Zwei Bücher im Detail

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„Selbstbetrachtungen“ und „Darwinismus und Sozialismus“

Ich will nochmal einen Überblick geben, über die zwei Bücher die ich als erstes auf dem neuen Lesegerät gelesen habe, weil sie mich aus einer anfänglichen Faszination ansprachen und im Nachhinein auch ihr erwartetes Versprechen gehalten haben:

Selbstbetrachtungen“ von Marcus Aurelius fiel mir deswegen in die Hand, weil ich von ihm früher schonmal ein paar Weisheiten und Zitate gelesen hatte und sie stets sehr klar und erfrischend fand. Auch diesmal fällt mir beim Lesen wieder auf, wie nah seine Überzeugungen und Denkweisen dem Buddhismus stehen. Im Vorwort des Buches steht, dass er dem Christentum eher abgeneigt sei, ebenso der Vielgötterei der Römer- aber dennoch spricht er hin und wieder von einem Gott. Seine Philosophie scheint also eine Mischung aus klassischer Philosophie, mit einem Quentchen Religiösität zu sein und genau diese Mischung ist es, die mich sehr fasziniert. Zur Geschichte des berühmten römischen Kaisers will ich nun nicht soviel sagen, das kann man alles sehr gut auf Wikipedia nachlesen. Vielleicht nur soviel, dass das römische Reich zu seiner Zeit zu einer Blüte getrieben wurde und er sich von anderen macht- und blutrünstigen Herrschern die das Imperium Romanum so oft hervorgebracht hatte, in seinem weitsichtigen und menschenfreundlichen Kontrast deutlich abhob.

So wie ich das verstanden habe, eiferte er dem damaligen Ideal der Philopsophen nach und hüllte sich auch in weiße Gewänder, suchte die Einsamkeit und auch die Askese (durch die er aber wegen Ängsten seiner Mutter wieder Abstand nahm, damit er nicht verhungerte). In einem Absatz betont er auch, dass er die „Prunkerei“ ablehne und er scheint generell ein Mensch mit festem Willen und klaren Geist zu sein.

Viele seiner Denkweisen und Zitate sind auch für den modernen Menschen von Nutze. Er predigt in vielen Dingen Bescheidenheit und Genügsamkeit. Er betont, dass man die Dinge so sehen soll, wie sie sind, dass man nicht zuviel auf die Meinung von anderen Menschen geben soll und dass das Leben generell ein Kommen und Gehen ist und dass man darin nur bestehen kann, wenn man eine entsprechende Gleichmut entwickelt.

Das kommt z.B. in diesem Zitat zum Ausdruck: „Und dann, daß auch der, der am längsten gelebt hat, doch nur dasselbe verliert, wie der, der sehr jung stirbt. Denn nur das Jetzt ist es, dessen man beraubt werden kann, weil man nur dieses besitzt, und niemand kann verlieren, was er nicht hat.“

Nur das Jetzt ist wichtig, die Vergangenheit ist vorbei und kann nicht „besessen“ werden, also lohnt sich auch nicht der Streit um Macht und Einfluss, um das ständige Vergrößern der Besitzbarkeiten, usw.

Mit Erich Fromms Gedanken würde ich fast sagen, er sagt, dass das Sein wichtig ist und man im Haben nur beschränkt Glück finden kann. Überhaupt wundert es mich, wie zeitlos die Gedanken von Marcus Aurelius sind und wie lange die Menschen schon immer mit den gleichen Problemen der menschlichen Existenz zu kämpfen haben. Ist es nicht lustig, dass es auch für den heutigen Mensch eine Hilfe und Erleichterung ist in den Worten eines Philosophen zu lesen, der schon fast 2000 Jahre nicht mehr am Leben ist? So wenig hat sich verändert und es bestätigt auch wieder indirekt die Grundlagen seiner Philosophie.

Es wäre jetzt zuviel erwartet, eine vollständige Zusammenfassung des Buches zu schreiben. Dazu ist es zu kompliziert und zuviel verschiedene Aussagen stehen eng nebeneinander. Die Selbstbetrachtungen liest man am besten, indem man sie in einer ruhigen Stunde zur Seite nimmt und nur ein paar Sätze darin liest, das Gelesene dann sinken lässt und sich ein wenig Zeit dafür nimmt.

