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Der Instagram-Hype

Ein Reisebus-Ladung voller Touristen wird über das malerische Künstlerdorf am See ausgeschüttet, holt die Smartphones raus, schreit „ah und oh“, „ach das ist ja schöne Kunst“, wischt mit dem Finger über das noch nicht angetrocknete Gemälde, wirft den Müll auf den Boden, fragt wo es die Toiletten und etwas zu Essen gibt und verschwindet nach drei Stunden wieder. Das war der Instagram-Hype, als wir alle noch dachten, die Kunst sei endlich ‚wichtig‘, ernst genommen worden und in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Nur ein paar wenige haben vorher schon gespürt, dass die Aufmerksamkeit nicht real war, dass es keine echte Liebe, kein echter Wandel in der Gesellschaft, sondern etwas sehr oberflächliches war.

 




Die Depression der Gesellschaft

Alles auf Anfang. So seltsam fühlt sich die Zeit im Moment an. Wie der große „Reset-Knopf“ von dem alle reden. Aber nicht, dass er alleine im Äußeren gedrückt wurde, auch im Inneren hat es den großen „Reset“ gegeben.

Ich frage mich, woher es kommt? Das Alter, die Wechseljahre vielleicht? Mein eigener, verzerrter Blick zurück in die Jugend, die mir mit voranschreitendem Alter immer schöner und blumiger, aber auch wehmütiger und „weiter weg“ erscheint? (Vielleicht sollte ich mal ein Selfie machen)

Zwei-einhalb Jahre Corona liegen jetzt hinter uns und wir sind wie der Patient, der noch nicht ganz wieder genesen ist.

„Ob ich auch Corona hatte“, wollte meine Cousine gestern von mir wissen. „Eine schlimme Krankheit“ sage ich, aber nein, ich hatte sie noch nicht.

„Wie kannst Du dann sagen, dass sie schlimm ist?“ fragt sie mich mit aufgerissenen Augen. Erwischt! Ich überlege. Ja, wie kann ich das sagen? Ich kannte jemand mit Long Covid, der fand sie schlimm. Man liest so einiges darüber. Aber außer von den Erzählungen oder den allgegenwärtigen Medienberichten habe ich wohl keine Erfahrung damit. Nach dem Ende der Maskenpflicht hatte ich ein paar Mal Husten oder Schnupfen, aber war das jetzt wirklich Corona? Diagnostiziert hatte das niemand und alle Tests waren immer negativ. Also hatte ich nie Corona. Auch gut. Darf ich dennoch eine Meinung dazu haben?

Denn Corona und die „große Depression der Gesellschaft“, die hat auch mich erwischt.

Wir müssen zurück in die Vergangenheit. Für ein paar Wochen und Monate.

Depression, das ist der Zustand, in dem alles steht. Der Kopf sagt „stop“ – es geht nichts mehr. Keine Gefühle, keine Interessen, keine Hobbys. Sterben, inmitten vom Leben. Es fühlt sich alles taub und leer an und alles Wollen wird im ewigen Schlamm erstickt. Alles fühlt sich schwer und unerreichbar an und die Motivation selbst für die kleinsten Dinge ist nicht mehr vorhanden.

Depression, das ist aber auch die Chance. Hinter der Depression steht der Auftrag, wieder gesund und glücklich zu werden. Wenn das Glück weg ist, musst Du etwas tun, um es wieder zu erreichen. Gib Dir Mühe! „Anzuhalten, um zu lauschen“ hat ein Ratgeber mal geschrieben. Was steht denn da eigentlich? Wie fühlt sich das an, nichts zu fühlen, keine Interessen und kein Ziel zu haben? Welche Bilder fallen Dir ein? Was sagt Dir die Krankheit? Woher kommt der Schmerz, das Leid, das Elend?

Es ist wie auf der Autobahn. Manchmal fliegst Du mit 180 über die Straßen und fühlst Dich unsterblich, Deine Pläne und Arbeiten gelingen wie am Schnürchen und du kannst Dir keinen anderen Zustand vorstellen. Aber dann kommt auf einmal das Stauende. Alle stehen. Du musst bremsen, ob Du willst oder nicht. 150, 120, 100, 70, immer langsamer, 50, 30, Schrittgeschwindigkeit und dann Stillstand. Fenster runterkurbeln. Eine Fliege kommt aus der verdorrten Landschaft in den Innenraum geflogen. Sie ist schneller als Du und lacht Dich aus. Du stehst. Würdest gerne wieder Gas geben, aber es geht nicht. Vor dir ist noch einer. Und noch einer. Und 5.000 weitere. Alle stehen, alle sind depressiv. Die Gesellschaft steht im Stau.

