Bloggen ist: Egal

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Egal. Es ist mir egal. Mittlerweile ist es mir egal, ob ich viele Besucher habe oder nicht. Wie hoch mein Pagerank ist. Den PR 3 habe ich einfach in die Mülltonne getreten, unwichtig- weg damit! Es ist mir egal, ob mir jemand in Twitter „Guten Morgen“ sagt oder nicht, es ist mir egal, ob ich Follower habe oder nicht, es ist mir egal, ob ich jemand halten kann oder wieder verliere. Gleichgültigkeit ist eine gute Methode, locker und unbeschwert durch das Leben zu kommen- Gleichgültigkeit ist frei von Zielen, Wünschen und Strukturen.

Dennoch, eröffnet diese grundsätzliche Gleichgültigkeit das Leben für tiefere Empfindungen wie Mitgefühl und Anteilnahme. Gleichgültigkeit gegenüber Zielen heißt nicht Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen! Aber es bedeutet: Sie nicht festklammern zu wollen.

Wenn man etwas erreichen will, braucht man ein Ziel, einen Wunsch eine Absicht. Vielleicht ein Streben nach Besitz, nach „Haben wollen“.
Wenn man alle diese Absichten überwindet oder überwinden will, ist es völlig belanglos- unwichtig, was denn nun genau geschieht. Es gibt kein Gut, kein Falsch, kein Schlecht, kein Böse und kein bewundernswert.

Frei zu schreiben, bedeutet auch den Wunsch nach Besuchern und Anerkennung zu überwinden- es ist unwichtig- letztendlich schreibt man doch immer für sich selbst. Der Wunsch, ehemals Vater der Gedanken löst sich beim Schreiben auf, man entledigt sich ihm- das verschafft die Freiheit beim Schreiben und Denken. Es ist ein erholsamer, angenehmer, süchtig machender und schöner Vorgang.

Aber- zugegeben- es ist auch etwas seltsam. Es ist seltsam, kein Ziel zu haben. Ich blogge, wenn ich Freizeit habe, wenn ich mich frei von den Sorgen des Alltags machen will. Bloggen ist mein Ventil, meine Überlebensader, mein Überdruckventil in die kosmische Leere des Weltalls. Sicherlich, es gibt Leute, die es lesen. Sicherlich, es eröffnet Reaktionen, Abwehr, Lob, Zuneigung. Aber letztendlich führt es doch nur zu einem höheren und ausgeglicheneren Zustand des Nebeneinanders auf Augenhöhe.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig ich das Bedürfnis habe, mich zu vernetzen. Auf andere zu zugehen. Mein Blog ist wie mein Leben: Ich bin gerne einsam, ich bin gerne allein. Ich genüge mir selbst, ich strebe nicht, ich ruhe in mir selbst. Streng genommen ist das ein buddhistisches Ideal, ein Ideal der Ausgeglichenheit und der inneren Mitte. Manchmal wundere ich mich und denke „huch, ich sollte mal was für die Besucher tun“ oder „huch, wo sind die Werbeeinnahmen oder was sind meine Ziele…“ ? Aber immer und immer wieder lösen sich diese Ziele auf und nichts anderes als ein Berg aus virtuellem Papier entsteht.

Bloggen ist: egal.

3 Gedanken zu „Bloggen ist: Egal“

  1. Bei meinem Freund Peter habe ich gelernt, man macht sich frei VON etwas (also z.B. den Zwängen des Schreibens, um seinem schreienden Ego irgendetwas hinzuwerfen) ..um frei zu sein „FÜR“ etwas.
    Frei zu sein „für“ etwas „NEUES“, so lese ich deinen Beitrag – das ist, wie auf dem Gipfel eines der ersten Berge zu stehen, von denen wir noch viele zu besteigen haben. Aber – es geht und auf dem ersten scheinst du nun zu stehen.
    Aller, aller herzlichsten Glückwünsch.
    Menachem

  2. dabei freue ich mich doch immer so, wenn du ‚guten morgen‘ zwitscherst;-)

    Solange mir das Bloggen Spaß macht, ist es mir nicht egal. Irgendwie ist das für mein auch ein kleines Tor zur Welt geworden, weil ich hier einfach zu eigenbrödlerisch lebe.

  3. @ Barbara: Natürlich werde ich dir auch weiterhin „Guten Morgen“ zwitschern- und ich freue mich auch über dein „Guten Morgen“: Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass es mir wichtig ist, nicht zuu traurig zu sein, falls mal niemand da sein sollte- niemand, der so lieb ist wie du und auch auf tweets antwortet. 🙂 Hu, schwierig, wie ich gerade merke!

    Viele, liebe Grüße nach Spanien, Julia

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