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Die heiligen drei Tage – Frohe Weihnachten

Immer noch Weihnachten!

Drei Tage lang. 😉 Soviel braucht es, um in unserer hektischen Welt mal wirklich runter zu kommen.

Dieses Weihnachten war besonders. Es war das erste Weihnachten, dass sich nicht bunt und kitschig, sondern irgendwie „wichtig“ angefĂŒhlt hat. Vor dem Hintergrund aller Krisen und vor dem Hintergrund von ganz persönlichen Krisen.

Der Wert von Weihnachten ist mir dieses Jahr stÀrker im Bewusstsein gewesen als sonst.

NatĂŒrlich war es wieder ĂŒberaus materiell und hektisch. So wie jedes Jahr.

Fast niemand kann sich davon entziehen. Von den „offenen BĂŒchern und Rechnungen“ die noch abgeschlossen werden mĂŒssen, vom „WeihnachtsgeschĂ€ft“, der „wichtigsten Zeit fĂŒr den Einzelhandel“, welches noch unbedingt eingebracht werden muss und vor den „familiĂ€ren und praktischen Verpflichtungen“, die nicht nur klassische Hausfrauen treffen.

Mein Eindruck: Es war das erste Weihnachten, wo die Leute wieder Lust hatten, aufeinander zu zu gehen, wo wir den Wert der menschlichen Verbindungen stĂ€rker als sonst gespĂŒrt haben. Mir ist das aufgefallen, bei anderen, aber auch bei mir. Zwei Jahre Corona sind vorbei, wir sind im dritten Jahr, vielleicht dem „Übergangsjahr“ zum normalen Leben vor der Corona-Krise, dass immer weiter schemenhaft in Vergessenheit gerĂ€t.

NatĂŒrlich kommen jetzt die großen Wellen hinterher geschoben, die da heißen: Krieg, Inflation, Wirtschaftskrise, Lieferschwierigkeiten. Heutzutage hĂ€ngt alles miteinander zusammen. Die Krisen erschĂŒttern uns wie große Wellen auf dem Meer. Aber so groß sie auch sein mögen- wir wissen, dass sie eines Tages vorbei sind und dass dann wieder die Sonne scheinen und das Meer ganz ruhig sein wird.

Nicht jeden konnte ich dieses Jahr erreichen. Es gab auch Menschen, die haben sich ganz bewusst zurĂŒck gezogen. Von mir, von anderen, vom Leben allgemein. Die den Krisen nicht mehr standhalten konnten. Die gesagt haben „jetzt reicht es mir“, ich brauche eine VerĂ€nderung.

Das muss man akzeptieren.

Oft ist man geschockt, wenn ein nahestehender Mensch „einfach verschwindet“ oder die Freundschaft aufkĂŒndigt. Es erscheint so leicht in dieser Zeit der digitalen Medien, wo „die anderen“ millionenfach zur VerfĂŒgung stehen und auf Knopfdruck in unser Leben treten können. Aber treten sie wirklich in unser Leben? Ich entscheide doch meistens selbst, wie weit sie kommen können. Bei menschlichen Beziehungen gibt es mehrere Schichten, durch die man erstmal durchkommen muss. Es gibt die Ă€ußere Schicht- man sieht sich. Oder die zweite Schicht, in der man sich grĂŒĂŸt. Es gibt die dritte Schicht, wo man sich fragt, wie es dem anderen geht- selbst das scheint in dieser kurzlebigen Welt schon eine besondere Art von Beziehung zu sein.

Aber die hunderste Schicht, die oftmals erst nach dutzenden Telefonaten, nach gemeinsamen Treffen, nach gemeinsamen TrĂ€nen, nach Entfremdung und Wieder-AnnĂ€herung entsteht, das ist die Ebene des Vertrauens. Diese erreicht man nicht so leicht und schon gar nicht mit „vielen Menschen“. Doch wenn man einen einzigen Menschen gefunden hat, dem man wirklich vertrauen kann, bei dem man bereit ist, alles zu sagen und alles zu zu geben, dann ist das viel. Mir ist es immer wichtig im Leben, solche Menschen zu gewinnen und ich arbeite fast tĂ€glich daran, aber ich scheitere auch mind. genauso hĂ€ufig daran. Denn Beziehungen sind Wechselwirkungen. Sie entstehen erst im „Nehmen und Geben“- im Miteinander, wie in einer gemeinsamen Sinfonie, einem gemeinsam einstudierten MusikstĂŒck, wo es gerade am Anfang viele Disharmonien und viele „Fehler“ geben kann. Beziehungen sind Arbeit und sie benötigen neben einem hohen Einsatz, Durchhaltevermögen, Talent und Übung.

Menschliche Beziehungen sind aber noch viel mehr. Sie gelingen hĂ€ufig erst dann, wenn ich auch bereit bin, mich selbst zu Ă€ndern. Wenn ich mich öffnen, einbringen, vertrauen und ĂŒberhaupt „Zeit aufbringen“ kann.

Zeit ist so kostbar geworden – denn von ĂŒberall gibt es ZeitrĂ€uber, die darauf erpicht sind, uns Zeit zu stehlen. Wir werden erschlagen von einer Flut von Ablenkungen. Die meisten sind negativer Natur und lenken uns ab. Sie sollen uns die Zeit vertreiben, aber sie vertreiben eigentlich nur „das Wesentliche“ aus unserem Leben. Das Smartphone, der Computer, die sozialen Netzwerke, die ganzen Flatrates mit Filmen, Spielen und die riesige Welt-Bibliothek, die uns mit dem Internet allen offen steht. NatĂŒrlich ist es reizvoll, so eine Flut an EindrĂŒcken zu erhalten und die menschliche Neugierde und der Wunsch nach Weiterentwicklung wird angesprochen. Aber können wir auch wirklich alles verarbeiten?