Die Motoren brummen, verpesten die Luft, dann werden sie endlich abgestellt. Die Wirtschaft wird abgestellt. Kein Benzin mehr da. Alles zu teuer. „Autofreier Sonntag“. Tempolimit, weniger Fleisch, weniger Co2, keine Inlandsflüge mehr, länger arbeiten.

„Reichtum verteilen!“ schreien die anderen. „Es ist nichts mehr da, wenn ihr nicht arbeitet“ schreien die anderen zurück.

„Wochenarbeitszeit erhöhen“, bei den „Hartz IV- Leistungen kürzen“ wollen die einen- „Hochzeiten auf Sylt verbieten“ und „Steuergelder erhöhen“ die anderen. Vermögenssteuer wieder einführen, starke Schultern sollen mehr tragen und die Armut verbreitet sich dennoch unaufhaltsam in der Breite. „Jetzt wird auch die Mittelschicht getroffen“ schreiben die Zeitungen und rechnen uns die Heizkosten-Rechnung für den Herbst vor. Wer soll da gesund und munter bleiben? Wohlstandsverlust ist das Schlagwort dieser Zeit.

Energiemangel, das andere.

Was ist schon gerecht? Die Depression ist niemals gerecht. Sie trifft alle mittens ins Herz. Ins Leistungszentrum. Sie lähmt uns.

Zeigt unsere Sterblichkeit, unsere Vergänglichkeit und legt schonungslos jede Schwäche offen.

Die Depression zwingt dich auf unbarmherzige Weise dazu, dich zu ändern. Sie sagt, dies und das ist nicht okay, ändere es.

Es wird solange weh tun, bist du endlich ein paar Schritte unternimmst. „Reformbedarf“ gibt es schon seit den 2000er Jahren. Jetzt kommt die Quittung, denn die Reformen wurden verschlafen. „Deutschland muss wieder zukunftsfest werden“, und über den demogrrafischen Wandel haben wir auch schon seit 15 Jahren geschrieben und geredet. „Geredet“- es wurde immer nur geredet. Die Depression, „jetzt ist sie halt da“, wie unsere frühere Kanzlerin sagen würde.

Auf zum Tagesgeschäft, liebe Gesellschaft, liebe Politik und lieber Einzelne- es gibt viel zu tun, wenn Du wieder gesund werden willst!




Ein schwaches Glimmen

Heute Nacht habe ich von Dir geträumt. Das ist mir in der letzten Zeit nicht mehr oft passiert, aber wenn ich von Dir geträumt habe, dann war es immer sehr intensiv. So auch dieses Mal. Du warst ganz die Alte, wie immer. Du strahltest und lachtest und warst so unglaublich frei und selbstbewusst. Du hattest immer die Fähigkeit, dich auf deine Stärken zu besinnen und sie ganz elegant in den Vordergrund zu stellen, damit andere sie auch sehen können. Die Lehrerin in Dir, vermutlich. Und ich war bei Dir, auf deiner Homepage, auf einem deiner vielen Publikationen und staunte, was du so machtest. So wie damals, als mich deine neue Homepage so ganz aus den Socken gehauen hat. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde, auch wenn es mittlerweile so lang her und eigentlich „vergessen“ ist. Es ist nicht immer das „Ich“, das wir beim anderen sehen können, schon gar nicht in der digitalen Welt – aber es das Bild von unserem Ich, das wir anderen mehr als glaubhaft vermitteln können. Und es war einfach riesig, leuchtend, schön, herrlich- nicht menschlich, beinahe göttlich. So hat es mir damals auch geholfen, mich auch „gepusht“, voran gebracht und motiviert. Und Motivation, das war etwas, dass wir damals sehr gut gebrauchen konnten. Denn unser Leben war nicht einfach. Wir sehnten uns nach Rückmeldung von anderen. Nach Freundschaften, in dieser komischen Welt in uns und um uns herum. Wir waren so unsicher und zerbrechlich, Anfang 20. Als sich plötzlich alles ändern sollte und kein Stein mehr auf dem anderen stand. Zerbrechlicher als da waren wir nie mehr! Und kein Wunder, dass wir uns gerade da kennengelernt haben! Du sagtest mal, du wolltest so sein wie ich.. aber es war umgekehrt eine Zeit lang genauso. Ich wollte so sein wie Du und das war die ganze Magie unserer Begegnung.

