Arbeiten und Entspannung im Gleichgewicht

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Über das Loslassen von Unnötigem

Sechs Tage ist es jetzt her, dass ich was geschrieben habe und geht es mir schlechter oder besser seitdem? Im Moment lese ich viel, meistens bei anderen und bin recht bequem und passiv und sauge die Infos in mich hinein.

Ich hatte bis dahin kein großes Bedürfnis zu schreiben, ich hatte keine Sorgen, aber auch keine Ideen. Ich zwinge mich nicht zu schreiben, nein ich lenke mich sogar bewusst ab. Ich merke, dass mein Gehirn hart und viel gearbeitet hat (meistens gibt es tagsüber wichtigeres zu tun als bloggen) und abends brauche ich dann keine neuen Ziele mehr für meinen Geist. Ich gewähre ihm seine Freiheiten, ich versuche zu entspannen.

Das Wort „Entspannen“ habe ich in der letzten Zeit öfters gelesen. Menschen haben oft Probleme, sich zu entspannen. Alles ist organisiert, immer muss irgendwas passieren, wir lechzen nach Bestätigung und Betätigung.

Aber einfach mal abschalten, etwas genießen, Gefühle zulassen und über das Leben meditieren, das können nicht viele. Was braucht man dazu?
Zuerst muss man sich freimachen von den Verpflichtungen. Man muss sich bewusst Freiräume schaffen, man muss die Arbeit „wegdrücken“. Die meisten Menschen laden sich immer mehr Arbeit auf und denken dann, dass sie dadurch glücklicher werden, aber das Gegenteil ist der Fall. Meist wollen wir durch Arbeit Bestätigung, aber im seltensten Fall bekommen wir sie. Warum dann also soviel arbeiten? Wenn wir doch nicht glücklich dadurch werden?

Klar, jetzt kommen die Leute und sagen „aber die Pflichten!“… aber wer genau darüber nachdenkt, stellt fest: jegliche Pflicht ist etwas, dass aus mir selbst kommt, dass ich mir selbst sage, was nicht immer und überall eine Notwendigkeit ist. Somit ist die übermäßige Arbeit ein psychologisches, inneres Problem und nur so zu lösen. Keine Substanzen werden helfen, keine Betäubung wird nützen, nur die reine, klare Selbsterkenntnis hilft über diese Probleme hinweg.

Meine Tipps dazu:

  1. Tip: Denk über die Arbeit nach, die du dir aufgebürdet hast! Ist sie wirklich notwendig? Denk über deine Ziele nach, die Motivation, die Wünsche, die dahinter liegen. Und vor allem: denke! Nur mit dem Denken können wir die Teufelskreise aus Verstrickung und Selbstquälerei beenden. Wer sich nur wie ein Roboter verhält, ist nicht besser als einer.
  2. Tip: Wenn du auf die Wünsche hinter der Arbeit gekommen bist, überleg was das für Wünsche sind und wie man sie vielleicht anders, besser erreichen kann? Brauche ich Liebe? Will ich gelobt werden? Warum? Mag ich mich selbst nicht? Warum mag ich mich nicht? Was bräuchte ich, damit ich mich selbst lieben kann, usw?
  3. Tip: Akzeptiere Dich selbst. Um nichts machen zu können, muss man sich selbst lieben können und das geht nur, indem man sich selbst liebt. Menschen arbeiten sich kaputt, weil sie sich unbewusst selbst zerstören wollen und sich selbst nicht lieben. Irgendeine Konditionierung in ihnen sagt ständig „arbeiten, arbeiten, arbeiten“… aber sie wissen nicht warum und wozu. Das ist die reinste Selbstzerstörung.
  4. Tip: Wenn man dabei angekommen ist, sich selbst zu lieben, kann man mit der Zeit auch dazu übergehen, andere zu lieben. Die Kommunikation verbessern, soziale Netzwerke, usw. Dann kommt es von selbst und ist nicht auf einen Zweck ausgerichtet, sondern dient dem Glücklich-Sein.