ÜBERALL stehen heute Ablenkungen, zusĂ€tzlich geschickt gesteuert von Algorithmen, die uns fesseln und an das Netzwerk binden sollen-  und angesichts der Flut des medialen Druckes, der auf uns einprasselt, verlieren wir völlig den Überblick. Wir können nicht mehr sortieren und wir können uns nicht mehr davor schĂŒtzen. Es ist einfach zuviel geworden. Genau wie die Summe der Nachrichten aus aller Welt- all die Informationen, die fĂŒr uns eigentlich nicht wichtig sind, aber dennoch ultra-prĂ€sent.

Es ist kein Wunder, dass bei der Flut der EindrĂŒcke das Wesentliche, nĂ€mlich die Mitmenschlichkeit und die Konzentration auf einige wenige Menschen, die uns wichtig sind, völlig aus dem Blick geraten.

Weihnachten war und ist fĂŒr mich daher immer das Fest, welches genau das wieder ins Bewusstsein ruft. Wie wichtig es ist, mal ein paar Stunden mit der Familie zu verbringen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die GeschĂ€fte fĂŒr ein paar Tage ruhen zu lassen, die endlose BeschĂ€ftigung mit den Zahlen und dem Geld, die wie ein endloses Brettspiel „um nichts“ wirken, mal beiseite zu lassen. Bewusst den Fernseher auslassen und die Menschen „anschalten“. Man sollte versuchen die Leute „anzuschalten“ mit Liebe, mit Begegnung, mit netten Worten und dem Versuch, sie wenigstens zu verstehen. Es erwartet nun keiner von uns, dass wir sofort alle Menschen verstehen oder sofort mit jedem gut können. Aber allein, dass wir wieder das Thema „Mensch“ und „Beziehungen“ fĂŒr eine Weile in unser Leben lassen- ihm Raum und Zeit geben- dass ist fĂŒr mich die heilige Botschaft von Weihnachten, die auch ohne christlichen Glauben wichtig ist und verstanden wird.




Der Instagram-Hype

Ein Reisebus-Ladung voller Touristen wird ĂŒber das malerische KĂŒnstlerdorf am See ausgeschĂŒttet, holt die Smartphones raus, schreit „ah und oh“, „ach das ist ja schöne Kunst“, wischt mit dem Finger ĂŒber das noch nicht angetrocknete GemĂ€lde, wirft den MĂŒll auf den Boden, fragt wo es die Toiletten und etwas zu Essen gibt und verschwindet nach drei Stunden wieder. Das war der Instagram-Hype, als wir alle noch dachten, die Kunst sei endlich ‚wichtig‘, ernst genommen worden und in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Nur ein paar wenige haben vorher schon gespĂŒrt, dass die Aufmerksamkeit nicht real war, dass es keine echte Liebe, kein echter Wandel in der Gesellschaft, sondern etwas sehr oberflĂ€chliches war.

 




Die Depression der Gesellschaft

Alles auf Anfang. So seltsam fĂŒhlt sich die Zeit im Moment an. Wie der große „Reset-Knopf“ von dem alle reden. Aber nicht, dass er alleine im Äußeren gedrĂŒckt wurde, auch im Inneren hat es den großen „Reset“ gegeben.

Ich frage mich, woher es kommt? Das Alter, die Wechseljahre vielleicht? Mein eigener, verzerrter Blick zurĂŒck in die Jugend, die mir mit voranschreitendem Alter immer schöner und blumiger, aber auch wehmĂŒtiger und „weiter weg“ erscheint? (Vielleicht sollte ich mal ein Selfie machen)

Zwei-einhalb Jahre Corona liegen jetzt hinter uns und wir sind wie der Patient, der noch nicht ganz wieder genesen ist.

„Ob ich auch Corona hatte“, wollte meine Cousine gestern von mir wissen. „Eine schlimme Krankheit“ sage ich, aber nein, ich hatte sie noch nicht.

„Wie kannst Du dann sagen, dass sie schlimm ist?“ fragt sie mich mit aufgerissenen Augen. Erwischt! Ich ĂŒberlege. Ja, wie kann ich das sagen? Ich kannte jemand mit Long Covid, der fand sie schlimm. Man liest so einiges darĂŒber. Aber außer von den ErzĂ€hlungen oder den allgegenwĂ€rtigen Medienberichten habe ich wohl keine Erfahrung damit. Nach dem Ende der Maskenpflicht hatte ich ein paar Mal Husten oder Schnupfen, aber war das jetzt wirklich Corona? Diagnostiziert hatte das niemand und alle Tests waren immer negativ. Also hatte ich nie Corona. Auch gut. Darf ich dennoch eine Meinung dazu haben?

Denn Corona und die „große Depression der Gesellschaft“, die hat auch mich erwischt.

Wir mĂŒssen zurĂŒck in die Vergangenheit. FĂŒr ein paar Wochen und Monate.