Ja, ich war also von Dir begeistert. Du warst mal mein Leuchtturm und hast meinen Weg begleitet. Aber wo bist du jetzt? Wo ist das Strahlen hin? Die Begeisterung von früher? Das Gefühl, etwas bewegen zu können? Die Lebendigkeit, die Dynamik. Wirst du jetzt erhaben, alt und bedächtig?

Das kann ich mir nicht vorstellen!

Auch wenn der Leuchtturm nicht mehr so hell leuchtet, ich weiß, dass es ihn gegeben hat. Er leuchtet in mir nach. Ein schwaches Glimmen, das nie ganz versiegen wird.




Seid Euch nah

Im Vordergrund pinkfarbene Rosen, in der Ferne unscharf eine Frauenfigur aus Marmor, die nachdenklick auf den Boden schaut.
In der Gartenschau Kaiserslautern

Heute bin ich Zeuge einer Hochzeit geworden. Sozusagen ein „Trauzeuge“.

Ich habe hoch oben auf dem Kaiserberg, auf einem gemütlichen Gartenstuhl im Schatten gesessen und meine Currywurst mit Pommes verspeist, die man zuvor in ca. 0,5 Liter Ketchup-Mayo Gemisch ertränkt hatte. Dazu hatte ich ein gemütliches Glas kalte Cola. Die Füße in sportlichen Sneakern, blaue Jeans und blaues Jeans-Shirt. Für meinen Ausflug ins Blaue!

Und wie ich da so ganz entspannt saß, um den Fesseln meiner Ehe und meines Zuhauses mal wenigstens für einen Vormittag zu entkommen, hörte ich den blumigen Worten der Pfarrerin zu, wie ihre lieblichen Worte vom Lautsprecher durch die Luft getragen an mein Ohr drangen. „Dass man sich immer lieben solle, auch in schlechten Tagen und daran erinnen, wenn es mal rumpelt“. Außerdem erfuhr ich alles über die Vorlieben und Hobbys des Ehegatten und die Ungeduld der Braut, wie sie zusammen gefunden haben und dass sie jeder einen Hund haben und er ihr auf der Burg Hohenecken einen Antrag gestellt hatte (der wohl etwas in die Hose gegangen war, woraufhin das Publikum leise kicherte). Ich war Zeuge der Trauung in der Weidenkirche, eine wunderschöne Kirche mitten in der Natur auf der Wiese, umgeben vom Grün. Vorher war ich noch den sonnigen, ausgedorrten Berg der Gartenschau hochgejachtet, in der Sonne mit mehr Unlust als sonst gesegnet. Die schwere Kamera hatte ich extra zu Hause gelassen und nur das Smartphone war heute mein Begleiter.

Und wie ich da so saß und lauschte begriff ich plötzlich, wieviel Freiheit in mir wohnte, wenn ich es nur zuließ.

Wie schön das Leben „da draußen“ war, wenn man endlich mal das Auto gesattelt hatte und sich auf die Hufe machte!

Die Welt, sie geht plötzlich auf und steht vor dir da. „Hi“ sagt sie ganz leise „hier bin ich. Nimm mich so, wie du es gerne hast“. Du kannst sogar plötzlich Trauzeugin werden und an einer wunderschönen Hochzeit teilnehmen, obwohl das gar nicht geplant war! Wenn das keine Überraschung ist!

Und komme ins Staunen, über mich, über die Welt und die Einfachheit die in einfachen Entschlüssen und leichten Taten liegt.

Es ist kein schweres Geröllfeld, dass man im Schweiße seines Angesichtes aus dem Weg räumen muss. Es ist kein Baggersee, den man mit einem Teelöffel ausschöpfen muss, es ist noch nicht mal so schwer wie eine Schnecke oder eine hässliche Kröte, die man von der einen Seite des Weges auf die andere hebt. Es ist noch viel leichter. Ein Fuss vor den anderen. Deinen eigenen! Einen Fuß nach dem anderen und einfach gehen.

So leicht wie der Tagesausflug können auch andere Dinge sein, wenn man nur möchte. Andere Menschen wieder in das Leben lassen zum Beispiel. Ganz einfach. Smartphone nehmen, Nachricht oder Sprachnachricht verfassen und ab damit! So leicht ist das. Es kostet nichts, fast noch nicht einmal die kleinste Überwindung. Es ist wie atmen. Ein und aus. Es geht ganz leicht. Und es kann so glücklich machen, wenn man das Leben einfach fließen lässt. Endlich das Wollen beerdigt, das Streben einmal loslässt. Ankommt!

