Abwehren und Bekämpfen vs. Loslassen und zulassen

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Das Immunsystem ist ein hochkomplexes System im menschlichen Körper, dass für die Abwehr feindlicher Stoffe zuständig ist. Persönlich weiß ich wenig darüber und bin immer wieder erstaunt, wenn ich im Netz über die hochkomplexen Wechselwirkungen lese.

Es gibt sehr technisch-wissenschaftliche Bücher und Texte, die das ganze mit „Killerzellen“, mit Kampf und Abwehr beschreiben und in ihrer mechanisch-analytischen Sichtweise der klassischen Schulmedizin sehr nahe stehen. In diesem Stil ist z.B. der sehr lange und für Laien kaum verständliche Artikel auf Wikipedia und für die Masse verständlicher bei „Welt der Wunder“ .

Viele Menschen denken und nehmen an, dass also der Kampf und vor allem die innere Einstellung sich zu wehren, maßgebend für eine gute Immunabwehr ist. In einem Buch über Psychosomatik habe ich gelesen, dass sehr starke Gefühle der Wut und des Willens zur Gesundung Fieber auslösen und verstärken können – und das Fieber dient dem Körper mit seiner Hitze dann rückwirkend der Infektabwehr. Es ist also in diesem Falle nicht gut, das Fieber zu unterdrücken- nur dann, wenn es zu stark ist. (( ich gebe keine Garantie auf medizinische Richtigkeit und vor allem keine Haftung für medizinische Themen, dies ist mehr eine philosophische Annäherung an das Thema))

Überhaupt scheint das Immunsystem das System im Menschen zu sein, das am stärksten in Wechselwirkung mit unserer Seele, mit unseren Gedanken und Gefühlen steht. Das Gefühl bei schlechter Lebenslage schneller krank zu werden oder gerade bei Müdigkeit und Überarbeitung zu allergischen Anfällen zu neigen, mögen viele LeserInnen vielleicht kennen.

Auch der Krebs ist etwas, das mit einem guten Immunsystem abgewehrt werden kann und somit vielleicht nicht ganz so „schicksalhaft“, wie wir es in unserer Angst davor annehmen könnten. Diese Aussage ist allerdings mit Vorsicht zu genießen und umstritten, wie man hier lesen kann: http://www.krebsinformationsdienst.de/themen/grundlagen/immunsystem.php

Einen Versuch, biologische Zusammenhänge zwischen Krebs, Immunsystem und Körper zu erklären, macht diese Seite .

Und zum Schluss folgt ein sehr philosophisch- spiritueller Ansatz, um die Verbindung zwischen Leben, Einstellung und Immunsystem zu ergründen.

Hier befinden wir uns zwar weit in der Grauzone der unbewiesenen, alternativen Medizin, die vielleicht eher eine Glaubes-und Einstellungssache ist. Dennoch ist das der beste Artikel zum Immunsystem, den ich im kurzen Überblick finden konnte.

So kann die innere Stabilität und die Einstellung, die man z.B. mit Hilfe von Religiösität erreicht, helfen, die Angst „vorm Leben“ zu reduzieren (Seite 5). Das wiederum wirkt sich positiv auf die Immunabwehr aus.

Und was sagen die Volksmediziner und die Info-Broschüren der Krankenkassen? Das Übliche: Viel bewegen, gesund ernähren, Vitamine, Vitamine… kein Alkohol, weniger Stress, mehr Urlaub. Bildungsbürgerliche Schichten wissen das und leben daher meist gesünder als diejenigen, bei denen es an Bildung mangelt.

Wer z.B. von Hartz IV lebt, wird schneller krank als einer, der einen guten Job hat, bei dem er sich wohlfühlt. Netzwerke und gute Kontakte, viel Lachen, Anerkennung durch andere und ein guter Umgang mag sich sehr positiv auf das eigene Selbst und somit auch die Gesundheit auswirken. (( Zur Gesundheit bei Hausfrauen, die jeden Tag 7:30 Stunden arbeiten, ohne dafür Geld und Anerkennung zu bekommen, habe ich allerdings noch keine Studie gefunden… ))

Weiterführende Links (updated)

Der Einfluss der Familie auf Gesundheit und Bildung

5 Gedanken zu „Abwehren und Bekämpfen vs. Loslassen und zulassen“

  1. Der Zusammenhang zwischen einem positiven Lebensgefühl sowie innerer Zufriedenheit mit einer gesunden Zeit, in der man weitestgehend von (Infektions)Krankheiten verschont bleibt, ist doch eigentlich eine Art Allgemeinwissen, das jeder Mensch intuitiv bejahen würde – genauso wie den umgekehrten Fall, in dem Sorgen und Streß die Anfälligkeit für Krankheiten erhöhen.
    Daß diese Tatsache „umstritten“ ist, liegt eigentlich nur daran, daß die Wissenschaft es nicht zuverlässig nachweisen kann. Aber das ist zugegebenermaßen auch ziemlich schwer. Wie will man Glück, Zufriedenheit oder sorgenvolle Gedanken nachvollziehbar messen – und dabei eine Relation finden, die auf möglichst viele Menschen paßt? Geht nicht! Zumindest heutzutage noch nicht. Deshalb spricht man mit erhobenem Zeigefinger davon, daß es noch „umstritten“ ist. Obwohl es jeder weiß.
    Da bin ich richtig froh, daß man die Schwerkraft messen kann, ansonsten wäre es in der Wissenschaft wahrscheinlich immer noch „umstritten“, daß ein Apfel vom Baum fällt. 🙂

    Anregender Artikel, Julia. Die Nähe von bildungsfernen Schichten und Hartz-IV-Empfängern in den letzten beiden Abschnitten ist allerdings etwas unglücklich formuliert. Ich bin mir sicher, daß Du hier keinen direkten Zusammenhang herstellen wolltest; ein kritischer Leser könnte dies jedoch genau in diesem Sinne interpretieren und Dir anschließend vorwerfen.
    Ein Mensch, der von Hartz IV lebt, wird nicht deshalb schneller krank, weil es ihm an Bildung mangelt, sondern weil sein Leben generell voller Sorgen und Ängste steckt und er sich ständig Angriffen auf sein Selbstwertgefühl und seine Würde ausgesetzt sieht.