Depression, das ist der Zustand, in dem alles steht. Der Kopf sagt „stop“ – es geht nichts mehr. Keine GefĂŒhle, keine Interessen, keine Hobbys. Sterben, inmitten vom Leben. Es fĂŒhlt sich alles taub und leer an und alles Wollen wird im ewigen Schlamm erstickt. Alles fĂŒhlt sich schwer und unerreichbar an und die Motivation selbst fĂŒr die kleinsten Dinge ist nicht mehr vorhanden.

Depression, das ist aber auch die Chance. Hinter der Depression steht der Auftrag, wieder gesund und glĂŒcklich zu werden. Wenn das GlĂŒck weg ist, musst Du etwas tun, um es wieder zu erreichen. Gib Dir MĂŒhe! „Anzuhalten, um zu lauschen“ hat ein Ratgeber mal geschrieben. Was steht denn da eigentlich? Wie fĂŒhlt sich das an, nichts zu fĂŒhlen, keine Interessen und kein Ziel zu haben? Welche Bilder fallen Dir ein? Was sagt Dir die Krankheit? Woher kommt der Schmerz, das Leid, das Elend?

Es ist wie auf der Autobahn. Manchmal fliegst Du mit 180 ĂŒber die Straßen und fĂŒhlst Dich unsterblich, Deine PlĂ€ne und Arbeiten gelingen wie am SchnĂŒrchen und du kannst Dir keinen anderen Zustand vorstellen. Aber dann kommt auf einmal das Stauende. Alle stehen. Du musst bremsen, ob Du willst oder nicht. 150, 120, 100, 70, immer langsamer, 50, 30, Schrittgeschwindigkeit und dann Stillstand. Fenster runterkurbeln. Eine Fliege kommt aus der verdorrten Landschaft in den Innenraum geflogen. Sie ist schneller als Du und lacht Dich aus. Du stehst. WĂŒrdest gerne wieder Gas geben, aber es geht nicht. Vor dir ist noch einer. Und noch einer. Und 5.000 weitere. Alle stehen, alle sind depressiv. Die Gesellschaft steht im Stau.

Die Motoren brummen, verpesten die Luft, dann werden sie endlich abgestellt. Die Wirtschaft wird abgestellt. Kein Benzin mehr da. Alles zu teuer. „Autofreier Sonntag“. Tempolimit, weniger Fleisch, weniger Co2, keine InlandsflĂŒge mehr, lĂ€nger arbeiten.

„Reichtum verteilen!“ schreien die anderen. „Es ist nichts mehr da, wenn ihr nicht arbeitet“ schreien die anderen zurĂŒck.

„Wochenarbeitszeit erhöhen“, bei den „Hartz IV- Leistungen kĂŒrzen“ wollen die einen- „Hochzeiten auf Sylt verbieten“ und „Steuergelder erhöhen“ die anderen. Vermögenssteuer wieder einfĂŒhren, starke Schultern sollen mehr tragen und die Armut verbreitet sich dennoch unaufhaltsam in der Breite. „Jetzt wird auch die Mittelschicht getroffen“ schreiben die Zeitungen und rechnen uns die Heizkosten-Rechnung fĂŒr den Herbst vor. Wer soll da gesund und munter bleiben? Wohlstandsverlust ist das Schlagwort dieser Zeit.

Energiemangel, das andere.

Was ist schon gerecht? Die Depression ist niemals gerecht. Sie trifft alle mittens ins Herz. Ins Leistungszentrum. Sie lÀhmt uns.

Zeigt unsere Sterblichkeit, unsere VergÀnglichkeit und legt schonungslos jede SchwÀche offen.

Die Depression zwingt dich auf unbarmherzige Weise dazu, dich zu Àndern. Sie sagt, dies und das ist nicht okay, Àndere es.

Es wird solange weh tun, bist du endlich ein paar Schritte unternimmst. „Reformbedarf“ gibt es schon seit den 2000er Jahren. Jetzt kommt die Quittung, denn die Reformen wurden verschlafen. „Deutschland muss wieder zukunftsfest werden“, und ĂŒber den demogrrafischen Wandel haben wir auch schon seit 15 Jahren geschrieben und geredet. „Geredet“- es wurde immer nur geredet. Die Depression, „jetzt ist sie halt da“, wie unsere frĂŒhere Kanzlerin sagen wĂŒrde.

Auf zum TagesgeschÀft, liebe Gesellschaft, liebe Politik und lieber Einzelne- es gibt viel zu tun, wenn Du wieder gesund werden willst!