Geh raus und lass die Welt an dich heran. Lass die Sonne auf deine Haut strahlen. Lass den Wind durch deine Haare wehen. Lass dein Lächeln auf ein anderes stoßen. Lass dir helfen. Hilf anderen. Sei präsent. Heirate. Begreife die Liebe! Sei Dir und anderen ganz nah.




Liebe Welt, wir müssen reden

Distelblüten, die halb aufgeblüht sind vor einem dramatischen Himmel mit vielen WolkenLiebe Welt,

es wird Zeit über Dich zu schreiben. Denn du stehst am Abgrund und wir mit Dir.  Wir blicken in den Abgrund, der da heißt Inflation, Krieg, Energiemangel und Klimakrise. Wie sind wir dahin gekommen? Haben wir es nicht kommen sehen? Wo waren unsere politischen „Führer und Führerinnen“, als es galt, das Unheil zu wenden?

Nun zieht sich die gute Laune und die Unbeschwertheit aus allen Lebensbereichen langsam aber sicher zurück.

Die Beziehungen werden weniger, die Social Media Posts verdorren, wie der Po in Norditalien.

Wir verstummen. Wir wissen nicht mehr, was wir sagen sollen. Schauen in den Abgrund unserer Zivilisation, den wir alle mit verursacht haben. Gleichzeitig rennen die Menschen immer noch wie die Lemminge zu den Fliegern, die ihnen wenigstens für zwei Wochen Abstand von ihrem grausigen Leben versprechen, das man Alltag nennt.

Und selbst die endlosen Schlangen vor den Schaltern, die herrenlose Koffer, die sich zu Tausenden stapeln, weil „niemand sie wegräumen möchte“, kann die Meute nicht davon abhalten, die schöne Zeit vor Corona nochmal hinauf zu beschwören.

Aber es wird nicht mehr so „wie vorher“. Wir sind in einer anderen Zeit angekommen. In der Zeit, die sich „gewendet“ hat.

All das Reden und Schreiben der Intelligenten hat nichts gebracht, jetzt machen Diktatoren und Kriegstreiber das, was sie schon immer gemacht haben. Sie diktieren und treiben Krieg. Sie töten Frauen, Kinder und alle anderen. Sie besetzen, sie stehlen und vernichten. Ganz unverhohlen, ohne politischen Filter, ohne Rücksicht und ohne Scham. Und die, die von außen zuschauen müssen und keine Mittel in der Hand haben, sind noch entsetzt und werden gleichsam mit bestraft. Das Unheil nimmt seinen Gang und es wird über die Erde geschüttet, wie eine riesige Milchkanne aus den 80er Jahren, als es noch „genug von allem gab“.

So muss das gewesen sein, als damals zwei Weltkriege über die Menschen gerollt sind und man sie durch nichts aufhalten konnte. So wie damals gibt es nun „den Ruf nach den Waffen“, weil man sich von ihnen den Frieden verspricht, was widersprüchlicher nicht sein könnte. Es gibt kein Frieden unter den Menschen, wenn im Kopf nur Hass und Krieg herrscht.

Liebe Welt, du stehst am Abgrund und ich schaue dir mitleidig zu. Aber ist es wirklich alles so schlimm oder sind es nur die Nachrichten, die uns solch grausige Wahrnehmung bescheren? Manchmal denke ich, bei mir persönlich ist alles so friedlich wie immer. Ich schlafe morgens lang, dann gehe ich mit meinem Hund durch die Felder, die im Moment so schön sind. Am Wegrand blüht alles in tausend Farben, der Großteil der Ernte ist eingebracht, die Silos und Mägen werden bald wieder gefüllt sein. Ich mache meine Arbeit, so wie ich sie jeden Tag mache, dann koche ich ein Essen, so wie jeden Tag und abends genieße ich die Ruhe in den eigenen vier Wänden.

Es ist warm, freilich. Aber ist es „die große Hitzewelle“, von der alle schreiben und sie an die Pinnwand des Internets heften?
Nein, es ist warm. Es ist Sommer. Liebe Welt, wir sollten uns nicht vor den Gedanken und Ängsten der anderen fürchten. Wir sollten lieber lernen, unser Leben glücklich zu leben und auf uns selbst zu hören. Denn wir haben nur dieses eine Leben. Wir sind verpflichtet, es richtig zu machen. „Gut zu leben“, verantwortungsvoll zu handeln, hier im Jetzt. Es gibt soviel zu tun! Soviel zu erleben! Die Welt ist so schön, meine Liebe, wenn Du sie nur lässt!

