Zu leise gesprochen

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und zu laut gedacht

> Wie wenig der menschliche Körper und vor allem die Seele nach den herkömmlichen Maßstäben der Mechanik und der uns bekannten „Logik“ funktioniert… darüber denke ich gerade nach, während der Feierabend langsam durch das Fenster fällt und die Müdigkeit die Augenlider schwer werden lässt.

Die Technik denkt in „Batterie“-Maßstäben- die Batterie des Handys ist morgens aufgeladen und abends ist sie leer. Beim Mensch kann sie aber auch schon mittags leer sein oder man verliert gleich das ganze Ladegerät. Der Computer denkt in Download-Fortschritt, in schönen, übersichtlichen Fortschrittsbalken, die sich bis 100 Prozent erfüllen müssen, bis der Task abgeschlossen wurde. Fast immer kommt die Maschine dahin. Und wenn sie fertig ist, sagt sie gleichmütig „der Nächste bitte“.
Beim Menschen erreicht man manchmal die 50 Prozent nicht und was ist dann: „Der Auftrag konnte nicht ausgeführt werden“ oder gar ein „unerwarteter Ausnahmefehler“, ein Bluescreen? Anstatt brav den nächsten Auftrag anzunehmen, hält er inne und verhält sich ganz und gar nicht maschinell. Ein paar kryptische Zeichen in den Augen, ein Fragezeichen über dem Kopf… beim Computer gibt es zum Glück den Neustart, der Mensch aber muss sich ohne diesen durch den Tag schleppen.

Das Auto hat bei einer Panne noch einen Ersatzreifen im Kofferraum, beim Mensch fehlt manchmal die Luft…der Schlüssel zum Kofferraum oder gleich die passende Werkstatt.

> Noch ein letztes Aufbäumen der inneren Energie, ein letztes erfrischtes (und endlich freies, kreatives) Nachdenken auf meinem virtuellen Notizzettel, „Blog“ genannt und dann kann der ruhige Abend vollständig die Kontrolle über mich übernehmen. Dann werde ich versuchen, mich fallen zu lassen und mich nur noch am ruhigen Spiel der Seele auf dem aufgewühlten Ozean der Gefühle erfreuen. Sie einfach mal ein wenig tanzen lassen und nicht so genau fragen „Wohin“ oder „Warum“. Fragen, die den Tag über schon zu wichtig, zu ausgebreitet sind.

Die materielle Welt hat mich fest im Griff und die Konzepte des Geistes sind oft machtlos dagegen. Ich denke, Einigkeit könnte erreicht werden, wenn man beide Welten kombiniert. Wenn man das Materielle als Säule oder Fundament sieht, auf dem alles wachsen und gedeihen kann und die Welt der Gedanken und Gefühle als Aroma, aber auch sanfte Zugpferde und Richtungsweiser für die schweren Riesen des Ozeans, manchmal auch Kontintentalplatten genannt. Selbst die schwerste Materie kann man vergeistigen und bewegen, selbst die schwerste Masse ist im Kern nur „Schwingung“ und Energie. Letztendlich hängt beides miteinander zusammen und das eine ist die Manifestation des anderen.

> Die To-Do Liste ist abgehakt, die Pflichten sind erledigt, die Kämpfe des Alltags sind gefochten, die Tränen der naiven Weiblichkeit sind geflossen und schon längst wieder getrocknet, die schwermütigen Gedanken wurden zu Ende gegrübelt und die wesentlichen Steine aus dem Weg geräumt, so gut es eben geht. Aber geht es immer gut?

Derzeit ist es mir zu kalt, einfach zu kalt. Der Mensch funktioniert nicht wie eine Maschine. Die stottern zwar auch, wenn es kalt ist und springen nicht an, aber der Mensch – sprich ich- leidet noch viel mehr. Die Sonne fehlt. Permanente Antriebsschwäche gesellt sich als Begleiter in den Tag. Warten auf den Frühling, doch stattdessen unendlich langer Winter. Die Haut ist trocken und muss ständig eingecremt werden. Die Haare sind trocken und „elektrisch“ und können nur mit viel Feuchtigkeit oder speziellen Pflegeprodukten wieder beruhigt werden.