Ein schwaches Glimmen

Heute Nacht habe ich von Dir getrĂ€umt. Das ist mir in der letzten Zeit nicht mehr oft passiert, aber wenn ich von Dir getrĂ€umt habe, dann war es immer sehr intensiv. So auch dieses Mal. Du warst ganz die Alte, wie immer. Du strahltest und lachtest und warst so unglaublich frei und selbstbewusst. Du hattest immer die FĂ€higkeit, dich auf deine StĂ€rken zu besinnen und sie ganz elegant in den Vordergrund zu stellen, damit andere sie auch sehen können. Die Lehrerin in Dir, vermutlich. Und ich war bei Dir, auf deiner Homepage, auf einem deiner vielen Publikationen und staunte, was du so machtest. So wie damals, als mich deine neue Homepage so ganz aus den Socken gehauen hat. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde, auch wenn es mittlerweile so lang her und eigentlich „vergessen“ ist. Es ist nicht immer das „Ich“, das wir beim anderen sehen können, schon gar nicht in der digitalen Welt – aber es das Bild von unserem Ich, das wir anderen mehr als glaubhaft vermitteln können. Und es war einfach riesig, leuchtend, schön, herrlich- nicht menschlich, beinahe göttlich. So hat es mir damals auch geholfen, mich auch „gepusht“, voran gebracht und motiviert. Und Motivation, das war etwas, dass wir damals sehr gut gebrauchen konnten. Denn unser Leben war nicht einfach. Wir sehnten uns nach RĂŒckmeldung von anderen. Nach Freundschaften, in dieser komischen Welt in uns und um uns herum. Wir waren so unsicher und zerbrechlich, Anfang 20. Als sich plötzlich alles Ă€ndern sollte und kein Stein mehr auf dem anderen stand. Zerbrechlicher als da waren wir nie mehr! Und kein Wunder, dass wir uns gerade da kennengelernt haben! Du sagtest mal, du wolltest so sein wie ich.. aber es war umgekehrt eine Zeit lang genauso. Ich wollte so sein wie Du und das war die ganze Magie unserer Begegnung.

Ja, ich war also von Dir begeistert. Du warst mal mein Leuchtturm und hast meinen Weg begleitet. Aber wo bist du jetzt? Wo ist das Strahlen hin? Die Begeisterung von frĂŒher? Das GefĂŒhl, etwas bewegen zu können? Die Lebendigkeit, die Dynamik. Wirst du jetzt erhaben, alt und bedĂ€chtig?

Das kann ich mir nicht vorstellen!

Auch wenn der Leuchtturm nicht mehr so hell leuchtet, ich weiß, dass es ihn gegeben hat. Er leuchtet in mir nach. Ein schwaches Glimmen, das nie ganz versiegen wird.




Seid Euch nah

Im Vordergrund pinkfarbene Rosen, in der Ferne unscharf eine Frauenfigur aus Marmor, die nachdenklick auf den Boden schaut.
In der Gartenschau Kaiserslautern

Heute bin ich Zeuge einer Hochzeit geworden. Sozusagen ein „Trauzeuge“.

Ich habe hoch oben auf dem Kaiserberg, auf einem gemĂŒtlichen Gartenstuhl im Schatten gesessen und meine Currywurst mit Pommes verspeist, die man zuvor in ca. 0,5 Liter Ketchup-Mayo Gemisch ertrĂ€nkt hatte. Dazu hatte ich ein gemĂŒtliches Glas kalte Cola. Die FĂŒĂŸe in sportlichen Sneakern, blaue Jeans und blaues Jeans-Shirt. FĂŒr meinen Ausflug ins Blaue!

Und wie ich da so ganz entspannt saß, um den Fesseln meiner Ehe und meines Zuhauses mal wenigstens fĂŒr einen Vormittag zu entkommen, hörte ich den blumigen Worten der Pfarrerin zu, wie ihre lieblichen Worte vom Lautsprecher durch die Luft getragen an mein Ohr drangen. „Dass man sich immer lieben solle, auch in schlechten Tagen und daran erinnen, wenn es mal rumpelt“. Außerdem erfuhr ich alles ĂŒber die Vorlieben und Hobbys des Ehegatten und die Ungeduld der Braut, wie sie zusammen gefunden haben und dass sie jeder einen Hund haben und er ihr auf der Burg Hohenecken einen Antrag gestellt hatte (der wohl etwas in die Hose gegangen war, woraufhin das Publikum leise kicherte). Ich war Zeuge der Trauung in der Weidenkirche, eine wunderschöne Kirche mitten in der Natur auf der Wiese, umgeben vom GrĂŒn. Vorher war ich noch den sonnigen, ausgedorrten Berg der Gartenschau hochgejachtet, in der Sonne mit mehr Unlust als sonst gesegnet. Die schwere Kamera hatte ich extra zu Hause gelassen und nur das Smartphone war heute mein Begleiter.

Und wie ich da so saß und lauschte begriff ich plötzlich, wieviel Freiheit in mir wohnte, wenn ich es nur zuließ.

Wie schön das Leben „da draußen“ war, wenn man endlich mal das Auto gesattelt hatte und sich auf die Hufe machte!

Die Welt, sie geht plötzlich auf und steht vor dir da. „Hi“ sagt sie ganz leise „hier bin ich. Nimm mich so, wie du es gerne hast“. Du kannst sogar plötzlich Trauzeugin werden und an einer wunderschönen Hochzeit teilnehmen, obwohl das gar nicht geplant war! Wenn das keine Überraschung ist!

Und komme ins Staunen, ĂŒber mich, ĂŒber die Welt und die Einfachheit die in einfachen EntschlĂŒssen und leichten Taten liegt.

Es ist kein schweres Geröllfeld, dass man im Schweiße seines Angesichtes aus dem Weg rĂ€umen muss. Es ist kein Baggersee, den man mit einem Teelöffel ausschöpfen muss, es ist noch nicht mal so schwer wie eine Schnecke oder eine hĂ€ssliche Kröte, die man von der einen Seite des Weges auf die andere hebt. Es ist noch viel leichter. Ein Fuss vor den anderen. Deinen eigenen! Einen Fuß nach dem anderen und einfach gehen.