Lass dich nicht beherrschen, von den Untergangspropheten, von den Nein- und Vielleicht-Sagern, von den Zweiflern, Hetzern und Spaltern. Lebe einfach dein Leben, meine liebe Welt.

Lebe jeden Tag und versuche, jeden Tag glücklich zu sein. Das ist schwierig genug.




Kein Frieden

Alles ist verstummt, wenn die Waffen sprechen.

Keine Worte können die Grausamkeit annähernd beschreiben oder nachempfinden. Keine noch so schrecklichen Bilder können uns die Gefühle der Angst und Not näherbringen, die jetzt von den Menschen in der Ukraine empfunden werden.

Kein Mensch kann uns erklären, was Putin denkt oder was die jungen Soldaten in den russischen Panzern durch den Kopf gehen muss, als sie erfahren, dass es „keine Übung ist“. Und dass sie nun ihre Brüder im Nachbarland bekämpfen müssen, mit denen sie enge verwandtschaftliche und kulturelle Verbindungen haben.

Niemand kann verstehen, was es bedeutet, wenn ein Atomkraftwerk mit fünf Meilern von Raketen oder Artillerie beschossen wird. Niemand versteht überhaupt was ein „Super-Gau“ oder „Atomarer Krieg“ wirklich bedeutet. Vielleicht, bis auf ein paar wenige Autoren und Menschen aus der Friedensbewegung. Das ist unser Problem: Dass wir zu wenig verstehen, dass wir zu lange in einer Blase gelebt haben.

Dieses Risiko der weltweiten Eskalation gab es schon immer, aber wir haben es längst verdrängt. Wir haben es uns bequem gemacht und eingerichtet in unserer friedlichen, wirtschaftlich florierenden und satten Zeit. Bis das Virus kam und alles durcheinander gewirbelt hat. Zum Virus der Bronchien kommt jetzt noch das Virus des Krieges dazu. Die abartige Vorstellung war nicht kleinzukriegen, dass man mit Krieg und territorialen Eroberungen irgendetwas erreichen könnte. Hat man nicht genug aus den beiden Weltkriegen gelernt? Möchte man nach wirtschaftlichen Scheitern nun auf diesen Weg mehr Reichtum, mehr Sicherheit und mehr Macht gewinnen? Was erhoffen sich Menschen, die solche Entscheidungen treffen? Sie ernten Elend, wirtschaftlichen Niedergang, Hyperinflation, Isolation, Armut und Rohstoffmangel auch in ihrem eigenen Land. Aber dennoch erscheinen Panzer und Militärfahrzeuge als das Mittel der Wahl. Es ist ein einseitig männliches Denken, dass nur die Gewalt als Problemlösung sieht und alle anderen Optionen niemals in Betracht gezogen hat.

Der Westen, mit seinen auf Demokratie, Verhandlung und Diplomatie basierenden Regierungen ist schwer schockiert. Eine „Zeitenwende“ liest man überall. Jetzt werden wieder Panzer benötigt, die Aktien der Rüstungskonzerne gehen durch die Decke, während friedliche Technologien, die auf Austausch und Miteinander gesetzt haben, nach unten fallen.

Es sind keine guten Zeiten. Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg kommen wieder hoch. Das menschliche Elend auf der ganzen Welt, jetzt ist es zum Greifen nahe. „Hoffentlich erlebt ihr nie einen Krieg“ hat meine Oma damals gesagt, die von der Flüchtlingsbewegung in den 1940er Jahren geprägt war wie viele andere Deutsche. Ihre Hoffnung wurde nicht gehört, auch wenn sie immer viel gebetet hat.

Jetzt ist der Krieg also da. Zwei Länder weiter und somit so nah und real wie nie. Ein Überschwappen auf die Nato-Staaten kann ganz leicht passieren. Es fehlt nur noch der berühmte Funken, wir sind näher an der großen Eskalation als damals zu Zeiten der Kuba-Krise.

Die größte Flüchtlingsbewegung nach dem zweiten Weltkrieg wird erwartet. Während wir hier explodierende Energiepreise und Inflation haben. Es wird teuer für alle und wir alle zahlen einen hohen Preis für die Dummheit und den Egoismus von einigen wenigen. Wieder haben es einzelne Männer und Diktatoren „verbockt“ und mit ihrer Sturheit, Dummheit und Krankheit so viele Menschen in den Tod getrieben.

