Ob mit Twitter oder ohne ist eigentlich egal. 😉

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