So leicht wie der Tagesausflug können auch andere Dinge sein, wenn man nur möchte. Andere Menschen wieder in das Leben lassen zum Beispiel. Ganz einfach. Smartphone nehmen, Nachricht oder Sprachnachricht verfassen und ab damit! So leicht ist das. Es kostet nichts, fast noch nicht einmal die kleinste Überwindung. Es ist wie atmen. Ein und aus. Es geht ganz leicht. Und es kann so glĂŒcklich machen, wenn man das Leben einfach fließen lĂ€sst. Endlich das Wollen beerdigt, das Streben einmal loslĂ€sst. Ankommt!

Geh raus und lass die Welt an dich heran. Lass die Sonne auf deine Haut strahlen. Lass den Wind durch deine Haare wehen. Lass dein LĂ€cheln auf ein anderes stoßen. Lass dir helfen. Hilf anderen. Sei prĂ€sent. Heirate. Begreife die Liebe! Sei Dir und anderen ganz nah.




Liebe Welt, wir mĂŒssen reden

DistelblĂŒten, die halb aufgeblĂŒht sind vor einem dramatischen Himmel mit vielen WolkenLiebe Welt,

es wird Zeit ĂŒber Dich zu schreiben. Denn du stehst am Abgrund und wir mit Dir.  Wir blicken in den Abgrund, der da heißt Inflation, Krieg, Energiemangel und Klimakrise. Wie sind wir dahin gekommen? Haben wir es nicht kommen sehen? Wo waren unsere politischen „FĂŒhrer und FĂŒhrerinnen“, als es galt, das Unheil zu wenden?

Nun zieht sich die gute Laune und die Unbeschwertheit aus allen Lebensbereichen langsam aber sicher zurĂŒck.

Die Beziehungen werden weniger, die Social Media Posts verdorren, wie der Po in Norditalien.

Wir verstummen. Wir wissen nicht mehr, was wir sagen sollen. Schauen in den Abgrund unserer Zivilisation, den wir alle mit verursacht haben. Gleichzeitig rennen die Menschen immer noch wie die Lemminge zu den Fliegern, die ihnen wenigstens fĂŒr zwei Wochen Abstand von ihrem grausigen Leben versprechen, das man Alltag nennt.

Und selbst die endlosen Schlangen vor den Schaltern, die herrenlose Koffer, die sich zu Tausenden stapeln, weil „niemand sie wegrĂ€umen möchte“, kann die Meute nicht davon abhalten, die schöne Zeit vor Corona nochmal hinauf zu beschwören.

Aber es wird nicht mehr so „wie vorher“. Wir sind in einer anderen Zeit angekommen. In der Zeit, die sich „gewendet“ hat.

All das Reden und Schreiben der Intelligenten hat nichts gebracht, jetzt machen Diktatoren und Kriegstreiber das, was sie schon immer gemacht haben. Sie diktieren und treiben Krieg. Sie töten Frauen, Kinder und alle anderen. Sie besetzen, sie stehlen und vernichten. Ganz unverhohlen, ohne politischen Filter, ohne RĂŒcksicht und ohne Scham. Und die, die von außen zuschauen mĂŒssen und keine Mittel in der Hand haben, sind noch entsetzt und werden gleichsam mit bestraft. Das Unheil nimmt seinen Gang und es wird ĂŒber die Erde geschĂŒttet, wie eine riesige Milchkanne aus den 80er Jahren, als es noch „genug von allem gab“.

So muss das gewesen sein, als damals zwei Weltkriege ĂŒber die Menschen gerollt sind und man sie durch nichts aufhalten konnte. So wie damals gibt es nun „den Ruf nach den Waffen“, weil man sich von ihnen den Frieden verspricht, was widersprĂŒchlicher nicht sein könnte. Es gibt kein Frieden unter den Menschen, wenn im Kopf nur Hass und Krieg herrscht.

Liebe Welt, du stehst am Abgrund und ich schaue dir mitleidig zu. Aber ist es wirklich alles so schlimm oder sind es nur die Nachrichten, die uns solch grausige Wahrnehmung bescheren? Manchmal denke ich, bei mir persönlich ist alles so friedlich wie immer. Ich schlafe morgens lang, dann gehe ich mit meinem Hund durch die Felder, die im Moment so schön sind. Am Wegrand blĂŒht alles in tausend Farben, der Großteil der Ernte ist eingebracht, die Silos und MĂ€gen werden bald wieder gefĂŒllt sein. Ich mache meine Arbeit, so wie ich sie jeden Tag mache, dann koche ich ein Essen, so wie jeden Tag und abends genieße ich die Ruhe in den eigenen vier WĂ€nden.

Es ist warm, freilich. Aber ist es „die große Hitzewelle“, von der alle schreiben und sie an die Pinnwand des Internets heften?
Nein, es ist warm. Es ist Sommer. Liebe Welt, wir sollten uns nicht vor den Gedanken und Ängsten der anderen fĂŒrchten. Wir sollten lieber lernen, unser Leben glĂŒcklich zu leben und auf uns selbst zu hören. Denn wir haben nur dieses eine Leben. Wir sind verpflichtet, es richtig zu machen. „Gut zu leben“, verantwortungsvoll zu handeln, hier im Jetzt. Es gibt soviel zu tun! Soviel zu erleben! Die Welt ist so schön, meine Liebe, wenn Du sie nur lĂ€sst!

Lass dich nicht beherrschen, von den Untergangspropheten, von den Nein- und Vielleicht-Sagern, von den Zweiflern, Hetzern und Spaltern. Lebe einfach dein Leben, meine liebe Welt.