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»Ist es in Ordnung, dass Millionen beinahe Hungers sterben, damit einige Tausende an Dyspepsie (Magenüberladung) zu Grunde gehen?« (- Highlight Loc. 26-27 )

Ähnlich klar in seiner Denkweise und noch etwas moderner geschrieben ist das Buch „Darwinismus und Sozialismus“  von Ludwig Büchner.

Vor allem in seinen einleitenden Worten beschreibt er eine ungerechte Welt, wie sie auch aus der heutigen Zeit hätte abgeschrieben werden können. All das, worüber wir uns heute noch aufregen, der Arm/ Reich Kontrast, der Besitz von Geld und Macht in den Händen einiger Weniger, das Sozialsystem, der Neoliberalismus, das Problem der Herkunfsgeburt und die damit verbundenen Aufstiegs/ oder Abstiegschancen ist gültiger als je zuvor. Umso trauriger ist es eigentlich zu sehen, dass es bis heute keine einzige sozialistische Theorie die Umsetzung in die Praxis geschafft hat, wo doch gerade die Theorie so eingängig, klar und humanistisch erhellend scheint. Der heutige Zustand ist eher so, dass die Linken als Kommunisten gehasst und gefürchtet zugleich sind, während man über die Auswüche des Neoliberalismus klagt wie nie zuvor. Das moderne Politik und Gesellschaftssystem befindet sich also gewissermaßen an einem Scheideweg, für den die endgültigen Würfel noch längst nicht gefallen sind. Es ist eher eine momentane Zerissenheit, die zur Stasis und Unklarheit führt und dessen Fragen nur von einem Gären aus dem Volk beantwortet werden kann (wie man sie derzeit in Fragen der Kernenergie beobachten kann). Aber sind die heutigen Schichten, die so klar benachteiligt werden, denn von Brot und Spielen soweit gesättigt, dass sich kein Ungerechtkeitsbefinden mehr in ihnen regt- und die einzigen, die klagen, aus guten, bürgerlichen Schichten kommen und letztendlich keinen persönlichen Anlass haben, außer zu dem Klagen noch einen echten Wandel hinzu zu fügen? Vielleicht hat sich die Ungerechtigkeit auch deswegen verfestigt, weil man, um sie zu erkennen, hinreichend Wissen und Kenntnis über die Zusammenhänge des Staates und der Gesellschaft erlangen muss und die man wiederum nur erlangt, wenn man hinreichend gebildet ist, was meist mit guten Aufstiegschancen verknüpft ist, die dann wiederum zu Macht und Einfluss führen- ergo der Mensch profitierend, immer träger werdend…

Mit dem Buch bekommt man einerseits einen Einblick in die damalige Zeit und erhält auf der anderen Seite ein paar historische Erklärungen, wie es dazu gekommen ist. So wird dem Leser z.B. vermittelt, dass die Germanen früher das Land teilten und unter „Gemeinbesitz“ hatten und der seltsame Brauch, das Land nach Gesetz und Ordnung mit der Macht der Schriftsetzung unter den Menschen aufzuteilen, eine Erfindung der Römer und beinahe ein Fluch für das germanische Land geworden ist: „Erst dem dämonisch wirkenden Geist der römischen Gesetzgebung mit ihrer übermässigen Betonung der persönlichen Besitz- und Eigentumsrechte gelang es, auch im alten Germanien ein Privatrecht auf den Bodenbesitz zu schauen.“

Es sind solche Details, die das Buch lesenswert machen, auch wenn ich den dahinter stehenden Denkansatz, nämlich die Überlebenstriebe (erklärt durch die damalig sehr aktuelle Theorie des Darwinimus) des Menschen mit einem sozialistischen, „Gemeinwohl“ zu vereinen, noch nicht ganz durchdringen kann. Auch hier ist die Sprache wieder kompliziert und die Sätze müssen tlw. mehrmals gelesen werden, um ganz verstanden zu werden.

Letztendlich ist es aber ein theoretischer Klassiker, der es durchweg wert ist, gelesen zu werden.

Fazit:
„In einer Versöhnung des Individualismus mit dem Kollektivismus, vulgo Sozialismus, oder in einer richtig organisierten Übereinstimmung der Interessen und Bedürfnisse des Einzelnen mit den Interessen und Bedürfnissen der Gesamtheit scheint daher das ganze soziale Problem der Zukunft zu liegen.“ (- Highlight Loc. 284-87 )

Weitere Zitate folgen…

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