So lange es Waffen in der Welt gibt, wird es keinen Frieden geben.
So lange Männer über Frauen dominieren, wird es keinen Frieden geben.
So lange es Ungerechtigkeit und Diktaturen gibt, wird es keinen Frieden geben.

Was wir jetzt brauchen, ist eine neue Friedensbewegung.




Eingefroren und aufgetaut

Passende Musik (Cranberries-Zombie)

Über eine vergangene Freundschaft

Alles ist wie eingefroren, wenn ich ihre Stimme höre. Ich merke, dass ich noch keinen Zentimeter weiter gekommen bin als damals, vor knapp 2 Jahren.

Okay, die Gefühle haben sich ein bisschen geändert, es schmerzt nicht mehr ganz so stark. Was aber geblieben ist, ist mein partielles Unverständnis über ihre Entscheidungen und Gedanken. Ich kann es bis heute nicht wirklich nachvollziehen und das tut besonders weh.

Wie es gekommen ist. Was ich falsch gemacht habe. Warum es nicht aufzuhalten war.

Es kommt mir vor wie in einer anderen Zeit. Es war vor der Corona-Krise, als es noch mehr Leichtigkeit und mehr Austausch unter den Menschen gab. Aber schwer war es auch damals. Die Probleme waren schon damals da. Ich hab sie vielleicht nur nicht richtig gesehen.

Zusammen mit ihr hatte ich tiefe Gedanken, wie ich sie selten erlebt habe. Ich bin froh und stolz darauf, dass es nicht nur ihre Gefühle waren. Sondern dass es auch meine Gefühle waren, die aufgewirbelt wurden. Dass es die ganze Himmelsleiter des menschlichen Austauschs und Miteinanders war, dass uns zusammen gebracht hat. Ein „therapeutisches Zusammenkommen“ wie man nüchtern sagen würde. Manchmal braucht man diesen Austausch. Es ist die Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt und zu einem neuen Bewusstsein.

Ich bin froh, dass sie damals so ehrlich gewesen ist und wirklich alles von der Seele geredet hat. Und ich bin froh, dass ich es auch getan habe.

Nie hätte ich gedacht, dass ein Mensch, den ich beinahe „zufällig“ getroffen habe, mal so viel in mir auslösen könnte.

Und auch wenn es vorbei ist, löst der Abschied von ihr immer noch eine große Traurigkeit in mir aus.

Ich bin mir heute sicher, dass ihr die Auflösung der Freundschaft auch nicht leicht gefallen ist. Zuviel ist im Leben passiert, zu schwer war der Gegenwind.

Es muss ein gewaltiger Schritt gewesen sein. Und was ich heute besser sehe: Wie sehr sie damals unter Druck stand. Wie das Haus des Lebens über ihr zusammen gebrochen ist. Dass sie da unbedingt raus wollte. Und dass das nur mit harten Entscheidungen ging.

Ich habe ihr dabei irgendwie geholfen, da bin ich mir heute sicher. Aber es war wie eine Geburt. Es war mit Loslösung und Ablösung verbunden, damit das Baby eigene Schritte machen kann.

Ich sollte in ihrem neuen Leben keinen Platz mehr haben. Sie wollte sich verändern. Beruflich, vom Wohnort her und auch vom Charakter. Ich passte da nicht mehr rein, denn ich stand für das, was sie verabscheute: Der Beugung unter das Schicksal. Das Ertragen der Realität. Das wollte sie nicht wahrhaben. Sie hasste mich dafür, dass ich es ihr so schonungslos sagte. Ich, die nun doch mehr Lebenserfahrung hatte und älter als sie war. Sie stellte es sich alles leichter vor. Sie hoffte, wenn sie den Schalter umlegte, würde alles verschwinden. Das Unbehagen, der Schmerz und das Gefühl, im falschen Film zu sein.

Ich bin mir sicher, einen Teil davon hat sie erreicht. Ein Teil hat sich wirklich verändert. Nach außen wirkt sie ganz stabil und irgendwie angekommen. So wie ich es jetzt auch bin.

Aber was im Inneren des Menschen steht, das ist eine andere Frage.

Je älter wie werden, desto mehr müssen wir erkennen, dass die traurig-schmerzlichen Erinnerungen das Einzige sind, was wirklich bleibt.

Wir sind ein Bündel aus Schmerzen, Erinnerungen, Freude und Trauer.

