Apocalypse Now Redux : Rezension

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Dieser Film durchdringt das Wesen des Krieges, ohne ihn zu verherrlichen

Nun habe ich es doch endlich geschafft! Nachdem ich diesen großartigen Film der Filmgeschichte, vielleicht den besten Anti-Kriegsfilm aller Zeiten immer nur zur Hälfte gekannt habe, wurde er vor ein paar Tagen in voller Länge, genauer in der länger geschnittenen „Redux“- Variante gesendet. Und somit konnte ich endlich die letzte Hälfte auch schauen, die beim ersten Mal in den Weiten der alten VHS-Technik verloren gegangen war.

Ich traue mir eigentlich keine vollständige Rezension oder gar Bewertung zu. Dazu ist der Film zu lang, dazu habe ich im Grunde zu wenig verstanden und dazu ist er zu sehr Kunstwerk. Fakt ist, dass er ein Klassiker ist, vielleicht ein Kultfilm der damaligen Zeit und evtl. auch von ein paar Leuten aus der „Jetzt-zeit“.

Wenn schon keine richtige Rezension, so wenigstens eine kleine Meinung meinerseits:

Zum Inhalt:
(mehr Infos zu Besetzung und Inhalt wie immer auf Wikipedia)

Der rundum desillusioniert wirkende Soldat Captain Willard befindet sich in einem heruntergekommenen Hotelzimmer irgendwo in Vietnam. Er bekommt einen geheimen Marschbefehl, weit hinter der eigentlichen Front. Sein Auftrag lautet, einen verrückt gewordenen Armee-Colonel namens Kurtz zu finden und zu töten, weil dieser vollständig den Verstand verloren hat. Dieser hat sich irgendwo in Kambodscha eine Heerschar von Sekten-Anhängern um sich geschart und befolgt keine Befehle mehr.

Zu diesem Zweck bekommt Willard einer Handvoll Männer und ein Patrouillenboot an die Seite gestellt. Er muss nur dem Fluss folgen, an dessen unbekanntem Ende der Colonel auf ihn „wartet“. Der ganze Film ist an dieser Flussfahrt aufgereiht und die Erlebnisse, die die Soldaten dabei machen, machen den Großteil der Handlung aus. Das Aufeinander-treffen mit dem verrückt gewordenen Colonel ist der krönende Abschluss, danach endet der Film.

Der Film beginnt wie so viele Vietnam-Filme mit recht kriegerischen und militärischen Szenen, gerade in der Anfangszeit. Das heroische Element überwiegt. Relativ am Anfang treffen sie auf den größenwahnsinnig wirkenden Colonel Kilgore einer Luft-„Kavallerie-Einheit“, welches in diesem Fall Armeehubschrauber sind. Dieser Colonel wirkt sehr selbstsicher und überheblich und die Schlagkraft seiner Hubschrauber scheinen ihn dabei zu bestätigen. Sehr absurd wirkt es, dass er die ganze Zeit weniger über die Kämpfe oder das Sterben der Soldaten im Hintergrund redet, sondern die ganze Zeit vom seinem Lieblingshobby, dem Surfen eingenommen ist. Daraus entstehen teils sehr lustige und paradoxe Szenen, die den versteckt anklagenden Grundton des Films ausmachen.

In einer Szene wird ein Angriff auf ein feindliches Dorf geflogen. Kurz vor dem Angriff wird über die Lautsprecher der Hubschrauber Wagner-Musik gespielt, angeblich um die feindlichen Soldaten einzuschüchtern und als Teil einer psychologischen Kriegsführung. In einer furiosen und sehr gut umgesetzten Actionszene sieht man, wie die ca. 10 Hubschrauber das schwach verteidigte Dorf angreifen und dem Erdboden gleichmachen. Der letzte Widerstand wird mit einem zusätzlichen Jagdflieger-Angriff vernichtet.

Der Colonel der Hubschrauber-Einheit scheint das Ganze nicht richtig ernst zu nehmen und erzählt ständig weiter über das Surfen und fachsimpelt mit seinen Untergebenen, die zu recht irritiert wirken und deutlich mehr Angst zeigen, als ihr Chef. Im Hintergrund explodieren Bomben und Granaten, Schreie und Rauch liegen in der Luft.

Als in einem finalen Angriff eine ganze Baumreihe auf ca. 300 Meter Länge von Napalm-Bomben dem Erdboden gleichgemacht wird, erzeugen die Brände Luftverwirbelungen und verändern somit auch die Wellen am Strand, was den Colonel sehr verärgert, da man nun nicht mehr richtig surfen kann.

Diese Szene endet damit, dass die Besatzung um Captain Willard dem Colonel das Surfbrett vom Hubschrauber klaut und sich mit ihrem Boot schnell aus dem Staub macht- nicht ohne schallendes Gelächter auf allen Seiten.

Diese Anfangsszene unterstreicht den fast lustigen, satirischen Ton des Films, der ab da aber immer mysteriöser und auch kritischer wird.

Im Verlaufe der Flussfahrt verliert das Patrouillenboot fast alle Männer, meistens durch Angriffe, die überhaupt nicht vorherzusehen waren.

