Absage

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Seit Tagen quäle ich mich mit diesem Anruf. Seit Tagen schaffe ich es nicht, eine einzige SMS zu schicken, vor allem nicht diese. Ich bin innerlich zerissen, mal möchte ich, mal möchte ich nicht, wäge ab, was besser ist. Mein Verstand sagt so, mein Gefühl sagt so. Mein Gefühl sagt aber auch so und mein Verstand tlw. auch so.

Ich glaube nicht, dass mich im Moment jemand versteht. Es ist ein Problem, was ich ganz alleine habe und ich habe niemanden, mit dem ich das besprechen kann. Ein exklusives, narzisstisches Solo-Problem. Inhaltlich prädestiniert für die anonyme Nabelschau-Weltbühne des Blogs.

Es ist ein riesiges Chaos und ich bin verunsichert. Dann endlich- kurz vor dem Gewitter- schaffe ich es und sage die Einladung ab.

Enttäuschung auf der anderen Seite, das war klar, damit habe ich gerechnet. Aber dann doch wieder Verständnis. Ich bin beruhigt.

Warum fällt es mir so schwer, Dinge abzusagen?

Vielleicht denke ich, dass dann nie wieder eine Einladung kommt. Dass ich jemand verletzen könnte. Dass mein Egoismus stärker als die Freude desjenigen ist, der mich eingeladen hat und sich auf mich gefreut hat. Es ist so kompliziert. Ich glaube, es ist ein Frauenproblem.

Ein Mann entscheidet logisch, sieht in den Terminkalender, fragt nicht seine Gefühle, macht es einfach. Ich, also meistens eine Frau, überlege was die Personen denken und entscheide vor allem auf Grund der emotionalen Fakten. Da ist eine Absage oder ein Nicht-Kommen immer negativ, egal wie man es dreht und wendet.

Ist es ein Zufall, dass ich gerade heute Nacht von meiner ehemaligen Schule geträumt hatte und einen furchtbaren Alptraum hatte, als es in einer Mathestunde an der Tafel darum ging, logisch und zielstrebig zu sein?

Schweißgebadet bin ich aufgewacht. Zum Glück war es nur ein Traum.

8 Gedanken zu „Absage“

  1. Hallo Julia, ich weiss nicht, ob sich alles so fein saeuberlich in maennlich und weiblich einsortieren laesst. Auch ich habe manchmal meine Probleme, Entscheidungen zu faellen, Einladungen zu- oder abzusagen. Dafuer kenne ich dann Frauen, die alles viel besser organisiert haben, die schauen, ob es in den Kalender passt, oder nicht, und die sofort wissen, ob sie Lust haben, oder nicht. Aber vielleicht ist es in der Tat eher weiblich, spontan zu sein – und zu verzweifeln, wenn die Spontanitaet nicht kommen will.

  2. naja, bei der groben Einteilung von komplexen Problemen in zwei Kategorien müssen zwangsläufig Ausnahmen auftreten, da stimme ich schon zu. Vielleicht hatte ich beim Schreiben noch dieses eine Buch im Kopf, wo bewusst die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen aufgezeigt werden („Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können“). Und da steht halt, dass gerade die schwierige, emotionale Bewertung von Entscheidungen (sinngemäß) eine Sache ist, die besonders bei weiblichen Gehirnen auftritt. Es ist natürlich nicht so, dass man(frau) dann immer so entscheiden muss… nie anders könnte… aber es ist ein schönes Klischee, was doch oft passt.

  3. Verallgemeinerungen muessen zum Verstaendnis von groben und sehr allgemeinen Zusammenhaengen sicher sein. Das will ich ja nicht bestreiten. Aber ich glaube, dass nicht alle Regungen des menschlichen Lebens in maennlich und weiblich einteilbar sind. Viel mehr interessieren mich persoenlich die verbindenen Elemente.

  4. Ich glaube auch nicht, dass alle Regungen so einfach einteilbar sind, das wäre zu schön, zu leicht. Dennoch ist es wohl so, dass sich evolutionsbedingt starke Unterschiede in männlichen und weiblichen Gehirnen herausgebildet haben, die tlw. „lustige“ Klischees erzeugen, dann wiederum auch ernst und unangenehm sein können, für diejenigen, die sich damit herumschlagen müssen. Ich frage mich oft, ob ich diese wissenschafltichen Fakten und Themen wie z.B. Verhaltensbiologie beim Schreiben genügend berücksichtige. Wenn man- so wie ich- gerne alles auf psychologische oder pädagogische Gesichtspunkte
    reduziert, vergisst man leicht, dass es noch viele andere „Faktoren“ gibt, die für unser Leben und unsere Entscheidungen wichtig sind.

    Was meinst Du denn eigentlich mit verbindenen Elementen?

  5. Was meinst Du denn eigentlich mit verbindenen Elementen?

    Damit meine ich ganz banal, dass ich eher das suche, was bei Maennern und Frauen gleich ist, denn das ist, glaube ich, immerhin der groesste Teil der Eigenschaften. Denn auf Grund dieser Eigenschaften ist Kommunikation erst moeglich. Wie koennte sich z.B. ein Mann und eine Frau ueber das Essen unterhalten, wenn Maenner nur Fleisch und Frauen nur Fisch essen/verdauen koennten?

  6. Ja im Grunde sind die Schnittpunkte sogar das Wichtigste, sonst würde das Zusammenspiel nicht funktionieren. Mir fällt z.B. oft auf, dass es gerade die Mischung der Fertigkeiten und Fähigkeiten ist, die ein gutes Ergebnis hervorbringt. Es ist z.B. bekannt, das Betriebe bessere Umsätze machen und wirtschaftlich erfolgreicher sind, wenn der Frauenanteil in den Chefetagen genauso hoch wie der Männeranteil ist. Das mag z.B. daran liegen, dass Frauen anders organisieren und an die Probleme „sozialer“ und feinfühliger herangehen. Männer wiederum sind oft gut für die schnellen, logischen Entschlüsse und die lineare Zielstrebigkeit (übrigens auch „biologisch“ verankert in der Gehirnstruktur, da der Mann immer ein Jäger war und analytisch vorgehen musste, wohingegen die Frau mehr auf die sozialen Beziehungen zu Hause achten musste).

    Bei aller Liebe zu der Verbindung und dem Verständnis untereinander, muss man doch festhalten, dass in der Realität die Missverständnisse zwischen den Geschlechtern die problemlose Kommunikation oft überlagern.

    Umso wichtiger, darauf zu achten und entsprechende „Übersetzungen“ zu finden.

  7. Dieses Gefühl kenne ich als Mann auch. Es fällt mir auch schwer eine Einladung abzulehnen, weil ich Angst habe ich bekomme dann keine Neue. Ich denke auch, dass es so ist, wenn man zu oft ohne Grund eine Einladung absagt.

  8. Tja Rudi, da hast du wohl recht. Es ist ja meine Vermutung gewesen und nun hab ich wirklich ein umso schlechteres Gewissen…. leider kann ich mich auch nicht zerteilen und hin und wieder muss man auch Prioritäten setzen.
    Einen Grund sollte man schon haben. Einfach nur „keine Lust“ ist da ein bissel wenig….. auch wenn es hin und wieder stimmen sollte.

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