Lebe jeden Tag und versuche, jeden Tag glĂŒcklich zu sein. Das ist schwierig genug.




Kein Frieden

Alles ist verstummt, wenn die Waffen sprechen.

Keine Worte können die Grausamkeit annĂ€hernd beschreiben oder nachempfinden. Keine noch so schrecklichen Bilder können uns die GefĂŒhle der Angst und Not nĂ€herbringen, die jetzt von den Menschen in der Ukraine empfunden werden.

Kein Mensch kann uns erklĂ€ren, was Putin denkt oder was die jungen Soldaten in den russischen Panzern durch den Kopf gehen muss, als sie erfahren, dass es „keine Übung ist“. Und dass sie nun ihre BrĂŒder im Nachbarland bekĂ€mpfen mĂŒssen, mit denen sie enge verwandtschaftliche und kulturelle Verbindungen haben.

Niemand kann verstehen, was es bedeutet, wenn ein Atomkraftwerk mit fĂŒnf Meilern von Raketen oder Artillerie beschossen wird. Niemand versteht ĂŒberhaupt was ein „Super-Gau“ oder „Atomarer Krieg“ wirklich bedeutet. Vielleicht, bis auf ein paar wenige Autoren und Menschen aus der Friedensbewegung. Das ist unser Problem: Dass wir zu wenig verstehen, dass wir zu lange in einer Blase gelebt haben.

Dieses Risiko der weltweiten Eskalation gab es schon immer, aber wir haben es lÀngst verdrÀngt. Wir haben es uns bequem gemacht und eingerichtet in unserer friedlichen, wirtschaftlich florierenden und satten Zeit. Bis das Virus kam und alles durcheinander gewirbelt hat. Zum Virus der Bronchien kommt jetzt noch das Virus des Krieges dazu. Die abartige Vorstellung war nicht kleinzukriegen, dass man mit Krieg und territorialen Eroberungen irgendetwas erreichen könnte. Hat man nicht genug aus den beiden Weltkriegen gelernt? Möchte man nach wirtschaftlichen Scheitern nun auf diesen Weg mehr Reichtum, mehr Sicherheit und mehr Macht gewinnen? Was erhoffen sich Menschen, die solche Entscheidungen treffen? Sie ernten Elend, wirtschaftlichen Niedergang, Hyperinflation, Isolation, Armut und Rohstoffmangel auch in ihrem eigenen Land. Aber dennoch erscheinen Panzer und MilitÀrfahrzeuge als das Mittel der Wahl. Es ist ein einseitig mÀnnliches Denken, dass nur die Gewalt als Problemlösung sieht und alle anderen Optionen niemals in Betracht gezogen hat.

Der Westen, mit seinen auf Demokratie, Verhandlung und Diplomatie basierenden Regierungen ist schwer schockiert. Eine „Zeitenwende“ liest man ĂŒberall. Jetzt werden wieder Panzer benötigt, die Aktien der RĂŒstungskonzerne gehen durch die Decke, wĂ€hrend friedliche Technologien, die auf Austausch und Miteinander gesetzt haben, nach unten fallen.

Es sind keine guten Zeiten. Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg kommen wieder hoch. Das menschliche Elend auf der ganzen Welt, jetzt ist es zum Greifen nahe. „Hoffentlich erlebt ihr nie einen Krieg“ hat meine Oma damals gesagt, die von der FlĂŒchtlingsbewegung in den 1940er Jahren geprĂ€gt war wie viele andere Deutsche. Ihre Hoffnung wurde nicht gehört, auch wenn sie immer viel gebetet hat.

Jetzt ist der Krieg also da. Zwei LĂ€nder weiter und somit so nah und real wie nie. Ein Überschwappen auf die Nato-Staaten kann ganz leicht passieren. Es fehlt nur noch der berĂŒhmte Funken, wir sind nĂ€her an der großen Eskalation als damals zu Zeiten der Kuba-Krise.

Die grĂ¶ĂŸte FlĂŒchtlingsbewegung nach dem zweiten Weltkrieg wird erwartet. WĂ€hrend wir hier explodierende Energiepreise und Inflation haben. Es wird teuer fĂŒr alle und wir alle zahlen einen hohen Preis fĂŒr die Dummheit und den Egoismus von einigen wenigen. Wieder haben es einzelne MĂ€nner und Diktatoren „verbockt“ und mit ihrer Sturheit, Dummheit und Krankheit so viele Menschen in den Tod getrieben.

So lange es Waffen in der Welt gibt, wird es keinen Frieden geben.
So lange MĂ€nner ĂŒber Frauen dominieren, wird es keinen Frieden geben.
So lange es Ungerechtigkeit und Diktaturen gibt, wird es keinen Frieden geben.

Was wir jetzt brauchen, ist eine neue Friedensbewegung.




Eingefroren und aufgetaut

Passende Musik (Cranberries-Zombie)

Über eine vergangene Freundschaft

Alles ist wie eingefroren, wenn ich ihre Stimme höre. Ich merke, dass ich noch keinen Zentimeter weiter gekommen bin als damals, vor knapp 2 Jahren.

Okay, die GefĂŒhle haben sich ein bisschen geĂ€ndert, es schmerzt nicht mehr ganz so stark. Was aber geblieben ist, ist mein partielles UnverstĂ€ndnis ĂŒber ihre Entscheidungen und Gedanken. Ich kann es bis heute nicht wirklich nachvollziehen und das tut besonders weh.