Nur mit letzter Kraft kommt der Captain dann an seinem Ziel an. Zwischendurch wird die Spannung angeheizt, indem er seine geheimen Dossiers über Kurtz durchliest und sich ständig fragt, was er wohl für ein Mann ist und wieso er so aus der Bahn geschlagen ist. Das ist sehr spannend gemacht und als Zuschauer fiebert man sehr auf den finalen Moment der Begegnung hin.

Die Endszene im Dorf ist allerdings erwartungsgemäß: Überall sind Krieger, meistens eingeborene oder nur schwach bekleidete Männer. Überall hängen Leichen an Bäumen exemplarisch aufgehängt, tlw. sieht man auch abgeschnittene Köpfe. Was der Colonel eigentlich wirklich möchte oder was seine Absichten sind, erfährt man leider nicht wirklich, oder wenn nur sehr unklar. Die Begegnungen zwischen Willard und Kurtz haben eine sehr literarische, künstlerisch und unverständliche Note. Der Colonel redet meistens nur in Metaphern und wirkt der Welt entrückt, ganz so, wie man es Willard beim Erteilen des Auftrages berichtet hatte.

Der Protagonist (Willard, brillant gespielt von Martin Sheen) selbst wirkt die ganze Zeit ebenso entrückt, er redet nie sehr viel und hört meistens zu, was andere ihm zu sagen haben. Dennoch oder gerade dadurch strahlt er aber eine geheime Macht und sehr viel Autorität aus. Er hat Kurtz, sich selbst und seine Einstellung die ganze Zeit überdacht und kommt zu dem Schluss, dass sich dieser fast nach einer Erlösung sehnt, weil er selbst nicht mehr Herr über seine Sinne ist. Somit scheint er die letzte Tat moralisch zu begründen, was auch sehr nachvollziehbar vermittelt wird.

Niemand im Lager scheint diese Macht zu haben, da sich alle sehr passiv verhalten und Kurtz vollständig ergeben sind. Zudem fürchten sie ihn auch und seine grausamen Methoden.

Also nimmt er sich in der Nacht den Mut und tötet Kurtz. Der Film endet damit, dass er aus dessen Quartier kommt, sehr finster drein blickt, seine Waffe auf den Boden wirft und schweigend in die Menge starrt.

Die Masse macht es ihm nach und lässt ihre Waffen fallen. Danach fährt der Captain auf seinem Boot nach Hause. Er verzichtet darauf, einen finalen Luftangriff auszulösen, wahrscheinlich weil er der Meinung ist, dass sich die Probleme jetzt gelöst haben.

Interpretation
Der Film ist insgesamt schwierig zu interpretieren, da viele Szenen nur angedeutet sind oder unklar gehalten werden. Für mich ist die wichtigste Aussage darin zu sehen, dass der Krieg das Verrückteste und Unmenschlichste ist, was dem Menschen passieren kann. Mit dem amerikanischen Helden-Patriotismus und den üblichen Übertreibungen bei Vietnamfilmen ist dieser Film nicht zu vergleichen. Er verdreht eher das Konzept Kriegsfilm und zieht das Ganze ins Lächerliche, aber auch ins Abartige. Überall an der Front herrscht Chaos, einen „befehlshabenden Offizier“ gibt es oft nicht oder muss erst lange gesucht werden. Die Wetter-Verhältnisse sind schlecht, die Soldaten oft schlecht ausgebildet und undiszipliniert. Gerade durch diese Tatsache entstehen auf dem Boot mehrmals kritische Szenen, die das geheime Kommando fast vorzeitig zum Scheitern gebracht hätten.

Der Protagonist wirkt die ganze Zeit seltsam unbeteiligt, er scheint der einzige zu sein, der einen klaren Kopf behält. Zwischendurch trifft er auf eine französische Witwe, diese ist von ihm sehr fasziniert und sieht in ihm einen Engel und einen Mörder („eine Seite, die liebt und eine, die tötet“).

Anders als der verrückt gewordene Colonel Kurtz, behält Willard aber seine gute Seite und die Fähigkeit zu moralischen Entscheidungen bei. Das gelingt ihm nur durch genaues Zuhören, Nachdenken und überlegtes Abwägen aller Eventualitäten.

Somit ist er dem Verrückten, der das Töten zum reinen Selbstzweck gemacht hat, am Ende überlegen.

Fazit:
Nicht zu Unrecht kann man Apocalypse Now als einen Klassiker der Filmgeschichte, insbesondere bei den Vietnamfilmen bezeichnen.

Er verzichtet so gut wie ganz auf das Helden-Epos und die typischen Klischees, die es sonst in diesem Genre zu sehen gibt.

Stattdessen liefert er Metaphern, Geschichte und Stoff zum Nachdenken im Überfluss. Sehr gut gefallen hat mir die geruhsam angelegte Erzählweise, die Musik und die Länge des Films.

Wer viele Action-Szenen oder Kriegsverherrlichung im klassischen Stil sucht, wird von Apocalypse Now enttäuscht werden. Auch sind viele Szenen sehr dunkel gehalten und entfalten auf kleinen Bildschirmen nur begrenzt ihre Wirkung. Im Kino wird sicherlich vieles noch beeindruckender und gewaltiger gewesen sein, die Präsentation der Handlung ist (abgesehen von der Hubschrauberszene) eher spartanisch.

Für Fans von literarischen Filmen und Gesamtkunstwerken und für alle Kriegsgegner und Pazifisten ist dieser Film aber ein absolutes Muss.

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