Ich denke ein Großteil der kranken Gesellschaft heutzutage kommt daher, dass wir einseitige materielle Ziele haben. Dadurch jagen wir ständig dem Geld und der Arbeit hinterher. Das ist unser Maßstab, unsere Einordnung. Wir vergessen dabei, dass es noch andere Ziele gibt, dass das reine „So-Sein“ auch eine Berechtigung hat. Mal ehrlich, wieviele Leute kennt ihr, die ihren Tagesablauf mit Dingen, Arbeit und Aktivitäten vollgestopft haben und wieviele Leute kennt ihr, die die reine Kontemplation pflegen und sowas sagen wie „Heute geh ich einfach nur spazieren“ oder „heute mal ich einfach nur mal ein Bild, sonst nichts!“ ??

Also die Leute die ich kenne, gehören fast alle zum ersten Typ, dem vollgestopften, zeitlosen, gefühlsarmen Roboter. Und das ist irgendwie krank. Man sollte zumindest versuchen, den zweiten Typus, den kontemplativen, philosophischen Teil des Lebens auch in sein Leben zu lassen. Zur Not muss man dafür kämpfen. Zur Not muss man etwas dafür etwas aufgeben, auf etwas verzichten.

Loslassen. Loslassen ist schwieriger als „festkrallen“. Etwas hart umschlingen und an sich reißen ist einfacher als zu sagen „oh, ich brauche es nicht mehr, ab damit in den Papierkorb!“ Loslassen heißt teilen, verzichten, geben, sich öffnen, frei machen. Ausatmen.

Eine schwierige Übung!

Dahinter liegt auf jeden Fall mehr Freiheit, ein besseres Lebensgefühl und die Grundlage für ein gesundes, glückliches Leben.

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3 Gedanken zu „Arbeiten und Entspannung im Gleichgewicht“

  1. Schöner Text!
    Ich habe genau das die letzten 36 Stunden (immerhin) gemacht: Einfach mal nichts!
    Ich habe mich mal komplett aus der Welt der Sorgen und Pflichten, meinen eigenen auferlegten Ansprüchen und peripheren Zielen sowie auch den Menschen an sich entzogen, um mir wieder nah zu kommen!
    Gut, ich bin Single, aber und es müssen ja auch nicht 36 Stunden sein.

    Ich habe diese Zeit jedenfalls genossen, Kraft getankt und stürze mich mit geladener Energie wieder ins Leben.
    Vielleicht haben sich meine Prioritäten auch mittelfristig verschoben und ich nehme mir auch einmal 6 Tage Auszeit vom Bloggen?
    Na, das weiß ich nicht, ob ich das kann. Gut, Bloggen gehört für mich auch eher zum Spaß als zur Pflicht 🙂

  2. Lieber Hartmut, schön dass Du dich entspannt hast und den Tipp beherzigen konntest. Aber für dich hab ich diesen speziellen Text nicht primär geschrieben, denn ich denke, du gehörst sowieso eher zur Sorte Mensch, die sehr philosophisch sein können. 😉 Deine lockere, humorvolle Art inspiriert mich selbst oft und ich finde das schön. Du gehst mit diesem Einsatz an dein Blog ran, den ich vernünftig finde: Alles kann, nichts muss.

    Meine Zielgruppe waren in diesem Fall die Leute, die ständig Arbeiten und kein Morgen kennen. Die von Chefs, Partnern, Familie, Beruf usw. zu Tode gequält werden und nie zur Ruhe kommen. Die gar nicht mehr wissen, was sie tun, warum sie es tun und wo der Ausgang ist. Aber irgendwie bezweifle ich auch, ob solche gestreßten Menschen die Zeit mit meinem Blog verbringen wollen? Können?

    mfg, Julia

  3. Hallo Julia,
    danke für Deine lieben Worte.

    Mein Kommentar sollte auch eher unterstützend zu Deinem Artikel betrachtet sein. Den Tipp an sich konnte ich leider nicht beherzigen, weil ich mich ja bereits in dieser Zeit, als er entstand, in meiner Computer-Abstinenz und Entspannungsphase befand 😆

    Natürlich weiß ich, welche Zielgruppe Du erreichen möchtest. Und ich denke, die Aussichten, dass Du auch jemanden erreichst, sind so schlecht nicht. Und, wenn es nur eine Seele ist, die Du zum Nachdenken bringst. Diese geht mit einem veränderten Bewusstsein aus dem Text und schon hast Du die Welt verändert 🙂

    Diesen Gedanken liebe ich so am Bloggen. Den möglichen Multiplikator-Effekt, der uns Menschen in eine positive Schwingung bringen kann.
    Hihi, jetzt werde ich auch schon wieder philosophisch 🙂

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