    Yva

  2. @Yva: Du hast natürlich Recht, dass in erster Linie die schlechtere Gesamt-Lebenssituation der signifikante Auslöser für eine schlechtere Gesundheit bei Hartz IV Empfängern sein wird. Und genauso wie du es verstanden hast, habe ich es wahrscheinlich auch gemeint. 😉

    Aber man sollte die Bildung nicht ganz vernachlässigen. Es gibt tatsächlich so etwas wie „Eigenverantwortung“, die mit der eigenen Bildung korreliert, gerade im gesundheitlichen Bereich.

    Ich meine damit z.B., dass mangelnde Bildung über die eigene Gesundheit und deren Zusammenhänge darin ein Grund sein kann, sich schlechter zu ernähren, weniger auf Bewegung zu achten, etc. – einfach weil man es nicht lernt, noch das Gefühl entwickeln konnte oder von den Eltern/ der Schule vermittelt bekommen hat. Die Bildung ist in jedem Fall der Knackpunkt, wenn man Bildung mit „Wissen über das Leben“ im allgemeinen gleichsetzt. Ein großes Latinum alleine bringt natürlich nichts, also können auch theoretisch (akademisch) gebildete Menschen sehr ungesund leben.

    Anbei zwei Links, die diese Zusammenhänge noch näher erläutern: Link 1
    und Link2

    Viele Grüße
    Julia

  3. ps: Ein weiteres Merkmal kann neben der Art der Lebensführung auch die Art der Arbeit sein: Schichtarbeit ist z.B. ungesünder als „nur“ ein Bürojob. Lärm und Dreck bei schlechter bezahlten Jobs wiederum belasten den Körper derartig, dass man es auch mit viel gutem Willen nicht ausgleichen kann. Und eine Rente mit 67 trifft die Menschen dann ungleich.

    Insgesamt ein sehr kompliziertes Thema mit vielen Querverflechtungen.

  4. Das Thema ist wirklich enorm komplex. Mir fallen jetzt auf Anhieb ein halbes Dutzend Ansatzpunkte ein, mit denen man munter bis in die Puppen weiterdiskutieren könnte.

    Bildung kann ja nun sehr selektiv sein. Ich habe da so einige hochintelligente, belesene Bekannte, die jedoch gewisse Bereiche des von der Menschheit angesammelten Wissens komplett ignorieren und sich beharrlich von Fastfood, Mikrowellen-Fertiggerichten und zu viel Alkohol ernähren. Und auf der anderen Seite wird so mancher Hartz-IV-Empfänger aufgrund des äußerst knapp bemessenen Regelsatzes in seinen Bemühungen, sich gesund zu ernähren (oder sich gesundheitsfördernd in Schwimmbädern und Sportvereinen zu betätigen), behindert.

    Gesundheit ist somit auch eine Frage von Armut und generellen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Potenziert wird dieser Zusammenhang dann noch durch das bereits erwähnte Ungleichgewicht im Vorhandensein von Sorgen, Streß und körperlicher Arbeit.

    Aber zurück zur Bildung: Der von Dir verlinkte Focus-Artikel ist natürlich erschütternd und untermauert Deine These eindrucksvoll – nicht nur wissenschaftlich, sondern auch nachvollziehbar logisch. Und bei Kindern hört der Spaß auf. Aber meine Hoffnungen, daß sich die Politik diesem Problem annimmt und in absehbarer Zeit eine vernünftige Lösung findet, sind gering.

    Unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem produziert also eine sehr unausgeglichene Verteilung von Gesundheit sowie den Möglichkeiten, sie zu erhalten oder sie wiederherzustellen, und vererbt dies sogar an die nachfolgenden Generationen weiter. Bemerkenswerte und nachdenklich stimmende Erkenntnis aus Deinem Blogartikel. Danke dafür.

    Jetzt weiß ich auch wieder, warum ich in letzter Zeit so oft hier vorbeischaue. 🙂

    Viele Grüße,
    Yva

  5. Hallo Yva,

    schön, wenn dir der Artikel gefällt, das freut mich natürlich sehr. 🙂 Außerdem habe ich so das Gefühl, dass ich auf der richtigen Seite mit meiner Denkweise u. meinen Ansichten liege. Das Thema soziale Ungerechtigkeit muss ich allerdings weiterhin mit Samthandschuhen anfassen, weil ich immer das Gefühl habe, dass es leicht falsch verstanden wird (und ich muss mich auch selbst fragen, ob ich wirklich Vorurteile habe oder eine „objektive“ Meinung?).

    Der Focus-Artikel ist zwar sehr deutlich, aber vielleicht finde ich noch bessere Beweise und etwas „wissenschaftlichere“ Studien. Habe im Artikel selbst noch einen Link angehängt, der ganz gut ist. (ganz unten)

    Gesundheitliche Bildung und vor allem gesundheitliches Bewusstsein finde ich sehr wichtig und ich merke auch an mir selbst, dass ich es immer wieder auffrischen muss. So ein Artikel hilft mir dann auch selbst, mich gesünder zu ernähren und wieder mehr darauf zu achten.

    Auf jeden Fall nochmal danke für dein Feedback
    und

    Viele Grüße,
    Julia

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