Aus dem Jahrzehnt leise hinaus manövriert

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Dieses Jahr, dieses Jahrzehnt, werde ich leise und für mich verabschieden.
Ich werde nicht feiern, ich werde keine „Gesellschaft genießen“.
Ich werde nicht trösten, nicht mitfühlen und mein Leben niemandem anvertrauen, außer mir selbst.

Ich werde mir selbst genug sein. Mich völlig wahrnehmen.
Die Böllerei ausblenden. Den Schmerz runterspülen. Die Gedanken für mich behalten.

Ich werde keine Fotos machen. Nichts betrachten, nichts verbiegen, und aus nichts ein Ereignis machen.

Ich will und möchte einfach nur sein.

Ich werde Musik hören und leise „in die Vergangenheit hinein hören“.
Ich werde versuchen, den Schmerz der anderen wahrzunehmen – im endlosen lauten Getöse der Welt.

Ich werde die vermissen, die von mir gegangen sind. Entweder, weil wir Streit hatten, uns entfremdet haben oder weil sie gestorben sind.

Ich bin jetzt in dem Alter, wo ich mehr Menschen verloren habe, als „neu dazu gekommen sind“.
Jeder Verlust schmerzt. Jeder Verlust ist ein Tropfen, der das eigene Leichentuch und die Todessehnsucht weiter tränkt.

Jedes Mal bekommt das Herz einen Knacks. Und eine weitere Träne kullert.

Ich hab es nicht für möglich gehalten. Ich – die ewige Optimistin, die immer etwas positives sehen konnte.
Auf die sich andere verlassen konnten. Die voran gegangen ist und Stärke ausgestrahlt hat, wo keine war.

Ich hab es nicht für möglich gehalten, dass mich die Dunkelheit noch einmal so überrollen wird.
Dass ich so leiden werde.

Dass ich so lieben – und so vermissen würde.

3 Gedanken zu „Aus dem Jahrzehnt leise hinaus manövriert“

  1. Das hast du gut erkannt, daß das Leben so ist. Man muß das Loslassen lernen. Das ist ganz schwierig, vielleicht das Schwierigste im Leben überhaupt. Aber oft ist es doch so, daß nach einem Verlust irgendetwas Neues, ein Mensch, ein Tier, eine Idee aus einer ganz anderen Richtung kommt. Und dann kannst du wieder glücklich und hoffnungsvoll sein. Ich denke, offen zu bleiben, trotz Enttäuschungen , das ist das Geheimnis. Nicht resignieren, dran denken, was du schon geschafft hast.

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