Am Ende der Krankheit

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Am Ende der langen Krankheit waren auch die Ärzte krank.
Einst gesunde, kräftige Männer voller Optimismus.
Am Ende der Trauer waren sie ausgelaugt und schwach.
Vom Virus zersetzt, von den Bakterien aufgefressen.
Schutzlos und klein, wie Kinder brauchten sie jetzt Schutz.
Und sie bekamen ihn.

Sie hatten viel gegeben. Nun brauchten sie eine Pause.
Ein ganzes Jahr würden sie schlafen.
Ein Leben lang für zehn, die sie gelassen hatten.

Schwächer als die Frauen, die sie einst beschützen wollten
waren sie selbst zu Frauen geworden.
alt und schwach und die Arme dünn wie Streichhölzer
konnten sie keine zwei Kilogramm mehr heben
und wankten wie eine Tanne im Wind.

ausgehungert, ohne Muskeln und ohne Fettreserve
nur noch Haut und Knochen
das Haar dünnn wie Papier
die Augen schwach und glasig

Sie hatten alles gegeben
und an das Gute geglaubt

bis zum letzten Atemzug.

.

In dem Moment aber
wo ich das sah
wie er von der Arbeit kam
und mal wieder alles für andere gegeben hatte

da war er männlich wie nie.

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