Manchmal sind diese seelischen Zustände wie eingefroren und manchmal werden sie wieder aufgetaut.




Der Sehnsuchtsort

Jeder Mensch kennt ihn : den Sehnsuchtsort.
Es ist ein Ort, tief im Inneren, an dem man gerne wäre. Ein Ort, von dem eine magische Anziehungskraft und Ruhe ausgeht. Aber auch ein Ort, der fasziniert und von dem man sich mehr verspricht.

Dieser Ort kann ein rein gedanklicher Rückzugsort sein, eine Ruhe-Oase, zu der niemand vordringen kann.

Oder es ist ein Ort, den man wirklich bereisen und anschauen möchte.

Bei der Fotografie habe ich immer wieder gemerkt, welche Faszination von „Orten“ ausgeht. Dieses Gefühl, an einer Stelle zu stehen, wo schon viele Menschen hingezogen oder sogar gepilgert sind. Man möchte dann Teil dieser Faszination sein. Ein Foto anzuschauen ist die eine Sache, aber wirklich an dem Ort zu stehen, der große Bedeutung, eine beeindruckende Aussicht oder eine besondere geschichtliche Bedeutung hat, das ist wirklich etwas anderes.

Bei Instagram gibt es diese „hot places“, die dann tausendfach geteilt werden und die dadurch wieder neue Besucher anziehen.
Stellenweise begeben sich die „Orte-Jäger“ dann in legale Grauzonen und überschreiten Grenzen, die eigentlich geschlossen sein sollten (z.b. werden dann Betretungsverbote ignoriert).

Es gibt aber auch Orte, die man aus dem Fernsehen oder anderen Medien kennt. Orte, bei denen man sich erhofft, etwas anderes zu finden: Mehr politische Freiheit vielleicht, besseres Wetter, mehr Sonne oder einfach die Freiheit, die man zu Hause nicht sehen und spüren kann.

Mein aktueller Sehnsuchtsort heißt: Los Angeles. Irgendwas in meinem Kopf sagt mir, dass ich diesen Ort unbedingt (wenigstens einmal in meinem Leben) bereisen sollte. Vielleicht, weil ich mittlerweile so viele Filme und Krimis kenne, die dort spielen (zur Zeit schaue ich die Serie „Bosch“ und spiele GTA 5). Oder weil ich immer wieder fasziniert bin von den Palmen und der untergehenden Sonne am Santa Monica Beach. Oder einfach, weil der Ort so abartig weit weg ist, dass man mit dem Flugzeug etwas mehr als 11 Stunden Flug benötigt. Und ich auf der anderen Seite schon sehr lange keinen weiten Flug mehr gemacht habe. Vielleicht auch, weil mir die amerikanische Kultur und Lebensart soviel anders als die deutsche, europäische Art anmutet. Immerhin waren die „Vereinigten Staaten“ über Jahrhunderte das Ziel von frustrierten, religiös eingeengten Europäern und Armutsflüchtlingen. Warum sollte sich so eine Auswanderungsbewegung nicht wiederholen, wenn Europa im Chaos versinkt?

Ich träume davon, wenn mich hier zu Hause die Arbeit mal wieder erschlägt und es einfach nicht aufhört zu stürmen und zu regnen. Wenn der Winter mal wieder vier Monate dauert und einfach nicht enden möchte. Wenn man nach zwei Jahren Lockdown und wirtschaftlicher Krise einfach nur noch eine Veränderung und einen Neuanfang möchte.

Dann ziehe ich mir die Decke über den Kopf und stecke die kabellosen Ohrhörer in die Ohren, damit alles andere abgeschirmt bleibt. Ich schalte auf Youtube ein Video mit „Flugzeuggeräuschen“ ein. Leises, monotones „weißes“ Rauschen von den Turbinen. Das Geräusch beruhigt und wirkt einschläfernd. Dann schalte ich den Fernsehsessel auf „Liegeposition“. Langsam senkt sich die Rückenlehne nach hinten und ich schwebe plötzlich über den Wolken. Weit weg, die Menschen und Straßen werden immer kleiner. Bald durchstoßen wir die Wolkendecke. Hier oben ist strahlend blauer Himmel und die Sonne blendet in den Augen. Es geht nach Westen. Die Maschinen und Computer tragen uns wie an magischer Leine geführt bis an das Ziel.