Wie es gekommen ist. Was ich falsch gemacht habe. Warum es nicht aufzuhalten war.

Es kommt mir vor wie in einer anderen Zeit. Es war vor der Corona-Krise, als es noch mehr Leichtigkeit und mehr Austausch unter den Menschen gab. Aber schwer war es auch damals. Die Probleme waren schon damals da. Ich hab sie vielleicht nur nicht richtig gesehen.

Zusammen mit ihr hatte ich tiefe Gedanken, wie ich sie selten erlebt habe. Ich bin froh und stolz darauf, dass es nicht nur ihre GefĂŒhle waren. Sondern dass es auch meine GefĂŒhle waren, die aufgewirbelt wurden. Dass es die ganze Himmelsleiter des menschlichen Austauschs und Miteinanders war, dass uns zusammen gebracht hat. Ein „therapeutisches Zusammenkommen“ wie man nĂŒchtern sagen wĂŒrde. Manchmal braucht man diesen Austausch. Es ist die Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt und zu einem neuen Bewusstsein.

Ich bin froh, dass sie damals so ehrlich gewesen ist und wirklich alles von der Seele geredet hat. Und ich bin froh, dass ich es auch getan habe.

Nie hĂ€tte ich gedacht, dass ein Mensch, den ich beinahe „zufĂ€llig“ getroffen habe, mal so viel in mir auslösen könnte.

Und auch wenn es vorbei ist, löst der Abschied von ihr immer noch eine große Traurigkeit in mir aus.

Ich bin mir heute sicher, dass ihr die Auflösung der Freundschaft auch nicht leicht gefallen ist. Zuviel ist im Leben passiert, zu schwer war der Gegenwind.

Es muss ein gewaltiger Schritt gewesen sein. Und was ich heute besser sehe: Wie sehr sie damals unter Druck stand. Wie das Haus des Lebens ĂŒber ihr zusammen gebrochen ist. Dass sie da unbedingt raus wollte. Und dass das nur mit harten Entscheidungen ging.

Ich habe ihr dabei irgendwie geholfen, da bin ich mir heute sicher. Aber es war wie eine Geburt. Es war mit Loslösung und Ablösung verbunden, damit das Baby eigene Schritte machen kann.

Ich sollte in ihrem neuen Leben keinen Platz mehr haben. Sie wollte sich verĂ€ndern. Beruflich, vom Wohnort her und auch vom Charakter. Ich passte da nicht mehr rein, denn ich stand fĂŒr das, was sie verabscheute: Der Beugung unter das Schicksal. Das Ertragen der RealitĂ€t. Das wollte sie nicht wahrhaben. Sie hasste mich dafĂŒr, dass ich es ihr so schonungslos sagte. Ich, die nun doch mehr Lebenserfahrung hatte und Ă€lter als sie war. Sie stellte es sich alles leichter vor. Sie hoffte, wenn sie den Schalter umlegte, wĂŒrde alles verschwinden. Das Unbehagen, der Schmerz und das GefĂŒhl, im falschen Film zu sein.

Ich bin mir sicher, einen Teil davon hat sie erreicht. Ein Teil hat sich wirklich verĂ€ndert. Nach außen wirkt sie ganz stabil und irgendwie angekommen. So wie ich es jetzt auch bin.

Aber was im Inneren des Menschen steht, das ist eine andere Frage.

Je Ă€lter wie werden, desto mehr mĂŒssen wir erkennen, dass die traurig-schmerzlichen Erinnerungen das Einzige sind, was wirklich bleibt.

Wir sind ein BĂŒndel aus Schmerzen, Erinnerungen, Freude und Trauer.

Manchmal sind diese seelischen ZustÀnde wie eingefroren und manchmal werden sie wieder aufgetaut.




Der Sehnsuchtsort

Jeder Mensch kennt ihn : den Sehnsuchtsort.
Es ist ein Ort, tief im Inneren, an dem man gerne wÀre. Ein Ort, von dem eine magische Anziehungskraft und Ruhe ausgeht. Aber auch ein Ort, der fasziniert und von dem man sich mehr verspricht.

Dieser Ort kann ein rein gedanklicher RĂŒckzugsort sein, eine Ruhe-Oase, zu der niemand vordringen kann.

Oder es ist ein Ort, den man wirklich bereisen und anschauen möchte.

Bei der Fotografie habe ich immer wieder gemerkt, welche Faszination von „Orten“ ausgeht. Dieses GefĂŒhl, an einer Stelle zu stehen, wo schon viele Menschen hingezogen oder sogar gepilgert sind. Man möchte dann Teil dieser Faszination sein. Ein Foto anzuschauen ist die eine Sache, aber wirklich an dem Ort zu stehen, der große Bedeutung, eine beeindruckende Aussicht oder eine besondere geschichtliche Bedeutung hat, das ist wirklich etwas anderes.

Bei Instagram gibt es diese „hot places“, die dann tausendfach geteilt werden und die dadurch wieder neue Besucher anziehen.
Stellenweise begeben sich die „Orte-JĂ€ger“ dann in legale Grauzonen und ĂŒberschreiten Grenzen, die eigentlich geschlossen sein sollten (z.b. werden dann Betretungsverbote ignoriert).

Es gibt aber auch Orte, die man aus dem Fernsehen oder anderen Medien kennt. Orte, bei denen man sich erhofft, etwas anderes zu finden: Mehr politische Freiheit vielleicht, besseres Wetter, mehr Sonne oder einfach die Freiheit, die man zu Hause nicht sehen und spĂŒren kann.

