Zu Spät

image_pdfimage_print

Irgendwann stirbst du und dann denkst Du dir „hätte ich das mal gemacht!“

Hätte ich mich mal mit meiner besten Freundin getroffen.
Wäre ich mal lieber mutiger gewesen! Anstatt nur ängstlich zu Hause zu sitzen.
Wäre ich mal lieber freundlicher gewesen!
Hätte ich mal lieber diese oder jene Person nicht geblockt und ignoriert.
Hätte ich mal mein Geld ausgegeben! Anstatt es geizig zu horten.

Wäre ich mal in die Stadt gefahren! Hätte ich mal diese Reise gemacht!
Ach, ich hätte kreativer sein müssen!
Wäre ich mal meinen Hobbies nachgegangen.

Wäre ich mal offener gewesen. Hätte ich mich mal so gezeigt, wie ich bin.
Hätte ich mal mehr auf Facebook gepostet.
Aber das, was ich wirklich denke. Nicht das, was ich glaube, was andere von mir denken, das ich denken soll.

Hätte ich mal geliebt. Hätte ich ihm / ihr mal gesagt, was ich wirklich fühle.
Wäre ich doch nur einmal Mensch gewesen.

Hätte ich mich mal verletztlich gezeigt.

Ich hätte soviel machen müssen und jetzt ist es zu spät.

2 Gedanken zu „Zu Spät“

  1. Der Tod ist so ein Punktum.

    Mein Onkelchen ist gerade gestorben. Aber ich bin nicht traurig. Er hat ein gutes Leben gelebt, am Ende war er siech durch Parkinson. Man konnte sich also auf seinen Tod vorbereiten. Und jetzt, wo sein Leben vorbei ist, erinnere ich mich gerne an ihn. Das ist schön.
    Es ist ganz was anderes, wenn sich der Verstorbene im Leben gequält hat. Dann ist auch die Trauer quälend (habe ich bei meinen Eltern erlebt).

    Was der Tod – oder der Gedanke an den Tod – auch deutlich macht, ist, wie sinnlos oft das Leben vertüddelt wird. Gestern erst bin ich mit einer Freundin zusammen gesessen und wir haben uns über eine dritte ausgetauscht, der es psychisch mittlerweile gar nicht gut geht, die es sich aber selbst eingebrockt hat. Und anscheinend nicht mal mehr ihre Tabletten nimmt.
    Das ist so weggeschmissene Lebenszeit, weggeschmissene Lebensqualität (neben allem anderen), das tut weh.

  2. Hallo Violine,

    da wünsche ich Dir erstmal mein Beileid wegen Deinem Onkel. Auch wenn Du nicht traurig bist, ich denke jeder Mensch, der von uns geht, ist erstmal ein Verlust.
    Wenn man sich auf den Tod vorbereiten kann, ist das gut. Man „erwartet“ das fast und es kann auch eine Erlösung sein. Das ist derzeit bei meinem Schwiegervater so, der auch schon älter ist, aber „ein gutes Leben“ gehabt hat. Am Ende ist das Leben nicht mehr so schön. Krankheiten und Probleme bestimmen dann das Alter. Es ist dann wirklich irgendwann „zu spät!“.

    „Lebenszeit wegschmeissen“ finde ich auch nicht gut. Darum ging es mir in dem Artikel. Dass man sich bewusst macht, wie endlich alles ist.
    Und wie oft man Pläne und Ziele hinten an stellt! In der Hoffnung, dass sich die Wünsche und Ziele irgendwann mal erfüllen. Von selbst vielleicht?
    Wenn es andere für mich machen? Mir scheint, der Mensch hat ein großes Problem mit seiner eigenen Autonomie. Zu erkennen, dass er wirklich autonom und selbstverantwortlich ist. Das ist manchmal schwer zu begreifen.

    Ich persönlich bin gerade in so einer „Begreifungs- und Umbruchphase“. Sie ist aufregend, anstrengend, aber auch bereichernd.

    Ich hoffe, dass es Deiner Freundin bald besser geht.

    Viele Grüße
    Julia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.