Die Liebe klingt gut

Passende Musik (Talla 2XLC)

Gestern war sie seit langem mal wieder zu spüren. Die Liebe.
Hey Liebe, wo hast Du dich denn versteckt?
Du Liebe, kleines Mädchen, mit den großen, braunen Augen, die mich aus dem halbdunklen Licht neugierig mustert, wo warst Du nur gewesen ?!?

Und mit der Liebe ist zugleich der Humor zurück gekommen. Ich lache, als ob es kein Morgen mehr gäbe.
Ich lache einfach so! Aus nichtigem Anlass. Über kleine blöde Witze.

Maaann, Liebe, wie lange habe ich DAS NICHT GESPÜRT. Es ist immer wieder unglaublich, wenn sich was ändert.

Wenn ich mich ändere. Wenn Du Dich änderst. Es ist unaufhaltsam. Es ist einfach da. Es macht „puff“ und die Liebe ist da.
Es ist nicht zu leugnen. Es schwebt leise durch die Luft. Es knistert. Es vibriert ganz zart, um nur ein paar Stunden später in einer großen Sehnsucht und in einem allumfassendem Verständnis zu enden. Gedankenkino. Der andere wird wichtig. Der andere wird schön und begehrenswert. Die Gedanken fliegen hin und her, wie kleine Bits und Bytes, nur um in einem unendlich großen Terrabit-Datenstream zu enden. Und was noch viel wichtiger ist: Ich möchte alles über den Gegenüber wissen. Ich vergesse dabei mein Ich. Nur dann kann ich wirklich lieben. Wenn da das kleine Ego, welches immer so fest umklammert und behütet wird, endlich mal ein paar Schritte frei laufen kann.

Die Liebe ist der Strom, der Farben bringt. Der innere Begleiter, der wärmt und pocht.

Da ensteht plötzlich eine neue Dynamik. Die Dynamik zwischen Dir und mir. Wir brauchen es zum Überleben. Wie ein starker Puls, ein innerer Beat, der deutlicher und klarer wird – bis dann endlich neue Instrumente dazu kommen. Zuerst nur die Bass Drum, aber wehe dann, wenn wir uns mal länger kennen und das ganze Streichkonzert deines Lebens sich dazu gesellt. Wenn Du Dich endlich öffnest und ich Deine Biografie erahnen kann. Dann wird es bunt. Dann wird es interessant und schräg. Dann bekommt die Liebe ein Gesicht, nämlich Dein und mein Gesicht.

Dann wird es laut. Dann höre ich endlich wieder etwas. Dann klingt es endlich gut.




Das Ende der Krise

passende Musik (Adele)

Das Schönste an der Krise ist, dass sie irgendwann enden wird.
Das darf man nie vergessen. So lang die Corona-Krise (oder jede andere Krise) auch gehen wird.
Sie geht irgendwann vorbei. Sie endet. Bei der Krankheit hilft manchmal nur der Tod, der dann für sich genommen auch eine Erlösung ist.

Aber die Lebenden, die Lebendigen werden die Wiedergeburt noch in diesem Leben erleben!
Es wird der Tag kommen, wo es kein 2G, 3G und keine Maske mehr vor dem Mund geben wird.
Wo wir – buchstäblich- die Maske wieder fallen lassen können.

Wo wir uns wieder selbst fotografieren und lieben können. Wo wir das Bedürfnis haben, unser eigenes Ich mit dem Ich der anderen zu verbinden. Und eine höhere Transzendenz zu spüren. Eine Weiterentwicklung, die alleine niemals möglich gewesen wäre.

Wir werden uns wieder in den Armen liegen, und wir werden uns wieder die Hand geben.
Bevor der Krieg und die Gier nach immer mehr alles vernichtet hat.

Wir werden das Ende von Diktaturen und Repression erleben, im Großen wie im kleinen. Wir werden wieder Gerechtigkeit, Wohlstand und ein verbessertes Umweltbewusstsein erleben.
Wir werden erkennen, was wichtig ist und worauf es ankommt.

Es wird eine Zeit geben, in der alles besser wird. Wie eine zarte Knospe unter der Erde- ist es bereits zu spüren.
Die Anfänge sind gelegt. Wir brauchen nur noch ein bisschen Geduld.

Ich freue mich so sehr auf diesen Moment. Und je mehr ich ihn mir vorstellen kann, desto realer wird es.

Wir werden wieder auf Konzerte und Weinfeste gehen. Wir werden wieder zusammen tanzen und feiern und trinken bis in die Nacht. Und – das wichtigste von allem- wir werden uns wieder lieben.