Mein aktueller Sehnsuchtsort heißt: Los Angeles. Irgendwas in meinem Kopf sagt mir, dass ich diesen Ort unbedingt (wenigstens einmal in meinem Leben) bereisen sollte. Vielleicht, weil ich mittlerweile so viele Filme und Krimis kenne, die dort spielen (zur Zeit schaue ich die Serie „Bosch“ und spiele GTA 5). Oder weil ich immer wieder fasziniert bin von den Palmen und der untergehenden Sonne am Santa Monica Beach. Oder einfach, weil der Ort so abartig weit weg ist, dass man mit dem Flugzeug etwas mehr als 11 Stunden Flug benötigt. Und ich auf der anderen Seite schon sehr lange keinen weiten Flug mehr gemacht habe. Vielleicht auch, weil mir die amerikanische Kultur und Lebensart soviel anders als die deutsche, europĂ€ische Art anmutet. Immerhin waren die „Vereinigten Staaten“ ĂŒber Jahrhunderte das Ziel von frustrierten, religiös eingeengten EuropĂ€ern und ArmutsflĂŒchtlingen. Warum sollte sich so eine Auswanderungsbewegung nicht wiederholen, wenn Europa im Chaos versinkt?

Ich trĂ€ume davon, wenn mich hier zu Hause die Arbeit mal wieder erschlĂ€gt und es einfach nicht aufhört zu stĂŒrmen und zu regnen. Wenn der Winter mal wieder vier Monate dauert und einfach nicht enden möchte. Wenn man nach zwei Jahren Lockdown und wirtschaftlicher Krise einfach nur noch eine VerĂ€nderung und einen Neuanfang möchte.

Dann ziehe ich mir die Decke ĂŒber den Kopf und stecke die kabellosen Ohrhörer in die Ohren, damit alles andere abgeschirmt bleibt. Ich schalte auf Youtube ein Video mit „FlugzeuggerĂ€uschen“ ein. Leises, monotones „weißes“ Rauschen von den Turbinen. Das GerĂ€usch beruhigt und wirkt einschlĂ€fernd. Dann schalte ich den Fernsehsessel auf „Liegeposition“. Langsam senkt sich die RĂŒckenlehne nach hinten und ich schwebe plötzlich ĂŒber den Wolken. Weit weg, die Menschen und Straßen werden immer kleiner. Bald durchstoßen wir die Wolkendecke. Hier oben ist strahlend blauer Himmel und die Sonne blendet in den Augen. Es geht nach Westen. Die Maschinen und Computer tragen uns wie an magischer Leine gefĂŒhrt bis an das Ziel.




Die Liebe klingt gut

Passende Musik (Talla 2XLC)

Gestern war sie seit langem mal wieder zu spĂŒren. Die Liebe.
Hey Liebe, wo hast Du dich denn versteckt?
Du Liebe, kleines MĂ€dchen, mit den großen, braunen Augen, die mich aus dem halbdunklen Licht neugierig mustert, wo warst Du nur gewesen ?!?

Und mit der Liebe ist zugleich der Humor zurĂŒck gekommen. Ich lache, als ob es kein Morgen mehr gĂ€be.
Ich lache einfach so! Aus nichtigem Anlass. Über kleine blöde Witze.

Maaann, Liebe, wie lange habe ich DAS NICHT GESPÜRT. Es ist immer wieder unglaublich, wenn sich was Ă€ndert.

Wenn ich mich Ă€ndere. Wenn Du Dich Ă€nderst. Es ist unaufhaltsam. Es ist einfach da. Es macht „puff“ und die Liebe ist da.
Es ist nicht zu leugnen. Es schwebt leise durch die Luft. Es knistert. Es vibriert ganz zart, um nur ein paar Stunden spĂ€ter in einer großen Sehnsucht und in einem allumfassendem VerstĂ€ndnis zu enden. Gedankenkino. Der andere wird wichtig. Der andere wird schön und begehrenswert. Die Gedanken fliegen hin und her, wie kleine Bits und Bytes, nur um in einem unendlich großen Terrabit-Datenstream zu enden. Und was noch viel wichtiger ist: Ich möchte alles ĂŒber den GegenĂŒber wissen. Ich vergesse dabei mein Ich. Nur dann kann ich wirklich lieben. Wenn da das kleine Ego, welches immer so fest umklammert und behĂŒtet wird, endlich mal ein paar Schritte frei laufen kann.

Die Liebe ist der Strom, der Farben bringt. Der innere Begleiter, der wÀrmt und pocht.

Da ensteht plötzlich eine neue Dynamik. Die Dynamik zwischen Dir und mir. Wir brauchen es zum Überleben. Wie ein starker Puls, ein innerer Beat, der deutlicher und klarer wird – bis dann endlich neue Instrumente dazu kommen. Zuerst nur die Bass Drum, aber wehe dann, wenn wir uns mal lĂ€nger kennen und das ganze Streichkonzert deines Lebens sich dazu gesellt. Wenn Du Dich endlich öffnest und ich Deine Biografie erahnen kann. Dann wird es bunt. Dann wird es interessant und schrĂ€g. Dann bekommt die Liebe ein Gesicht, nĂ€mlich Dein und mein Gesicht.

Dann wird es laut. Dann höre ich endlich wieder etwas. Dann klingt es endlich gut.