Der Computer beschwert sich nicht, wenn er ein Leiden hat. Ein Computer jammert nicht. Ein Computer bloggt nicht. Ein Computer hat überhaupt gar keine Gefühle. Das ist einfach nur eine blöde Maschine, die stets alles besser kann! Sch… Maschine!

> Alles nervt und eine gewisse Reizbarkeit hat sich breit gemacht. So geladen wie die Haare sind auch meine Worte und „Demut“ ein Konzept über dass ich zwar nachdenke, dessen Realisierung aber unwesentlich mehr Kraft erfordert… „Nimm die Gesinnung der Erde an“, ist ein buddhistisches Sprichwort, dass ich sehr gut finde. Es visualisiert eine Haltung, die im Buddhismus als erstrebenswert gilt: Auch wenn die Menschen Schmutz, Abfall und Unrat auf die Erde werfen, auf sie spucken, usw. soll man sich nicht aufregen, sondern eben die Geduld der Erde annehmen. Es einfach geschehen lassen. Genügsam und beständig bleiben. Gelassen, vielleicht ein wenig gleichgültig. Demütig. Ein schwieriges Wort.

Ein Computer gibt stets alles linear aus und erstellt übersichtliche Tabellen und Listen. Ein Mensch hingegen, so wie ich, kann alles durcheinander schreiben und dennoch seinen Spaß dran haben. Ein Mensch ist kreativ! Und die Fehler, das was der Computer stets auszumerzen versucht, sind seine Stärke!

> Fassungslosigkeit und positives Erstaunen dagegen bei den Ereignissen des politischen Alltags, vor allem wenn man nach Ägypten schaut. Traurigkeit ob einzelner, verstorbener Personen, die ich zwar nicht persönlich kannte, die mir aber doch irgendwie wichtig erscheinen. Der Tod des Filmemachers Eichinger z.B. das fand ich traurig, weil er doch einige Filme gemacht habe, die mich geprägt haben oder die ich sehr gut fand. Jedes einzelne Ereignis wäre ein eigener Eintrag wert, aber gönne und erlaube ich mir die Zeit? Der Computer berechnet die Zeit, der Mensch „verschwendet“ sie.

Wieviel Meldungen verträgt der Mensch und ab wann wird es zuviel? Könnte ich nicht einfach sagen, ein Blog-Artikel pro Woche muss reichen und die Welt solange auf mich warten? Wird sie wahrscheinlich nicht…

> Sarkastisches, bis ironisch-ungläubiges Schmunzeln wenn ich die Diskussion über die Frauenquote in den Medien und Blogs verfolge. So gerne würde ich was dazu schreiben, so schwer fällt es, still zu halten und doch schrecke ich immer mehr zurück. Was ist eigentlich, wenn man schweigt? Seinen Lautsprecher verlegt hat, das Monitorkabel nicht mehr findet?

Einfach schweigt, so lange wie man kann? Was passiert dann? Verändert sich die Welt? Wie wäre die Welt, wenn man sich nicht mehr mitteilen kann, wenn man keine Wort mehr findet, wenn man kein Ventil mehr hat oder die Stimme verliert? So wie es tausenden , wenn nicht Millionen Menschen auf der Welt geht, die unterdrückt sind oder keine Stimme mehr finden. So wie ein dummer Computer, der keine Seele hat und folglich auch nicht darüber bloggen kann.

Was ist, wenn die Stimme niemand mehr hören kann, was ist, wenn man zu leise spricht?

Ich glaube, dann sollte man sich einmal gründlich räuspern und dann anfangen zu schreien. Wenigstens einen Tag.

> Einen menschlichen Tag lang, im Leben.

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